Das Schulpraktikum in der Provinz – ein Interview mit Norman Köhne

Katharina Heider (Zentrum für Lehrerbildung)

Foto: Claudia Richter

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Norman Köhne, Student im  5. Fachsemester, Lehramt an Sekundarschulen in den Fächern Biologie und Geographie, absolvierte sein erstes Schulpraktikum an der Sekundarschule in Eilsleben, ca. 30 km westlich von Magdeburg.

Norman, warum hast Du Dein SP I in Eilsleben absolviert?
Für mich stand schon lange fest, dass ich mein Schulpraktikum nicht in Halle mache, da die Schulen hier überlaufen sind. Ich wollte Erfahrungen jenseits der Saalestadt sammeln.

Welche Erfahrungen hast du bisher in Halle gemacht?
Beide SPÜ habe ich in Halle, sowohl am Elisabethgymnasium und als auch an der Sekundarschule in Halle-Neustadt, absolviert. An beiden Schulen waren viele Praktikanten beschäftigt. Mir ist aufgefallen, dass man dort keine optimale Betreuung bekommt und dadurch keinen richtigen Einblick in das Schulleben erhält.

War es demnach eine leichte Entscheidung Halle für vier Wochen zu verlassen?
Ja.

Wo hast Du in Eilsleben gewohnt?
Die Schule war nur 15 Minuten vom Wohnort meiner Eltern entfernt, wo ich dann auch wieder wohnte.

War das auch ein Grund dafür nach Eilsleben für das SP I  zu gehen?
Ja. Hinzu kommt, dass man im Normalfall nicht weiß, wo man einen Praktikumsplatz bekommt und mit der direkten Wahl von Eilsleben konnte ich diese Unsicherheit ausschließen.

Wie würdest Du Eilsleben und die Schule, an der Du Dein SP 1 absolviert hast, beschreiben?
Eilsleben ist eine Kleinstadt mit 2000 Einwohnern in der Magdeburger Börde. Die Schüler sowie das Lehrerkollegium gehen sehr familiär miteinander um.

Könntest Du die Schule kurz beschreiben?
Die Schule hat 226 Schüler und ein kleines Kollegium mit 22 Lehrern. Sie ist vor 5 Jahren in ein neues Gebäude gezogen. Sie wurde komplett saniert und neu eingerichtet.

Das heißt, du konntest unter optimalen Bedingungen, auch im Hinblick auf die Ausstattung, arbeiten?
Ja, die technischen Voraussetzungen waren optimal, da ich unter anderem die interaktive Tafel für meinen Biounterricht nutzen konnte. Alle anderen Räume waren mit Beamern, Fernsehern und Overheadprojektoren ausgestattet.

Noch mal zurück zur Schule – an welchem Schultyp hast Du unterrichtet?
An einer Sekundarschule, an der sowohl Haupt- als auch Sekundarschüler gemeinsam unterrichtet werden. Und das wird hier auch tatsächlich gelebt. Die Lehrer versuchen im Unterricht alle Schüler gleichermaßen einzubeziehen und jedem die Möglichkeit offen zu halten, kompetenzorientiert den Unterricht durchzuführen. Zum Beispiel werden Kompetenzhefte für alle Klassen eingeführt, in dem jeder Schüler seinen Lernfortschritt nachvollziehen kann.

Wie wurdest Du am ersten Tag empfangen? Wie war dein erster Arbeitstag?
Am ersten Tag war ich natürlich sehr nervös. Zunächst wurde ich in einem sehr, sehr hektischen Durcheinander von der Direktorin begrüßt. Sie verwies mich aber sofort an meine Mentoren, da sie zu beschäftigt war.
In der ersten Stunde hat mir der Schulsozialarbeiter die Schule gezeigt, danach wurde ich ins Lehrerzimmer gebracht und habe mich mit dem Kollegium und meinen Mentoren unterhalten und versucht ihnen mein Schulpraktikum und mein Aufgabenfeld zu erläutern. Das Lehrerkollegium empfing mich sehr freundlich und meine Mentoren nahmen sich genügend Zeit mir meine Klassen für die Hospitation zuzuweisen. Dadurch konnte ich mich thematisch auf die nächsten Wochen einstellen.

Wurde schon zu diesem frühen Zeitpunkt das Praktikum in Hospitieren und Unterrichten gegliedert, sodass Du genau wusstest, was dich wann in diesen vier Wochen erwartet?
Ja. Es war wichtig, dass ich in den Klassen hospitiere, in denen ich ab der zweiten Woche unterrichte, damit ich einen Einblick bekomme. Dabei bekam ich einen guten Eindruck von den Klassen, in denen ich dann drei Wochen lang unterrichten würde.

Welche Klassenstufen hast Du unterrichtet?
Im Fach Biologie musste ich in einer 6. und einer 8. Klasse zusammen 10 Stunden unterrichten. Dabei fielen auf die 6. Klasse eine Unterrichtssequenz von 6 Stunden und auf die 8. Klasse vier Stunden. Die Umsetzung fiel mir leicht, da es sich um Blockunterricht handelte und ich 90 Minuten am Stück unterrichten konnte.
Im Fach Geographie bekam ich eine 7. und eine 9. Klasse, mit denen ich wiederum vier beziehungsweise 6 Stunden Blockunterricht absolvierte.

War es anstrengend 90 statt 45 Minuten zu unterrichten?
Nein, im Gegenteil, ich habe es als viel angenehmer empfunden. Da wir grundsätzlich Sequenzen planen sollen, kann vermieden werden jeweils 45 Minuten einzeln zu planen. Mit den 90 Minutenblöcken wird zudem sichergestellt, dass die Schüler ein Themengebiet besser bearbeiten können und viel mehr Zeit für die Schüleraktivitäten und die verschiedenen Sozialformen bleibt.

Beutete es für Dich auch eine effektivere und weniger zeitintensive Vorbereitung?
Ja, auf jeden Fall, da man viel längere Arbeitsphasen durchführen kann und nicht darauf angewiesen ist, sowohl Motivations- als auch Bearbeitungs- und Festigungsphasen durchzuführen.

Warst Du frei in der Wahl der Methoden während des Unterrichts?
Ja, ich war sehr fei. Meine Mentoren haben mit zwar Tipps und Hilfestellungen gegeben und mir viele Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung offen gehalten, aber die Durchführung des Unterrichts war allein meine Entscheidung.

Wie hast Du die Schüler wahrgenommen? Gibt es einen Unterschied zwischen Stadt und Land?
Die Schüler in Eilsleben waren sehr freundlich und offen für meinen Unterricht. Entgegen einiger Berichte waren die Klassen sehr diszipliniert und konnten mit verschiedensten Methoden immer wieder motiviert werden. Auch direkt nach dem Praktikum gaben mir die Schüler ein sehr gutes Feedback. Die Schüler waren sehr dankbar für den abwechslungsreichen Unterricht.

Worin siehst Du den Unterschied zu den halleschen Sekundarschülern, die Du während Deiner SPÜ kennengelernt hast? Gibt es diesen überhaupt?
In Halle musste ich mich ganz anderen Voraussetzungen, wie z.B. vielen Schülern mit Migrationshintergrund und vielen sozial schwachen Schüler stellen, die zwar durchaus eine interessante Herausforderung darstellten, jedoch im Vergleich zur Schule in Eilsleben schwieriger zu bewältigen waren. In Eilsleben waren die Schüler größtenteils motiviert und am Unterricht interessiert. Dadurch fiel mir das Unterrichten wesentlich leichter, da ich auch die Schüler aktiv arbeiten lassen konnte und sie mit Methodenvielfalt für den Unterricht gewinnen konnte.

Wie war das Verhältnis zu Deinen Mentoren?
Die Mentoren haben sich sehr viel Zeit für mich genommen. Und mir nicht nur auf schulischer sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene viele Tipps gegeben. Dadurch war die Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsstunden sehr lehrreich und ich konnte viele Ratschläge umsetzen.

Wurde der Unterricht immer im Anschluss ausgewertet?
Ja, nach jeder Stunde bekam ich zumindest ein kurzes Feedback. Spätestens zwei Tage später, wenn der Lehrer eine Freistunde hatte, haben wir meinen Unterricht dann ausführlich analysiert.

Was konnten Dir Deine Mentoren im Rahmen dieser Gespräche mitgeben, dass Dir im Schulalltag hilfreich ist?
Die Auswertung hat mir viele wichtige Hinweise zur Umsetzung gegeben, da wir in der Uni vor allem theoretisch auf den Unterricht vorbereitet werden, jedoch die praktische Umsetzung fehlt. Dieses Feedback hat mir über die Unterrichtsstunde hinaus weitergeholfen, da ich mich anhand dessen auch persönlich weiterentwickeln konnte.

Was hältst Du in Bezug auf das Mentor-Studenten-Verhältnis für besonders wichtig?
Der Mentor sollte mit Hilfe zur Seite stehen, den Studierenden aber sonst viel Freiraum für den eigenen Unterricht lassen. Er sollte den Studierenden durchaus kritisch beobachten und beurteilen, dabei aber die positiven Ansätzen herausstellen. Zwischenmenschlich ist vor allem der Freiraum für individuelle Entfaltungsmöglichkeiten und ein gegenseitiges Tolerieren der Persönlichkeit wichtig.

Warst Du während des SP I auch mit außerunterrichtlichen Aufgaben betraut?
Ja, ich habe abseits des Unterrichts Hofaufsichten übernommen und an einigen Nachmittagen nach dem Unterricht an Klassenkonferenzen teilgenommen, bei denen ich einen guten Einblick in die außerunterrichtliche Arbeit eines Lehrers gewinnen konnte. Allein dadurch habe ich noch mehr Lust darauf als Lehrer zu arbeiten, da es vielseitige Aufgaben Tag täglich zu bewältigen gibt.

Norman, würdest Du ein Praktikum fern von Halle / in der Provinz Sachsen-Anhalts empfehlen?
Auf jeden Fall!!

Vielen Dank für das Interview!

1 thought on “Das Schulpraktikum in der Provinz – ein Interview mit Norman Köhne

  1. Also ich habe mein SP II an dieser Schule absolviert (Geschichte/Biologie) und kann die Eilslebener Sekundarschule nur weiterempfehlen.

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