{"id":442,"date":"2024-11-26T20:59:52","date_gmt":"2024-11-26T19:59:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/?p=442"},"modified":"2024-12-04T13:26:58","modified_gmt":"2024-12-04T12:26:58","slug":"schnelle_halle_neustadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/schnelle_halle_neustadt\/","title":{"rendered":"Halle-Neustadt: Konturen eines Lebensortes &#8211; Hannah Schnelle"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignwide has-background-dim-20 has-background-dim is-position-center-center\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/\u00a9GeraldGrosse_1972_haneu_badewannen_Kopie.jpg);background-position:55% 48%;min-height:375px\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container\">\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"line-height:1.1;font-size:50px;color:#fffffa\"><strong>Gespr\u00e4che \u00fcber die Konturen eines Lebensortes<\/strong><em><br>(Vergangene) Zuk\u00fcnfte in Halle-Neustadt<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9Gerald Gro\u00dfe<\/p>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<h2>\n\nVom Br\u00fccken-Bauen\n\n<\/h2>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\n<i>Es ist Freitag. 10:01 Uhr betrete ich den Raum in der Neust\u00e4dter Passage 13. Fast alle anderen\nsind schon da, denn meine Bahn kam zu sp\u00e4t. Ich f\u00fchle mich ein wenig gehetzt. Abgeschirmt\nvom k\u00fchlen Herbstwind durch eine Wand mit riesigen Fenstergl\u00e4sern richten wir uns im\nkleinen Besprechungsraum mit Teppichboden und K\u00fcchenzeile ein. Es gibt N\u00fcsse, Kekse und\nTee. Noch-verworrene Gedanken und bunte Stifte, um sie auf wei\u00dfen Papieren zu sortieren.\nFast niemand von uns ist regelm\u00e4\u00dfig hier. Durch die Fenstergl\u00e4ser ist beinahe unsichtbar, dass\nwir uns im Zentrum von Halle-Neustadt befinden, denn wir sitzen eine Etage unterhalb der f\u00fcnf\n18-geschossigen, von Westen nach Osten angeordneten Hochhaus-Scheiben, die als Stadtkrone\nin den Novemberhimmel emporragen. In den folgenden Stunden beginnen wir unseren Dialog\nmit Halle-Neustadt. Wir versuchen, die Stadt zu lesen und zu erfahren. <br>\n(Vignette, H. Schnelle)<\/i>\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p class=\"has-drop-cap\">\nJenseits der Altstadt von Halle im Westen der Saaleaue liegt die \u203aChemiearbeiterstadt\u2039 Halle-\nNeustadt. Am 15. Juli 1964 fand die feierliche Grundsteinlegung der Stadt statt, die als gr\u00f6\u00dftes\nst\u00e4dtebauliches Projekt der DDR bekannt wurde und dazu diente, Arbeiter:innen der petrochemischen\nAnlagen in Buna und Leuna mit Wohnungen zu versorgen.<sup>1<\/sup> \u00bbEs sollen solche Lebensbedingungen\ngeschaffen werden [\u2026], die den Menschen Zeit und Mu\u00dfe f\u00fcr ihre kulturelle Bildung, f\u00fcr eine\nsinnvoll genutzte Freizeit bieten \u2013 eine Stadt, [\u2026] in der zu leben f\u00fcr jeden Gl\u00fccklichsein hei\u00dft\u00ab,\nproklamierte Horst Sindermann, SED Bezirkssekret\u00e4r in Halle, an ebendiesem Tag.<sup>2<\/sup> So wurden im\n1990 eingemeindeten Stadtteil von Halle insgesamt neun Wohnkomplexe mit etwa 35.000\nWohnungen f\u00fcr 94.000 Einwohner:innen errichtet.<sup>3<\/sup> Beinahe 60 Jahre nach der Errichtung der\nsozialistischen Planstadt blickt Halle-Neustadt auf eine wechselhafte Geschichte zur\u00fcck. Seit 1989\nerlebt der Stadtteil einen extremen Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang durch Abwanderung und ist inzwischen\ngepr\u00e4gt vom Zuzug migrantischer Personen, steigender Arbeitslosigkeit und starker sozialer\nSegregation.<sup>4<\/sup> Dennoch steht das sogenannte Ha-Neu mit seiner aus weitgehend baugleichen\nGeb\u00e4uden konstruierten Silhouette noch heute dem historischen und sanierten Architekturbestand des\nZentrums von Halle gegen\u00fcber und k\u00fcndet von vergangenen Zuk\u00fcnften.<sup>5<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Ausgehend von literarischen Texten aus der Entstehungszeit von Halle-Neustadt und Fotografien von\nGerald Gro\u00dfe widmete sich im Wintersemester 2023\/24 ein literaturwissenschaftliches\nProjektseminar am Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg \nvergangenen Imaginationen der Zukunft des Stadtteils. Was lernen wir aus vergangenen\nZukunftsperspektiven und -visionen f\u00fcr gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Zukunftsbilder und &#8211;\nerz\u00e4hlungen an einem Ort, an dem sich die Zeiten verschr\u00e4nken? Welche Stimmen werden geh\u00f6rt,\nwenn wir von Zukunft sprechen? Wie ist ein gemeinsames, (stadt-)gesellschaftliches Sprechen \u00fcber\nZukunft m\u00f6glich, und welche Sprache kann Zukunft sprechen?\n<\/p>\n\n<p>Unter dem Leitthema des Br\u00fccken-Bauens versuchte das Seminar <i>(Vergangene) Zuk\u00fcnfte<\/i> nicht nur\nVerbindungen zwischen den Zeiten zu schaffen, sondern auch Br\u00fccken zwischen Generationen,\nPersonen(gruppen), Stadtteilen und Zukunftsvisionen zu bauen. In unseren Rollen als Sammler:innen\nvon Zukunftsbildern erstellten wir in eigenst\u00e4ndiger Recherchearbeit ein Konvolut der vergangenen\nund gegenw\u00e4rtigen Zuk\u00fcnfte. Als Seminargruppe trafen wir uns zum gemeinsamen Arbeiten in\nregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zu Blockterminen. Zwischen unseren Treffen, bei denen wir stets\nversuchten, Verbindungen zwischen unseren Wissenselementen zu erkennen, arbeiteten wir in\nkleineren Gruppen oder in Einzelarbeit an verschiedenen Aufgaben, um unseren Blick f\u00fcr den Ort zu\nsch\u00e4rfen. Im Sinne des Br\u00fccken-Bauens entschieden wir uns anschlie\u00dfend an das Lesen, Untersuchen\nund Diskutieren der zuvor erw\u00e4hnten literarischen Texte und Fotografien, mit in Halle-Neustadt\nwohnenden Personen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Insbesondere ein einmaliges Treffen des Seminars\nin Halle-Neustadt, das in der einleitenden Vignette beschrieben wird, machte deutlich, wie wichtig\nder direkte Kontakt mit den Lebens- und Wohnwirklichkeiten vor Ort sein w\u00fcrde, die wir zuvor nur\ndurch B\u00fccher und Fotografien erfahren konnten. Hierf\u00fcr entwickelte ein kleines Projektteam einen\nauf dem Ausgangsmaterial basierenden Gespr\u00e4chsleitfaden, um mit Halle-Neust\u00e4dter:innen ins\nGespr\u00e4ch \u00fcber (vergangene) Zukunftsentw\u00fcrfe zu kommen. Der nun folgende Beitrag gibt einen Einblick in die Methodologie, \u00dcberlegungen zur Positionalit\u00e4t und den\nVerlauf der Unterhaltungen mit sieben Neust\u00e4dter:innen.\n<\/p>\n\n<h2>Gespr\u00e4che in der Gro\u00dfwohnsiedlung: Forschen \u00fcber (vergangene) Zuk\u00fcnfte in Halle-Neustadt\nMethodologische \u00dcberlegungen: Partizipative Leitfadeninterviews und Elizitationsverfahren\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Um die Informationen, die wir im Rahmen des Projektes aus literarischen Texten wie beispielsweise\nWerner Br\u00e4unigs <i>Gew\u00f6hnliche Leute: Erz\u00e4hlungen<\/i> (1969), Brigitte Reimanns <i>Franziska Linkerhand<\/i> (1974), Alfred Wellms <i>Morisco<\/i> (1987) oder Hans-J\u00fcrgen Steinmanns <i>Zwei Schritte vor dem Gl\u00fcck<\/i>\n(1980) erlesen konnten, einerseits besser kontextualisieren und andererseits um (vergangene)\nZukunftserz\u00e4hlungen aus einer gegenw\u00e4rtigen Perspektive erg\u00e4nzen zu k\u00f6nnen, planten eine\nKommilitonin und ich im Herbst 2023 das Vorgehen f\u00fcr die angedachten Interviews mit Personen\naus Halle-Neustadt. Da die Gespr\u00e4che vor allem zum Ziel hatten, Alltagsrealit\u00e4ten zu erfahren, die\nh\u00e4ufig subtil stattfinden und mehrdimensional sowie dicht miteinander verwoben sind, bedurfte es\neiner geeigneten Methodik, um bedeutsame Augenblicke, Prozesse und Bilder im Zusammenhang\nmit Zukunftsvorstellungen vom Stadtteil Halle-Neustadt zu untersuchen.<sup>6<\/sup> Aus diesem Grund griffen\nwir auf raumwissenschaftliche Forschungsmethodiken zur\u00fcck.\n<\/p>\n\n<p>Offene, narrative sowie leitfadengest\u00fctzte Interviews sind ein etabliertes Instrument der verbalen\nDatenerhebung, bei der durch sprachliche Kommunikation Wissen zu subjektiven Erfahrungen,\nLebenswelten und Handlungsmotiven generiert wird.<sup>7<\/sup> Insbesondere im Kontext von raumbezogenen\nForschungen zu Alltagswirklichkeiten sind Leitfadeninterviews daher geeignete\nErhebungstechniken. So bietet die Entwicklung von Leitf\u00e4den die M\u00f6glichkeit, in einem durch\nwenige, offene Fragen angeregten Gespr\u00e4ch subjektive, relevante Informationen zu Themen wie\nZukunftsimaginationen herauszuarbeiten.\n<\/p>\n\n<p>Allerdings hatten wir dar\u00fcber hinaus zum Ziel, eine Methode zu finden, die ber\u00fccksichtigt, dass es\nschwierig sein kann, Alltagserfahrungen und implizites Wissen wie Atmosph\u00e4ren und Gef\u00fchle zu\nverbalisieren.<sup>8<\/sup> So kann in Interviews h\u00e4ufig nur das besprochen werden, \u00bbwas im diskursiven\nBewusstsein abrufbar ist\u00ab.<sup>9<\/sup> Der alleinige Einsatz klassischer, verbaler Datenerhebungsmethoden wie\nLeitfadeninterviews ist in solchen Momenten nur begrenzt sinnvoll, denn verbale Erhebungsformen\nerfordern oft ein gutes Erinnerungsverm\u00f6gen und andererseits ein ausgepr\u00e4gtes erz\u00e4hlerisches\nGeschick. Die erg\u00e4nzende Verwendung visueller Materialien kann einen niedrigschwelligen Zugang\nzu implizit gewussten Lebenswirklichkeiten und Zukunftsimaginationen bieten und insofern weitere\nErfahrungsebenen erschlie\u00dfen.<sup>10<\/sup> Aus diesem Grund entschieden wir uns schlussendlich, angelehnt\nan das <i>Handbuch qualitative und visuelle Methoden der Raumforschung<\/i>,<sup>11<\/sup> f\u00fcr eine Kombination der\nverbalen mit visuellen Erhebungstechniken. Beim Einsatz sogenannter Foto-Elizitationen<sup>12<\/sup> werden\n\u00bbausgew\u00e4hlte Bilder [genutzt], um den interviewten Personen Aspekte zu entlocken, die bei rein\nkognitiv-sprachlichen Impulsen oftmals latent bleiben\u00ab.<sup>13<\/sup> Insbesondere im Zusammenhang mit\nraumsensiblen Forschungen sind bildgest\u00fctzte Methoden sinnvoll, da das Visuelle der Vorstellung\nvon R\u00e4umen stets immanent ist.<sup>14<\/sup> In unserem Anwendungsfall nutzen wir allerdings nicht nur eine\nAuswahl der uns zur Verf\u00fcgung gestellten Halle-Neustadt Fotografien von Gerald Gro\u00dfe, sondern\nverwendeten dar\u00fcber hinaus auch Zitate aus den literarischen Texten im Sinne eines verbal\nelizitativen Verfahrens, um verschiedene Kommunikationsebenen anzusprechen und\nGespr\u00e4chsimpulse zu setzen. Die Fotografien sowie die Textpassagen als bereits existierende visuelle\nArtefakte unseres Ausgangsmaterials erm\u00f6glichen einen raumbezogenen Zugang zu den subjektiv\nrelevanten Momenten und Zukunftserz\u00e4hlungen. Diese Methodentriangulation ist besonders\ngeeignet, um Zukunftsnarrative aus unterschiedlichen zeitlichen und r\u00e4umlichen Rahmen anzuregen,\nda nicht nur der verbale Austausch im Mittelpunkt der Treffen mit den interviewten Personen steht.<sup>15<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Auf diese Weise k\u00f6nnen imaginierte Vorstellungen von Halle-Neustadt als komplexer, materiell\nsowie sozial konstruierter Forschungsgegenstand sinnvoll erfasst werden. Zugleich erm\u00f6glichte uns\ndas Vorgehen, unsere eigenen Lesarten der Fotografien und Texte mit den Lesarten verschiedener\nNeust\u00e4dter:innen abzugleichen. Dies ist insbesondere aufgrund unserer Positionalit\u00e4t als nicht in\nHalle-Neustadt aufgewachsene, wohnende oder lebende studierende Personen von hohem Wert. Die\nReflexion unserer Positionalit\u00e4t nahm im Arbeitsprozess insgesamt eine wichtige Stellung ein und\nwird deshalb im n\u00e4chsten Abschnitt gesondert thematisiert.\n<\/p>\n\n<h3>Gedanken zum verantwortungsvollen Forschen: Reflexive Positionalit\u00e4t und Situiertheit von Wissen\n<\/h3>\n\n<p>Forschungsprozesse k\u00f6nnen nie vollst\u00e4ndig neutral sein.<sup>16<\/sup> Auch w\u00e4hrend unseres Projektseminars\nbesch\u00e4ftigte uns von Beginn an unsere Positionalit\u00e4t in Verbindung mit dem Projekt stark. Wie schon\nin der einleitenden Vignette beschrieben, ist keines der Seminargruppenmitglieder regelm\u00e4\u00dfig in\nHalle-Neustadt. Vor allem qualitative, feministische Forschungsans\u00e4tze gehen davon aus, dass\nWissen in Machtstrukturen entsteht und von ihnen beeinflusst wird.<sup>17<\/sup> So muss auch das im Rahmen\ndes Seminars erarbeitete Wissen als in gesellschaftliche Strukturen eingebettet, situiert<sup>18<\/sup> und\nverk\u00f6rpert betrachtet werden.<sup>19<\/sup> Reflexivit\u00e4t als Grundprinzip einer machtkritischen Forschung geht\nmit der Idee einher, dass im Rahmen von Forschungsprozessen durch forschende Personen nie\nobjektive Fakten generiert, sondern von Kontext und Position abh\u00e4ngige und damit situierte\nInterpretationen von Themen ko-konstruierend herausgearbeitet werden.<sup>20<\/sup> Vor allem in\nForschungsprozessen, die wie das durchgef\u00fchrte Seminar teilweise partizipativ stattfinden, kommt\nReflexivit\u00e4t eine gro\u00dfe Bedeutung zu, weil die Subjektivit\u00e4t aller an Forschungssituationen\nbeteiligten Personen einen Einfluss auf Forschungsprozesse und die Beschaffenheit von\nErkenntnissen hat.<sup>21<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>F\u00fcr das durchgef\u00fchrte Projekt war unserer Seminargruppe vor allem wichtig, keine Annahmen \u00fcber\nden Stadtteil von au\u00dfen zu treffen. Aus diesem Grund entschieden wir uns auch, wie bereits dargelegt,\nGespr\u00e4che mit Einwohner:innen von Halle-Neustadt zu f\u00fchren. Das \u203a<i>Raus-ins-Feld-Gehen<\/i>\u2039 wirft\nh\u00e4ufig grundlegende Fragen von Raumverst\u00e4ndnissen auf, da es meist mit dem Erheben eines\nAnspruchs auf eine unverstellte Wirklichkeit einhergeht.<sup>22<\/sup> Jedoch sind R\u00e4ume keine Container,\nsondern stets durch die Konstruktionsleistung von Subjekten bei ihrer Erfahrung und Wahrnehmung\nder Welt geschaffen.<sup>23<\/sup> So ist es wichtig, sich durch die Gespr\u00e4che der multiperspektivischen\nWahrnehmung von Zuk\u00fcnften und den R\u00e4umen, in denen sie stattfinden (werden), bewusst zu werden\nund dadurch einer Reproduktion von stereotypisierendem Containerdenken entgegenzuwirken. Im\ndurchgef\u00fchrten Projekt versuchten Gespr\u00e4che mit verschiedenen Personengruppen diesem Anspruch\ngerecht zu werden.\n<\/p>\n\n<p>Hinsichtlich der Konzeption der Gespr\u00e4che sei schlie\u00dflich auch erw\u00e4hnt, dass, wie Janina Dobrusskin\net al. (2021) beschreiben, die Vorauswahl des Elizitationsmaterials kritisch reflektiert werden muss.<sup>24<\/sup>\nGrund hierf\u00fcr ist, dass das verwendete Material in Gespr\u00e4chen stark richtungsweisend wirken und so\ndie erhobenen Daten beeinflussen kann. Im Rahmen des Projektes wurde die Auswahl des Materials\nvor allem so getroffen, dass m\u00f6glichst viele Themenfelder, die in der Literatur sowie den Fotografien\nauftauchen, abgedeckt werden. Die Bilder sollten in ihrer Kombination m\u00f6glichst freien\nInterpretationsspielraum zulassen, sodass die interviewten Personen nicht in bestimmte Richtungen,\nbeispielsweise der Best\u00e4tigung von Vorurteilen zu Halle-Neustadt, gelenkt werden, sondern frei von\nihren Alltagserfahrungen und Zukunftsimaginationen berichten k\u00f6nnen. Ausgehend vom\nForschungsdesign wird nachfolgend ein Einblick in die konkrete Umsetzung der methodologischen\n\u00dcberlegungen unter Einbettung der Gedanken dazu, wie unsere subjektiven Erfahrungen unsere\nSichtweise auf das Forschungsthema sowie die Wissensproduktion haben, gegeben.\n<\/p>\n\n<h3>Forschungsdesign: Ablauf der Gespr\u00e4che und Feldzugang\n<\/h3>\n\n<p>Zur inhaltlichen Orientierung, der Herstellung von Vergleichbarkeit zwischen den Gespr\u00e4chen sowie\nder M\u00f6glichkeit, die getroffenen Aussagen von Neust\u00e4dter:innen, mit Zitaten aus den literarischen\nTexten und den Fotografien zu verbinden, erstellten wir einen Gespr\u00e4chsleitfaden. Der Leitfaden\noperationalisiert das Thema der Zukunftsvorstellungen mit verschiedenen Leitfragen zu thematischen\nAspekten, die f\u00fcr unser Forschungsprojekt interessant waren. Ziel der Gespr\u00e4che war es, unter dem\nThema \u203aBr\u00fccken-Bauen\u2039 Blicke aus der Vergangenheit auf gegenw\u00e4rtige und vergangene Zuk\u00fcnfte\nund Blicke aus der Gegenwart (auf Vergangenheit) und Zukunft zu werfen. Hierf\u00fcr teilten wir die\nGespr\u00e4che in insgesamt drei thematische Bl\u00f6cke ein.\n<\/p>\n\n<p><b>Block 1: Vergangene Zuk\u00fcnfte<\/b><\/p>\n\n<p>Nach einem organisatorischen Einstieg und dem Abfragen biografischer Informationen befragten wir\ndie interviewten Personen zun\u00e4chst zu ihrem Eindruck aus der Erbauungszeit und ihren Hoffnungen,\nVisionen und Erwartungen an die Entwicklung von Halle-Neustadt und das Leben im Stadtteil.\nHierf\u00fcr stellten wir vier Zitate und acht Fotografien bereit, mit deren Hilfe die Befragten uns von\nihren Eindr\u00fccken, Erinnerungen und Geschichten berichten konnten.\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" width=\"575\" height=\"702\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/Bild1scha\u0308rfer.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-448\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/Bild1scha\u0308rfer.png 575w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/Bild1scha\u0308rfer-246x300.png 246w\" sizes=\"(max-width: 575px) 100vw, 575px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><em>\u00bbDie Erde ist zerkerbt mit Gr\u00e4ben, f\u00fcr Leitungen, f\u00fcr Heizungsrohre, inmitten klafft die Baugrube wie eine tiefe, unheilbare Wunde\u00ab. (Wellm 1987: 91)<br><br>\u00bbMit einem Lineal fuhr er auf dem Bebauungsplan herum, umri\u00df die Wohnkomplexe des neuen Stadtteils \u2013 sechs Komplexe waren geplant, drei fertiggestellt, der vierte noch im Bau \u2013 und das gedr\u00e4ngte Hausgewimmel der Altstadt\u00ab. (Linkerhand 1974: 140)<br><br>\u00bbLa\u00dft uns den Stra\u00dfen gute Namen geben. La\u00dft uns G\u00e4rten f\u00fcr alle bauen statt Schreberg\u00e4rten. La\u00dft uns nicht Z\u00e4une errichten, sondern Br\u00fccken\u00ab. (Br\u00e4unig et al. 1969)<br><br>\u00bbAber die Stra\u00dfen waren leer. In fast allen H\u00e4usern fast immer die gleichen Fenster erleuchtet vom gleichen schw\u00e4chlichen Fernsehlicht, die Stra\u00dfenbeleuchtung verlor sich, die Stadt wirkte unbewohnt und kulissenhaft\u00ab. (Br\u00e4unig 1969: 76)<\/em><br><br><br>Abb. 1: Material Vergangene Zuk\u00fcnfte (Fotografien: Gerald Gro\u00dfe)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p><b>Block 2: Vergangene Gegenwart<\/b><\/p>\n\n<p>\n\nIn einem zweiten thematischen Block fragten wir die Personen auf Basis von f\u00fcnf weiteren\nTextpassagen und elf der Fotografien von Gerald Gro\u00dfe nach dem tats\u00e4chlichen Leben in Halle-\nNeustadt zu DDR-Zeiten.\n\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" width=\"649\" height=\"792\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/Bild2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-451\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/Bild2.png 649w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/Bild2-246x300.png 246w\" sizes=\"(max-width: 649px) 100vw, 649px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><em>\u00bbMerkw\u00fcrdige Vorstellung: da\u00df die winzigen Rechtecke auf dem<br>Plan H\u00e4user sein sollten, H\u00e4user, in denen l\u00e4ngst Menschen wohnten, aber auch solche, die in einem Jahr oder zwei, in f\u00fcnf Jahren vielleicht erst erbaut w\u00fcrden. \u203aIch finde mich hier nicht zurecht\u2039, sagte Renate\u00ab. (Steinman 1978: 291)<br><br>\u00bbSt\u00e4dte ohne Vergangenheit sind wie Menschen ohne<br>Geschichte\u00ab. (Br\u00e4unig 1969)<br><br>\u00bb\u203aWenn man die H\u00e4user aber als Ausdruck f\u00fcr Lebensbeziehungen ihrer Bewohner verst\u00fcnde, so lie\u00dfe sich auch jetzt schon manches erkennen. Angefangen damit, dass in den neuen H\u00e4usern \u2013 und das w\u00e4re nun beileibe keine selbstverst\u00e4ndliche Sache! \u2013 Menschen verschiedenster Herkunft und sozialer Stellung Wand an Wand miteinander wohnten, nicht nach Gassen, Stra\u00dfen oder Stadtvierteln getrennt [\u2026]\u2039\u00ab. (Steinmann 1978: 303)<br><br>\u00bbWei\u00dft du, was unseren Bl\u00f6cken fehlt, sie haben keinen<br>Charakter, sie sind weder h\u00e4\u00dflich noch sind sie \u2026 Sie sind ohne<br>Zeit, sie haben nichts, keine Vergangenheit und keine Zukunft \u2026 Manchmal denke ich, und wenn wir die Buden aus Blech und Kn\u00fcppeln bauen w\u00fcrden, vielleicht k\u00f6nnte der Mensch in ihnen \u00fcberleben, aber in unseren Bl\u00f6cken versteh mich, auf die Dauer kann er es nicht\u00ab. (Wellm 1987: 353)<\/em><br><br>Abb. 2: Material Vergangene Gegenwart (Fotografien: Gerald Gro\u00dfe)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p><b>Block 3: Br\u00fccken zwischen den Zeiten<\/b>\n<\/p>\n<p>\nAbschlie\u00dfend interessierten uns Perspektiven auf das gegenw\u00e4rtige Leben in Halle-Neustadt. Hierf\u00fcr\narbeiteten die Interviewten unter Einbezug aller zuvor genutzten textlichen und fotografischen\nMaterialien Ver\u00e4nderungen zwischen den Zeiten heraus. Au\u00dferdem fragten wir nach ihren\ngegenw\u00e4rtigen Zukunftsvorstellungen.\n<\/p>\n\n<p>F\u00fcr die Gespr\u00e4che interessierte uns eine m\u00f6glichst breite Perspektivenvielfalt auf (vergangene)\nZuk\u00fcnfte in Halle-Neustadt. F\u00fcr die Antwort auf die Frage, wen wir interviewen wollten, legten wir\ndaher zun\u00e4chst fest, dass die Personen in Halle-Neustadt leben sollten und orientierten uns \u00fcber\nverschiedene Stadtteilinitiativen wie das Quartiermanagement f\u00fcr unsere Suche nach\nInterviewpartner:innen. Obwohl wir anfangs \u00fcberlegten, auch mit Kindern \u00fcber Zukunftsbilder zu\nsprechen, entschieden wir uns letztlich aufgrund des erschwerten Feldzugangs<sup>25<\/sup> sowie des\nmethodischen Vorgehens, das auf der Verwendung der mehrheitlich aus den 1960er bis 1980er Jahren\nstammenden literarischen Texte und Fotografien basierte, daf\u00fcr, nur mit erwachsenen Personen zu\nsprechen. Letztlich konnten wir \u00fcber Gatekeeper:innen Kontakt zu verschiedenen Menschen\naufnehmen und drei Gespr\u00e4chstermine vereinbaren. Die Gespr\u00e4che werden im folgenden Kapitel\njeweils kurz skizziert.\n<\/p>\n\n<h2>Erz\u00e4hlungen aus Halle-Neustadt: Lebenswirklichkeiten und Perspektiven auf die Zukunft des\ngr\u00f6\u00dften DDR-St\u00e4dtebauprojekts\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Im Dezember 2023 und Januar 2024 f\u00fchrten wir insgesamt drei Interviews mit Neust\u00e4dter:innen. Die\nGespr\u00e4che wurden aufgezeichnet, sodass sie f\u00fcr die sp\u00e4tere Auswertung transkribiert werden\nkonnten. Um einen Einblick in die verschiedenen Orte und Perspektiven zu erhalten, die wir dabei\nkennenlernten, werden die Treffen nachfolgend jeweils knapp portr\u00e4tiert.\n<\/p>\n\n<h3>Das Nachbarschaftsfr\u00fchst\u00fcck im Blauen Wunder\n<\/h3>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nWir \u00fcberqueren ein n\u00e4chstes Mal die Br\u00fccke nach Neustadt. Es ist Montagmorgen und\nnormalerweise w\u00fcrde ich um diese Uhrzeit schon am Campus sein. Schon nach dem Verlassen\nder Magistrale f\u00fchlen wir uns ein wenig desorientiert; wir suchen das Blaue Wunder. Wir\nentscheiden uns, vorher noch ein paar Lebkuchen zu kaufen. Bald ist Weihnachten und wir\nm\u00f6chten gern etwas zum Fr\u00fchst\u00fcck beisteuern, zu dem uns Johanna eingeladen hat. Als wir\nankommen, \u00f6ffnet uns eine unbekannte Frau die T\u00fcr einer kleinen Wohnung mit Balkon.\nKommt rein, sagt sie und winkt uns in den hinteren Raum. Am Tisch sitzen bereits vier\nPersonen. Eine eloquente, junge Frau springt auf und sagt begeistert, dass sie uns bereits auf\ndem Weg von der Haltestelle entdeckt habe und sich fragte, ob wir auf dem Weg zu ihnen sind.\nWie sch\u00f6n es sei, dass wir da sind. Komisch, denke ich, dass wir hier so sehr auffallen. Ich habe\nBedenken, wie wir als Seminargruppe mit den Erz\u00e4hlungen, die wir heute h\u00f6ren werden,\numgehen, wenn wir sie auf der anderen Seite der Saale in unserem Seminarraum am Steintor\nbesprechen. Ich muss an das Machtgef\u00e4lle denken, das ich nicht reproduzieren will. Die\nAtmosph\u00e4re ist herzlich. Wir fr\u00fchst\u00fccken fast drei Stunden lang. Die Ger\u00fcche von Kaffee,\nfrischen Br\u00f6tchen und s\u00fcdkoreanischen Instant-Nudeln vermischen sich in der Luft. Es geht\num Allt\u00e4glichkeiten, die mir aus meinem Leben nicht unbekannt vorkommen. Die gespr\u00e4chige\nFrau sucht einen Ort f\u00fcr ihre Chili-Pflanzen. Ein Mann zeigt das Kunstprojekt, an dem er\ngerade arbeitet. Mehrere Personen planen eifrig die Einladungen und eine Bastelaktion f\u00fcr die\nStadtteil-Weihnachtsfeier. Jemand hat Schwierigkeiten mit einem Formular, das vor Wochen\nin seinem Briefkasten steckte. Wir fr\u00fchst\u00fccken, und die Zeit verfliegt so schnell, dass wir gerade\neinmal f\u00fcnf Minuten dazu kommen, unsere Fotos auszupacken. Alle durchforsten begeistert\ndie auf kleinen Papieren eingefangene Vergangenheit des Ortes, an dem wir uns gerade\nbefinden. Direkt erinnern sie sich an pers\u00f6nliche Erlebnisse und Geschichten. Wir m\u00fcssen los\nund verabreden uns f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck in der n\u00e4chsten Woche. <br>\n(Vignette, H. Schnelle)\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nAm 11. und 18. Dezember 2023 besuchten die Kommilitonin, mit der ich alle Interviews gemeinsam\nplante und durchf\u00fchrte, und ich den Quartiersladen der AWO. Im Laden, der sich in einer\nfreistehenden 3-Raum-Wohnung in dem Block befindet, der wegen seiner Fassadenfarbe auch als\nBlaues Wunder bekannt ist, findet w\u00f6chentlich ein Nachbarschaftsfr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr erwerbslose\nPersonen aus Halle-Neustadt statt. Die Quartiermanagerin Johanna Ludwig erz\u00e4hlte uns bei einem\nTelefonat von diesem Fr\u00fchst\u00fcck. Da bei unserem ersten Besuch mit den Teilnehmenden des\nFr\u00fchst\u00fccks nicht fest abgesprochen war, dass wir Interviews f\u00fchren, entschieden wir uns w\u00e4hrend des\nTreffens dazu, in der darauffolgenden Woche wiederzukommen. Am 18. Dezember trafen wir dann\nbeim Fr\u00fchst\u00fcck insgesamt drei Personen aus Halle-Neustadt \u2013 alle drei Personen kannten wir bereits\naus der Woche davor, sodass sich der Einstieg in das Gespr\u00e4ch wesentlich niederschwelliger und\nhierarchiegel\u00f6ster gestaltete. Au\u00dferdem war eine Mitarbeiterin der AWO anwesend, die auch am\nGespr\u00e4ch teilnahm und ihre Eindr\u00fccke mit uns teilte. Neben der in der Vignette erw\u00e4hnten jungen\nFrau waren ein junger Vater mit seinem Kleinkind und ein etwa sechzigj\u00e4hriger Mann anwesend.\nObwohl die meisten der Personen die DDR-Zeit in Halle-Neustadt nur wenig erlebten, konnten uns\nalle drei Personen von vielen Erlebnissen \u2013 gr\u00f6\u00dftenteils aus dem famili\u00e4ren Umfeld oder\nBekanntenkreis \u2013 berichten. Beispielsweise berichtete uns die junge Frau aus der Erbauungszeit von\nHalle-Neustadt von folgendem Erlebnis ihrer Mutter:\n\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"><strong>Anna<sup>26<\/sup>: <\/strong>Meine Mutter ist\u2013 , war in Eisleben geboren, aber lebte auch schon seit ihrer Kindheit in Halle-Neustadt. Sie hat auch hier in der\u2013, irgendwo hier in der Ecke ist ein Kindergarten und da hat sie, als das noch sehr schlammig war, einen Schuh verloren, hat sie erz\u00e4hlt. Und der ist da irgendwo immer noch in dem Boden drin \/Andere Personen: (lachen)\/, weil das halt noch teils sumpfig war. <\/span><\/em><br><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"><br> <strong>Peter: <\/strong>Da gehen wir mal suchen, was? <\/span><\/em><br><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"><br><strong> Anna: <\/strong>Wie viele Meter willst du graben? <\/span><\/em><br><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"><br><strong> Stephan:<\/strong> Nicht, dass da irgendein Haus draufsteht, mittlerweile. <\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nBeim zweiten Fr\u00fchst\u00fcck luden uns die Teilnehmenden zur Weihnachtsfeier im\nMehrgenerationenhaus Pusteblume in Halle-Neustadt ein, wo wir am 20. Dezember 2023 alle\nPersonen wiedertrafen.\n<\/p>\n\n<h3>Umgeben von DDR-Geschichte(n) in der Geschichtswerkstatt Halle-Neustadt\n<\/h3>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nEs regnet in Str\u00f6men. Schon den ganzen Tag lang. Drau\u00dfen ist es bereits dunkel, und wir sitzen\nin einem kleinen Raum in der westlichen Neustadt, dessen W\u00e4nde von Geschichtstafeln und\nanderen Zeitzeugnissen behangen sind. Die Ger\u00e4usche sind dumpf, denn der Raum ist best\u00fcckt\nmit allerlei orangefarbenen Alltagsgegenst\u00e4nden aus den 1970er Jahren. Ostalgisch. Der Tisch,\nan dem wir sitzen, ist auf grauem Teppichboden platziert. Ich erinnere mich an das Haus meiner\nGro\u00dfeltern. Wir sitzen hier gemeinsam mit einem \u00e4lteren Mann, der 1973 als\nLandschaftsg\u00e4rtner nach Halle-Neustadt gezogen ist. In unersch\u00fctterlicher Ruhe berichtet er\nuns von seinem Lebensweg. Von den Geschichten der ehemaligen Chemiearbeiterstadt. Seine\nFrau und er, sie f\u00fchlten sich immer wohl, berichtet er. Alles sei in der N\u00e4he gewesen, die\nStra\u00dfen niemals leer. Krippen. Schulen. Spielpl\u00e4tze. Die B\u00e4ume, die er damals gepflanzt hatte,\nseien heute gro\u00df, sagt uns der Achtzigj\u00e4hrige stolz nickend und isst ein St\u00fcck vom Lebkuchen.<br>\n(Vignette, H. Schnelle)\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nAm 19. Dezember 2023 trafen wir Herrn M\u00fcller im Ausstellungsraum der Geschichtswerkstatt Halle-\nNeustadt. Ein Teil der Seminargruppe hatte ihn bereits bei einem Treffen im Herbst kennengelernt,\nbei dem er sich gemeinsam mit einer \u00e4lteren Frau und dem Leiter der Geschichtswerkstatt Zeit nahm,\num \u00fcber das Leben im Quartier zu sprechen. Er erkl\u00e4rte sich bereit, in einem weiteren Treffen\ngemeinsam mit uns seine Perspektiven auf die Fotografien und Textstellen zu teilen. Herr M\u00fcller\narbeitete als Abteilungsleiter f\u00fcr Technologie und Projektierung und verantwortete die Begr\u00fcnung in\nder neuen Stadt. Nach der Geburt seiner drei T\u00f6chter und dem Renteneintritt lebt er noch gemeinsam\nmit seiner Frau in Halle-Neustadt. Mit Blick auf die Zukunft berichtet er:\n\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n[I]ch denke, dass das Zusammenwachsen der Altstadt mit der Neustadt aufgrund schon\ndes \u00d6PNV, [\u2026] dass das also mehr und mehr zusammenw\u00e4chst, ja. [\u2026] Man hat ja also\nverschiedene Ausbildungsst\u00e4tten auch hier geschaffen, sodass auch junge Leute st\u00e4ndig,\nja, siehe die volle Stra\u00dfenbahn, ja, die verl\u00e4ngerten Stra\u00dfenbahnen und so weiter. Dann\nder neue Br\u00fcckenbau, der Elisabethbr\u00fccke, ja, die dritte inzwischen, die da gebaut wird.\nDas sind ja alles Verbindungen, die geschaffen werden zwischen den beiden St\u00e4dten.\nUnd also man hat, es ist ein langwieriger Prozess und es ist auch ganz ein z\u00e4her Prozess,\naber es ist ein Prozess, der stattfindet, ja.\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<h3>\nEin Fotoarchiv in der eigenen Wohnung\n\n<\/h3>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nIch telefoniere mit einer \u00e4lteren Neust\u00e4dterin. Eine Woche sp\u00e4ter stehen wir klingelnd vor ihrer\nHaust\u00fcr. Ein Mann spricht durch die Gegensprechanlage zu uns. Zweiter Stock. Drau\u00dfen ist\nes eisig und wir sind froh, als uns das \u00e4ltere Ehepaar die T\u00fcr \u00f6ffnet. Im Wohnzimmer ist es\npudelig warm. Eine intime Situation, daf\u00fcr, dass wir uns noch nie gesehen haben, denke ich.\nIch bin beeindruckt vom Vertrauen, das uns die beiden schenken, indem sie uns hier\nwillkommen hei\u00dfen. Wieder muss ich an meine Gro\u00dfeltern denken. Wir setzen uns an den\nEsstisch. Im Hintergrund l\u00e4uft leise klassische Musik, die Uhr tickt sanft im Sekundentakt. Ich\nblicke hinter mich. Um uns herum stehen deckenhohe Regale, dicht bef\u00fcllt mit Mappen und\nB\u00fcchern. Das hier ist mein Fotoarchiv, sagt die \u00e4ltere Frau zu uns. Sie deutet auf zwei\nUrkunden an der Wand. Zu DDR-Zeiten war sie Leiterin des Fotoateliers in Halle-Neustadt\nund arbeitete sp\u00e4ter als Stadtfotografin. Wir essen Kuchen und Frau Hoffmann berichtet von\nall jenen Augenblicken, die sie in den 70er und 80er Jahren, auf ihrem Dienstrad radelnd,\ndurch ihre Linse eingefangen hatte. Nebenbei schauen wir die Fotografien von ihrem Kollegen\nGerald Gro\u00dfe an, den sie wohl nie pers\u00f6nlich kennenlernen konnte. Sie ist auch Sammlerin,\n\u00fcberlege ich beeindruckt. Sammlerin von Gegenwart. Ihre Wohnung ein Archiv der\nvergangenen Gegenwart. Drau\u00dfen f\u00e4rbt sich der Himmel langsam golden und die Sonne geht\nunter. Noch mindestens eine Stunde sitzen wir und lauschen gespannt den Erz\u00e4hlungen des\nPaares.<br>\n(Vignette, H. Schnelle)\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\u00dcber eine Arbeitskollegin, die als freie Redakteurin aktiv ist, erhielt ich im Dezember den Kontakt\nzur ehemaligen Stadtfotografin von Halle. Telefonisch vereinbarten wir einen Termin f\u00fcr den 5.\nJanuar 2024. Das Treffen fand im Zuhause der \u00e4lteren Frau in Halle-Neustadt statt. Nach der Ankunft\nentschied sich ihr Mann, der ebenfalls zugegen war, spontan dazu, auch am Gespr\u00e4ch teilzunehmen.\nDieser Umstand war f\u00fcr uns insofern gl\u00fccklich, als dass sich bereits bei den beiden vorherigen\nGespr\u00e4chen abzeichnete, wie befruchtend und gespr\u00e4chsanregend das gemeinsame Anschauen der\nTexte und Bilder sein kann. Sie erinnerten sich gemeinsam an viele Momente aus der Erbauungszeit\nvon Halle-Neustadt sowie dem Leben vor Ort bis in die heutige Zeit. Unter anderem berichteten sie\nvom nachbarschaftlichen Miteinander fr\u00fcher und heute:\n\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> <strong>Hr. Hoffmann:<\/strong> Also der soziale Zusammenhalt war sehr stark. Ob nur aus der Not geboren heraus oder was, wei\u00df ich nicht, aber er war da. Und es wurde keiner verachtet, und es wurde keiner ausgeschlossen. Es war also eine richtige soziale Gemeinschaft, w\u00fcrde ich sagen. <\/span><\/em><br><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"><br> <strong>Fr. Hoffmann:<\/strong> Also wir sind da auch Menschen, die daf\u00fcr sehr zu haben sind. Also wir haben noch immer was gemacht und ich habe auch jetzt gerade wieder\u2026 Weihnachten und Neujahr. Und da hat zum Beispiel jemand unten in Blumenstrau\u00df, in der Adventszeit, einen Adventsstrau\u00df hingestellt. Das erste Mal, dass wir so was erleben. Jetzt haben wir alle ger\u00e4tselt, viele haben es mir zugetraut, ich war aber jetzt nicht in der Lage. Und jetzt kam es raus. Und da haben wir uns so gefreut, ich wollte eigentlich gerade einen Zettel hinschreiben, \u203adanke und super\u2039. Und da habe ich aber die Familie getroffen, die es gemacht hat. Und da bin ich gegangen und habe gesagt, \u203adas habt ihr ganz toll gemacht\u2039. Und da hat jetzt die Frau schon gesagt, \u203ada k\u00f6nnen wir das ja zu Ostern wieder machen\u2039. Und das ist doch sch\u00f6n. <\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nIn ihren Erz\u00e4hlungen wird klar, dass noch heute beide sehr begeistert von Halle-Neustadt sind. So\nerz\u00e4hlte uns Frau Hoffmann am Schluss des Interviews:\n\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nUnd ich habe ja vor ein paar Jahren mal wieder eine [Ausstellung] im Neustadtzentrum\ngehabt. Und da kam eine Frau auch mal auf mich zu und sagt, sie wohnt zwar heute\nnicht mehr in Neustadt, aber sie muss sagen, sie hat sehr gerne in Neustadt gewohnt.\nJetzt haben sie eben ein Haus und da ist das alles anders. Aber die Zeit in Neustadt\nvergisst sie nicht. Und das h\u00f6re ich mir dann auch gerne an.\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nAus Platzgr\u00fcnden k\u00f6nnen an dieser Stelle keine weiteren Eindr\u00fccke aus den\nGespr\u00e4chen geteilt werden. F\u00fcr die stadt\u00f6ffentliche Projektpr\u00e4sentation, die\nam 24. Januar 2024 im Literaturhaus im Zentrum von Halle\nstattfand, wurde eine Audiocollage mit weiteren Stimmen zu Halle-\nNeustadt erstellt. Bei Interesse kann der Zugang zur Audiodatei per Mail\nangefragt werden: wohnraum.interviews@systemausfall.org.\n<\/p>\n\n<h2>Die Suche nach dem Sprechen \u00fcber (vergangene) Zuk\u00fcnfte\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Zukunftsbilder sind vielf\u00e4ltig. So ist f\u00fcr den gesellschaftlichen Austausch von Zukunftsimaginationen\ndie Suche nach einer gemeinsamen Sprache fundamental. Die durchgef\u00fchrten Gespr\u00e4che in Halle-\nNeustadt zeigen nicht nur, wie sich Visionen f\u00fcr die Zukunft im Laufe der Zeit ver\u00e4ndern k\u00f6nnen.\nDie Geschichte von Halle-Neustadt sowie die Transformation des Stadtteils bis in die heutige Zeit\nmacht auch deutlich, wie Zukunftsnarrative scheitern k\u00f6nnen, was wiederum Wege f\u00fcr neue Dialoge\n\u00fcber Zukunft er\u00f6ffnet. F\u00fcr einen Blick in die Zukunft ist daher auch immer wichtig, die Gegenwart\nund vergangene Zukunftsszenarien einzubeziehen. \u00dcberdies zeigt das Projekt auch die Bedeutung\ndes Sammelns verschiedener Stimmen. Wenn sich verschiedene Personen(-gruppen) \u00fcber ihre\nWahrnehmungen st\u00e4dtischer Wirklichkeiten verst\u00e4ndigen, ergibt sich ein M\u00f6glichkeitsraum,\ngemeinschaftliche Visionen auszuhandeln.\n<\/p>\n\n<p>Res\u00fcmierend l\u00e4sst sich feststellen, dass sowohl visuelle als auch textliche Sprachen dabei helfen\nk\u00f6nnen, Vorstellungen zu ordnen, zu entwerfen oder zu diskutieren. Methodisch eignen sich daher\nElizitationsverfahren als Herangehensweise, um \u00fcber raumbezogene Zukunftsfragestellungen zu\ndiskutieren. Das Hineinversetzen in Bild- und Textmaterialien erm\u00f6glicht das Erinnern an eigene\nErlebnisse und das Bewusstwerden \u00fcber eigenes Wissen. Obgleich das Vorsortieren und -bestimmen\nder visuellen und textlichen Erhebungsmaterialien durch die Forschenden kritisch betrachtet werden\nmuss, unterst\u00fctzt das Vorgehen insgesamt eine machtsensible Gespr\u00e4chsstrukturierung und\nForschungsweise, indem die befragten Personen emanzipatorisch dazu ermutigt werden, an der\ninhaltlichen Steuerung des Gespr\u00e4chs teilzuhaben. Das regt wiederum nicht nur zur Reflexion des\neigenen Erlebens an, sondern kann auch Impulse f\u00fcr den gegenseitigen Austausch zwischen\nEinzelpersonen liefern, wenn Gruppeninterviews durchgef\u00fchrt werden. Auf diese Weise wird der\nNotwendigkeit einer gespr\u00e4chslenkenden forschenden Person entgegengewirkt und das\ninnewohnende Machtungleichgewicht zwischen Forschenden und interviewten Personen reduziert.<sup>27<\/sup>\nDie elizitierenden Gespr\u00e4che lieferten Informationen dar\u00fcber, wie verschiedene Menschen R\u00e4ume\nerfahren, aneignen und produzieren, konstruieren und nutzen.<sup>28<\/sup> Eine Grenze der Methode ist, dass\nFotografien und Texte nicht das evozieren k\u00f6nnen, was R\u00e4ume evozieren. Im Kontext des Projektes\nwar es allerdings sinnvoll, mit den Fotografien und Textstellen zu arbeiten, um die\nSeminarmaterialien mit einem Blick aus der Perspektive von in Halle-Neustadt lebenden Personen\nzu verbinden. So konnten wir pers\u00f6nlichen, potentiell stereotyp-reproduzierenden Gedanken\nentgegenwirken und als Sammler:innen im Sinne eines Sprechens-Mit anstatt eines Sprechens-\u00dcber\nwirken. In weiteren Projekten k\u00f6nnten auch Vor-Ort-Spazierg\u00e4nge mit Personen ausgetestet werden,\num ins Gespr\u00e4ch \u00fcber (vergangene) Zuk\u00fcnfte zu kommen.\n<\/p>\n\n<p>Zuk\u00fcnfte sind immer unscharf. In dieser Unbestimmtheit liegt die Chance, aus festgefahrenen\nStrukturen auszubrechen. Im Gespr\u00e4ch mit Menschen verschiedener Generationen,\nLebenswirklichkeiten und gesellschaftlichen Positionalit\u00e4ten k\u00f6nnen gemeinsame Ideen entstehen\nund zu pluralen Zukunftsbildern kollektiviert werden. So liegt in der Suche nach dem Sprechen \u00fcber\n(vergangene) Zuk\u00fcnfte die Chance, eine intersektional-machtsensible, generationen\u00fcbergreifende,\ninterkulturell gedachte, antirassistische, sozial-\u00f6kologische Zukunft zu gestalten.\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Unknown_person-271x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-815\" width=\"215\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Unknown_person-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Unknown_person-510x510.jpg 510w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><figcaption>Hannah Schnelle<\/figcaption><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p style=\"text-align: center\"><i>Nach einem Geographiestudium im Bachelor studiert <strong>Hannah<\/strong> (geb. 1998) jetzt International Area Studies<\/i><i> \u2013 Global Change Geography<\/i><i>. Ihr Interesse gilt feministischer Wohnforschung, kritischer Stadtgeographie, digitalen Geographien, Science and Technology Studies sowie visuellen, ethnographischen und k\u00fcnstlerischen Methoden. Nebenbei ist Hannah studentische Hilfskraft am Institut f\u00fcr Geowissenschaften und Geographie.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>Kontakt: hannah.schnelle@student.uni-halle.de; wohnraum.interviews@systemausfall.org<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h2>Anmerkungen<\/h2>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup>Christiane L\u00fctgert, Lars Goern, <i>Strukturkonzept Stadtteilzentrum Neustadt. Neue Impulse aus der Mitte<\/i>, Halle\/Saale 2021, 4.; Peer Pasternack, <i>50 Jahre Halle-Neustadt. Vorwort<\/i>, in: Peer Pasternack et al. (Hg.), <i>50 Jahre Streitfall Halle-Neustadt: Idee und Experiment. Lebensort und Provokation<\/i>, Halle\/Saale 2014, 11\u201314, hier 11f.<br><sup>2<\/sup>Karlheinz Schlesier, Autorenkollektiv, <i>Halle-Neustadt. Plan und Bau der Chemiearbeiterstadt<\/i>, Berlin 1971, 11.<br><sup>3<\/sup>Vgl. StadtumMig Projektteam, <i>Vom Stadtumbauschwerpunkt zum Einwanderungsquartier<\/i>; https:\/\/stadtummig.de\/wp-<br>content\/uploads\/2023\/03\/StadtumMig-Handbuch-2022_Projektphase-1.pdf [letzter Zugriff: 22.03.2024], 18.<br><sup>4<\/sup>Vgl. ebd. 18.; Annette Harth, <i>Erwartet, unerw\u00fcnscht, eingetreten. Segregation in Halle-Neustadt<\/i>, in: Peer Pasternack et al. (Hg.), <i>50 Jahre Streitfall Halle-Neustadt: Idee und Experiment. Lebensort und Provokation<\/i>, Halle\/Saale 2014, 411\u2013413, hier 411.<br><sup>5<\/sup>Vgl. L\u00fctgert, Goern, <i>Strukturkonzept Stadtteilzentrum Neustadt<\/i>, 4.; Peer Pasternack, <i>50 Jahre Halle-Neustadt<\/i>, 12f.<br><sup>6<\/sup>Vgl. Felix Bentlin, Sarah Klepp, <i>Visuell-biografische Interviews zur Analyse von Lern- und Raumerfahrungen<\/i>, in: Anna J. Heinrich et al. (Hg.), <i>Handbuch qualitative und visuelle Methoden der Raumforschung<\/i>, Bielefeld 2021, 165\u2013183, hier 165.<br><sup>7<\/sup>Vgl. Cornelia Thierbach, <i>Zum Einsatz von Leitfadeninterviews in der Raumforschung<\/i>, in: Anna J. Heinrich et al. (Hg.), <i>Handbuch qualitative und visuelle Methoden der Raumforschung<\/i>, Bielefeld 2021, 183\u2013194, hier 183.<br><sup>8<\/sup>Vgl. ebd. 183.; Bentlin, Klepp, <i>Visuell-biografische Interviews zur Analyse von Lern- und Raumerfahrungen<\/i>, 170.<br><sup>9<\/sup>Thierbach, <i>Zum Einsatz von Leitfadeninterviews in der Raumforschung<\/i>, 183.<br><sup>10<\/sup>Vgl. Bentlin, Klepp, <i>Visuell-biografische Interviews zur Analyse von Lern- und Raumerfahrungen<\/i>, 170.<br><sup>11<\/sup>Anna J. Heinrich et al. (Hg.), <i>Handbuch qualitative und visuelle Methoden der Raumforschung<\/i>, Bielefeld 2021.<br><sup>12<\/sup>Vgl. Douglas Harper, <i>Talking about Pictures: A Case for Photo Elicitation<\/i>, in: <i>Visual Studies<\/i>, 17(2022)1, 13\u201326.<br><sup>13<\/sup>Janina Dobrusskin, Ilse Helbrecht, Anthony M. Born, Carolin Genz, <i>Bildgest\u00fctzte Interviews am Beispiel der Foto-Elizitation<\/i>, in: Anna J. Heinrich et al. (Hg.), <i>Handbuch qualitative und visuelle Methoden der Raumforschung<\/i>, Bielefeld 2021, 209\u2013221, hier 212f.<br><sup>14<\/sup>Vgl. ebd. 209.<br><sup>15<\/sup>Vgl. Bentlin, Klepp, <i>Visuell-biografische Interviews zur Analyse von Lern- und Raumerfahrungen<\/i>, 167.<br><sup>16<\/sup>Vgl. Kristine Beurskens, Judith Miggelbrink, Frank Meyer, <i>Ins Feld und zur\u00fcck. Begegnen, sich positionieren, entscheiden<\/i>, in: Frank Meyer, Judith Miggelbrink, Kristine Beurskens (Hg.), <i>Ins Feld und zur\u00fcck. Praktische Probleme qualitativer Forschung in der Sozialgeographie<\/i>, Berlin 2018, 1\u201312, hier 5.; Robert Nadler, Kathrin H\u00f6rschelmann, <i>Ein schmaler Grat. Neutralit\u00e4t und Positionierung in der wissenschaftlichen Praxis<\/i>, in: Frank Meyer, Judith Miggelbrink, Kristine Beurskens (Hg.), <i>Ins Feld und zur\u00fcck. Praktische Probleme qualitativer Forschung in der Sozialgeographie<\/i>, Berlin 2018, 103\u2013110, hier 104.<br><sup>17<\/sup>Vgl. Gilian Rose, <i>Situating Knowledges. Positionality, Reflexivities and other Tactics<\/i>, in: <i>Human Geography<\/i>, 21(1997)3, 305\u2013320, hier 305.<br><sup>18<\/sup>Der Begriff \u203asituiert\u2039 geht auf Donna Haraway (1988) zur\u00fcck, die davon ausgeht, dass Wissen immer nur eine bestimmte Perspektive auf Wirklichkeit aufzeigt.<br><sup>19<\/sup>Vgl. Alexander Vorbrugg, Sarah Klosterkamp, Vanessa Thompson, <i>Feldforschung als soziale Praxis. Ans\u00e4tze f\u00fcr ein verantwortungsvolles und feministisch inspiriertes Forschen<\/i>, in: Autor*innenkollektiv Geographie und Geschlecht (Hg.), <i>Handbuch Feministische Geographien<\/i>, Opladen, Berlin 2021, 76\u201396, hier 80.<br><sup>20<\/sup>Vgl. ebd. 79.<br><sup>21<\/sup>Vgl. Hella von Unger, <i>Partizipative Forschung. Einf\u00fchrung in die Forschungspraxis<\/i>, Wiesbaden 2014, 87.<br><sup>22<\/sup>Vgl. Nils Grube, Katja Thiele, <i>Kritische Stadtexkursionen. Ann\u00e4herung an eine reflexive Exkursionspraxis<\/i>, in: <i>sub\\urban. zeitschrift f\u00fcr kritische stadtforschung<\/i>, 8(2020)3, 215\u2013230, hier 215.<br><sup>23<\/sup>Vgl. ebd. 217.<br><sup>24<\/sup>Vgl. Dobrusskin, Helbrecht, Born, Genz, <i>Bildgest\u00fctzte Interviews am Beispiel der Foto-Elizitation<\/i>, 212.<br><sup>25<\/sup>Der erschwerte Feldzugang ergab sich vor allem daraus, dass uns Kontaktpersonen von Kinderbegegnungsr\u00e4umen in Halle-Neustadt darauf aufmerksam machten, dass wir f\u00fcr Gespr\u00e4che mit Kindern h\u00e4ufig Dolmetscher:innen brauchen w\u00fcrden. Zudem war der Rahmen des Projekts zu kurzfristig, sodass nicht gen\u00fcgend Vorlauf f\u00fcr den zus\u00e4tzlichen Organisationsschritt vorhanden war, die Erziehungsberechtigten der Kinder nach ihrem Einverst\u00e4ndnis zu fragen.<br><sup>26<\/sup>Aus Datenschutzgr\u00fcnden sind die Namen der interviewten Personen anonymisiert.<br><sup>27<\/sup>Vgl. Dobrusskin, Helbrecht, Born, Genz, <i>Bildgest\u00fctzte Interviews am Beispiel der Foto-Elizitation<\/i>, 213.<br><sup>28<\/sup>Vgl. Thierbach, <i>Zum Einsatz von Leitfadeninterviews in der Raumforschung<\/i>, 192.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfer Dank gilt Gerald Gro\u00dfe f\u00fcr die gro\u00dfz\u00fcgige Erlaubnis, seine Fotos im Rahmen unserer Zeitschrift abzubilden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9Gerald Gro\u00dfe Vom Br\u00fccken-Bauen Es ist Freitag. 10:01 Uhr betrete ich den Raum in der Neust\u00e4dter Passage 13. Fast alle anderen sind schon da, denn meine Bahn kam zu sp\u00e4t. Ich f\u00fchle mich ein wenig gehetzt. 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