{"id":165,"date":"2023-07-24T13:54:03","date_gmt":"2023-07-24T11:54:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/?p=165"},"modified":"2023-12-19T16:42:45","modified_gmt":"2023-12-19T15:42:45","slug":"der-koenig-david-bericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/2023\/07\/der-koenig-david-bericht\/","title":{"rendered":"Die alleinige Wahrheit &#8211; Carola Wellmann"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><em>Carola Wellmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><strong>Die Alleinige Wahrheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Ausf\u00fchrungen zu Stefan Heyms<\/em> K\u00f6nig David Bericht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><em>Einleitung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWorte k\u00f6nnen die Welt ver\u00e4ndern\u201c, besagt ein Sprichwort. Es gilt sie weise zu w\u00e4hlen, denn sie besitzen und verleihen zugleich Macht. Dass bei politischen Reden oder im Wahlkampf alle rhetorischen Reserven beansprucht werden, um den eigenen Adressatenkreis mitzurei\u00dfen, ist daher keine Au\u00dfergew\u00f6hnlichkeit, denn Worte und Politik liegen nah beieinander. Selbstverst\u00e4ndlich trifft dies auch auf Literatur und Sprache zu. Dass literarische Werke von politischer Seite auf verschiedenen Wegen vereinnahmt werden k\u00f6nnen, zeigte sich unter anderen in der DDR. \u00c4hnliches geschieht auch im Roman <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em> von Stefan Heym aus dem Jahr 1972. \u00dcber diesen Roman sagte der Autor in einem Interview mit der Fotografin Herlinde Koelbl, dass Romane, wie <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em> \u201enur j\u00fcdische Schriftsteller geschrieben haben [k\u00f6nnen], die den Geist eines Menschen, wie David oder Ahasver oder auch Jesus aus der Geschichte der Juden begreifen k\u00f6nnen.\u201c<a href=\"#_edn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bisherigen Forschungslekt\u00fcren zufolge bietet der Roman eine dezidierte Kritik am Stalinismus und an den zeitgen\u00f6ssischen politischen Zust\u00e4nden in der DDR. Doch ber\u00fccksichtigt man Heyms Stellungnahme \u2013 \u00fcber die Religiosit\u00e4t des Autors \u2013, w\u00fcrde diese vor dem Hintergrund der Forschungspositionen darauf abzielen, dass der j\u00fcdische Glaube dazu pr\u00e4destiniert, einen systemkritischen Roman zu verfassen. Jedoch gab es viele Kritiker der DDR, die nicht j\u00fcdisch waren, wie beispielsweise Robert Havemann. Daher kann den nachfolgenden Ausf\u00fchrungen die These vorangestellt werden, dass der Roman nicht nur das kommunistische und diktatorische System der DDR kritisiert, sondern auch den Facettenreichtum des Judentums abbildet. Nur die Beachtung beider Aspekte erm\u00f6glicht eine Deutung des Romans in G\u00e4nze.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine intensive Auseinandersetzung mit dem <em>K\u00f6nig David Bericht,<\/em> welche unter anderem recht zentral f\u00fcr den vorliegenden Aufsatz ist, bietet Christiane Bohnert. Sie untersucht die Sprache, sowie die intertextuellen Bez\u00fcge zur hebr\u00e4ischen Bibel und l\u00e4sst dabei die Romanrezeption nicht aus dem Blick.<a href=\"#_edn2\">[2]<\/a> Die Journalistin Pia Eckstein n\u00e4hert sich dem Roman mithilfe einer strukturellen Analyse. In ihrer Dissertation beobachtet auch sie, dass es zwischen dem Roman Heyms und der hebr\u00e4ischen Bibel ein signifikantes intertextuelles Wechselspiel gibt.<a href=\"#_edn3\">[3]<\/a> Aus einer theologischen Perspektive blickt der Literaturwissenschaftler und Religionshistoriker Alfred Bodenheimer auf den Roman und verkn\u00fcpft ihn, jedoch weniger intensiv, mit den Figuren und Geschichten, die im Roman und der hebr\u00e4ischen Bibel auftreten.<a href=\"#_edn4\">[4]<\/a> Um einen tiefgr\u00fcndigen Eindruck von der j\u00fcdischen Religion zu gewinnen, ist die Lekt\u00fcre der Abhandlung <em>Basiswissen Judentum<\/em> von Andreas Nachama et. al. praktisch unverzichtbar. So sind deren Ausf\u00fchrungen, auch f\u00fcr die Ausarbeitung des vierten Kapitels dieses Aufsatzes, grundlegend gewesen. Mit der allgemeinen Situation von j\u00fcdischen Autorinnen und Autoren in der DDR setzt sich die polnische Literaturwissenschaftlerin Ma\u0142gorzata Dubrowska auseinander. Sie untermauert ihre Ausf\u00fchrungen mit Beispielen, die sich unter anderem auch auf die Biographie Stefan Heyms beziehen.<a href=\"#_edn5\">[5]<\/a> \u00c4hnlich legt auch Peter Honigmann den Fokus st\u00e4rker auf das Leben von J\u00fcdinnen und Juden in der DDR und den allgemeinen politischen Zust\u00e4nden.<a href=\"#_edn6\">[6]<\/a> Einen noch deutlich konkreteren Blick auf die literaturhistorischen Hintergr\u00fcnde bietet Wolfgang Emmerichs <em>Kleine Literaturgeschichte der DDR<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur genaueren Beantwortung der eingangs entwickelten Problematik soll folgenderma\u00dfen vorgegangen werden. Zun\u00e4chst wird Stefan Heyms Roman erz\u00e4hltheoretisch analysiert. Um einen knappen \u00dcberblick \u00fcber die Handlung zu geben, wird die Analyse mit einer kurzen Inhaltsangabe eingef\u00fchrt. Weiterhin soll dabei auf die verwendete Sprache eingegangen werden, da es in dem Aufsatz, wie auch im Roman um die Wirkung und den gezielten Einsatz von Sprache geht. Zugleich r\u00fcckt insbesondere die Frage nach der Glaubw\u00fcrdigkeit einzelner Personen und Instanzen in den Fokus. Das anschlie\u00dfende Kapitel soll einen \u00dcberblick \u00fcber den (literatur-)geschichtlichen Hintergrund des Romans und die von Heym inszenierte Systemkritik bieten, um sich Heyms Position zum \u00f6stlichen Teil des einst geteilten Deutschlands zu vergegenw\u00e4rtigen. Dabei soll aufgezeigt werden, wie nah die Parallelen zwischen Roman und historischer Wirklichkeit beieinander liegen. Dies geschieht jedoch nur in einem knappen und konzentrierten Umfang, da bereits in anderer Literatur ausreichend dar\u00fcber Auskunft gegeben wird. Anschlie\u00dfend gilt es herauszuarbeiten, wie Stefan Heym das Judentum im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> darstellt, um in einem abschlie\u00dfenden Fazit die Frage aufzugreifen, inwiefern Heyms Roman einen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte leisten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Der K\u00f6nig-David-Bericht<em> von Stefan Heym \u2013 Eine erz\u00e4hltheoretische Analyse<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Geschehen in dem Roman <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em> aus dem Jahr 1972 von Stefan Heym wird aus der Perspektive des autodiegetischen Erz\u00e4hlers \u201eEthan, der Sohn des Hoshaja, aus der Stadt Esrah\u201c<a href=\"#_edn7\">[7]<\/a> dargestellt. Bereits in diesem ersten Satz wird dem Leser augenblicklich \u201eeine vollst\u00e4ndige personale Existenz im Stile der damaligen Zeit [\u2026] geliefert\u201c.<a href=\"#_edn8\">[8]<\/a> Man erf\u00e4hrt Name, Abstammung und Herkunft des Erz\u00e4hlers, dessen Aufgabe es ist, als Historiker und Redaktor an der Abfassung <em>\u201edes Einen und Einzigen Wahren und Autoritativen, Historisch Genauen und Amtlich Anerkannten Berichts \u00fcber den Erstaunlichen Aufstieg, das Gottesf\u00fcrchtige Leben, sowie die Heroischen Taten und Wunderbaren Leistungen des David ben Jesse, K\u00f6nigs von Juda w\u00e4hrend Sieben und beider Juda und Israel w\u00e4hrend Dreiunddrei\u00dfig Jahren, des Erw\u00e4hlten GOttes und Vaters von K\u00f6nig Salomo\u201c <\/em>(H 10) mitzuwirken. Bohnert f\u00fchrt an, dass Ethan des Weiteren ein \u201eUntertan K\u00f6nig Salomos und Kommentator [des Geschehens] im Sinne\u201c des Autors sei.<a href=\"#_edn9\">[9]<\/a> Die Hauptfigur, Ethan aus Esrah, zieht mit seiner gesamten Familie, dazu geh\u00f6ren seine drei Frauen Hulda, Esther und Lilith, sowie seine S\u00f6hne Shem und Sheleph und einige Knechte, nach Jerusalem. Dort erh\u00e4lt Ethan von K\u00f6nig Salomo den Auftrag, einen Bericht \u00fcber dessen Vater K\u00f6nig David zu schreiben, welcher lediglich die glanzvollen Seiten des von Gott Auserw\u00e4hlten zusammenfassen soll. Ethan wird daf\u00fcr Teil einer Kommission, die aus dem staatstreuen Funktion\u00e4r und Gebieter \u00fcber das Heer Benaja ben Jehoda, dem Priester Zadok, dem Propheten Nathan, den k\u00f6niglichen Schreibern Eliphoreh und Ahija, sowie dem Kanzler Josaphat ben Ahilud besteht. K\u00f6nig Salomos Anliegen ist es, durch den K\u00f6nig-David-Bericht seinen eigenen Herrschaftsanspruch zu legitimieren. Daher sollen alle negativen Details \u00fcber seinen Vater \u2013 K\u00f6nig David \u2013 in dem Bericht verschwiegen werden. Ethan beginnt seine Recherchen, befragt Zeitzeugen und sucht Archive auf. Als er aber von den Verbrechen K\u00f6nig Davids erf\u00e4hrt, zieht er die Missgunst der k\u00f6niglichen Kommission auf sich. Er wird verbannt und soll auf Urteil des K\u00f6nigs hin totgeschwiegen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ethan erz\u00e4hlt seine Perspektive auf das Geschehen und inwiefern er daran beteiligt war. Doch als handelnde Figur des Romans ist diese Perspektive, sowie das Wissen Ethans eingeschr\u00e4nkt. Eckstein stellt heraus, dass Ethan, trotz seines nicht-auktorialen Erz\u00e4hlstils, beabsichtige m\u00f6glichst viele \u201eInformationen zu vermitteln und zu bewahren\u201c.<a href=\"#_edn10\">[10]<\/a> Indem Ethan durch Zeugenaussagen und Archivmaterial in Erfahrung bringen kann, was andere erlebt oder gesagt haben, ist er in der Lage den Leserinnen und Lesern eine F\u00fclle an Informationen mitzuteilen, trotz seiner eigentlich eingeschr\u00e4nkten Perspektive (H 28). Eckstein spricht diesbez\u00fcglich von \u201eerz\u00e4hlenden Medien\u201c, die Ethan durch diverse Methoden der Nachforschung bearbeite und somit eine Perspektivenvielfalt suggeriere, die einem autodiegetische Erz\u00e4hler sonst verwehrt bliebe.<a href=\"#_edn11\">[11]<\/a> Ethan kommentiert seine Quellen, sch\u00e4tzt sie ein und beurteilt schlie\u00dflich deren Glaubw\u00fcrdigkeit. Dabei r\u00e4umt er jedoch selbst ein, dass es ihm nicht obliege zu werten, sondern lediglich als \u201eDiener im Hause des Wissens\u201c Informationen zu sammeln und zu ordnen.<a href=\"#_edn12\">[12]<\/a> Doch trotz seiner angeblichen Neutralit\u00e4t geraten einige Figuren in das Licht dubioser Machenschaften, da Ethan als Erz\u00e4hler nicht allwissend ist und dies aufgrund seiner eingeschr\u00e4nkten Perspektive auch nicht sein kann. Ethan aber versucht durch die vielf\u00e4ltige Wiedergabe von diversen Medien den Status der Allwissenheit zu erreichen, indem er bestimmte Dokumente, die original erscheinen, einf\u00fcgt und der Leserschaft so die scheinbar g\u00e4nzliche Wahrheit pr\u00e4sentiert und suggeriert, diese verl\u00e4sslich bieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eckstein hat sich in ihren Ausf\u00fchrungen zum <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> insbesondere mit dem strukturellen Aufbau des Romans besch\u00e4ftigt. Dabei konstatiert sie, dass im Roman zwei Erz\u00e4hlungen \u201ein zwei Erz\u00e4hlformen [parallelisiert worden seien]\u201c, welche letztlich aber in Ethan als \u201eoberste Erz\u00e4hlinstanz\u201c wiedervereinigt werden.<a href=\"#_edn13\">[13]<\/a> Damit meint Eckstein einerseits jene \u00c4u\u00dferungen der befragten Zeitzeugen und die Schilderung derer Erlebnisse und Erinnerungen, die K\u00f6nig David in den Mittelpunkt stellen, w\u00e4hrend in eine heterodiegetische Erz\u00e4hlhaltung gewechselt wird. Dazu treten die sonstigen Phasen des Erz\u00e4hlers Ethans, die sich haupts\u00e4chlich im Roman wiederfinden lassen.<a href=\"#_edn14\">[14]<\/a> \u201eDer auktoriale, reflektierende Kommentar des Ich-Erz\u00e4hlers Ethan setzt sich deutlich von der durch ihn als Er-Erz\u00e4hler neutral vermittelten Geschichte ab\u201c.<a href=\"#_edn15\">[15]<\/a> Die Schwierigkeit Erz\u00e4hler und Perspektiven zu ordnen bezeichnet Eckstein als \u201eerz\u00e4hlerisches Tohowabohu\u201c<a href=\"#_edn16\">[16]<\/a>, welches sich dadurch ergebe, dass es scheinbar keine Orientierung bietende Gr\u00f6\u00dfe gebe, da die allwissende Instanz nicht besetzt sei und Ethans ausbleibenden Urteile diese Unklarheit unterst\u00fctzen.<a href=\"#_edn17\">[17]<\/a> Ethan allein kann, wie bereits ausgef\u00fchrt, ohne seine Recherchen keine derartige F\u00fclle an Informationen darbieten. Seine Glaubw\u00fcrdigkeit erh\u00e4lt er nur dadurch, dass er die L\u00fccken seiner Erz\u00e4hlung mit Informationen anderer Figuren f\u00fcllt. Weiterhin bestehende L\u00fccken erm\u00f6glichen der Leserschaft Interpretationen des erz\u00e4hlten Geschehens. Dabei orientiert man sich als Leser oder Leserin schnell an Ethan, der als Identifikationsfigur erscheint und dessen Werte man teilt.<a href=\"#_edn18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df Bohnert habe Heym auch Figuren, wie Benaja ben Hoshaja, \u201eGro\u00dfinquisito[r] [oder] Geheimdienstchef\u201c<a href=\"#_edn19\">[19]<\/a>, kreiert, die durch eigene Erz\u00e4hlungen ebenso derartige L\u00fccken der Erz\u00e4hlung schlie\u00dfen wollen, um die eigene Glaubw\u00fcrdigkeit und Objektivit\u00e4t zu st\u00e4rken.<a href=\"#_edn20\">[20]<\/a> Jegliche Informationen, die die Kommission als falsch einsch\u00e4tzen w\u00fcrde, halte man als Leser:in automatisch f\u00fcr wahrheitsgem\u00e4\u00df. Denn Ethan als Identifikationsfigur ist f\u00fcr die Leser glaubw\u00fcrdiger als die Kommission, die vor allem aus Antagonisten besteht. Selbst wenn Ethan, als Erz\u00e4hler des Geschehens, \u00fcber kein vollumf\u00e4ngliches Wissen verf\u00fcgen kann, ist er bem\u00fcht, gegen\u00fcber seinen Adressaten gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Glaubw\u00fcrdigkeit zu bewahren. Die Frage nach der Glaubw\u00fcrdigkeit der Erz\u00e4hlinstanz wird so ausf\u00fchrlich verhandelt, um zu verdeutlichen, dass die Problematik der Glaubw\u00fcrdigkeit nicht nur auf der inhaltlichen Ebene des Romans ein zentrales Element ist, sondern auch auf der narratologischen Ebene verhandelt wird. Das Motiv der Wahrheitsfindung ist f\u00fcr den Roman konstituierend (inhaltlich, wie narratologisch) und bei der Deutung des Romans nicht zu vernachl\u00e4ssigen. Daher sollte man sich bewusst machen, dass die Perspektive der Leser:innenschaft nicht unbeeinflusst zustande kommt. Denn Ethan lenkt die Interpretation der Leser:innen, indem er etwaige L\u00fccken durch Dokumente schlie\u00dft, die seine Ausf\u00fchrungen und Einsch\u00e4tzungen des Geschehens unterst\u00fctzen. Er bietet seiner Leser:innenschaft scheinbar die M\u00f6glichkeit sich eine fundierte und eigene unabh\u00e4ngige Meinung zu bilden, die aber teilweise in seinem Sinne beeinflusst wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als die Kommission, bietet Ethan sowohl die guten als auch die schlechten Details, die \u00fcber David in Erfahrung gebracht werden konnten, und stellt diese zusammen. Was wiederum Ethans Objektivit\u00e4t und Neutralit\u00e4t betonen soll. Im Gegensatz zu der Kommission, die den Bericht ausarbeitet, verheimlicht Ethan also nicht, dass David diverse Verbrechen beging. Dies wird insbesondere durch die ausgew\u00e4hlten Quellen verdeutlicht, die den Lesenden von Ethan vorgelegt werden. Der Erz\u00e4hler bietet den Lesenden sozusagen eine subjektiv eingef\u00e4rbte Objektivit\u00e4t. Die Glaubw\u00fcrdigkeit des Erz\u00e4hlers ergibt sich jedoch nicht nur durch die die Diversit\u00e4t an Quellen, die Ethan in ihrem originalen Zustand zusammenstellt, sondern auch durch seine Referenz auf die Bibel. Versteht man die Bibel als g\u00f6ttliches Wort, so erh\u00e4lt jede Argumentation, die Ethan durch biblische Zitate st\u00fctzt, eine st\u00e4rkere Legitimation. Zugleich ergibt sich diese vermutlich aber auch durch die Schriftlichkeit der Bibel, die im Vergleich zu den m\u00fcndlich \u00fcberlieferten Legenden eine h\u00f6here Autorit\u00e4t f\u00fcr die Menschen im Roman besitzt.<a href=\"#_edn21\">[21]<\/a> Wolfgang Emmerich zufolge, der davon ausgeht, dass die von Heym behandelten Figuren aus \u201eder Vergangenheit zu Chiffren aktueller Erfahrungen [und] die Texte zu politischen Parabeln\u201c gemacht worden seien, gilt es diese wohl am ehesten durch die analytische Untersuchung der Sprache zu entschl\u00fcsseln.<a href=\"#_edn22\">[22]<\/a> Der Bezug zur hebr\u00e4ischen Bibel l\u00e4sst sich auch auf sprachlicher Ebene erkennen. Ethans sprachlicher Duktus erinnert sehr an einen biblischen Ton.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch wird die h\u00e4ufig \u201ebiblisch anmutende Sprache [\u2026] gekreuzt mit kommunistischem Jargon und Worten wie, Verleumdung, W\u00fchlarbeit [und] literarischer Hochverrat\u201c.<a href=\"#_edn23\">[23]<\/a> Emmerichs Einsch\u00e4tzung des Romanes als politische Parabel erscheint dadurch \u00fcberzeugend. Der relativ eindeutige Bezug des Romans auf die Zust\u00e4nde in der DDR erlaubt aber auch eine satirische Deutung des Textes. Bohnert f\u00fchrt diesbez\u00fcglich an, dass die satirische Wirkung des Textes durch die Vermischung zeitlicher und gesellschaftlicher Ebenen entstehe.<a href=\"#_edn24\">[24]<\/a> Diese Deutung l\u00e4sst Bohnert ohne weitere Ausf\u00fchrungen stehen. Es ist aber zu vermuten, dass sie ebenfalls auf die Parallelen zwischen der fiktiven Gegenwart im Roman und der historischen Wirklichkeit in der DDR hinweist. Satire zeichnet sich unter anderem auch durch \u00dcbertreibung aus. Allein die Bezeichnung des K\u00f6nig David Berichts im Roman ist mit Adjektiven, die \u00dcbertreibung zum Ausdruck bringen, gespickt. Um festzuhalten, dass der in Entstehung begriffene Bericht absolute Autorit\u00e4t genie\u00dft, ist sein Titel eine einzige Hyperbel. Er sei historisch genau, amtlich anerkannt, autorit\u00e4r und schlicht der einzig wahre Bericht \u00fcber K\u00f6nig David (H 10). Somit soll jeglichen Zweifeln an diesem Bericht die Grundlage entzogen werden. Liest man diesen Roman heutzutage, so lie\u00dfe sich der Titel aber auch als ein Pl\u00e4doyer Heyms f\u00fcr Multiperspektivit\u00e4t lesen. Unter der Herrschaft Salomos gibt es hingegen nur eine alleinige Wahrheit, eben jene, die die Machthaber im Roman akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf sprachlicher Ebene ist besonders relevant, welche Medien Ethan dem Leser pr\u00e4sentiert und wie er sie wiedergibt. Dabei bedient er sich Formen, wie dem Gedankenstrom oder auch in Ans\u00e4tzen der Protokollliteratur.<a href=\"#_edn25\">[25]<\/a> Ebenso gilt es auch an dieser Stelle wieder die eingepflegte Zitation der Bibel anzuf\u00fchren. Bohnert spricht von einem \u201eKreislauf der Texte\u201c.<a href=\"#_edn26\">[26]<\/a> Die Bibel gilt dabei als Instanz, die nicht manipuliert werden k\u00f6nne.<a href=\"#_edn27\">[27]<\/a> Durch die Tatsache, dass im Roman ein Ausschuss im staatlichen Auftrag Geschichten, Erz\u00e4hlungen, Informationen manipuliert werden, die wiederum dem gegenw\u00e4rtigen Publikum aus der Bibel bekannt sind und als unumst\u00f6\u00dflich gelten, wird das Vergehen der Kommission einerseits plakativ ausgestellt, wodurch andererseits die den Roman durchsetzende Spannung und Dynamik erzeugt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bezug Heyms in seinem Roman auf die hebr\u00e4ische Bibel best\u00e4rkt die Autorit\u00e4t Ethans nicht nur in der Glaubw\u00fcrdigkeit, sondern offenbart dem Autor zugleich ein Reservoir an Orten, Namen und Vokabular, was f\u00fcr die Erz\u00e4hlung bedeutend ist. Heym \u00fcbernimmt zum einen geografische Orte, die f\u00fcr die Handlung relevant und zur Orientierung der Leser:innen von N\u00f6ten sind. So gibt es zum einen Ethans Heimatort Esrah. Dort findet zwar keine Handlungssequenz im Roman statt, doch wird er oft im Zusammenhang mit Ethans Pers\u00f6nlichkeit erw\u00e4hnt. Bei Tr\u00e4umereien im Garten ihres neuen Hauses erinnern sich Ethan, Lilith und Esther gern an die Heimatstadt, als den friedvollen Ort, an dem sie unbeschwert lebten, zur\u00fcck. Dort, wo sie gem\u00fctliche Abende im Garten ausklingen lassen konnten, unter einem Baum, den sie in ihrem neuen zuhause nur zu sehr vermissen (H 13). Somit lernt die Leser:innenschaft Esrah als das Wohlf\u00fchlzentrum der Familie Ethans kennen, an den sich die Familie zur\u00fccksehnt und an den sie nach Ethans Verurteilung auch wieder zur\u00fcckkehren (H 211). Auch ohne gr\u00f6\u00dfere Pr\u00e4senz des Ortes wird Esrah zum positiven Gegenst\u00fcck zu Jerusholayim (hebr.: Jerusalem). Von Beginn der Erz\u00e4hlung an wird den Lesenden deutlich gemacht, dass sich Ethan nicht in der Stadt Davids wohlf\u00fchlt. Die Kreise, in die Ethan eintaucht, die Atmosph\u00e4re und wohl am meisten die von ihm zu erf\u00fcllende Aufgabe, die Verfassung des K\u00f6nig-David-Berichtes, geben ihm ein Gef\u00fchl des Unbehagens. Zu diesem geographischen Handlungsort kommt auch der symbolische Raum des Palastes von K\u00f6nig Salomo. Der Ort, an dem die Handlung beginnt. Der Ort, an dem Ethan seine Aufgabe erh\u00e4lt und an dem er seiner Aufgabe entledigt wird. Es ist der Ort, an dem K\u00f6nig Salomos Macht omnipr\u00e4sent ist. Dort tagt die Kommission, die neben Ethan zur Abfassung des Berichtes angestellt wurde, und dort ist Ethan jedes Mal gezwungen, seinem Ethos als Historiker, der ihn zur Wahrheit verpflichtet, den R\u00fccken zuzukehren und sich bedingungslos dem Willen des K\u00f6nigs zu beugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Palast wird zu einem Ort der Macht und der Einsch\u00fcchterung. So erkl\u00e4rt sich auch Ethans Erleichterung, die er stets versp\u00fcrt, wenn er die Stadt verlassen kann. So zum Beispiel, als sich Ethan nach En-dor aufmacht, um dort mit einer Hexe zu sprechen, die ihm Informationen \u00fcber K\u00f6nig David geben soll. \u00dcbergang zwischen der Stadt Jerusalem und dem umliegenden Land ist das Stadttor, mit der stationierten Stadtwache, die Ethan immerfort mit geh\u00e4ssigen und bei\u00dfenden Kommentaren gegen\u00fcbertritt und ihn zumeist l\u00e4cherlich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Handlungsorte, die zugleich symbolische St\u00e4tten sind, stellen die Archive, in denen Ethan arbeitet, dar. Sie sind die Anlaufstelle, an denen Ethan nicht nur Wissen, sondern auch Wahrheit finden will und dies auch tut. Dies erm\u00f6glicht ihm die Vergangenheit nachzuzeichnen und seine Recherchen voranzutreiben. Die Ergebnisse erhalten ihre Autorit\u00e4t dadurch, dass Ethan als Historiker mit Archivmaterial umzugehen wei\u00df und seine Funde als maximal authentisch einsch\u00e4tzt. Die Archive k\u00f6nnten wie ein Reich gedeutet werden, in dem Ethan als Historiker versiert und herrschend ist. Die Handlung im Roman von Stefan Heym wird an keiner Stelle zeitlich fixiert. Anhaltspunkte sind aber Personen und Ereignisse, die im Roman genannt werden. Da Stefan Heym die Geschichte des <em>K\u00f6nig David Berichtes <\/em>mit einzelnen Bibeltexten verkn\u00fcpft, in denen die gleichen Personen relevant sind, l\u00e4sst sich daraus die Zeit erschlie\u00dfen, in der sich die Handlung des Romans vollzieht. Die Herrschaft K\u00f6nig Salomos wird auf die Zeit zwischen 1400 und 1200 vor Christus datiert. Prinzipiell wird das Geschehen chronologisch erz\u00e4hlt. Allerdings wird die \u201agegenw\u00e4rtige\u2018 Haupthandlung immer wieder durch R\u00fcckblenden unterbrochen, wodurch sich zwei Zeitebenen ergeben. Die R\u00fcckblenden werden stets durch Ethan evoziert. Sie kommen dadurch zustande, dass er mit Leuten spricht, die ihm ihre Erinnerungen \u00fcber David schildern. Dies geschieht aber auch durch besagtes Archivmaterial, welches durch Vorlesen zum Leben erweckt wird und vergangene Zeiten rekapituliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><em>Kritik am System<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Opitz und Michael Hofmann konstatieren, dass es in der DDR einen Mangel an dort lebenden Autoren gab, \u201edie die Entwicklung des Landes kritisch begleiteten\u201c.<a href=\"#_edn28\">[28]<\/a> Diese Feststellung ist vor dem Hintergrund, dass in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone Zensur und \u00dcberwachung von Autorinnen und Autoren durch die Staatssicherheit zum Berufsalltag geh\u00f6rten, recht trivial. Das aber durchaus spezifische Verh\u00e4ltnis von Literatur und Politik, zeichnete sich dadurch aus, dass Literatur nur dann erscheinen konnte, wenn sie nicht im Widerspruch zur offiziellen Staatslehre stand.<a href=\"#_edn29\">[29]<\/a> Trotz der beschnittenen Literatur erhofften sich die Menschen, durch ihre Lekt\u00fcren eine neue \u00d6ffentlichkeit geboten zu bekommen, die ihnen Informationen liefert, die sie \u00fcber Radio, Zeitung oder Fernsehen nicht erhielten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Katrin Max feststellt, beg\u00fcnstigten die staatlichen Reglementierungen und die Zensur verschiedene Schreibstile.<a href=\"#_edn30\">[30]<\/a> Damit zielt sie auf den bewussten Gebrauch von diskreten Andeutungen, Metaphern oder indirekten Aussagen ab. Damit erhofften sich Literat:innen, dass ihre Werke trotz impliziter Systemkritik den Leserinnen und Lesern zug\u00e4nglich gemacht werden. Entsprechend ging auch Stefan Heym bei seinem Roman <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em> vor. \u00dcberhaupt enthielten neben diesem Werk auch weitere seiner \u201eRomane, Erz\u00e4hlungen oder journalistischen Arbeiten [\u2026] offene oder historisch verkleidete Kritik am real existierenden Sozialismus\u201c.<a href=\"#_edn31\">[31]<\/a> Vor allem in der westlichen Kritik interpretierte man den Roman als \u201eAbrechnung mit dem Stalinismus\u201c, wie Bohnert feststellt.<a href=\"#_edn32\">[32]<\/a> In Auseinandersetzung mit weiterf\u00fchrender Literatur wird schnell deutlich, dass genau dies die g\u00e4ngige Interpretation des Romanes seitens der Forschung ist. Dass Heym gen\u00fcgend Anhaltspunkte f\u00fcr diese und \u00e4hnliche Deutungen liefert, soll im Nachfolgenden weiter er\u00f6rtert werden. Daf\u00fcr gilt es zun\u00e4chst anzuf\u00fchren, dass sich Heym aufgrund seiner pro-kommunistischen Haltung in der DDR niederlie\u00df. Dennoch offenbarte er in einer Rede auf dem \u201eM\u00fcnchner Podium in den Kammerspielen\u201c im November 1983:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Ich will Ihnen gestehen, da\u00df es in meinem Leben Momente gegeben hat, wo ich die Deutschen in Bausch und Bogen verurteilte und verfluchte, obwohl mein Vaterland mir sagte, da\u00df man Millionen Individuen nicht \u00fcber einen Kamm scheren kann [\u2026].<a href=\"#_edn33\">[33]<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dieses Gest\u00e4ndnis l\u00e4sst nur erahnen, in welchem Konflikt Heym mit seiner Wahlheimat teilweise gestanden haben muss. Seine Solidarisierung mit Wolf Biermann, aber vor allem auch seine literarischen Werke verdeutlichten seine kritische Haltung.<a href=\"#_edn34\">[34]<\/a> Des Weiteren erinnern diese Worte Heyms aber auch an den Schlusssatz im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em>, in dem Ethan Jerusalem beim Verlassen der Stadt ebenfalls h\u00e4tte verfluchen k\u00f6nnen (H 211).<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle l\u00e4sst sich auf die Interpretation Ecksteins verweisen, die den Roman einerseits als Abrechnung mit dem Sozialismus und dem stalinistischen Regime versteht, ihn andererseits aber auch als ein Selbstportrait Heyms, der sich in der Figur Ethans selbst verk\u00f6rpere, auffasst.<a href=\"#_edn35\">[35]<\/a> Verfolgt man diese Argumentation weiter, so erkennt man, dass, sowohl im Roman von Ethan, als auch in der DDR von Heym, Machtmissbrauch, Zensur und staatliche \u00dcberwachung, Repressionen, sowie Propaganda, als Missstand angeprangert werden. Cathy S. Gelbin spricht daher von einem \u201eallegorischen Verweis dieser Stoffe auf die Zust\u00e4nde der DDR\u201c, welche Heym gekonnt mit dem \u201eHerausstellen eines j\u00fcdischen Selbstverst\u00e4ndnisses\u201c verkn\u00fcpfe.<a href=\"#_edn36\">[36]<\/a> Die stalinistische \u00c4ra zeichnete sich insbesondere durch Schrecken und Terror aus. Der namensgebende Diktator Josef Stalin war totalit\u00e4rer Machthaber der kommunistischen Sowjetunion bis zu seinem Tode 1953. In der Forschungsliteratur herrscht keine Einigkeit, welche Figur das fiktive Pendant zum russischen Diktator sein kann. Zumeist aber wird K\u00f6nig David dazu erkl\u00e4rt.<a href=\"#_edn37\">[37]<\/a> F\u00fcr beide Machthaber war der eigene Machterhalt von enormer Bedeutung. Die daf\u00fcr eingesetzten Mittel reichten von Personenkult bis zu staatlichen Repressionen, die nicht selten gewaltvoll durchgesetzt wurden. Das bedeutete, dass alle Kritiker:innen und Zweifler:innen an den offiziellen Staatsdoktrinen, Opfer staatlicher Unterdr\u00fcckung wurden. Im Roman gibt es daf\u00fcr diverse, vor allem aber zwei sehr pr\u00e4gnante Beispiele. Zum einen der ehemalige Soldat Joab, der sterben musste, weil er \u00fcber Wissen verf\u00fcgte, welches das Bild K\u00f6nig Davids beschmutzen k\u00f6nnte (H 184). Seine Hinrichtung fand in aller \u00d6ffentlichkeit statt, was als abschreckende Ma\u00dfnahme zur Machtdemonstration eingesetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes Beispiel betrifft den Erz\u00e4hler Ethan selbst. Er musste die gesamte Zeit \u00fcber sein Wissen z\u00fcgeln, um sich vor K\u00f6nig Salomos Gewalt zu sch\u00fctzen und wurde letztlich doch aus Jerusalem verbannt. F\u00fcr die DDR ist besonders der Fall der Ausb\u00fcrgerung Wolf Biermanns popul\u00e4r, gegen die sich auch Stefan Heym positionierte.<a href=\"#_edn38\">[38]<\/a> Weder in der Realit\u00e4t noch im Roman wird offensichtlich vor Gewalt zur\u00fcckgeschreckt. In der fiktiven, wie in der realen Welt, hat dies auch immer einen Anschein von Willk\u00fcr seitens der Machthaber.<a href=\"#_edn39\">[39]<\/a> Besonders pr\u00e4sent aus der Historie sind wohl die n\u00e4chtlichen Todesurteile, die Stalin in gro\u00dfen Mengen unterzeichnete, um seine Kritiker zu beseitigen. David griff zu derartigen Mitteln, um sein Vergehen als Ehebrecher zu vertuschen und seinen eigenen Ruf als Auserw\u00e4hlter Gottes nicht zu beflecken. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Um der angesprochenen Willk\u00fcr zu entgehen, war man darauf bedacht, nicht ins Visier des Staates zu geraten. Das wurde erschwert durch die allgegenw\u00e4rtige Pr\u00e4senz von Geheimdiensten, wie der Stasi in der DDR respektive jener fiktiven Staatsfunktion\u00e4re, wie Benaja ben Hoschaja im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em>.<a href=\"#_edn40\">[40]<\/a> In Bezug auf den Roman kann erneut Joab angef\u00fchrt werden, der unter Druck des Benajas eine andere Version seiner Erinnerungen schildert, um sich selbst zu sch\u00fctzen. Wiederholt wird betont, dass K\u00f6nig Salomo und seine Anh\u00e4ngerschaft \u201adie Augen und Ohren \u00fcberall im Land haben\u2018. Am leichtesten w\u00e4re wohl ein Leben mit \u201ekastrierten Gedanken\u201c gewesen, wie es der Obereunuch Amenhoteph formulierte (H 104).<\/p>\n\n\n\n<p>In der DDR gab es von staatlicher Seite als ein Instrument zur Absicherung der bestehenden Machtverh\u00e4ltnisse die Zensur. In Heyms Roman wird offen kommuniziert, dass der Bericht den Herrschaftsanspruch Salomos legitimieren soll (H 10). Dabei scheute man im Allgemeinen auch nicht davor, Fakten, die in den Medien dem Volk zug\u00e4nglich gemacht wurden, zu selektieren, zu verf\u00e4lschen und letztlich der eigenen Intention entsprechend anzupassen. Im Roman erfolgt dies durch die Auswahl von Geschichten, die in den K\u00f6nig-David-Bericht \u00fcbernommen werden sollen und mithilfe des Siegels des \u201eeinzig wahren und Autoritativen Berichts\u201c ihre Absolutheit erhalten (H 10). Vermutlich erschien aus genau dieser, zwischen den Zeilen auch klar erkennbaren, Kritik Heyms am System, sein Roman in der DDR erst versp\u00e4tet. Er regt dazu an, sich mit Texten und Medien im Allgemeinen, kritisch auseinanderzusetzen und sich der angesprochenen \u201aKastration des Denkens\u2018 nicht zu ergeben. Die Parallelisierung des Romangeschehens und der politischen Situation in der DDR erm\u00f6glicht zugespitzt die Deutung des Romans als Appell zur Auseinandersetzung mit der Geschichte. Heym selbst betont bei einer Rede auf dem M\u00fcnchner Podium in den Kammerspielen, dass \u201eauf beiden Seiten der Elbe [\u2026] noch nie [\u2026] die Vergangenheit bew\u00e4ltigt [wurde]\u201c, wobei es \u201eum alte Verhaltensmuster [geht], von denen auch die neue Generation sich nur l\u00f6sen k\u00f6nnen wird, wenn sie sie erkennt\u201c<a href=\"#_edn41\">[41]<\/a>, um zu vermeiden, dass \u201eman doch immer nur in dieselben alten Bahnen [ger\u00e4t]\u201c<a href=\"#_edn42\">[42]<\/a>, wie er auch im Interview mit Herlinde Koelbl warnt. Heym kritisiert die zeitgen\u00f6ssische Politik der DDR, aber auch der BRD, die nicht hinreichend f\u00fcr die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit eintrat, sondern die Verdr\u00e4ngung dieser beg\u00fcnstigte, was die Situation der J\u00fcdinnen und Juden im ostdeutschen Gebiet erschwerte. Er betont die Notwendigkeit Vergangenes und Gegenw\u00e4rtiges kritisch zu reflektieren. Ohne das Nachdenken \u00fcber die eigene Geschichte verf\u00e4llt man leicht in \u201aalte Bahnen\u2018. Junge Generationen sollen von den \u00e4lteren Generationen lernen, sie aber nicht unhinterfragt nachahmen. Dieses Verh\u00e4ltnis von Generationen verhandelt auch Heym im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em>. K\u00f6nig Salomo ist Sohn und Thronfolger Davids, die sich beide Fehlverhalten nachweisen lassen. Es stellt sich die Frage, wie Salomo mit den Schatten in seiner Familiengeschichte umgeht. Er entscheidet sich zur Beauftragung der Kommission zur Ausarbeitung des K\u00f6nig David Berichts, der das Leben K\u00f6nig Davids besch\u00f6nigend darstellen soll. Ethan stellt damit das \u201aUmdenken\u2018, \u201aHinterfragen\u2018 und \u201aAufarbeiten\u2018 dar. Sein unnachgiebiges Bem\u00fchen, die Wahrheit \u00fcber die K\u00f6nigsfamilie herauszufinden, bildet die Opposition zu den, mit Heym gesprochen, \u201aalten Verhaltensmustern\u2018 der Kommission, die erkannt werden m\u00fcssen, um sich von ihnen zu distanzieren. Heyms Kritik richtet sich gegen die Verdr\u00e4ngung der NS-Vergangenheit, die in beiden Teilen Deutschlands zu sp\u00e4t in Erinnerung und Aufarbeitung umschlug.<a href=\"#_edn43\">[43]<\/a> Im Roman, wie im \u201azeitgen\u00f6ssischem Deutschland\u2018 f\u00fchrt die Leugnung der Vergangenheit zum Verfall in \u201aalte Bahnen\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><em>Das Judentum im Roman<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Heym sagte \u00fcber seinen Roman <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, dass er wohl von allen Menschen gelesen, aber nur von einem Juden geschrieben werden k\u00f6nne.<a href=\"#_edn44\">[44]<\/a> Diese These best\u00e4tigt Heym allein damit, dass er neben der im vorherigen Kapitel beschriebenen Systemkritik auch das J\u00fcdische Leben zur konstituierenden Gr\u00f6\u00dfe des Romanes macht. Dabei muss betont werden, dass es in dem Roman nicht direkt um j\u00fcdisches Leben geht. Das bedeutet, dass j\u00fcdische Traditionen, die j\u00fcdische Rechtsprechung oder die Geschichte des Judentumes nicht explizit erkl\u00e4rt werden. Vielmehr wird es als bekannt vorausgesetzt. Stefan Heym bietet den Lesenden eine Geschichte, die auf biblischen Figuren und Erz\u00e4hlungen basiert und durch fiktive Elemente zusammengeschn\u00fcrt wird. Analysiert man den Roman aber tiefgr\u00fcndig im Hinblick auf die Darstellung j\u00fcdischen Lebens, so erkennt man, dass Heyms Werk gespickt ist mit Details \u00fcber das Judentum. Heym zeigt damit nicht nur, \u201edass er sich in der Bibel und mit den Texten auskennt\u201c<a href=\"#_edn45\">[45]<\/a>. Er verdeutlicht zugleich auch seine Auffassung, dass das Judentum vielf\u00e4ltig und nicht auf Aussehen oder \u00e4hnliches zu reduzieren sei, sondern vielmehr eine Lebensweise als eine Religion darstelle (H 17, 19, 21).<\/p>\n\n\n\n<p>Heyms Roman grenzt sich dabei inhaltlich von jenen Romanen ab, in denen J\u00fcdinnen und Juden insbesondere anhand von \u00e4u\u00dferen Merkmalen beschrieben werden. So sind es dort beispielsweise Schl\u00e4fenlocken, Kippa oder der durch die Nationalsozialisten einst zum Tragen vorgeschriebene gelbe Davidstern, wodurch Zugeh\u00f6rigkeit zum Judentum symbolisiert werden soll. Im Roman <em>Jakob der L\u00fcgner<\/em> von Jurek Becker findet die Bezeichnung von j\u00fcdischen Menschen insbesondere durch diesen Blick von au\u00dfen statt.<a href=\"#_edn46\">[46]<\/a> Dort wird keine Darstellung geboten, in denen das Judentum beispielsweise durch die Auslebung j\u00fcdischer Traditionen repr\u00e4sentiert wird. Zwar findet eine Erw\u00e4hnung des Sabbats statt, dabei wird aber nicht auf die Tradition und die Bedeutung eingegangen, sondern lediglich von der Zugeh\u00f6rigkeit dieses Ruhetages zu der Religion gesprochen. Stefan Heyms Roman unterscheidet sich insofern davon, als dass er das Judentum im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> zu nichts Au\u00dfergew\u00f6hnlichem, sondern zum Selbstverst\u00e4ndlichen macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ihm dies gelingt und auf welche Weise Heym j\u00fcdisches Leben in seinem Roman aufgreift, soll im Folgenden genauer ausgef\u00fchrt werden. Gelbin bezeichnet den Einsatz j\u00fcdischer Stoffe vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund als politisch provokant.<a href=\"#_edn47\">[47]<\/a> Manfred Brauneck hingegen fasst den <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> als Neufassung biblischer Legenden, die die Probleme des Stalinismus spiegele, auf.<a href=\"#_edn48\">[48]<\/a> Alfred Bodenheimer stellt heraus, dass Heym neben seinem Hauptanliegen, der Darstellung zeitgen\u00f6ssischer Probleme, zugleich den alten j\u00fcdischen Legenden und Geschichten eine wichtige Rolle zuspricht.<a href=\"#_edn49\">[49]<\/a> Dabei sticht insbesondere heraus, welche Bedeutung er der j\u00fcdischen Tradition und der Geschichte des \u201aj\u00fcdischen Volkes\u2018 zukommen l\u00e4sst. Andreas Nachama et. al. konstatieren, das j\u00fcdisch zu leben bedeutet, dass zum einen Traditionen verstanden und gelebt werden, zum anderen dass man die Tora liest und annimmt, die Mizwot praktiziert und Traditionen bewahrt und weitergibt, sowie sich in Gerechtigkeit und Liebe \u00fcbt und den Dialog mit Gott pflegt.<a href=\"#_edn50\">[50]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em> wird diesem Anspruch in doppelter Weise gerecht. Im Roman wird die Tradition betont und durch die Existenz des Romans wird ebenfalls religi\u00f6se Tradition gepflegt, denn Ethan versteckte seine Aufzeichnungen, um sie an die Nachwelt weiterzugeben. Diese Aufzeichnungen ergeben den Roman, der zusammengesetzt ist aus den Aufzeichnungen des Ethans aus Esrah. Es wird erkennbar, dass das Judentum \u00fcber eine alte und facettenreiche Tradition verf\u00fcgt. Eine bedeutende Tradition ist beispielsweise der Opferdienst.<a href=\"#_edn51\">[51]<\/a> Im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> erfolgen verschiedenste Opferungen. Sie dienen dazu Gott, zu bes\u00e4nftigen, seine Gnade zu erbitten oder ihm zu danken. Die ritualisierte Durchf\u00fchrung einer Opferdarbietung wird im Roman als heilig dargestellt und gewinnt somit an enormem Stellenwert (H 26). Ebenso zentral ist die Einhaltung des Sabbats. Ethan betont des \u00d6fteren dessen Einhaltung und dessen Bedeutung (H 26). Der Sabbat gilt im Judentum als Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem Volk Israel.<a href=\"#_edn52\">[52]<\/a> Diese Verbindung ist grundlegend f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis des Judentums, nach dem J\u00fcdinnen und Juden auch als Kinder Gottes respektive Angeh\u00f6rige des auserw\u00e4hlten Volkes bezeichnet wurden. Diese Bezeichnung ist auch in der Tora zu finden. Den Begriff \u201aJude\u2018 hingegen gibt es in den f\u00fcnf B\u00fcchern Moses nicht.<a href=\"#_edn53\">[53]<\/a> Im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> verweist Ethan auf die Geschichte seines Volkes, welches stets seinen Aufenthaltsort verlassen musste und dadurch lernte auf Gott zu vertrauen (H 27). An dieser Stelle bekennt Ethan seine Zugeh\u00f6rigkeit zum Volk Israel und somit zum Judentum. Der Rabbiner Saadja Gaon formuliert in einer \u00e4hnlichen Weise \u201eUnser Volk ist nur ein Volk durch seine Lehren\u201c.<a href=\"#_edn54\">[54]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diverse Aspekte jener Geschichte und Tradition lassen sich auch im <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> wiederfinden. Ein basales, aber essenzielles Beispiel ist der Umgang mit der Namensnennung Gottes. Das zweite der zehn Gebote lautet: \u201eDu sollst den Namen deines Herrn nicht missbrauchen\u201c.<a href=\"#_edn55\">[55]<\/a> Der Erz\u00e4hler des Romans pflegt stets einen ehrf\u00fcrchtigen Umgang mit dem g\u00f6ttlichen Namen. Im Gebet, welches beispielsweise zu Beginn mehrerer Kapitel gesprochen wird, spricht Ethan Gott an und bittet in seinem Namen um Frieden (H 92). Im Gespr\u00e4ch mit anderen handelnden Figuren \u00fcber Gott hingegen f\u00e4llt der Name Jahweh.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Das Judentum kennt keinen Mittler. [J\u00fcdinnen und Juden] richten [ihre] Gebete direkt an Gott in der Erwartung, dass sich die Antwort darauf in Segenswirkungen erweist, in Verst\u00e4ndnis und in innerem Frieden.<a href=\"#_edn56\">[56]<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die direkte Anbetung ist nicht ausschlie\u00dflich typisch f\u00fcr das Judentum, im Gegensatz zur Anspielung im Roman auf das sogenannte Tetragramm (JHWH) an, welches in der Tora den g\u00f6ttlichen Namen repr\u00e4sentieren, zu Gottes Ehren aber unaussprechlich lassen soll.<a href=\"#_edn57\">[57]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls charakteristisch f\u00fcr das Judentum ist die hebr\u00e4ische Sprache. Ihr begegnet man beispielsweise bei der im Roman genutzten Bezeichnung der Stadt Jerusalem. Stets wird von \u201eJeruscholayim\u201c gesprochen.<a href=\"#_edn58\">[58]<\/a> Dort spielt sich haupts\u00e4chlich das Geschehen in Heyms Roman ab. Es ist der Ort, an den Ethan zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe, der Verfassung des K\u00f6nig David Berichts, ziehen muss und wo der Palast K\u00f6nig Salomos, einem von Gott auserw\u00e4hlten K\u00f6nig steht. Die zentrale Rolle Jerusalems im Roman l\u00e4sst sich auf das Judentum abstrahieren. Dort ist Jerusalem das Zentrum des j\u00fcdischen Glaubens.<a href=\"#_edn59\">[59]<\/a> Jerusalem sei der Ort, an den alle Menschen eines Tages kehren sollen.<a href=\"#_edn60\">[60]<\/a> Der Roman entglorifiziert jedoch die Heilige Stadt. Wie bereits festgestellt ist Ethan als Protagonist aus verschiedenen Gr\u00fcnden Identifikationsfigur. Seine Abneigung gegen\u00fcber der Stadt l\u00e4sst die Leserinnen und Leser den religi\u00f6sen Glanz der Stadt vergessen. F\u00fcr Ethan ist Jerusholayim die Stadt, in der er sich unwohl f\u00fchlt, die er f\u00fcr Recherchezwecke gern verl\u00e4sst und aus welcher er schlie\u00dflich verbannt wurde. Zum Ende seines Aufenthaltes, als er die Stadt im Zuge seiner Verurteilung verlassen musste, \u201ewollte [er] sie verfluchen; doch [er] konnte es nicht, denn ein gro\u00dfer Glanz des Herrn lag \u00fcber Jerusholayim im Lichte des Morgens\u201c.<a href=\"#_edn61\">[61]<\/a> Erst bei seiner endg\u00fcltigen Abreise aus der Stadt glaubt er die \u201aHeiligkeit\u2018 der Stadt zu erkennen, was all seine Wut in Demut vergehen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Roman werden Beerdigungstraditionen und Trauerrituale, wie das Zerrei\u00dfen von Kleidung als Zeichen der Trauer, vorgestellt.<a href=\"#_edn62\">[62]<\/a> So tat es auch Ethan als Esther, eine seiner drei Frauen, ihren lang andauernden krankheitsbedingten Leiden erlag.<a href=\"#_edn63\">[63]<\/a> Beerdigungen wollte man schnellstm\u00f6glich durchgef\u00fchrt haben. Sie sollten lediglich nicht am Sterbetag und selbstredend nicht am Sabbat stattfinden.<a href=\"#_edn64\">[64]<\/a> Esthers Leichnam wurde ebenfalls am n\u00e4chsten Tag aus Jerusalem gefahren und beigesetzt.<a href=\"#_edn65\">[65]<\/a> Ihr Tod ist f\u00fcr ihren Mann niederschmetternd. Von Handlungsbeginn an tr\u00e4umten die Eheleute davon eines Tages wieder nach Esrah zur\u00fcckzukehren, um dort gemeinsam ihren Lebensabend zu verbringen. Teil ihres Wunsches ist es, wieder gemeinsam unter einem bestimmten Baum ihn ihrem Garten zu sitzen.<a href=\"#_edn66\">[66]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Baum l\u00e4sst sich als weiteres zentrales Sinnbild im j\u00fcdischen Glauben deuten. Zwar wird es f\u00fcr die Geschichte des Historikers Ethans aus Esrah und der Ausarbeitung des K\u00f6nig David Berichtes nicht weiter exponiert. Doch bereits die wiederholte Anf\u00fchrung des \u201aBaumes\u2018 erinnert an die Bedeutung des Symbols im Judentum. Erkl\u00e4rungen finden sich ebenfalls bei Mose. Im Buch Genesis ist die Sch\u00f6pfungsgeschichte niedergeschrieben, deren Kern die ersten Menschen Adam und Eva sind. Ihre Geschichte und ihr Leben im Paradies fand genau dann ihr j\u00e4hes Ende, als sie wider Gottes Willen, eine Frucht vom Baum der Erkenntnis a\u00dfen und daraufhin aus dem Garten Eden vertrieben wurden.<a href=\"#_edn67\">[67]<\/a> Doch im Garten Eden gibt es neben dem Baum der Erkenntnis von Gut und B\u00f6se, auch den Baum des Ewigen Lebens. Er wiederum soll f\u00fcr Kraft, Gesundheit, Wachstum und den Kreislauf des Lebens, dargestellt durch den Verlust alter und der Entwicklung neuer Bl\u00e4tter, stehen. Nicht nur derartig spirituelle Charakteristika, sondern das gesamte j\u00fcdische Recht basiert auf biblischem Fundament.<a href=\"#_edn68\">[68]<\/a> Mit Blick auf den Roman l\u00e4sst sich beispielsweise danach fragen, wie die Ehe gehandhabt wird. Allgemein gesehen ist seit dem Mittelalter die Monogamie \u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Das war nicht immer so: Die Polygynie ist in Bibel und Talmud ebenso erlaubt, wie in den Kulturen, mit denen das Volk Israel zu dieser Zeit Kontakt hatte. [\u2026] Vor allem gehen einige Gesetze in der Tora offenbar davon aus, dass ein Mann zwei oder mehrere Frauen ehelichen konnte.<a href=\"#_edn69\">[69]<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ethan ben Hoshaja hatte drei Frauen. Seine Frau Hulda, die ihm seine S\u00f6hne Shem und Sheleph gebar, ist im Roman eher unscheinbar und wird zumeist schlicht als Hausfrau die Mutter von Ethans S\u00f6hnen beschrieben.<a href=\"#_edn70\">[70]<\/a> Weiterhin gibt es Litlith und Esther. Beide sind f\u00fcr Ethan wichtige Bezugspersonen, die auch f\u00fcr das Geschehen im Roman von zentraler Bedeutung sind. Esther ist f\u00fcr Ethan wie ein Ruhepol an den er kehren kann, wenn er von der Arbeit am \u201eEinen und Einzigen Wahren und Autoritativen, Historisch Genauen und Amtlich Anerkannten Berichts \u00fcber den Erstaunlichen Aufstieg, das Gottesf\u00fcrchtige Leben, sowie die Heroischen Taten und Wunderbaren Leistungen des David ben Jesse, K\u00f6nigs von Juda w\u00e4hrend Sieben und beider Juda und Israel w\u00e4hrend Dreiunddrei\u00dfig Jahren, des Erw\u00e4hlten Gottes und Vaters von K\u00f6nig Salomo\u201c(H 10)Abstand nimmt. Lilith ist seine Kebse. Die Beziehung zwischen ihr und Ethan ist insbesondere von Leidenschaft und K\u00f6rperlichkeit gepr\u00e4gt, wodurch sie sich wiederum von den Beziehungen Ethans zu seinen anderen beiden Frauen unterscheidet. Im \u00dcbrigen lehrt Ethan Lilith einige Lieder. Diese will Salomo, nachdem Lilith bei ihm im Palast aufgenommen wurde, in seine Memoiren aufnehmen. Die f\u00fcr Ethan angesetzte Strafe, totgeschwiegen zu werden und in Vergessenheit zu geraten, wird somit von K\u00f6nig Salomo h\u00f6chstselbst unterlaufen.<a href=\"#_edn71\">[71]<\/a> Ebenso pr\u00e4sent wie Ethans Familienkonstruktion ist die Frage nach Weisheit. Grund f\u00fcr die Beauftragung Ethans zur Abfassung des K\u00f6nig David Berichts, ist sein Ruf, dass er \u201eeiner der Weisesten in Israel\u201c<a href=\"#_edn72\">[72]<\/a> sei. Weise zu sein bedeutet im Talmud, der m\u00fcndlichen Lehre des Judentums, dass man bereit ist, von jedem Menschen zu lernen.<a href=\"#_edn73\">[73]<\/a> Es scheint so, als mache Weisheit einen Menschen noch ruhmvoller als materieller Reichtum. In seinen Grundz\u00fcgen l\u00e4sst sich hier bereits das hohe Bildungsideal j\u00fcdischer Familien erkennen.<a href=\"#_edn74\">[74]<\/a> Folgt man der Definition von Weisheit im Talmud, so ist Ethan weiser als Salomo. Schlie\u00dflich macht er sich auf den Weg durchs Land, um Menschen \u00fcber K\u00f6nig David zu befragen, lernt von ihnen und versucht sich mit dem gewonnenen Wissen ein wahres und differenziertes Bild zu kreieren. Salomo hingegen h\u00f6rt nur darauf, was ihm ein kleiner Kreis von ausgew\u00e4hlten Personen sagt und verschlie\u00dft sich vor unbequemen Meinungen.<a href=\"#_edn75\">[75]<\/a><br>Eine zentrale Erkenntnis, die Ethan durch seine Recherchen \u00fcber David und dessen Vorg\u00e4nger Salomo gewinnt, ist jene, dass Sauls Fehlverhalten zum Aufstieg Davids f\u00fchrte. Die von ihm in Auftrag gegebenen Morde f\u00fchrten wiederum dazu, dass Gott ihn bestraft und Salomo zum neuen K\u00f6nig des Volkes Israel ernennt. Diese Logik, nach der die Guten belohnt und die B\u00f6sen bestraft werden, verweist auf die elfte der dreizehn Glaubenswahrheiten, die es im Judentum gibt.<a href=\"#_edn76\">[76]<\/a> Auch die sechste der dreizehn Ikkarim des Maimonides, findet sich im Roman wieder. Sie lautet: \u201eDie Worte der Propheten sind wahr\u201c.<a href=\"#_edn77\">[77]<\/a> Insbesondere Ethan h\u00e4lt den Propheten Samuel und all seine Worte und Erz\u00e4hlungen f\u00fcr seine Arbeit und den Glauben f\u00fcr essenziell. Nathan, der selbst ein Prophet ist, ist sogar in der Kommission f\u00fcr die Verfassung des K\u00f6nig David Berichtes angestellt. Er z\u00e4hlt zu den engsten Vertrauten und Beratern des K\u00f6nig Salomos.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ideellen Eckpfeiler des Talmuds sind Frieden, Recht und Wahrheit.<a href=\"#_edn78\">[78]<\/a> F\u00fchrt man sie sich bei der Besch\u00e4ftigung mit Heyms Roman vor Augen, umso schwerwiegender sind die Verbrechen Salomos und der Kommission zur Ausarbeitung des K\u00f6nig David Berichts. Sie machten sich zwar die Aufgabe den \u201e<em>Einen und Einzigen Wahren und Autoritativen, Historisch Genauen und Amtlich Anerkannten Bericht \u00fcber den Erstaunlichen Aufstieg, das Gottesf\u00fcrchtige Leben, sowie die Heroischen Taten und Wunderbaren Leistungen des David ben Jesse, K\u00f6nigs von Juda w\u00e4hrend Sieben und beider Juda und Israel w\u00e4hrend Dreiunddrei\u00dfig Jahren, des Erw\u00e4hlten GOttes und Vaters von K\u00f6nig Salomo\u201c<\/em> zu verfassen. Jedoch offenbart sich schnell, dass hinter dieser \u201econtradictio in adjecto\u201c<a href=\"#_edn79\">[79]<\/a>, nicht die Absicht, steht, der Nachwelt eine bedingungslos wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Geschichtsdarstellung zu bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>In Wirklichkeit stellt der Bericht eine Zusammenstellung von selektierten Informationen dar, die gegebenenfalls auch noch angepasst wurden, um Salomos Anspruch auf den Thron und seine Position als Nachfolger Davids zu legitimieren. Sie boykottieren nicht nur die Wahrheit, sondern sind auch bereit daf\u00fcr das Recht auszuhebeln und schrecken dabei vor Mord nicht zur\u00fcck. Benaja ben Hoshaja t\u00f6tet Joab, nachdem er lange versuchte ihn mundtot zu machen, um die dunkle Geschichte Davids nicht bekannt werden zu lassen respektive sie in den K\u00f6pfen der Menschen zu manifestieren. Denn Salomos Ansehen w\u00fcrde wohl sicher Schaden nehmen, w\u00e4re allgemein bekannt, dass sich bereits K\u00f6nig David des Versto\u00dfes gegen die m\u00fcndliche Rechtsprechung des Judentums schuldig gemacht hat. Schlie\u00dflich f\u00e4lschte er einen Brief, um Bathsebas Mann aus dem Krieg wiederkehren und ihn letztlich doch t\u00f6ten zu lassen.<a href=\"#_edn80\">[80]<\/a> Ebenso missachtete David den Grundsatz, dass die Armen einen Anspruch auf Unterst\u00fctzung von reichen Menschen haben.<a href=\"#_edn81\">[81]<\/a> Gott stellte David daraufhin diverse Strafen zu Wahl, von denen er eine w\u00e4hlen sollte, um die g\u00f6ttliche Missgunst zu mildern.<a href=\"#_edn82\">[82]<\/a> Er entschied sich daf\u00fcr eine Pest \u00fcber das Volk kommen zu lassen, da ein paar Todesf\u00e4lle zu verkraften seien.<a href=\"#_edn83\">[83]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Neben den ideellen Aspekten, die im Judentum von Bedeutung sind, soll auch der Brauch der Beschneidung nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Die Beschneidung soll dazu dienen, m\u00f6gliches \u00dcbel von einem Menschen abzuwenden.<a href=\"#_edn84\">[84]<\/a> \u201eDie Beschneidung ist ein \u00e4u\u00dferliches Zeichen der Zugeh\u00f6rigkeit des Einzelnen zur j\u00fcdischen Gemeinschaft und findet am achten Tag nach der Geburt statt\u201c.<a href=\"#_edn85\">[85]<\/a> Im Roman wird die Bedeutung der Beschneidung ebenfalls deutlich. Dabei geht es weniger um den Brauch selbst als vielmehr, um die Schaffung eines Kollektivs durch die Beschneidung. Des \u00d6fteren f\u00e4llt der Begriff der \u201eUnbeschnittenen\u201c (H 132). Damit wird nicht zwangsl\u00e4ufig ein Feindbild erschaffen. Zumindest aber findet dabei eine Abgrenzung des Volkes Israel von all jenen statt, die nicht dem j\u00fcdischen Glauben angeh\u00f6ren. Von Ethan werden alle Unbeschnittenen als vom \u00dcbel beeinflusst dargestellt. Abschlie\u00dfend soll nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass es in der j\u00fcdischen Geschichte klassische Werke \u00fcber Magie gab, in denen Schadens-, Liebes- und Heilungszauber, sowie Beschw\u00f6rungsformeln festgehalten wurden. Sie liegen jedoch au\u00dferhalb der j\u00fcdischen Tradition.<a href=\"#_edn86\">[86]<\/a> Dennoch soll diese Facette des Judentums nicht unerw\u00e4hnt bleiben, da sie auch im Heyms Roman vorkommt. Ethan begibt sich zu der Hexe von En dor, um Informationen f\u00fcr seine Recherchen zu erhalten. Durch die Beschw\u00f6rung der Geister von Saul und Samuel erhofft er sich brauchbare Ausk\u00fcnfte \u00fcber die Vergangenheit zu erhalten und die Wahrheit aus erster Hand zu erfahren. Ethan und die Hexe nehmen Haschisch zu sich, woraufhin sie im Rausch Geister beschw\u00f6ren. Der Konsum des Rauschmittels und die Absurdit\u00e4t der Beschw\u00f6rung verleiht der Situation parodistische Z\u00fcge, was wiederum daraufhin deuten kann, dass die Magie im Judentum keine zentrale Bedeutung mehr hat und nicht zum traditionellen Gut der Religion geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><em>Fazit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Aufsatz best\u00e4tigt die These, dass Stefan Heyms Roman <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em> neben einer systemkritischen Position auch ein facettenreiches Abbild des Judentums zeichnet. Der j\u00fcdische Glaube ist in Heyms Roman nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches, sondern eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die dem Geschehen zugrunde liegt. Zugleich ist der Roman als ein Appell zur Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte im geteilten Deutschland deutbar. Heyms Werk stellt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Vergangenem heraus und formuliert mit dem <em>K\u00f6nig David Bericht <\/em>eine Aufforderung \u201azum Lernen aus der Geschichte\u2018. Die Verbindung systemkritischer Aussagen mit der Folie der biblischen Geschichten von David und Salomo verleiht Heyms Appell dabei eine gewisse Zeitlosigkeit. Diese wird durch den geschichtstr\u00e4chtigen Traditionsreichtum der j\u00fcdischen Religion unterstrichen. Verbunden mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte ist die Suche nach und Tradierung von Wissen, um vor verf\u00e4lschten Geschichtsdarstellungen und dem Verharren in \u2013 mit Heyms Worten \u2013 \u201ealten Verhaltensmustern\u201c gesch\u00fctzt zu sein. Nicht zuletzt erlaubt Heyms eigene Positionierung zum <em>K\u00f6nig David Bericht<\/em> eine Lekt\u00fcre, die den Roman nicht nur vor dem eigenen Entstehungskontext relevant scheinen l\u00e4sst, sondern ihm zugesteht noch heute aktuell sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[1]<\/a>Vgl. Herlinde Koelbl, <em>J\u00fcdische Portriats<\/em>. <em>Photographien und Interviews<\/em>. Frankfurt\/Main 1989, 115.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[2]<\/a>Vgl. Christiane Bohnert, <em>Stefan Heym, \u201eDer K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>. <em>Die Ohnmacht der Macht vor der Geschichte<\/em>, in: Paul Gerhard Klussmann, Heinrich Mohr (Hg.), <em>Dialektik des Anfangs. Spiele des Lachens. Literaturpolitik in Bibliotheken. \u00dcber Texte von Heiner M\u00fcller Franz F\u00fchmann Stefan Heym.<\/em> (Jahrbuch zur Literatur in der DDR, 5), Bonn 1986, 144.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\">[3]<\/a>Vgl. Pia Eckstein, <em>K\u00f6nig David<\/em>.<em> Eine strukturelle Analyse des Textes aus der Hebr\u00e4ischen Bibel und seine Wiederaufnahme im Roman des 20. Jahrhunderts<\/em>, Bielefeld 2000, Diss. 216ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\">[4]<\/a>Vgl. Alfred Bodenheimer, <em>In den Himmel gebissen<\/em>. <em>Aufs\u00e4tze zur europ\u00e4isch-j\u00fcdischen Literatur<\/em>, [o.O, o.J.], 77.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\">[5]<\/a>Vgl. Ma\u0142gorzata Dubrowska, <em>Auseinandersetzung mit der j\u00fcdischen Identit\u00e4t in Werken ausgew\u00e4hlter Schriftsteller aus der DDR<\/em>, Lublin [o.J.], 67.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\">[6]<\/a>Vgl. Peter Honigmann, <em>\u00dcber den Umgang mit Juden und j\u00fcdischer Geschichte in der DDR<\/em>, in: Julius H. Schoeps, <em>Juden in der DDR. Geschichte-Probleme-Perspektiven<\/em>. (Arbeitsmaterialien zur Geistesgeschichte 4), Duisburg 1986, 103.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\">[7]<\/a>Heym, Stefan, <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, Frankfurt\/Main 1972, 7; Im Folgenden zitiert mit Sigle H und Seitenzahl.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref8\">[8]<\/a>Vgl. Bohnert, \u201e<em>Der K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>, 148.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\">[9]<\/a>Vgl. ebd. 147.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref10\">[10]<\/a><a>Eckstein, <em>K\u00f6nig David<\/em><\/a>, 224.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref11\">[11]<\/a>Vgl. ebd. 231.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref12\">[12]<\/a>Vgl. ebd. 100.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref13\">[13]<\/a>Vgl. ebd. 232.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref14\">[14]<\/a>Vgl. ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref15\">[15]<\/a>Eckstein, <em>K\u00f6nig David<\/em>, 233.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref16\">[16]<\/a>Ebd. 233.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref17\">[17]<\/a>Vgl. ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref18\">[18]<\/a>Vgl. Eckstein, <em>K\u00f6nig David<\/em>, 283.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref19\">[19]<\/a>Bohnert, <em>\u201eDer K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>, 174.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref20\">[20]<\/a>Vgl. ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref21\">[21]<\/a>Vgl. Bodenheimer, <em>In den Himmel gebissen<\/em>, 79.; Heym, <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, 34ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref22\">[22]<\/a>Vgl. Wolfgang Emmerich, <em>Kleine Literaturgeschichte der DDR<\/em>, Berlin 2000, 339. (Emmerich meint an dieser Stelle jene Personen, die einen biblischen Ursprung haben.)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref23\">[23]<\/a>Vgl. Bohnert, \u201e<em>Der K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>, 226.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref24\">[24]<\/a>Ebd. 146.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref25\">[25]<\/a>Vgl. Bohnert, \u201e<em>Der K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>, 162.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref26\">[26]<\/a>Eckstein, <em>K\u00f6nig David<\/em>, 221.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref27\">[27]<\/a>Vgl. ebd. 215.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Michael Opitz, Hofmann, Michael (Hg.), <em>Metzler Lexikon<\/em>. <em>s.v. DDR-Literatur<\/em>, Stuttgart 2009.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref29\">[29]<\/a>Vgl. ebd. s.v. <em>DDR-Literatur<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref30\">[30]<\/a>Vgl. Katrin Max (Hg.), <em>Tendenzen und Perspektiven der gegenw\u00e4rtigen DDR-Literatur-Forschung<\/em>, W\u00fcrzburg 2016, 21f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref31\">[31]<\/a>Vgl. Heym, Stefan von Herbert Kr\u00e4mer, in: Michael Opitz, Hofmann, Michael (Hg.), <em>Metzler Lexikon. DDR-Literatur<\/em>, Stuttgart 2009, 128 Sp.2.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref32\">[32]<\/a><a>Vgl. Bohnert, <em>\u201eDer K\u00f6nig David Bericht<\/em><\/a><em>\u201c<\/em>, 143f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref33\">[33]<\/a>Stefan Heym, <em>Einmischung<\/em>, G\u00fctersloh 1990, 25.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref34\">[34]<\/a>Vgl. Dietz-R\u00fcdiger <a>Moser, u.a. (Hg.), <em>Neues Handbuch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945<\/em>, M\u00fcnchen 1993, 515, Sp.2.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref35\">[35]<\/a>Vgl. <a>Eckstein,<em> K\u00f6nig David<\/em><\/a>, 225.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref36\">[36]<\/a>Cathy S. Gelbin, <em>Stefan Heym<\/em>, in: Andreas B. Kilcher (Hg.), <em>Metzler Lexikon der deutsch-j\u00fcdischen Literatur<\/em>, Stuttgart 2012, 216 Sp.1.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref37\">[37]<\/a><a>Vgl. Eckstein, <em>K\u00f6nig David<\/em><\/a><em>, <\/em>226.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref38\">[38]<\/a>Vgl. Moser, <em>Neues Handbuch Gegenwartsliteratur<\/em>, 515, Sp.2.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref39\">[39]<\/a>Vgl. Eckstein, <em>K\u00f6nig David<\/em>, 218.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref40\">[40]<\/a>Vgl. Bohnert, <em>\u201eDer K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>, 174.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref41\">[41]<\/a>Vgl. Heym, <em>Einmischung, <\/em>29.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref42\">[42]<\/a>Koelbl, <em>J\u00fcdische Portraits<\/em>, 116.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref43\">[43]<\/a>Die politischen und historischen Hintergr\u00fcnde, wie staatliche Repressionen oder antizionistische\/ antiisraelische Propaganda, k\u00f6nnen an dieser Stelle nicht weiter ausgearbeitet werden. Die mangelnde Aufarbeitung der Geschichte sei aber als Kernst\u00fcck von Heyms Kritik betont.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref44\">[44]<\/a>Koelbl, <em>J\u00fcdische Portraits<\/em>, 115.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref45\">[45]<\/a>Heym, <em>Einmischung<\/em>, 13.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref46\">[46]<\/a>Vgl. Jurek Becker, <em>Jakob der L\u00fcgner<\/em>, Frankfurt\/Main 2007, 72.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref47\">[47]<\/a>Vgl. Gelbin,<em> Stefan Heym<\/em>, 216, Sp.1.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref48\">[48]<\/a>Vgl. Manfred Brauneck (Hg.), <em>Autorenlexikon Deutschsprachiger Literatur des 20. Jahrhunderts,<\/em> 1991 Reinbek bei Hamburg, 312, Sp.1.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref49\">[49]<\/a>Vgl. Bodenheimer,<em> In den Himmel gebissen<\/em>, 81.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref50\">[50]<\/a>Vgl. Andreas Nachama, Homolka, Walter, Bomhoff, Hartmut, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, Bonn 2018, 27.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref51\">[51]<\/a>Vgl. Andreas Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 142.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref52\">[52]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 165f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref53\">[53]<\/a>Vgl. ebd. 19.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref54\">[54]<\/a>Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 19.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref55\">[55]<\/a>Ex 20, 7, Gute Nachricht Bibel, Stuttgart 2000, Deutsche Bibelgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref56\">[56]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 141.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref57\">[57]<\/a>Vgl. ebd. 35ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref58\">[58]<\/a>Ebd. 439.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref59\">[59]<\/a>Vgl. ebd. 495.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref60\">[60]<\/a>Vgl. ebd. 440.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref61\">[61]<\/a>Vgl. Heym, <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, 211.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref62\">[62]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 329.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref63\">[63]<\/a>Vgl. Heym, <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, 209.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref64\">[64]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 332.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref65\">[65]<\/a>Vgl. Heym, <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, 209.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref66\">[66]<\/a>Vgl. ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref67\">[67]<\/a>Vgl. Gen 3, Gute Nachricht Bibel.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref68\">[68]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 74.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref69\">[69]<\/a>Ebd. 312.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref70\">[70]<\/a>Vgl. Bohnert, <em>\u201eDer K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>, 152.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref71\">[71]<\/a>Vgl. ebd., 207.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref72\">[72]<\/a>Ebd., 7.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref73\">[73]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 74.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref74\">[74]<\/a>Vgl. Ebd. 98.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref75\">[75]<\/a>Vgl. Heym, <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, 148f., Zugleich wird es Ethan zum Verh\u00e4ngnis, dass er in den Augen des Benaja zu viel wusste. (92) Damit ger\u00e4t er verst\u00e4rkt ins Visier der Kommission.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref76\">[76]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 197.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref77\">[77]<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref78\">[78]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 363.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref79\">[79]<\/a>Bohnert, <em>\u201eDer K\u00f6nig David Bericht\u201c<\/em>, 169.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref80\">[80]<\/a>Vgl. ebd. 130ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref81\">[81]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 365.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref82\">[82]<\/a>Vgl. Heym, <em>Der K\u00f6nig David Bericht<\/em>, 194.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref83\">[83]<\/a>Vgl. ebd. 195.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref84\">[84]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 299.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref85\">[85]<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref86\">[86]<\/a>Vgl. Nachama, <em>Basiswissen Judentum<\/em>, 487.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carola Wellmann Die Alleinige Wahrheit Ausf\u00fchrungen zu Stefan Heyms K\u00f6nig David Bericht Einleitung \u201eWorte k\u00f6nnen die Welt ver\u00e4ndern\u201c, besagt ein Sprichwort. Es gilt sie weise zu w\u00e4hlen, denn sie besitzen und verleihen zugleich Macht. Dass bei politischen Reden oder im Wahlkampf alle rhetorischen Reserven beansprucht werden, um den eigenen Adressatenkreis mitzurei\u00dfen, ist daher keine Au\u00dfergew\u00f6hnlichkeit, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5843,"featured_media":292,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5843"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=165"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":606,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165\/revisions\/606"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/media\/292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2023\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}