{"id":353,"date":"2022-06-24T16:20:43","date_gmt":"2022-06-24T14:20:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/?p=353"},"modified":"2022-08-10T10:42:33","modified_gmt":"2022-08-10T08:42:33","slug":"11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/11","title":{"rendered":"Sigrid Undset"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/08\/SU.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1007\" width=\"215\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/08\/SU.png 669w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/08\/SU-238x300.png 238w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/figure><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Sigrid Undset von Ernst Alker<\/p>\n\n\n\n<p>[Auszug]<\/p>\n\n\n\n<p>Man beginnt die Lekt\u00fcre des j\u00fcngsten zweib\u00e4ndigen Romans (Olav Audunss\u00f6n i Hekstviken, Oslo 1925, Aschehoug og Co.) der ber\u00fchmten Norwegerin nicht ohne geheimes Bangen und nicht ohne die zweifelnde Frage, ob es ihr gelungen sei, ein Werk zu schaffen, das w\u00fcrdig neben der gewaltigen Prosaepop\u00f6e von \u201aKristin Lavransdatter\u2018&nbsp; &#8211; von der bekanntlich der erste Band die R\u00fctten &amp; Loening in Frankfurt a. M., durch J. Sandmeier und S. Angermann trefflich eingedeutscht, in \u00dcbersetzung erschien \u2013 bestehen k\u00f6nnte. Denn es ist eine vielbeobachtete Erscheinung, da\u00df einer Gipfelleistung oft ein Absinken in die T\u00e4ler normaler Durchschnittlichkeit folgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es erfreut, sagen zu d\u00fcrfen, da\u00df das k\u00fcnstlerische und geistige Niveau der neuen Dichtung dem vorhergehenden Meisterwerk nicht nachgibt, das freilich auch von jeher in gar keiner Weise \u00fcbertroffen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder werden wir in das norwegische dreizehnte Jahrhundert gef\u00fchrt, wieder wird \u2013 wie in beinahe allen B\u00fcchern der Undset \u2013 die Geschichte einer scherzvollen Liebe und Ehe erz\u00e4hlt. Seit den Tagen ihrer Kindheit, die sie in gemeinsamem Spiel verbrachten, sind Olav Audunss\u00f6n und Ingunn Steinfinnsdatter wie mit geheimnisvoller Macht aneinandergekettet. Schon als Kinder werden sie von ihren Eltern verlobt, als Halbw\u00fcchsige vollziehen sie in Heimlichkeit die Ehe. Aber als Ingunns Vater der Blutrache zum Opfer f\u00e4llt, wollen Verwandte die bestehende Verlobung aufheben. Olav wehrt sich mit allen Kr\u00e4ften, doch infolge eines an einem Asylort begangenen Totschlags ist er gezwungen, Ingunn zu verlassen und in die Fremde zu gehen, wo er durch hartes Kriegsleben und k\u00fchne Wikingertaten zum Manne gest\u00e4hlt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Verwandtenbedr\u00fcckung kann der Treue der vereinsamten Ingunn Steinfinnsdatter nichts anhaben, aber den Versuchungen ihres Blutes erliegt sie, als sie in den Bannkreis des abenteuerlichen Isl\u00e4nders Teit kommt. Dem heimkehrenden Olav wird das schmerzliche Erlebnis ihrer Untreue und die bittere Erkenntnis, da\u00df sie eines anderen Kind unterm Herzen trage. Doch Olav \u00fcberwindet sich und verzeiht ihr; er t\u00f6tet Teit und verheimlicht die Bluttat. Auf Heswik-Hof, seinem Vatererbe, hofft er mit Ingunn Lebensgl\u00fcck zu finden. Doch sein W\u00e4hnen fand keinen Frieden; die Vitalit\u00e4t seiner Frau ist gebrochen, ihre Kinder sind ohne Lebenskraft, und als sie ihm endlich ein gesundes M\u00e4dchen schenkt, ist ihr der Tod nicht mehr ferne. Teits Sohn, den er in einer Aufwallung der G\u00fcte als eigen annahm, scheint seinem \u00fcblen Vater nachzuarten und wird Olav eher zur Last als zur Freude. Hoffnungslos schwer gehen die Jahre, langsam wie Jahrhunderte, \u00fcberschattet durch Krankheit, Tod und Gewissensqual. In einem Augenblick der Schw\u00e4che sucht und findet er Vergessen bei einer sch\u00f6nen Magd seines Hofes und zerbricht die seiner sterbenden Frau geschworenen Treue. Und dennoch f\u00fchlen sie beide, Olav und Ingunn, als die unab\u00e4nderliche Stunde des Abschieds gekommen ist, da\u00df sie mit elementarer Macht aneinandergefesselt sind, da\u00df alle Fehltritte, Leiden und Entt\u00e4uschungen sie nicht zu trennen verm\u00f6gen, da\u00df ihre Liebe Tod und Grab \u00fcberdauern wird. Aber \u2013 bezeichnend genug \u2013 nicht mit einem verkl\u00e4renden Blick sub specie aeternitatis oder einem weihevollen de profundis klingt diese Saga aus, sondern mit den unbarmherzigen Worten, da\u00df Olav Audunss\u00f6n ganz von schlafloser Nacht eingeh\u00fcllt war.<\/p>\n\n\n\n<p>[\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p>Nur dadurch ist in diesem Werke ihr neuer, ihr katholischer Standpunkt erkennbar, der auch in \u201aKristin Lavranstochter\u2018 eigentlich nur am Schlu\u00df deutlich hervortritt: als Kristin sich ins Oslo-Kloster zur\u00fcckzieht, um dort jenen Frieden in Gott zu finden, den ihr st\u00fcrmisches Leben ihr immer verweigert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Man darf das Katholische in Sigrid Undset \u00fcberhaupt nicht an der Oberfl\u00e4che ihrer beiden Werke suchen, man mu\u00df in die letzten Tiefen der Problemstellung hinabtauchen, um es da zu entdecken. Die Norwegerin ist eine zu gro\u00dfe K\u00fcnstlerin, als da\u00df sie eine durch billige Kontraste (etwa: Priester und Laien, Gl\u00e4ubige und Abtr\u00fcnnige) gest\u00fctzte Apotheose des Katholizismus b\u00f6te, die einerseits \u2013 in einem damals konfessionell einheitlichen Land \u2013 etwas unmotiviert sein w\u00fcrde, und die anderseits \u2013 das norwegische Volk jener Zeit befand sich innerlich in einem indifferenten \u00dcbergangsstadium vom sterbenden Heidentum zum noch nicht voll erfa\u00dften Christentum \u2013 sich im wesentlichen kaum gut fundieren lassen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Katholizismus geht zur\u00fcck ihr gro\u00dfer epischer Stil, der gewi\u00df mit ihrem fr\u00fcheren Schaffen innig verbunden ist, den sie aber erst nach ihrer Konversion ausbilden konnte: mit Notwendigkeit, denn aller gro\u00dfe epische Stil setzt das Vorhandensein einer gro\u00dfen Weltanschauung voraus, die ihr fr\u00fcher \u2013 sie war Anh\u00e4ngerin der herk\u00f6mmlichen Forderungen des \u201afreien Weibes\u2018 \u2013 fehlte.<\/p>\n\n\n\n<p>[\u2026]<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#1e92bc\"><span class=\"has-inline-color has-white-color\">Hochland, <span class=\"has-inline-color has-white-color\"><\/span>Heft 7, S. 102-106, 04.1926.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dce1e3\"><strong>Kommentar:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dce1e3\">Die Schriftstellerin Sigrid Undset (1882-1949) hat die norwegische Literatur im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ma\u00dfgeblich mitgepr\u00e4gt und wird auch heute noch geehrt mit einer Abbildung auf dem 500-Kronen-Schein. Au\u00dferhalb von Norwegen wird sie aber kaum noch gelesen. 1911 hatte sie ihren literarischen Durchbruch mit dem Roman <em>Jenny<\/em>. Doch ihren gr\u00f6\u00dften Erfolg erhielt Sigrid Undset f\u00fcr ihre historische Romanreihe <em>Kristin Lavranstochter<\/em>, f\u00fcr die sie mit dem Nobelpreis f\u00fcr Literatur ausgezeichnet wurde. Darin \u00fcberzeugte sie vor allem mit ihrem detaillierten Wissen \u00fcber das mittelalterliche Norwegen. Mit der deutschen Besatzung Norwegens 1940 musste Sigrid Undset, zusammen mit ihrem einzig \u00fcberlebenden Kind, in die USA  fliehen, da sie sich in der Widerstandsbewegung gegen Hitler engagierte hatte. In Amerika wurde sie zum Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters gew\u00e4hlt. 1945 kehrte sie nach Norwegen zur\u00fcck und verstarb wenige Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons aligncenter\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/hochland\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">Artikel in dieser Zeitschrift<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons aligncenter\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/25\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&lt;<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/die-schoepferische-frau\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">Artikel im gleichen Thema<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/19\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&gt;<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sigrid Undset von Ernst Alker [Auszug] Man beginnt die Lekt\u00fcre des j\u00fcngsten zweib\u00e4ndigen Romans (Olav Audunss\u00f6n i Hekstviken, Oslo 1925, Aschehoug og Co.) der ber\u00fchmten Norwegerin nicht ohne geheimes Bangen und nicht ohne die zweifelnde Frage, ob es ihr gelungen sei, ein Werk zu schaffen, das w\u00fcrdig neben der gewaltigen Prosaepop\u00f6e von \u201aKristin Lavransdatter\u2018&nbsp; &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4946,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28,24],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4946"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=353"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1071,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353\/revisions\/1071"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}