{"id":102,"date":"2024-06-25T18:17:10","date_gmt":"2024-06-25T16:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/?page_id=102"},"modified":"2024-12-02T11:31:32","modified_gmt":"2024-12-02T10:31:32","slug":"editorial","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/editorial\/","title":{"rendered":"Editorial"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p class=\"has-drop-cap\">\nEin Studium der Germanistik \u2013 Was bedeutet das eigentlich? Die ganze Zeit nur lesen und die hundertste Analyse zu kanonischen Werken wie Goethes <i>Faust<\/i> verfassen, um erneut das schlimme Schicksal Gretchens herauszuarbeiten? Nat\u00fcrlich ist das Lesen ein gro\u00dfer Bestandteil des Studiengangs und zu sagen, dass man keine Werke zum hundertsten Mal behandelt, w\u00e4re gelogen. Ein Studium der Germanistik ist allerdings noch viel mehr als das blo\u00dfe Lesen und Analysieren der immer gleichen Werke \u2013 den Beweis daf\u00fcr liefert das j\u00e4hrlich stattfindende Redaktionsseminar, das sich um die Erstellung der <i>Zeitschrift studentischer Beitr\u00e4ge<\/i> k\u00fcmmert. Nicht nur sorgt das Projektseminar f\u00fcr Abwechslung und das Sammeln praktischer Erfahrungen im redaktionellen Bereich, die eingereichten und am Ende ver\u00f6ffentlichten Arbeiten beweisen zudem, dass in einem Germanistikstudium nicht nur kanonische Werke im Mittelpunkt stehen, sondern die Seminarthemen sowie Interessen der Studierenden breit gef\u00e4chert sind.\n<\/p>\n\n<p>\nMit genau diesen Arbeiten besch\u00e4ftigte sich unser in diesem Jahr aus elf Studierenden bestehendes Team unter der Leitung von Dr. Claudia Hein an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg. Wie auch bei den vergangenen Ausgaben der <i>Zeitschrift studentischer Beitr\u00e4ge<\/i> war unser Anspruch, Texte von Studierenden als wissenschaftliche Texte ernstzunehmen und in diesem Sinne zu lektorieren und diesen die M\u00f6glichkeit zu geben, als Beitrag auf einer Website das Licht der Welt zu erblicken, statt in den Schubladen und Dateiordnern von Dozierenden und Studierenden in Vergessenheit zu geraten.\n<\/p>\n\n<p>\nSo tauchte unser Seminarteam in den Alltag des wissenschaftlichen Publizierens ein und lernte dazugeh\u00f6rige Aufgaben kennen, die alle Teilnehmenden eigenst\u00e4ndig \u00fcbernehmen mussten \u2013 um so dieses Endergebnis einer Website gef\u00fcllt mit Studierenden-Beitr\u00e4gen zu verwirklichen. Begonnen haben wir mit dem Entwurf eines <i>Call for Papers<\/i>, der uns zahlreiche Einsendungen brachte. Aus den eingegangenen Texten w\u00e4hlten wir diejenigen aus, die unserer Ansicht nach inhaltlich, argumentativ und stilistisch bereits ein hohes Niveau und somit das Potential hatten, durch ein wenig \u00dcberarbeitung und Verbesserung zu deren bestm\u00f6glichen Version f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung in der <i>ZsB<\/i> zu werden. Nach dem Besprechen und Ausw\u00e4hlen folgten die Autor:innenbriefe, wobei sich jedes Redaktionsmitglied um einen Text k\u00fcmmerte und dem\/r jeweiligen Autor:in die ersten Verbesserungsvorschl\u00e4ge sowie Fragen mitteilte. So standen ein:e Autor:in und ein Redaktionsmitglied \u00fcber mehrere Wochen bez\u00fcglich des Lektorats in Kontakt und durch mehrfaches Hin und Her wurden die Texte stetig verbessert. Zuletzt gingen alle Texte ins Korrektorat und wurden mit Blick auf Orthographie, Grammatik und Formales nochmals gelesen, um den jeweiligen Text \u203asatzfertig\u2039 zu machen. W\u00e4hrenddessen k\u00fcmmerte sich ein kleineres Team um das Erstellen und die Gestaltung der Website. All diese Aufgaben klingen nicht nur umfangreich, sondern sind es auch tats\u00e4chlich; und sie erfordern enorm viel Bereitschaft und Engagement. W\u00e4hrend die Lektor:innen mit dem Hinarbeiten auf die finale Website und allen noch so kleinen Aufgaben, die damit einhergehen, ein gro\u00dfes Arbeitspensum zu erledigen hatten, wurden die\u00a0 Autor:innen inmitten des laufenden Semesters mit vielen Anliegen unsererseits konfrontiert und mussten einen Text \u00fcberarbeiten, dessen Verfassen bei der ein oder anderen Person vielleicht schon eine ganze Weile zur\u00fcckliegt. Ohne diese Bereitschaft und das Engagement w\u00fcrde unsere <i>ZsB<\/i>-Website jetzt nicht existieren, deswegen gilt allen beteiligten Personen ein riesengro\u00dfes: Dankesch\u00f6n!\n<\/p>\n\n<p>\nKommen wir zum Endergebnis der mittlerweile dritten Ausgabe der <i>Zeitschrift studentischer Beitr\u00e4ge<\/i>. In diesem Jahr entschied sich das Redaktionsteam aufgrund vorhandener Kapazit\u00e4ten und Kompetenzen, nicht nur deutsche sondern auch englische literaturwissenschaftliche Arbeiten sowie einen sprachwissenschaftlichen Text aufzunehmen, wodurch insgesamt 13 Texte zusammenkommen. Eine Tendenz, die sich abzeichnet, sind Arbeiten mit feministischen und queeren Themen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. So widmen sich zwei Texte der Mythologie, einer analysiert den Kassandra-Mythos und dessen feministische Neuverarbeitungen (Annalena Harter), der andere Female Agency in Adaptionen des Mythos um Orpheus und Eurydice (Matti Sch\u00f6nbrunn). Letzterer ist einer der beiden englischen Texte in der diesj\u00e4hrigen Ausgabe der <i>ZsB<\/i>; im zweiten englischsprachigen Text wird die vermutlich eher unbekannte Autorin Mina Loy und ihre Situierung zwischen Feminismus und Futurismus betrachtet (Sarah Sterling). Bekannter sind f\u00fcr die ein oder andere Person vermutlich einige Werke aus dem Mittelalter. In unserer Zeitschrift widmet sich ein Text dem Werk <i>Wigalois<\/i> und dem dort augenf\u00e4llig werdenden Kontrast zwischen Weiblichkeit und h\u00f6fischen Idealen (Luzie Fiest), w\u00e4hrend ein weiterer Aufsatz <i>Parzival<\/i> und die Wechselseitigkeit von Parzival und Sigunes Verh\u00e4ltnis analysiert (Carola Wellmann). Nat\u00fcrlich gibt es auch Arbeiten von Studierenden, die sich klassisch-kanonische Themen und Epochen der Literaturwissenschaft widmen. So finden Lesende die eine Auseinandersetzung mit dem aufkl\u00e4rerischen Streits zwischen Str\u00e4hler und Wolff in Halle (Jonas Liebing), mit den Zeitgedichte Heinrich Heines (Franziska Lachmann) oder mit dem <i>Artushof<\/i> von E.T.A. Hoffmann \u2013 der jedoch einer queeren Lesart unterzogen wird (Ilya Wichert). Demgegen\u00fcber steht ein Blick auf aktuellere Literatur mit einem Essay \u00fcber den Roman <i>Afterlives<\/i> Abdulrazak Gurnahs, des Nobelpreistr\u00e4gers von 2021 (Christina Kasperzyk). Au\u00dferdem hat sich ein kleiner Themenschwerpunkt mit Texten entwickelt, die aus einem Projektseminar der MLU entstanden sind. Insgesamt drei Beitr\u00e4ge befassen sich in diesem Fall mit Zukunftsfragen im Zusammenhang mit Halle-Neustadt und behandeln dabei die mit Anwohner:innen gef\u00fchrten Interviews und die Methodik dahinter (Hannah Schnelle), geben einen \u00dcberblick \u00fcber den Begriff \u00bbZukunft\u00ab in Verbindung mit den Interviews und den literarischen Werken \u00fcber Ha-Neu (Verena Schmitt) und werfen einen n\u00e4heren Blick auf <i>Morisco<\/i> als eines dieser literarischen Werke und den Versuch, den Roman in ein Gespr\u00e4ch mit den interviewten Personen zu bringen (Anna Maria Franke). An dieser Stelle gilt unser gro\u00dfer Dank Gerald Gro\u00dfe f\u00fcr die gro\u00dfz\u00fcgige Erlaubnis, seine Fotos im Rahmen unserer Zeitschrift abzubilden. Neben diesen zahlreichen literaturwissenschaftlichen Beitr\u00e4gen steht zudem ein sprachwissenschaftlicher Aufsatz, der sich mit Radiomoderationen und der darin verwendeten Sprache zur Ansprache von \u2013 besonders j\u00fcngeren \u2013 Zuh\u00f6rer:innen besch\u00e4ftigt. Zuletzt schlie\u00dfen sich noch ein paar Rezensionen von Studierenden an, in denen sich mit W. Daniel Wilsons <i>Goethe und die Juden. Faszination und Feindschaft<\/i> (Angelina Mietz) und Volker Sliepens <i>Der Minnebund mit Gott. Modelle religi\u00f6ser Liebe im legendarischen Erz\u00e4hlen<\/i> (Christopher Tersch) besch\u00e4ftigt wird. Insgesamt haben wir also in diesem Jahr eine Ausgabe der <i>ZsB<\/i>, die die Vielf\u00e4ltigkeit der Themen, Analysen und Interessen der Studierenden widerspiegelt.\n<\/p>\n\n<p>\nDas Projektseminar \u00bbWerkstatt Zeitschriften-Redaktion\u00ab erm\u00f6glichte uns Studierenden, den Redaktionsalltag kennenzulernen und uns in diesen einzuarbeiten. Wir hoffen, dass die <i>ZsB<\/i> und die Beitr\u00e4ge der Autor:innen viele Leser:innen erreichen und interessieren. F\u00fcr R\u00fcckmeldungen an unser Team sowie an die Autor:innen haben wir unter den Reitern \u00bbAutor:innen\u00ab und \u00bbDas Team\u00ab kleine Biografien mit Kontaktdaten hinzugef\u00fcgt. Wir w\u00fcnschen viel Spa\u00df beim Lesen!\n<\/p>\n\n<p>\nIm Namen der Redaktion\n<\/p>\n\n<p>\nAnna Maria Franke\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Studium der Germanistik \u2013 Was bedeutet das eigentlich? Die ganze Zeit nur lesen und die hundertste Analyse zu kanonischen Werken wie Goethes Faust verfassen, um erneut das schlimme Schicksal Gretchens herauszuarbeiten? Nat\u00fcrlich ist das Lesen ein gro\u00dfer Bestandteil des Studiengangs und zu sagen, dass man keine Werke zum hundertsten Mal behandelt, w\u00e4re gelogen. 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