{"id":472,"date":"2024-11-26T21:02:08","date_gmt":"2024-11-26T20:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/?p=472"},"modified":"2024-12-16T12:55:41","modified_gmt":"2024-12-16T11:55:41","slug":"lachmann_heine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/lachmann_heine\/","title":{"rendered":"Zu Heinrich Heines Zeitgedichten &#8211; Franziska Lachmann"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignwide has-background-dim-20 has-background-dim is-position-center-center\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/09\/640px-Heinrich_Heine.png);background-position:18% 28%;min-height:375px\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container\">\n<p style=\"font-size:50px\"><p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"line-height:1.1;font-size:50px;color:#fffffa\"><strong>\u00bbDie Tat ist das Kind des Wortes\u00ab<\/strong><br><em>Heinrich Heines Zeitgedichte im Spiegel der Zeit<\/em><\/p><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDie Literatur sch\u00f6pft ihre Thematiken und Fragestellungen\nweitgehend aus den historisch-gesellschaftlichen Bedingungen, in die sie eingebettet sind. Das\ntrifft f\u00fcr die Literatur des 19. Jahrhunderts in ganz besonderem Ma\u00dfe zu, denn durch die\nzahlreichen politischen, sozial-gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen und\nNeuerungen zeigt sich die Literatur dieses Jahrhunderts als au\u00dfergew\u00f6hnlicher Vexierspiegel\nder Zeit. Heinrich Heine nimmt dabei eine differenzierte Rolle ein, in welcher er sich nicht nur\nals Literat, Lyriker und Journalist bew\u00e4hrt, sondern auch eine besondere Empfindsamkeit f\u00fcr die Prozesse\nseiner Zeit zeigt. Erst unter der Betrachtung des historischen Kontextes k\u00f6nnen die\nHeine\u2019schen Werke so in ihrer vollen Bedeutung verstanden werden. Als Autor reflektiert Heine\ndie Geschehnisse seiner Zeit, egal ob literarisch, politisch oder wirtschaftlich, wie kaum ein\nanderer, weswegen es mir unm\u00f6glich scheint, sein Werk abseits dieser Reflexionen zu\nbetrachten, da man seine Literatur sonst ihrer Vielschichtigkeit berauben w\u00fcrde.\n<\/p>\n\n<p>Aus diesem Grund teilt sich die Arbeit in zwei recht gleichrangige Teile. Zun\u00e4chst wird\nversucht, einen Abriss der Zeit Heines zu erstellen, der die f\u00fcr den Autor pr\u00e4genden Ereignisse\nund Entwicklungen samt ihrer Bedeutung darstellt. Nur wenn ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die\nWechselwirkungen zwischen Politik, Literatur, Literaturmarkt und Gesellschaft in ihrem\nhistorischen Kontext geschaffen wurde, kann sich ein volles Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Tiefe von\nHeines Werken entfalten, in denen genau jene Prozesse, Entwicklungen und\nWechselwirkungen, die den Neuerungen der Zeit entspringen, literarisch verarbeitet werden.\nEs kristallisiert sich ein besonderes Zeitgef\u00fchl Heines heraus, welches sich vor allem in der\nVerwebung von Ideen, Literatur und Politik zeigt. Heine erschafft dabei einen neuen Duktus\nin der Literatur, der f\u00fcr ihn gleichzeitig mit hohen Anspr\u00fcchen gekoppelt ist, die einerseits ihre\nBegr\u00fcndung in den vorherrschenden historischen, politischen und sozial-gesellschaftlichen\nBedingungen finden und andererseits durch die Literatur verarbeitet und \u00fcberwunden werden\nsollen.\n<\/p>\n\n<p>Das Augenmerk liegt dabei nicht auf Vollst\u00e4ndigkeit oder definitorischer Genauigkeit,\nsondern auf jenen Aspekten, die sich als bestimmend f\u00fcr Heines literarisches Schaffen zeigen.\nZiel soll es sein, die Literatur Heines im Zeitgeschehen zu verorten und die daf\u00fcr wichtigen\nTendenzen hervorzuheben. Dabei steht die Entwicklung seiner poetischen Konzeption im\nSpiegel der Zeit deutlich im Vordergrund der Analyse, w\u00e4hrend auf politische und literarische\nEinordnungen Heines bewusst verzichtet wird, da sich diese f\u00fcr meine Untersuchung als nicht\nzielf\u00fchrend erweisen. Die Fragen, die den ersten Teil der Arbeit begleiten, richten sich\neinerseits an die Ereignisse der Zeit und andererseits an deren Wirkung auf Heine und seine\nliterarische Umsetzung. Was hat Heinrich Heines Literatur mit dem Zeitgeschehen und der\nLiteratur des 19. Jahrhunderts zu tun? Inwiefern werden historische, politische und\ngesellschaftliche Gegebenheiten in seiner Literatur gespiegelt und wozu? Was sind die Ziele\nder Literatur Heinrich Heines? Wof\u00fcr pl\u00e4diert er und warum? Wie dr\u00fcckt sich \u203aZeit\u2039 als\nKontext in der Literatur aus?\n<\/p>\n\n<p>Der zweite Teil meiner Ausf\u00fchrungen besch\u00e4ftigt sich mit dem Spezifikum der Zeitgedichte,\ndie in ganz besonderer Weise die Geschehnisse der Zeit ausdr\u00fccken und exemplarisch den\nliterarischen und vor allem lyrischen Stil sowie den eigenen Anspruch Heines an seine Literatur\naufzeigen. Fragen, die f\u00fcr diesen zweiten Teil richtungsweisend waren, sind: Wie setzen sich\ndie aus dem historischen Kontext gewonnenen Erkenntnisse aus dem ersten Teil der Arbeit in\nHeines literarischem Schaffen um? Durch welche Strategien setzt Heine seine Anforderungen\nan die Literatur in seinem eigenen literarischen Schaffen um? L\u00f6st er die Forderungen, die er\nan die Literatur stellt, selbst ein? Welche Schreibverfahren wendet Heine f\u00fcr seine kritischen\nGegenwartsdiagnosen an? Wie positioniert er sich im Vergleich zu zeitgen\u00f6ssischen Autoren?\nWarum ist die Form der Lyrik ein geeignetes Mittel, um Standpunkte auszudr\u00fccken?\n<\/p>\n\n<p>Welche Bedeutung die gewonnenen Erkenntnisse haben und warum Heine ein perfektes\nExempel f\u00fcr den Schriftsteller des 19. Jahrhunderts darstellt, sind unter anderem die\nThematiken, die im Fazit zusammenfassend erl\u00e4utert werden.\n<\/p>\n\n<h2>Die Zeit, das Zeitgeschehen und die Literatur\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das 19. Jahrhundert zeigt sich als eine Zeit des Umbruchs, der Ver\u00e4nderung und der Dynamik,\ndie vor allem durch die politischen Ereignisse gepr\u00e4gt ist. Schon 1789 beginnt mit der\nFranz\u00f6sischen Revolution eine neue Zeitwahrnehmung. Geschichte wird beeinflussbar, nah\nund greifbar; sie wird verstanden als ein Prozess, der linear und offen in die Zukunft \u00fcbergeht.<sup>1<\/sup>\nDie Revolution r\u00fcttelte vor diesem Hintergrund nicht nur Frankreich wach, sondern sorgte f\u00fcr\ndie generelle Grundlage, ein geschichtliches Bewusstsein zu entwickeln, \u00bbals sie zun\u00e4chst\neinmal das Gegenwartsbewusstsein sch\u00e4rfte, dieses jedoch zugleich als Ergebnis von\nVer\u00e4nderungen der Vergangenheit verstanden werden musste\u00ab.<sup>2<\/sup>\nWie gro\u00df die geschichtliche und politische Bedeutung der Franz\u00f6sischen Revolution\ntats\u00e4chlich war, zeigte sich erst im beginnenden 19. Jahrhundert, also eine Generation sp\u00e4ter,\nderen Vorreiter Heine war.<sup>3<\/sup> Es beginnt eine \u00bbneue Zeit\u00ab des Fortschritts, welche die Differenz\nvon Vergangenem und Zuk\u00fcnftigem in den Mittelpunkt stellt.<sup>4<\/sup> Dabei geht der Fortschritt einher\nmit Ver\u00e4nderung und Bewegung, ausgel\u00f6st und angefangen durch die Franz\u00f6sische Revolution\n\u00bb&#8230;und von dieser Bewegung lebt noch unsere Gegenwart\u00ab,<sup>5<\/sup> schreibt Heine 1834 und zeigt\ndamit die Wichtigkeit der vergangenen politischen und sozial-gesellschaftlichen Ereignisse an,\ndie die Grundlage der Gegenwart schaffen.\n<\/p>\n\n<p>In Deutschland manifestierten sich die Auswirkungen der Franz\u00f6sischen Revolution lediglich\nin den gesetzlichen Bestimmungen durch Napoleon, aber viel entscheidender ist, dass die\nIdeen, welche der Revolution zugrunde lagen, auf eine gro\u00dfe Menge des deutschen B\u00fcrgertums\ngeistig befreiend wirkten und zwar \u00bbim Sinne einer politischen Aufkl\u00e4rung\u00ab.<sup>6<\/sup> F\u00fcr Heine\nbeginnt 1789 eine neue \u00bbWeltepoche, wo die Lehre der Freiheit und Gleichheit so siegreich\nemporstieg aus jener allgemeinen Erkenntnisquelle, die wir Vernunft nennen [&#8230;]\u00ab.<sup>7<\/sup> Die\nRevolution sowie die Befreiungskriege zeigen sich bei Heinrich Heine in erster Linie als\nkognitive Prozesse, als intellektuelle Revolutionen in der Bereitschaft eines Umdenkens.<sup>8<\/sup>\nDiese intellektuelle \u00bbBewegung\u00ab des Geistes kann aber erst durch ein gewisses Ma\u00df an Freiheit\nerlangt werden, f\u00fcr welche die Franz\u00f6sische Revolution, in Heines Augen, \u00fcberhaupt erst mit\nder <i>Declaration des Droits de l\u2018Homme et du Citoyen<\/i> den Grundstein legte. Wenn Heine \u00fcber\nPolitik spricht, geht es ihm viel weniger um Parteien, Machthaber oder Staatsformen, als\nvielmehr um Ideen, um Gedanken, die aus dem Allt\u00e4glichen ausbrechen und zur Ver\u00e4nderung\nvon Missst\u00e4nden anregen,<sup>9<\/sup>\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> [&#8230;] denn die politischen Staatsformen und Regierungen sind nur Mittel; Monarchie oder Republik, demokratische oder aristokratische Instituzionen sind gleichg\u00fcltige Dinge solange der Kampf um erste Lebensprinzipien, um die Idee des Lebens selbst, noch nicht entschieden ist.<\/span><\/em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"><sup>10<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>Die ersten Lebensprinzipien, auf die Heine hier anspielt, zeigen sich in der Gleichheit aller\nB\u00fcrger und der Emanzipation des Volkes.<sup>11<\/sup> Die Politik ist die \u00bbWissenschaft der Freiheit\u00ab<sup>12<\/sup>\nund ihr Ziel \u00bbdie Volkwerdung\u00ab<sup>13<\/sup> dieser \u2013 wenn man diese Gedankenschritte Heines teilt, wird\ndeutlich, warum bei ihm die Revolution weder auf Frankreich noch auf das 18. Jahrhundert\nbeschr\u00e4nkt betrachtet wird, sondern sich als eine \u00bbUniversalrevolution\u00ab zeigt, die mit der\nReformation als einem ersten Schritt der Befreiung aus \u00bbgeistiger Unm\u00fcndigkeit\u00ab beginnt und\nnoch \u00fcber die Julirevolution hinausgeht.<sup>14<\/sup> Heines politische Haltung wird in der Forschung\nsehr unterschiedlich gedeutet, doch oft wird der entscheidende Punkt \u00fcbersehen: Bei Heine gibt\nes einen deutlichen \u00bbAbstand zwischen der politischen Idee und der politischen Realit\u00e4t\u00ab<sup>15<\/sup> und\ndeswegen f\u00e4llt es so schwer, ihn politischen Bewegungen oder aber auch literarischen\nStr\u00f6mungen zuzuordnen, denn auch hier geht es ihm um die Ideen dahinter. Er sah die Vor-\nund Nachteile einer jeden Partei, Staatsform oder Regierung, kritisierte sowohl die eine als\nauch die andere und sah in den verschiedenen politischen Bewegungen, Regierungen und\nL\u00e4ndern, aber auch in den verschiedenen literarischen Gruppierungen und Str\u00f6mungen die\njeweiligen positiven und negativen Aspekte. Folglich l\u00e4sst er sich weder in der Literatur noch\nin der Politik spezifischen Richtungen zuordnen. Es geht Heine immer um die Ideen, die hinter\nder Sache stehen, weswegen Labels, egal ob literarisch oder politisch, nur schwer auf ihn\npassen. Aus diesem Grund lassen sich Begriffe wie \u00bbParteien\u00ab, \u00bbL\u00e4nder\u00ab und \u00bbliterarische\nStr\u00f6mungen\u00ab in diesem Kontext \u00fcber einen Kamm scheren, weil Politik und Literatur sowie\ndie geistige Haltung der Gesellschaft unl\u00f6sbar miteinander verkn\u00fcpft sind und in einer Art\ngegenseitigem Wechselverh\u00e4ltnis stehen. Dass die geistige Haltung der Gesellschaft die Politik\nbeeinflussen und sogar durch darauffolgende Taten \u00e4ndern kann, zeigt 1789 par excellence:\n\u00bbDer Charakter der franz\u00f6sischen Revoluzion war aber zu jeder Zeit bedingt von dem\nmoralischen Zustande des Volks und besonders von seiner politischen Bildung\u00ab.<sup>16<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Doch ist andererseits die Revolution der Politik als Befreiung aus der Unm\u00fcndigkeit und\ninneren Abh\u00e4ngigkeit n\u00f6tig, sodass diese wiederum die Freiheit und Emanzipation des Volkes,\ndie Heine als \u00bbGottesrechte des Menschen\u00ab ansieht,<sup>17<\/sup> auf politischer Ebene durchsetzen und\nverankern kann.<sup>18<\/sup> Erst in Folge der Revolution in Frankreich und dem Ende der\nBefreiungskriege kann sich in Deutschland neben der Idee der Einheit, die Idee der Freiheit\nentwickeln und langsam, aber sicher eine \u00f6ffentliche Meinung entstehen, der fruchtbare Boden\nf\u00fcr politische Publizistik.<sup>19<\/sup> Politik ist nicht mehr nur die Sache einer kleinen adeligen\nMinderheit, sondern auch eine Sache des Volkes; die Politik wird sozusagen vergesellschaftet\nund die Gesellschaft politisiert.<sup>20<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Eine Grundlage daf\u00fcr war die Expansion des Literaturmarktes und dessen Kommerzialisierung\nauf dem freien Markt in Folge der Einf\u00fchrung der Schnelldruckpressen sowie das wachsende\nKommunikations- und Lesebed\u00fcrfnis der Bev\u00f6lkerung. Es entstanden immer mehr\nTageszeitungen, Journale und Zeitschriften, was f\u00fcr die Herausbildung neuer und\nmarktabh\u00e4ngiger Berufe sorgte, wie den des freien Schriftstellers, des Journalisten, Verlegers\nund Herausgebers. Die politische Publizistik konnte auf diesem Boden gedeihen und erhielt ihr\nFutter von allen Seiten, weil sowohl die konservativen Regierungen als auch die\noppositionellen Schriftsteller und liberalen Verleger um ihren Einfluss auf das Publikum\nk\u00e4mpften.<sup>21<\/sup> Wie wichtig die Meinung des Publikums ist und warum es eben auch ein Anliegen\ndes Literaturmarktes ist, dieses Publikum politisch aufzukl\u00e4ren, erl\u00e4utert Heine selbst:\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Ich glaube mit diesen fl\u00fcchtigen Bemerkungen genugsam angedeutet zu haben, wie jede Frage \u00fcber den Charakter den die Revoluzion in Deutschland annehmen m\u00f6chte, sich in eine Frage \u00fcber den Zustand der Civilisazion und der politischen Bildung des deutschen Volkes verwandeln mu\u00df, wie diese Bildung ganz abh\u00e4ngig ist von der Pre\u00dffreyheit, und wie es unser \u00e4ngstlichster Wunsch seyn mu\u00df, da\u00df durch letztere recht viel Licht verbreitet werde.<\/span><\/em><sup><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">22<\/span><\/sup><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDoch sorgte der Wiener Kongress 1815 und die Macht\u00fcbernahme Metternichs f\u00fcr die\nzur\u00fcckkehrende Dunkelheit.<sup>23<\/sup> Mit der R\u00fcckkehr zum Staatensystem des 18. Jahrhunderts, wie\nes noch vor der Franz\u00f6sischen Revolution und Napoleon in Europa existierte, wurden die\nMonarchen wieder eingesetzt, die St\u00e4nde gest\u00e4rkt und so versucht, jegliche Ideen der\nfranz\u00f6sischen und auch amerikanischen Revolution zu verbannen, die auf Freiheit, Gleichheit\nund Souver\u00e4nit\u00e4t des Volkes durch eine Verfassung fu\u00dften.<sup>24<\/sup> Die restriktiven Ma\u00dfnahmen, die\nsich gegen jegliche oppositionelle Form richteten, kulminierten 1819 in den Karlsbader\nBeschl\u00fcssen, \u00bbdie darauf abzielten, die \u00f6ffentliche Meinung zum Schweigen zu bringen und\ndurch die Kriminalisierung des Gedankenaustauschs jede Gruppenbildung bereits im Ansatz\nunm\u00f6glich zu machen\u00ab.<sup>25<\/sup> Umgesetzt wurde dieses Vorhaben durch die Aufl\u00f6sung der\nBurschenschaften, die \u00dcberwachung von Schulen und Universit\u00e4ten sowie durch strenge\nZensurma\u00dfnahmen, die jetzt den literarischen Markt bestimmten.<sup>26<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Mit den Karlsbader Beschl\u00fcssen begannen in Deutschland die Demagogenverfolgungen und\ndie publizistische \u00d6ffentlichkeit unterlag einer strengen Kontrolle, was daf\u00fcr sorgte, dass das\npolitische Leben einfror. Zwar versuchten Autoren und Verleger durch immer wieder neue\nIdeen, wie zum Beispiel der Verlegung des Druckortes, Pseudonymen oder bestimmter Druck-\nund Kompositionstechniken, durch die die Vorzensur f\u00fcr Druckwerke mit unter 20 B\u00f6gen\numgangen werden sollte, die L\u00fccken im Netz der Zensurpolitik der einzelnen Bundesstaaten\nzu nutzen. Dabei waren jedoch die zwanziger Jahre insbesondere f\u00fcr Heine durch Resignation,\nStagnation und L\u00e4hmung gepr\u00e4gt.<sup>27<\/sup> Doch was das Restaurationssystem nicht eind\u00e4mmen\nkonnte, waren die vielschichtigen Modernisierungsprozesse; den langsamen Beginn der\ndeutschen industriellen Revolution, die einhergeht mit den Anf\u00e4ngen einer kapitalistischen\nProduktionsweise \u2013 so wird der literarische Markt zwar durch die politischen Bestimmungen\nbehindert, aber nicht verhindert. Daf\u00fcr sorgte unter anderem ein verbreitertes Publikum des\nB\u00fcrgertums durch ansteigende Alphabetisierung, den neuen Leser \u00bbFrau\u00ab sowie die\nvereinfachte Zug\u00e4nglichkeit zu Literatur verschiedener Art, auch in Folge der journalistischen\nPublizistik sowie durch die Entstehung von immer mehr Leihbibliotheken und\nLesegesellschaften.<sup>28<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Letztendlich wurden die M\u00f6glichkeiten zur Publikation f\u00fcr Schriftsteller umfangreicher und\ndifferenzierter. Gleichzeitig zogen diese den literarischen Markt f\u00f6rdernden Entwicklungen\nauch solche nach sich, die fordernd auf den literarischen Markt einwirkten. Wenn Literatur zur\nWare wird, ist der Schriftsteller abh\u00e4ngig vom Verleger und dieser bestimmt anhand der\nNachfrage am Markt, was gedruckt wird, das hei\u00dft, der Verleger richtet seine Erwartungen an\nden Autor am Geschmack des Publikums aus. Dadurch wird vom freien Autor eine hohe\nProduktivit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t verlangt, sodass dieser meist sowohl B\u00fccher als auch Zeitungs-\nund Zeitschriftenartikel, Rezensionen, Gedichte, Reiseberichte und mehr schreibt.<sup>29<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Die Journalliteratur der Zeit ist gekennzeichnet durch die \u00d6ffnung von Gattungs- und\nDiskursgrenzen, sie ist aktuell und vermittelt das Zeitgeschehen unmittelbar, in K\u00fcrze sowie\nin verschiedenen und beweglichen Formen, die von Berichten bis hin zu Fortsetzungstexten,\ndem Feuilletonroman, reichen. \u00bbEs ist die Zeit des Ideenkampfes, und Journale sind unsre\nFestungen\u00ab,<sup>30<\/sup> schrieb Heine im November 1828 an Gustav Kolb. Doch steht zwischen Autor\nund Verleger immer noch auch der Zensor, von dem beide in gewisser Weise abh\u00e4ngig sind\nund wodurch der Ideenkampf nicht so offen und unvermittelt stattfinden kann, wie Heine, der\nbez\u00fcglich vieler Werke von der Zensur betroffen war, sich dies gew\u00fcnscht h\u00e4tte.<sup>31<\/sup> So muss\nHeine seinen Ideenkampf geschickt anstellen und\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> [&#8230;] die Deutung der wesentlichen gesellschaftlichen und politischen Zusammenh\u00e4nge in Berichte \u00fcber die kulturelle Szene einstreuen, er versetzt sie mit Anekdoten, pers\u00f6nlichen Portr\u00e4ts, Nachrichten aus der Gesellschaft etc., so da\u00df die politische Aufkl\u00e4rung unanst\u00f6\u00dfig weil beinahe unsichtbar wird. Die elegante und witzige Darbietung mu\u00df von dem Ernst der besprochenen Sachverhalte ablenken, um die Verbreitung zu sichern.<\/span><\/em><sup><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">32<\/span><\/sup><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDiese Taktik hat er in den B\u00fcchern der <i>Reisebilder<\/i> perfektioniert, nachdem Heine bei der\nVer\u00f6ffentlichung einzelner Teilwerke in Zeitungen und Zeitschriften stark mit der Zensur zu\nk\u00e4mpfen hatte.<sup>33<\/sup>\n\n<\/p>\n\n<p>Das strukturierende Prinzip der <i>Reisebilder<\/i> zeigt sich in der \u00bbBetrachtung der Gegenwart unter\nder Leitfrage der Emanzipation\u00ab<sup>34<\/sup> und auch hier meint Heine damit einen allumfassenden\nBefreiungsvorgang der ganzen Welt und \u00fcbt Kritik bez\u00fcglich s\u00e4mtlicher Fragen der Zeit, nicht\nnur auf der politischen, sondern auch auf der religi\u00f6sen, sozialen und wirtschaftlichen Ebene.\nMit zeitlichem Fortschreiten wird im dritten Teil der <i>Reisebilder<\/i>, die im Dezember 1829\nver\u00f6ffentlicht wurden, deutlich, dass Heine einen Umsturz fast ungeduldig erwartet, wenn er\nsagt:\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> [&#8230;] die Zeit dr\u00e4ngt mit ihrer gro\u00dfen Aufgabe. Was ist aber diese gro\u00dfe Aufgabe unserer Zeit? Es ist die Emanzipation. [&#8230;] Jede Zeit hat ihre Aufgabe und durch die L\u00f6sung derselben r\u00fcckt die Menschheit weiter. Die fr\u00fchere Ungleichheit, durch das Feudalsystem in Europa gestiftet, war vielleicht notwendig, oder notwendige Bedingung zu den Fortschritten der Zivilisation; jetzt aber hemmt sie diese, emp\u00f6rt sie die zivilisierten Herzen.<\/em><sup>35<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nMit der Julirevolution 1830 in Frankreich beginnt f\u00fcr Heine eine Zeit der Ver\u00e4nderung und der\nMittelpunkt seines Schaffens. Diese Ver\u00e4nderung zeigt sich bei Heine vor allem durch\npolitische Aspekte: Er sieht die Julirevolution als direkte Fortsetzung der Revolution von 1789,\nwobei er jedoch Revolutionen nicht als singul\u00e4re Ereignisse betrachtet, sondern als zyklische\nund dass sich somit Revolutionen wiederholen<sup>36<\/sup>\n\u2013 vor allem dann, wenn einige der Ziele noch\nnicht verwirklicht wurden, wie die Meinungs- und Pressefreiheit, politische Bildung und\ngeistige M\u00fcndigkeit.<sup>37<\/sup> W\u00e4hrend einige dieser Ziele nun scheinbar in Frankreich umgesetzt\nwurden, blieben die Auswirkungen der Revolution auf Deutschland recht gering. Zwar konnte\nder oppositionelle Widerstand zwischenzeitlich erstarken, sich lauter und subversiver \u00e4u\u00dfern,\nwas sich sowohl in den Zeitungen und Zeitschriften zeigte, als auch in Revolten in einzelnen\nSt\u00e4dten und im Hambacher Fest 1832. Doch wurden daraufhin die Repressionsma\u00dfnahmen\nstrenger \u2013 die Versammlungsfreiheit wurde eingeschr\u00e4nkt und s\u00e4mtliche anderen Rechte und\nFreiheiten st\u00e4rker beschr\u00e4nkt, wozu auch eine Versch\u00e4rfung des Zensurwesens geh\u00f6rte \u2013 und\nkulminierten in den 60 Artikeln der Wiener Geheimkonferenz 1834, die die komplette\nKontrolle des politisch-\u00f6ffentlichen Lebens vorsahen.<sup>38<\/sup> Infolgedessen suchte eine Vielzahl der\ndeutschen Intellektuellen, so auch Heine, das Exil im Land der Freiheit.<sup>39<\/sup>\n\n<\/p>\n\n<p>Da Heines Revolutionsbegriff ein geistiger, intellektueller ist, also Revolution eine Tat der\nAufkl\u00e4rung, der inneren Befreiung, die dabei nicht auf ein Land oder eine Zeit beschr\u00e4nkt ist,\nfinden sich in der Einleitung zu <i>Kahldorf \u00fcber den Adel<\/i>, der als erster Text nach der\nJulirevolution erscheint sowie in <i>Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland<\/i>,\nParallelisierungen zwischen der franz\u00f6sischen politischen Revolution und der philosophisch-\ngeistigen Revolution der Deutschen.<sup>40<\/sup> Eben weil Revolutionen einen Befreiungsakt leisten f\u00fcr\nden Bereich, in dem die Fremdherrschaft am st\u00e4rksten ist und deswegen lassen sich Luther,\nKant, Lessing und Napoleon in diesem Revolutionsverst\u00e4ndnis von Heine in eine Reihe\nstellen.<sup>41<\/sup>\n<\/p>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Wenn die Geistesbildung und die daraus entstandenen Sitten und Bed\u00fcrfnisse eines Volkes nicht mehr im Einklange sind mit den alten Staatsinstitutionen, so tritt es mit diesen in einen Notkampf, der die Umgestaltung derselben zur Folge hat und eine Revolution genannt wird. Solange die Revolution nicht vollendet ist, solange jene Umgestaltung der Institutionen nicht ganz mit der Geistesbildung und in daraus hervorgegangenen Sitten und Bed\u00fcrfnissen des Volks \u00fcbereinstimmt; so lange ist gleichsam das Staatssiechtum nicht v\u00f6llig geheilt.<\/em><sup>42<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDies schreibt Heine am 19. April 1832 im sechsten Kapitel der <i>Franz\u00f6sischen Zust\u00e4nde<\/i> in der\n<i>Allgemeinen Zeitung<\/i> und deutet damit einerseits an, dass die Ziele der Julirevolution in\nFrankreich nicht so umgesetzt wurden, wie es zun\u00e4chst schien, und andererseits zeigt sich die\nRichtigkeit der These, dass er die Revolutionen von 1789 und 1830 nur als Teile eines\nProzesses ansieht. Diesem Schema folgend und mit Blick auf seine \u00c4u\u00dferungen in den beiden\nzuvor genannten Werken, st\u00fcnde auch in Deutschland der gro\u00dfe Umbruch erst noch bevor und\ndiesen k\u00f6nne Heine kaum erwarten \u2013 soll sich doch sp\u00e4testens 1848 zeigen, dass er mit seinen\nEinsch\u00e4tzungen Recht hatte. Die Zeit der Ver\u00e4nderung tritt in den drei\u00dfiger Jahren nicht nur\nauf politischer Ebene und in dem L\u00e4nderwechsel Heines ein, sondern auch auf geistig\nk\u00fcnstlerischer Ebene: das \u00bbEnde der Kunstperiode\u00ab,<sup>43<\/sup> das Heine schon 1828 in den <i>Neuen\nallgemeinen politischen Annalen<\/i> voraussagte und gleichzeitig beschwor.\n<\/p>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> [&#8230;] und so wird auch Goethe nicht verhindern k\u00f6nnen, da\u00df jene gro\u00dfen Geister, die er im Leben gern entfernen wollte, dennoch im Tode mit ihm zusammen kommen, und neben ihm ihren ewigen Platz finden im Westminster der deutschen Literatur. Die br\u00fctende Stimmung unzufriedener Gro\u00dfen ist ansteckend, und die Luft wird schw\u00fcl. Das Prinzip der Goetheschen Zeit, die Kunstidee, entweicht, eine neue Zeit mit einem neuen Prinzipe steigt auf.<\/em><sup>44<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nMit diesen Worten zeigt sich, dass Heine nicht nur auf eine politische Revolution in\nDeutschland spekulierte, sondern vor allem auf eine literarische. Schon 1825 starb Jean Paul,\n1829 starb Friedrich Schlegel, 1831 folgten Hegel, Achim von Arnim und 1832 war der Tod\nGoethes \u2013 s\u00e4mtliche Vertreter einer ganzen Generation, einer mittlerweile veralteten\nGeneration von Klassik und Romantik. In <i>Die romantische Schule<\/i> f\u00fchrt Heine seine\nAndeutungen deutlicher aus und erl\u00e4utert, dass sich die Autoren f\u00fcr ihn, mit Ausnahme von\nJean Paul, dadurch charakterisieren, dass sie \u203aMonumente\u2039 der Literatur schufen, allen voran\nGoethe. Die Goethe\u2019schen Werke beschreibt Heine als wundersch\u00f6ne Skulpturen, die zwar den\n\u00bbGarten\u00ab der deutschen Literatur \u00bbzieren\u00ab, aber allesamt \u00bbunfruchtbar\u00ab seien, denn \u00bbdie\nGoetheschen Dichtungen bringen nicht die Tat hervor wie die Schillerschen. Die Tat ist das\nKind des Wortes, und die Goetheschen sch\u00f6nen Worte sind kinderlos\u00ab.<sup>45<\/sup> Das Problem in der\nKunstperiode liegt f\u00fcr Heine darin, dass die Autoren von einer reinen Autonomie der Kunst\nausgingen, dass ihre Werke allein f\u00fcr sich stehen und keinen anderen Zweck erf\u00fcllen, als\nsch\u00f6ne Kunstwerke zu sein und deshalb unbedingt \u00bbvon den zeitlichen Ansichten der\nMenschen unabh\u00e4ngig bleiben\u00ab m\u00fcssen.<sup>46<\/sup> Es sind schlichtweg sch\u00f6ne Werke, die hoch oben\n\u00fcber der realen Wirklichkeit thronen und mit dieser so wenig wie m\u00f6glich tangieren wollen.\nDas \u00bbalte Prinzip\u00ab l\u00e4sst die Kunst keinen h\u00f6heren Zweck verfolgen, sie dient nichts au\u00dfer sich\nselbst und sorgt so f\u00fcr Genuss, aber eben nicht f\u00fcr Taten und deswegen sind sie f\u00fcr Heine\nunfruchtbar.\n\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Indem die Goetheaner von solcher Ansicht ausgehen, betrachten sie die Kunst als eine unabh\u00e4ngige zweite Welt [&#8230;], die Goetheaner lie\u00dfen sich dadurch verleiten, die Kunst selbst als das H\u00f6chste zu proklamieren und von den Anspr\u00fcchen jener ersten wirklichen Welt, welcher doch der Vorrang geb\u00fchrt, sich abzuwenden.<\/em><sup>47<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDie Goethe\u2019sche Kunst reflektiert nicht das Zeitgeschehen, hat keine kritische Meinung, schon\ngar keine politische, die Kunst steht f\u00fcr sich allein. An Heines Ausf\u00fchrungen wird deutlich,\ndass sich sein kritisches Zeitbewusstsein nicht nur in politischer, sozial-gesellschaftlicher und\nwirtschaftlicher Unzufriedenheit \u00e4u\u00dfert, sondern vor allem in literarischer Unzufriedenheit.<sup>48<\/sup>\n\n<\/p>\n\n<p>Wenn wir gesagt haben, dass Heines Revolutionsbegriff ein intellektueller ist, bei dem es um\ndie Bereitschaft zum Umdenken geht, dann findet sich das Zentrum seiner Forderungen an die\nLiteratur darin, dass sie wie ein Samenkorn in die fruchtbare Erde der K\u00f6pfe der Menschen\ngepflanzt werden soll. \u00bbDie Tat ist das Kind des Wortes\u00ab.<sup>49<\/sup> Die Literatur soll politisch\naufkl\u00e4ren, die richtigen Ideen in den Gedanken der Leser wachsen lassen, sodass dann, wenn\ndie revolution\u00e4re Blume bl\u00fcht, Taten folgen. Voraussetzung dieser Taten bleibt immer die\n\u00bbpolitische Bildung\u00ab des Volkes,<sup>50<\/sup> die abh\u00e4ngig ist und mitbestimmt wird durch die Literatur.\nEs geht nicht darum, eine erneute politische Revolution auszul\u00f6sen, sondern zun\u00e4chst eine\nliterarische. M\u00f6glich ist dies aber nur, wenn die Kunst die Wirklichkeit nicht ausblendet,\nsondern eine Vermittlungsfunktion \u00fcbernimmt, das hei\u00dft, mit Hilfe der neuen\nWirklichkeitserfahrung sollte die Literatur ver\u00e4ndert werden.<sup>51<\/sup> Das neue Prinzip der Literatur\nwird bestimmt durch Stoffe der Wirklichkeit, die dabei nicht einfach reproduktiv dargestellt,\nsondern der Reflexion zug\u00e4nglich gemacht werden; die Literatur soll das Bewusstsein erhellen,\ndas Zeitgeschehen kritisch filtern und so zur rationalen Durchdringung der Ereignisse f\u00fchren.<sup>52<\/sup>\nSie soll sich nicht von der wirklichen Welt abwenden, sondern mit ihr eine Verbindung\neingehen und dann k\u00f6nne man nicht von der neuesten deutschen Literatur sprechen, \u00bbohne ins\ntiefste Gebiet der Politik zu geraten\u00ab,<sup>53<\/sup> weil die Politik zum Leben geh\u00f6rt. In ihr zeigt sich der\nGeist der Zeit und sie ist Zeitgeschichte, deswegen darf sie aus der Literatur nicht nach dem\n\u00bbalten Prinzip\u00ab verbannt werden. Gleichzeitig meinte Heine damit nicht, dass die Literatur das\nzentrale Interesse in die Politik legen sollte:\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Umgekehrt: weil die Literatur aus dem klassischen Elfenbeinturm heraus sollte, blieb ihr die Ber\u00fchrung auch mit der Politik nicht erspart, und so war denn immer wieder ebenfalls von der Politik die Rede, aber nicht, weil es in erster Linie um politische Zielsetzungen gegangen w\u00e4re, sondern vielmehr deswegen, weil die Politik ein Teil des Lebens war und dieses nun auch in die Literatur hineindringen sollte.<\/em><sup>54<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nEben jene Verbindung von Wirklichkeit und Literatur, das Wechselverh\u00e4ltnis von Politik,\nLiteratur und Leseraufkl\u00e4rung, sieht Heine vor allem bei Jean Paul:\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Sein Herz und seine Schriften waren eins und dasselbe. Diese Eigenschaft, diese Ganzheit finden wir auch bei den Schriftstellern des heutigen jungen Deutschlands, die ebenfalls keinen Unterschied machen wollen zwischen Leben und Schreiben, die nimmermehr die Politik trennen von Wissenschaft, Kunst und Religion, und die zu gleicher Zeit K\u00fcnstler, Tribune und Apostel sind.<\/em><sup>55<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nIm Leben und in der Politik liegt das h\u00f6chste Ziel f\u00fcr Heine in der Freiheit und f\u00fcr die Freiheit\nin der Literatur tritt er ein. Heines <i>Reisebilder<\/i> lassen sich als diese Freiheit in der Literatur\ninterpretieren, denn erstmals zeigt sich in den Werken eine gnadenlose Aufhebung der\nGattungs- und Genregrenzen. Die <i>Reisebilder<\/i> mischen Lyrik und Prosa, Fakt und Fiktion, Zeit-\nund Gesellschaftssatire, Meinung und Idee und weisen damit eine Mischung s\u00e4mtlicher\nElemente auf, die in der klassischen \u00c4sthetik der \u00bbKunstperiode\u00ab so nicht denkbar waren \u2013\nwas sich aber als geeignete Methode bew\u00e4hrte, um die Vielschichtigkeit der Zeit auszudr\u00fccken.\n<\/p>\n\n<p>Bereits mit diesen Werken wirkte Heine stil- und formbildend auf den neuen Literaturkanon\nein und machte deutlich, dass er die Vermittlung zwischen Leben und Kunst nicht nur fordert,\nsondern auch einl\u00f6st und zu einer Einheit verbindet.<sup>56<\/sup> Dazu geh\u00f6rte auch, dass die\nH\u00f6herbewertung des <i>ancien r\u00e9gime<\/i> der lyrischen Verse gegen\u00fcber der Prosa au\u00dfer Kraft\ngesetzt wurde und die Prosa nun gleichrangig neben der Lyrik stand.<sup>57<\/sup> Dadurch wurden in den\nfolgenden Jahren flexiblere und ungebundene Schreibweisen entwickelt und ver\u00f6ffentlicht, wie\nKommentare, Korrespondenzartikel, Kritiken und Besprechungen, die die literarische\nRevolution verwirklichten,\ndarstellten.<sup>58<\/sup> So schrieb Heine in den drei\u00dfiger Jahren vor allem kritische und politische<sup>59<\/sup> weil sie \u00bbDokumente einer verschriftlichten Gegenwart\u00ab\nJournalliteratur f\u00fcr die <i>Allgemeine Zeitung<\/i> des Verlegers Cotta, bis durch den\nBundestagsbeschluss im Dezember 1835 alle seine schon erschienenen und zuk\u00fcnftigen Werke\nverboten wurden, da letztendlich auch die deutsche Politik die \u00bbRhetorik und sozial\nmobilisierende Wirkung\u00ab der neuen Literatur erkannte.<sup>60<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Zwar wurden die Verbote schon bald wieder gelockert, doch waren diese Lockerungen mit\nstrengen Zensurauflagen verbunden, unter deren Druck Heine die Berichterstattung f\u00fcr die\nZeitung 1840 wiederaufnahm.<sup>61<\/sup> In der Zeit entsteht auch die umstrittene Gedenkschrift zu\nLudwig B\u00f6rne, deren Publikation jedoch zu einem der gr\u00f6\u00dften Misserfolge Heines wurde.<sup>62<\/sup>\nWas hingegen zu Beginn der 1840er Jahre Konjunktur feierte, ist die politische Lyrik, die die\nfeuilletonistische Prosaliteratur abl\u00f6ste. Ihren Aufschwung erhielt sie durch ein erneutes\nAufflammen von Nationalbewusstsein in Folge des Thronwechsels in Preu\u00dfen und vor allem\nin Folge der Rheinkrise durch den Streit von Deutschland mit Frankreich. An diesem\nau\u00dfenpolitischen Ereignis entz\u00fcndete sich eine patriotische Appelldichtung, die ebenso wie die\nLieder der Befreiungskriege, die vaterl\u00e4ndische Gr\u00f6\u00dfe hervorhob und gleichzeitig Kritik an der\ninnenpolitischen Situation Deutschlands \u00fcbte. Die geforderten Ver\u00e4nderungen lagen in der\nMacht\u00fcbernahme des B\u00fcrgertums, in der territorialen Einheit Deutschlands sowie in der\nverfassungsm\u00e4\u00dfigen Freiheit.<sup>63<\/sup>\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Partei zu ergreifen, Identifikationsm\u00f6glichkeiten zu schaffen und mittels der Literatur bestimmte politische Einsichten, Effekte und Verhaltensweisen unmittelbar hervorzurufen, wurde zur Grundforderung an die Literatur angesichts einer zunehmenden Versch\u00e4rfung der politischen und sozialen Widerspr\u00fcche [&#8230;]. Nichts anderes besagt der Begriff der \u203aTendenz\u2039, der in den vierziger Jahren schnell zum Schlagwort avancierte, als dass die Literatur der Politik unter die Arme greifen m\u00fcsse [&#8230;].<\/span><\/em><sup><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">64<\/span><\/sup> <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nDas Problem, das Heine in der florierenden Tendenzpoesie sieht, ist, dass sie keinen eigenen\nliterarischen Stil entwickelt.<sup>65<\/sup> Inhaltlich zeigt sie sich zwar revolution\u00e4r und\ngegenwartsbezogen, doch greift sie auf alte Traditionen zur\u00fcck und dr\u00fcckt sich aus durch\nrhetorische Traditionen, mit einer politischen Metaphorik der Befreiungskriege, durch\nvolksliedhafte Strukturen, Hyperboliken und allegorische Rede. Die Tendenzpoesie ist eine\nreine Gebrauchslyrik mit appellativem Charakter, sie setzt ihre Aussagen absolut und zeichnet\nsich nicht durch ihre hohe literarische Qualit\u00e4t aus.<sup>66<\/sup>\n\n<\/p>\n\n\n<p>Nach den Erkenntnissen, die wir bisher \u00fcber Heines Ansichten bez\u00fcglich des\nWechselverh\u00e4ltnisses von Literatur, Politik und \u00f6ffentlicher Meinung gewonnen haben, zeigt\nsich, dass in der Tendenzpoesie eben jene Forderungen, die Heine an die Literatur stellte,\ngeradezu verkehrt wurden. Die Tendenzpoesie gibt Meinungen vor, wiederholt patriotische\nParolen in leerem oder \u00fcberh\u00f6htem Pathos, sie ist kritisch, aber nur der eigenen behandelten\nMissst\u00e4nde gegen\u00fcber und ohne politische Weitsicht, deren lyrische Gestaltung lediglich als\nMittel zum Zweck diente. Nach Heines Ausruf des Endes der Kunstperiode soll Literatur\nkritisch sein, reflexiv das Zeitgeschehen schildern und dabei einen hohen literarischen und\nstilistischen Anspruch erf\u00fcllen. Dass dies auch in politischer Lyrik m\u00f6glich ist, f\u00fchrt Heine\neindrucksvoll in den <i>Neuen Gedichten<\/i> und insbesondere im Zyklus der <i>Zeitgedichte<\/i> vor, wie\ndie folgende Analyse zeigen soll.\n<\/p>\n\n<h2>Die Zeitgedichte\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Der 1844 publizierte zweite Lyrikband Heines besteht aus f\u00fcnf Zyklen, von denen einige\nbereits zuvor einzeln in Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Der Zyklus der <i>Zeitgedichte<\/i>\nwird nicht nur durch seine politische Brisanz und den satirischen Bezug auf die Tendenzpoesie\nso interessant, sondern vor allem dadurch, dass Heine es hier schafft, seine eigenen\nForderungen an die Kunst zu erf\u00fcllen: dass sich in den Gedichten ausdr\u00fcckt, dass er nicht nur\nein Literaturprogramm aufstellen, sondern es auch einl\u00f6sen kann.\n<\/p>\n\n<p>Die etwa 80 <i>Zeitgedichte<\/i> zeichnen sich zun\u00e4chst vor allem durch eine thematische und\nstrukturelle Vielfalt aus und zeigen ihre \u00e4sthetische und funktionelle Konzeption am\ndeutlichsten in dem Prolog und den Gedichten gegen die Tendenzpoesie. Dabei sind jedoch\nalle Zyklen der <i>Neuen Gedichte<\/i> in ihrer Gesamtheit thematisch und motivisch mit anderen\nWerken Heines verflochten \u00bbund [bilden] somit einen integralen Bestandteil des\nGesamtwerks\u00ab.<sup>67<\/sup> Schon die Benennung als <i>Zeitgedichte<\/i> zeigt sich als weise gew\u00e4hlt, weil so\nschon begrifflich angedeutet wird, was literatur-\u00e4sthetisch gefordert wurde. Der Germanist\nJ\u00fcrgen Wilke erl\u00e4utert in seiner Studie, dass es sich beim Zeitgedicht weder um pure Poesie\nnoch um reine Propaganda handle, da es im Vergleich zum politischen Gedicht als stofflich\numfassender und parteilich nicht festgelegt gilt.<sup>68<\/sup> Der Bezug zur aktuellen Gegenwart stellt das\nwichtigste Kriterium f\u00fcr die Einordnung des Begriffs \u00bbZeitgedichte\u00ab dar, relevant ist dabei die\nWiderspiegelung und Darstellung der Gegenwart genauso wie ihre Interpretation.<sup>69<\/sup>\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Wesensmerkmale und \u00e4sthetische Gesetzlichkeit werden allein im Stoff und in den Intentionen seiner Gestaltung greifbar. Dabei geh\u00f6rt zu seinem Wesen [dem des Zeitgedichts], da\u00df es in seiner Wirkung auf Aktualit\u00e4t angewiesen ist, dementsprechend schnell an Bedeutung und \u203aGebrauchswert\u2039 verlieren kann und bald kommentarbed\u00fcrftig wird. Denn als im weitesten Sinne politische \u00c4u\u00dferung ist das \u203aZeitgedicht\u2039 angelegt auf aktuelle \u00f6ffentliche Kommunikation: Es ist nicht prim\u00e4r Selbstaussage des Dichters, sondern es will beim Leser etwas bewirken.<\/em><sup>70<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nIn meinen Augen findet sich jene Wirkung beim Leser der <i>Zeitgedichte<\/i> in der\nMeinungsbildung, zu der der Rezipient durch die kritische Negation Heines automatisch\nangeregt wird. Negiert wird dabei nicht nur das politische System, sondern auch dessen\nOpposition; nicht nur der Mystizismus, auch die Religion (<i>Kirchenrat Prometheus<\/i>); das\nErtragen des Gesellschaftssystems der Spie\u00dfb\u00fcrger (<i>Zur Beruhigung<\/i>, <i>Verkehrte Welt<\/i>), genauso\nwie \u00fcbersteigerte b\u00fcrgerlich-liberale Zukunftshoffnungen verbunden mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem\nFreiheitspathos (<i>Georg Herwegh<\/i>, <i>Die Tendenz<\/i>).<sup>71<\/sup> So zeigt sich Heines Problem mit der\nTendenzpoesie nicht in den Thematiken, zumal diese in Heines <i>Zeitgedichten<\/i> auch deutlich\nbreiter gef\u00e4chert sind, sondern in ihrer literarischen Ausgestaltung, in ihrer \u00e4sthetischen\nStruktur, welche daf\u00fcr sorgt, dass die Leser die Gedichte vielleicht nachplappern, sie aber keine\ngeistigen Wirkungen beim Publikum verursachen, weil sie alles vorgeben und ihre lyrische\nForm ausschlie\u00dflich zum Transport politischer Parolen nutzen. Somit wird der Leser nicht zum\nDenken, sondern nur zum \u00bbAufnehmen\u00ab, zum Aufregen und Wiederholen angestachelt.\nInwiefern Heine seine <i>Zeitgedichte<\/i> anders gestaltet, soll an einzelnen Gedichten verdeutlicht\nwerden.\n\n<\/p>\n\n\n<h2>Doktrin\n<\/h2>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\nSchlage die Trommel und f\u00fcrchte dich nicht,<br>\nUnd k\u00fcsse die Marketenderin!<br>\nDas ist die ganze Wissenschaft,<br>\nDas ist der B\u00fccher tiefster Sinn.<br>\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\nTrommle die Leute aus dem Schlaf,<br>\nTrommle Reveille mit Jugendkraft<br>\nMarschiere trommelnd immer voran,<br>\nDas ist die ganze Wissenschaft.<br>\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\nDas ist die Hegelsche Philosophie,<br>\nDas ist der B\u00fccher tiefster Sinn!<br>\nIch hab sie begriffen, weil ich gescheit,<br>\nUnd weil ich ein guter Tambour bin.<\/em><sup>72<\/sup><br>\n\n<\/span><\/p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDie <i>Doktrin<\/i> ist das erste der <i>Zeitgedichte<\/i> und zeigt dabei programmatischen Charakter, worauf\nschon der Titel hinweist: lat. <i>doctrina<\/i>, die Belehrung, Unterweisung. Das Gedicht besteht aus\ndrei Strophen mit je vier Versen. Das Reimschema weist eine Art freien Kreuzreim auf, bei\ndem sich jeweils die Verse zwei, vier, zehn und zw\u00f6lf auf die Endsilbe \u00bb-in\u00ab und die Verse\ndrei, sechs und acht auf \u00bb-aft\u00ab reimen, wobei der jeweils erste Vers einer Strophe aus dem\nReimschema f\u00e4llt. Der dynamische Rhythmus entsteht durch den auftaktlosen ersten Vers, der\ndie erste Strophe im dreihebigen Daktylus einl\u00e4utet; auch die zweite Strophe beginnt\ndaktylisch, doch wechselt dann zum vierhebigen Jambus.<sup>73<\/sup> Durch den stetigen Wechsel von\nHebungen und Senkungen, also abwechselnden m\u00e4nnlichen und weiblichen Kadenzen, wird\nder trommelnde Rhythmus, der inhaltlich vorgegeben wird, auch lyrisch umgesetzt. Diese\nUmsetzung zeigt sich ebenso auf phonologischer Ebene, denn w\u00e4hrend die erste Strophe in der\nSchlusssilbe durch den Vokal \u00bbi\u00ab dominiert wird, finden wir in der zweiten Strophe die\nDominanz bei dem Vokal \u00bba\u00ab in der Schlusssilbe und in der dritten Strophe wiederum auf \u00bbi\u00ab.\n\n<\/p>\n\n<p>Inhaltlich spricht ein lyrisches Ich zu einem fiktiven lyrischen Du in einem stark appellativen\nTon, der sich in gleich sechs Imperativen ausdr\u00fcckt und den Angesprochenen auffordert,\ntrommelnd die Leute zu wecken, die \u00bbMarketenderin\u00ab zu k\u00fcssen und marschierend\nvoranzugehen, denn dies sei \u00bbdie ganze Wissenschaft\u00ab, \u00bbder B\u00fccher tiefster Sinn\u00ab und somit\ndie verk\u00fcndete Doktrin. Das lyrische Ich hat diese \u00bbWissenschaft\u00ab, die \u00bbHegelsche\nPhilosophie\u00ab, schon l\u00e4ngst verstanden, denn er sei ein \u00bbguter Tambour\u00ab. Der trommelnde\nRhythmus und die formale lyrische Struktur mit ihrer dynamischen Betonung erhalten also eine\nParallelisierung auf inhaltlicher Ebene. Bekr\u00e4ftigt wird dies durch die zweifache Wiederholung\nvon \u00bbDas ist\u00ab in der ersten Strophe und der zweifachen Wiederholung von \u00bbTrommle\u00ab in der\nzweiten Strophe, auf die dann in der dritten Strophe wieder das doppelte \u00bbDas ist\u00ab folgt. In der\nKombination der verschiedenen rhetorischen Mittel wird die Doktrin zum milit\u00e4rischen Appell.\nDoch fordert sie nicht zu politisch-revolution\u00e4rem Trommeln und Voranschreiten auf, sondern\nzur literarischen Revolution:\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Der Schiller-G\u00f6thesche Xenienkampf war doch nur ein Kartoffelkrieg, es war die Kunstperiode, es galt den Schein des Lebens, die Kunst, nicht das Leben selbst \u2013 jetzt gilt es die h\u00f6chsten Interessen des Lebens selbst, die Revolutzon tritt in die Literatur, und der Krieg wird ernster. Vielleicht bin ich au\u00dfer Vo\u00df der einzige Repr\u00e4sentant dieser Revolution in der Literatur \u2013 aber die Erscheinung war nothwendig in jeder Hinsicht<\/span><\/em><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">.<\/em><sup>74<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nSo schreibt Heine im Februar 1830 an Varnhagen. Zur Umsetzung dieser Revolution darf der\nDichter sich bei seinem Vormarsch nicht vor den M\u00e4chtigen f\u00fcrchten, soll aber auch nicht\nvergessen, das Leben zu genie\u00dfen (V. 2). Die Figur des Tambours spielt dabei eine wichtige\nRolle, die Heine in <i>Ideen. Das Buch Le Grand<\/i> als einen Soldaten der <i>Grande Arme\u00e9<\/i> Napoleons\nausgezeichnet hat, welcher bei seinem Marsch durch D\u00fcsseldorf als Vorhut s\u00e4mtliche\nFrauenblicke auf sich zieht.<sup>75<\/sup>\n\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Der Tambour als Enigma des politischen Dichters stellt \u00fcber den \u00bbIdeen\u00ab-Text die Verbindung zur Grande Arme\u00e9 und zu Napoleon her und damit zu Heines Bild von Napoleon und seinen Truppen als den Verbreitern des modernen Evangeliums, der Errungenschaften der Franz\u00f6sischen Revolution, also vor allem der Menschenrechte.<\/em><sup>76<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nDie Tambour-Figur der <i>Ideen<\/i> stellt zwar einen reinen milit\u00e4rischen Revolutionsk\u00e4mpfer dar,\nwie der Literaturwissenschaftler Gerhard H\u00f6hn betont,<sup>77<\/sup> doch zeigt sich in <i>Doktrin<\/i> f\u00fcr mich\ndessen Spiegelung auf literarischer Ebene: So wie der Soldat Napoleons Freiheit, Gleichheit\nund Menschenrechte verk\u00f6rpert und f\u00fcr diese eintritt, tritt der lyrische Tambour f\u00fcr diese Werte\nin der Literatur ein.\n\n<\/p>\n\n<p>Im Zusammenschluss mit den bisher gewonnen Erkenntnissen, l\u00e4sst sich feststellen, dass die\nRevolution der Literatur in der Prosa schon in den drei\u00dfiger Jahren Einzug gehalten hat,\nw\u00e4hrend mit dem Gedicht <i>Doktrin<\/i> nun die neue Zeit in den <i>Neuen Gedichten<\/i> lyrisch umgesetzt\nwird. Die Revolution zeigt sich hier, in meinen Augen, sowohl auf der literarischen Ebene, in\ndem Sinne, dass eine neue Art der politischen Lyrik entstehen soll, die sich durch eine h\u00f6here\nliterarische Qualit\u00e4t im Gegensatz zur Tendenzpoesie auszeichnet, als auch in dem Sinne, dass\nder Dichter sich wie die milit\u00e4rische Vorhut an die Spitze der Zeit setzen soll, indem er zu\nIdeen anregt und so auf literarischer Ebene die politische Tat gedanklich vorzubereiten hilft.<sup>78<\/sup>\n\u00bbDie Tat ist das Kind des Wortes\u00ab<sup>79<\/sup> und deswegen sind Schriftsteller immer dazu angehalten,\nihre Worte weise und reflektierend zu w\u00e4hlen, aber gleichzeitig auch Gedanken zu\nverschriftlichen, die ausbrechen, die \u00bbrevolution\u00e4r\u00ab sind, denn dann k\u00f6nnen sie wirklich auf\ndie Leser einwirken und zu \u00bbrevolution\u00e4ren\u00ab Ideen f\u00fchren, auf die Taten folgen. Dass diese\nArt des Schriftstellertums jedoch in der zeitgen\u00f6ssischen Lyrik nicht zu finden ist, verdeutlicht\nein weiteres Gedicht des Zyklus.\n<\/p>\n\n<h2>Die Tendenz\n<\/h2>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>\nDeutscher S\u00e4nger! Sing und preise<br>\nDeutsche Freiheit, da\u00df dein Lied<br>\nUnsrer Seelen sich bemeistre<br>\nUnd zu Taten uns begeistre,<br>\nIn Marseillerhymnenweise.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Girre nicht mehr wie ein Werther,<br>\nWelcher nur f\u00fcr Lotten gl\u00fcht \u2013<br>\nWas die Glocke hat geschlagen,<br>\nSollst du deinem Volke sagen,<br>\nRede Dolche, rede Schwerter!<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Sei nicht mehr die weiche Fl\u00f6te,<br>\nDas idyllische Gem\u00fct \u2013<br>\nSei des Vaterlands Posaune,<br>\nSei Kanone, sei Kartaune,<br>\nBlase, schmettre, donnre, t\u00f6te!<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Blase, schmettre, donnre t\u00e4glich,<br>\nBis der letzte Dr\u00e4nger flieht \u2013<br>\nSinge nur in dieser Richtung,<br>\nAber halte deine Dichtung<br>\nNur so allgemein als m\u00f6glich.<\/i><sup>80<\/sup><\/i><\/p>\n<span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDas Gedicht <i>Die Tendenz<\/i> weist vier Strophen mit je f\u00fcnf Versen auf, die im Reimschema abcca\nvorliegen und einen vierhebigen Troch\u00e4us aufweisen. In euphemistisch feierlichem Ton zeigt\nes sich als eine Art Rollenrede des lyrischen Ichs. Auch hier findet sich die Appellfunktion\ndurch (direkte und indirekte) Imperative in jeder Strophe, die in ihrer Anzahl in der letzten\nStrophe kulminieren. Auf formaler Ebene fallen zun\u00e4chst die Reime auf, die zwar rhythmisch\nmelodisch, aber als Reimpaare, wie \u00bbWerther-Schwerter\u00ab oder \u00bbFl\u00f6te-t\u00f6te\u00ab, semantisch\ndissonant sind.<sup>81<\/sup> Schaut man sich in der zeitgen\u00f6ssischen Lyrik von zum Beispiel Georg\nHerwegh oder Hoffmann von Fallersleben, aber auch anderen um, findet man dort recht\n\u00e4hnliche Formulierungen, wie in Heines <i>Tendenz<\/i>, nur dass diese Parolen hier in der\nsemantischen Dissonanz polemisch zusammengestellt und so auf die Spitze getrieben und ins\nL\u00e4cherliche verzerrt werden.<sup>82<\/sup> Unterstrichen wird diese Interpretation in dem Oxymoron\n\u00bbRede Dolche, rede Schwerter\u00ab sowie in der fast paradox wirkenden Klimax \u00bbBlase, schmettre,\ndonnre, t\u00f6te!\u00ab. In der appellativen Aneinanderreihung der patriotischen Leitspr\u00fcche anderer\n\u00fcberspitzt Heine diese satirisch und entlarvt sie ihrer leeren Rhetorik. Durch die\nSelbstinszenierung der S\u00e4nger und das Niederprasseln von Appellen auf den Adressaten bleibt\ndas patriotische Ziel der deutschen Freiheit zersungen und zerschlagen auf der Strecke und\nHeine inszeniert mit dieser \u00dcberspitzung, was in seinen Augen die politische Tendenzpoesie\nam Ende mit ihren Gedichten erreicht \u2013 nichts.\n\n<\/p>\n\n<p>Inhaltlich betrachtet spricht das lyrische Ich den deutschen S\u00e4nger an und fordert ihn auf,\nlautstark von der Freiheit zu singen, sodass er andere begeistert und zu Taten anregt. Die zweite\nStrophe l\u00e4sst sich, anhand der bisherigen Ausf\u00fchrungen, mit der Anspielung auf Goethes\n\u00bbWerther\u00ab als eine Kritik an der \u00bbKunstperiode\u00ab deuten. Dieser Interpretationshypothese\nfolgend l\u00e4sst sich der \u00bbDeutsche S\u00e4nger\u00ab mit dem Poeten, dem Schriftsteller, gleichsetzen und\neben dieser soll nicht nur f\u00fcr die Sch\u00f6nheit seiner Kunst an sich brennen (\u00bbWelcher nur f\u00fcr\nLotten gl\u00fcht\u00ab V. 7), sondern verk\u00fcnden, was der Zeitgeist ausgesprochen verlangt (\u00bbWas die\nGlocke hat geschlagen, \/ Sollst du deinem Volke sagen\u00ab V. 8 f.)\n<\/p>\n\n<p>Die dritte Strophe l\u00e4sst sich diesem Muster folgend so interpretieren, dass der Schriftsteller\nsich nicht um die Ruhe des Gem\u00fcts seiner Leser k\u00fcmmern soll, dass er nicht einschl\u00e4fernd\nwirken soll, wie die \u00bbweiche Fl\u00f6te\u00ab, die das Nachtlied spielt.<sup>83<\/sup> Der deutsche Schriftsteller soll\nagieren, wie die Posaune, die als akustisches Signal im Milit\u00e4r den Krieg ank\u00fcndigt, er soll\nseine Revolution der Literatur ausrufen. Die letzte Strophe l\u00e4sst sich somit als ironische\nBrechung interpretieren. \u00bbSinge nur in dieser Richtung\u00ab, w\u00fcrde sonst bedeuten, eben nicht\nkritisch zu sein, sondern der vorgegebenen Richtung zu folgen \u2013 eben dies soll der deutsche\nPoet nicht tun. Genauso wenig soll er seine Dichtung \u00bballgemein\u00ab halten, was sich nicht nur\nals eine Anspielung auf die leeren Parolen der Heine\u2019schen Zeitgenossen, sondern auch als\nkritische Anspielung auf die Zensur interpretieren l\u00e4sst, durch welche es den Schriftstellern\nfast unm\u00f6glich gemacht wird, ihre direkte und explizite Kritik sowie die Forderung nach\nDeutscher Freiheit, nach einer Verfassung, frei zu \u00e4u\u00dfern.\n<\/p>\n\n<p>Dementsprechend zeigt sich, meiner Auffassung nach, ein flie\u00dfender \u00dcbergang zwischen den\nbeiden Gedichten, wobei sich <i>Die Tendenz<\/i> auch als Spezifizierung der Aussagen der <i>Doktrin<\/i>\nauffassen lie\u00dfe. Also eine Spezifizierung von dem Pl\u00e4doyer, als Schriftsteller voranzugehen\nund eine literarische Revolution zu beginnen, zur Ausgestaltung und Ermahnung, dass diese\nnicht durch leere Thesen umgesetzt wird, dass es mehr als \u00bballgemeine\u00ab Dichtung braucht,\ndamit der Schriftsteller \u00bbUnsrer Seelen sich bemeistre\u00ab, denn nur dann kann er zum Umdenken\nanregen. \u00bbDie Tat ist das Kind des Wortes\u00ab84 und so sind f\u00fcr zuk\u00fcnftige Taten (der Freiheit)\njetzt die richtigen Worte in der Literatur n\u00f6tig.\n<\/p>\n\n<p>W\u00e4hrend die beiden bisherigen Gedichte den literarischen Anspruch Heines in Bezug auf\nRevolution und Politik gezeigt haben und exemplarisch f\u00fcr seine Aussagen \u00fcber die\nzeitgen\u00f6ssische Literatur stehen, soll in einem kurzen Abriss noch ein letztes Gedicht betrachtet\nwerden, welches den stilistischen Anspruch Heines an politische Lyrik ausdr\u00fcckt und wie diese\nes schafft, den Geist ihrer Leser zu bewegen, auf ihn einzuwirken.\n<\/p>\n\n<h2>Bei des Nachtw\u00e4chters Ankunft zu Paris\n<\/h2>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>\u00bbNachtw\u00e4chter mit langen Fortschrittsbeinen,<br>\nDu kommst so verst\u00f6rt einhergerannt!<br>\nWie geht es daheim den lieben Meinen,<br>\nIst schon befreit das Vaterland?\u00ab<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Vortrefflich geht es, der stille Segen,<br>\nEr wuchert im sittlich geh\u00fcteten Haus,<br>\nUnd ruhig und sicher, auf friedlichen Wegen,<br>\nEntwickelt sich Deutschland von innen heraus.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Nicht oberfl\u00e4chlich wie Frankreich bl\u00fcht es,<br>\nWo Freiheit das \u00e4u\u00dfere Leben bewegt;<br>\nNur in der Tiefe des Gem\u00fctes<br>\nEin deutscher Mann die Freiheit tr\u00e4gt.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Der Dom zu C\u00f6llen wird vollendet,<br>\nDen Hohenzollern verdanken wir das;<br>\nHabsburg hat auch dazu gespendet,<br>\nEin Wittelsbach schickt Fensterglas.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Die Konstitution, die Freiheitsgesetze,<br>\nSie sind uns versprochen, wir haben das Wort,<br>\nUnd K\u00f6nigsworte, das sind Sch\u00e4tze,<br>\nWie tief im Rhein der Niblungshort.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Der freie Rhein, der Brutus der Fl\u00fcsse,<br>\nEr wird uns nimmermehr geraubt!<br>\nDie Holl\u00e4nder binden ihm die F\u00fc\u00dfe,<br>\nDie Schwyzer halten fest sein Haupt.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Auch eine Flotte will Gott uns bescheren,<br>\nDie patriotische \u00dcberkraft<br>\nWird lustig rudern auf deutschen Galeeren;<br>\nDie Festungsstrafe wird abgeschafft.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Es bl\u00fcht der Lenz, es platzen die Schoten,<br>\nWir atmen frei in der freien Natur!<br>\nUnd wird uns der ganze Verlag verboten,<br>\nSo schwindet am Ende von selbst die Zensur.<\/i><sup>85<\/sup><\/p>\n\n\n<em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\n\n\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p class=\"has-drop-cap\">\n\nKontrastierend werden hier die deutsche und die franz\u00f6sische politische Situation einander\ngegen\u00fcbergestellt. Dabei wird Deutschland auf den ersten Blick als still, friedlich und sittlich,\nalso durchaus positiv charakterisiert, wohingegen Frankreich das Negativpr\u00e4dikat der\noberfl\u00e4chlichen Freiheit erh\u00e4lt. Bei genauerem Hinsehen erschlie\u00dft sich die tats\u00e4chliche\nAussage des Gedichts jedoch \u203azwischen den Zeilen\u2039. Schon in der Bestimmung des \u00bbstillen\u00ab\nSegens als wuchernd zeigt sich die Negativit\u00e4t der gemeinten Aussage: Nicht wie eine sch\u00f6ne\nPflanze w\u00e4chst der Segen, sondern er wuchert wie Unkraut, gemeinsam mit der Stille. In\nKombination mit den \u00bbfriedlichen\u00ab Wegen zeigt sich eine negative Konnotation der\nFriedlichkeit und Stille Deutschlands.\n\n<\/p>\n\n<p>In Frankreich hingegen bewegt die \u00bbFreiheit\u00ab das \u00e4u\u00dfere Leben und wenn das \u00f6ffentliche\nLeben durch Freiheit bestimmt ist, erscheint die negative Assoziation der Oberfl\u00e4chlichkeit\nFrankreichs nur als eine scheinbare, denn das bewegte, freie Leben Frankreichs steht in\nOpposition zum deutschen Leben, in dem die Freiheit \u00bb[n]ur\u00ab, im Sinne von ausschlie\u00dflich, im\nInneren der Gem\u00fcter zu finden ist. Der Kontrast zeigt sich also vor allem auf semantischer\nEbene: Der deutsche stille Segen wuchert und Freiheit haben die Deutschen \u00bbnur\u00ab im Herzen,\nw\u00e4hrend in Frankreich das Leben in Freiheit \u00bbbl\u00fcht\u00ab.\n<\/p>\n\n<p>Der K\u00f6lner Dom im ersten Vers der vierten Strophe l\u00e4sst sich als restauratives Symbol der\nKirche deuten und der Dombau, der zum Zeitpunkt des Erscheinens des Gedichts noch lange\nnicht vollendet ist, deutet an, dass auch eben diese restaurativen M\u00e4chte in Deutschland noch\nwirken. Dass \u00bb[d]ie Konstitution, die Freiheitsgesetze\u00ab immer noch nur versprochen, aber noch\nnicht umgesetzt wurden, wird in der f\u00fcnften Strophe deutlich. Diese \u00bbFreiheitsgesetze\u00ab wurden\ndurch den \u00bbK\u00f6nig\u00ab \u00bbversprochen\u00ab, wobei dieses Versprechen mit dem Nibelungenschatz\ngleichgesetzt wird, den selbst heute noch niemand finden und dessen Existenz nie best\u00e4tigt\nwerden konnte. Dies l\u00e4sst den Gedankenschluss zu, dass auch das K\u00f6nigsversprechen kein\n\u00bbbest\u00e4tigtes\u00ab, kein wahres Versprechen ist und das lyrische Ich so \u00fcberzeugt von dessen\nEinl\u00f6sung ist, wie von der Existenz des Nibelungenschatzes, also \u00fcberhaupt nicht. Die\nDoppelsinnigkeit des Gedichts dr\u00fcckt sich dann vor allem in der letzten Strophe mit der Ironie\nder letzten Verse aus, in deren Anspielung auf die Zensur und das Verlagsverbot die eigentliche\nHaltung des lyrischen Ichs Deutschland gegen\u00fcber erkennbar wird. In diesen Ausf\u00fchrungen\nwird deutlich, warum Heine die leeren Parolen der Tendenzpoesie so stark kritisiert, sie sogar\nals \u00bbgereimte Zeitungsartikel\u00ab bezeichnet,<sup>86<\/sup> denn ihnen fehlt es an lyrischer und \u00e4sthetischer\nTiefe im Vergleich mit Heines <i>Zeitgedichten<\/i>. Das hei\u00dft schlussendlich, dass Heine seine\nForderungen nach einer Revolution der Lyrik, nach einer Lyrik, die ihre Leser zum Denken\nanregt und kritisch und reflexiv versucht, ihre Leser zur Entwicklung wahrer Ideen zu\nverhelfen, selbst programmatisch in seinen Zeitgedichten umsetzt. Oder mit anderen Worten:\nHeine schwingt nicht nur leere Reden, fordert nicht nur mit patriotischen Parolen, sondern er\nzeigt, wie Literatur funktionieren kann.\n<\/p>\n\n<h2>Fazit\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Suchen wir in den <i>Zeitgedichten<\/i> nach einer politischen Gesinnung Heines, einem konkreten\nrevolution\u00e4ren Vorschlag oder nach der Forderung eines bestimmten sozialreformerischen\nProgramms, werden wir wohl kaum oder h\u00f6chstens auf einer oberfl\u00e4chlichen Textebene\nf\u00fcndig. Die <i>Zeitgedichte<\/i> zeigen in keine explizite politische Richtung und erhalten auch ihre\nBrisanz nicht durch diese Art von Politizit\u00e4t, nicht durch vorgegebene Meinungen ausgedr\u00fcckt\nin Parolen. Was sich vor allem in dem Gedicht <i>Bei Ankunft des Nachtw\u00e4chters zu Paris<\/i> zeigt,\nist, dass es Heine in seinen <i>Zeitgedichten<\/i> nicht um die lyrische Vermittlung eindeutiger\npolitischer Ideen und Botschaften ging und dass sich gerade die Haltung zur Politik nicht\nunmittelbar ausdr\u00fccken darf, um k\u00fcnstlerisch wertvoll zu sein. Vielmehr zeigt uns die <i>Ankunft\ndes Nachtw\u00e4chters<\/i> eine Verschl\u00fcsselung auf formal-\u00e4sthetischer Ebene.\n<\/p>\n\n<p>In den untersuchten Gedichten findet sich stetig eine Diskrepanz zwischen dem formal\nGesagten und der tats\u00e4chlichen lyrischen Aussage. Hier ist es nicht die Textoberfl\u00e4che, die die\nImpulse vermittelt, sondern der Stil, der doppelte Boden, der den <i>Zeitgedichten<\/i> inh\u00e4rent ist.\nIronie, Satire, ironische Brechungen, Verkehrungen und Verfremdungen, \u00fcbertriebene\nMetaphoriken, Wiederholungen, Dissonanzen in Semantik, Rhythmus oder Reimschema, all\ndies sind einerseits Signale und andererseits Entschl\u00fcsselungshilfen, die sich in\nunterschiedlichen Formen in allen der <i>Zeitgedichte<\/i> finden und dem aktiven Leser helfen, die\nWirkungsintention des jeweiligen Gedichtes, die in der formalen Struktur angelegt ist, zu\nverstehen. Heine erl\u00e4utert dies selbst in <i>Lutetia<\/i>, als er den zeitgen\u00f6ssischen Tendenzpoeten\njegliche Qualit\u00e4ten eines Kunstcharakters f\u00fcr ihre \u00bbgereimten Zeitungsartikel\u00ab absprach.<sup>87<\/sup>\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Ja, dieses Selbstbewu\u00dftsein der Freiheit in der Kunst offenbart sich ganz besonders durch die Behandlung, durch die Form, in keinem Falle durch den Stoff, und wir k\u00f6nnen im Gegenteil behaupten, da\u00df die K\u00fcnstler, welche die Freiheit selbst und die Befreiung zu ihrem Stoffe gew\u00e4hlt, gew\u00f6hnlich von beschr\u00e4nktem, gefesseltem Geiste, wirklich Unfreie sind. Diese Bemerkung bew\u00e4hrt sich heutigentages ganz besonders in der deutschen Dichtkunst, wo wir mit Schrecken sehen, da\u00df die z\u00fcgellos trotzigsten Freiheitss\u00e4nger, beim Licht betrachtet, meist nur bornierte Naturen sind, Philister [&#8230;].<\/em><sup>88<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nHier zeigt sich, dass die Kritik Heines an der Tendenzpoesie nicht durch ihre Inhalte begr\u00fcndet\nist, vielmehr findet sie sich in der k\u00fcnstlerischen Beschr\u00e4nktheit, in der Wiederholung der\nimmer gleichen Phrasen, die plump noch die immer gleichen Forderungen ausrufen, die man\nschon seit den Befreiungskriegen stellte, oder mit \u00fcbertriebenen patriotischen Freiheitsreden\nauf ihre Leser einsingen.<sup>89<\/sup> Weil die Tendenzpoesie k\u00fcnstlerisch leer ist, kann sie auch keine\nInhalte vermitteln, sie sorgt nicht daf\u00fcr, dass die Leser kritisch denken und indem sie politische\nAusrufe vorgibt, kl\u00e4rt die Tendenzpoesie ihre Rezipienten auch nicht auf. So kann sie in Heines\nAugen nicht k\u00fcnstlerisch sein, weil sie das Zeitgeschehen nicht reflektiert, sondern es lediglich\nwiedergibt und daf\u00fcr die Form des Gedichts gew\u00e4hlt hat, ohne diese auszugestalten, sondern\ndie \u00e4sthetische Form dem politischen Nutzen beugt.\n<\/p>\n\n<p>Heine pl\u00e4dierte in seinem Ausruf des Endes der Kunstperiode f\u00fcr eine Einheit aus \u00bbLeben und\nSchreiben\u00ab, eine Einheit von Politik, Wissenschaft, Kunst und Religion,\n<sup>90<\/sup> doch wenn die Kunst\nnur geschaffen wird, um der Politik zu dienen, dann ist sie nicht frei, dann ist sie keine wahre\nKunst. \u00bbWas ist in der Kunst das H\u00f6chste? Das, was auch in allen anderen Manifestationen des\nLebens das H\u00f6chste ist: die selbstbewu\u00dfte Freiheit des Geistes\u00ab.<sup>91<\/sup> Und die soll beim Publikum\ngef\u00f6rdert, aber auch gefordert werden. Heines politische Lyrik in Form der <i>Zeitgedichte<\/i> ist auf\ndas aktive Mitdenken der Leser angewiesen, sie ist formal darauf angelegt, dass der Leser\nwahrnimmt und reflektiert.<sup>92<\/sup> Und solch eine reflektierende Entschl\u00fcsselung fordert den Geist\ndeutlich mehr, als jeder patriotische Ausruf es je k\u00f6nnte. Die <i>Zeitgedichte<\/i> geben kein\npolitisches Programm vor, weil sie eines darstellen. Indem man den Lesern klare Vorgaben\nund Eindeutigkeiten entzieht, \u00bbindem [der Text] als sprachliche[r] Vexierspiegel die\nAufmerksamkeit zuerst einmal auf sich selbst und seine Strukturierung lenkt, wird als\nzumindest eine erstrebte Wirkung ein distanziert-analysierendes Leseverhalten, eine kritische\nWachheit des Lesers erreicht\u00ab.<sup>93<\/sup> Der Leser wird durch die Formgebung und den Stil der\n<i>Zeitgedichte<\/i> auf sein eigenes Bewusstsein zur\u00fcckgeworfen und dazu angehalten, sich eine\neigene Meinung zu bilden. In dieser freien Entscheidung seitens des Lesers liegt eine Befreiung\naus der Unm\u00fcndigkeit auf literarischer Ebene. Wenn die Politik die Wissenschaft der Freiheit\nist und Heine die k\u00fcnstlerische Revolution forderte und insbesondere bez\u00fcglich der Literatur\nbetonte \u00bbDie Tat ist das Kind des Wortes\u00ab,<sup>94<\/sup> so l\u00e4sst sich die Literatur als Hebamme der\nFreiheit interpretieren. Das neue Prinzip der Literatur zeigt sich darin, dass Stoffe der\nWirklichkeit so thematisiert werden, dass sie die Leser zur Reflexion anregen, denn nur dann\nk\u00f6nnen sie das Zeitgeschehen kritisch filtern und zu einer eigenen freien Erkenntnis gelangen.\n<\/p>\n\n<p>Heine postulierte, dass Revolutionen der Menschheit immer in Verbindung stehen mit der\npolitischen Bildung des Volkes \u2013 und mit einer Literatur wie der Lyrik der <i>Zeitgedichte<\/i> wird\nder Leser in der kritischen Meinungsbildung geschult, weil sie das Gemeinte nur andeuten, das\nvon einem freien Geist erkannt werden soll, wohingegen die Lyrik der Tendenzpoesie mit\nvorgegebenen Meinungen weder das Recht auf Meinungsfreiheit widerspiegelt noch politische\nAufkl\u00e4rung leistet. Politische Aufkl\u00e4rung steht in Verbindung mit einem Umdenken, mit einem\nanderen Denken als in der Vergangenheit und dieses ist nicht gegeben, wenn die\nTendenzpoeten die gleichen Forderungen nach Verfassung, Freiheit, Einheit und Gleichheit\nwiederholen, wie das in der Vergangenheit der Befreiungskriege in gleicher Art und Weise\nzum Kanon geh\u00f6rte. Wir haben gesagt, Heine forderte die allumfassende Emanzipation der\nMenschen und dabei sorgte er in seiner Literatur f\u00fcr die Emanzipation der Leser. So, wie der\ntrommelnde Tambour in der <i>Doktrin<\/i> den <i>Zeitgedichten<\/i> voranmarschiert, so geht Heine als\nSchriftsteller in der Literatur voran und zeigt sich damit oftmals als seiner Zeit voraus.\n<\/p>\n\n<p>Ludwig B\u00f6rne definierte 1818 in der <i>Ank\u00fcndigung der Wage<\/i> den neuen, sich gerade\nentwickelnden Autorentypus des Zeitschriftstellers, der die Aussagen der Zeit erlauscht, ihr\n\u00bbMienenspiel\u00ab deutet und beides niederschreibt, mit seinen Schriften als \u00bbTriebwerk\u00ab der Zeit\nselbst dient.<sup>95<\/sup> \u00bbEr reicht uns das Gef\u00e4\u00df, das unentbehrlich ist, um an der Quelle der Wahrheit\nf\u00fcr den Durst des Augenblicks zu sch\u00f6pfen\u00ab,<sup>96<\/sup> schreibt B\u00f6rne. Dabei dr\u00fcckt sich die\nModernit\u00e4t dieses Autorentypus durch seine ungebrochene Aktualit\u00e4t aus, dass er keinen\nSekundenschlag der Uhr verpasst, sodass zu w\u00fcnschen w\u00e4re, \u00bbda\u00df die Tagebl\u00e4tter in\nStundenbl\u00e4tter auseinandergingen, damit nichts \u00fcberh\u00f6rt werde und verloren gehe\u00ab.<sup>97<\/sup> Die\nGattungen, die der Zeitschriftsteller verfasst, sind mit Berichten, Reportagen, Artikeln und\nKritiken in Zeitungen, Zeitschriften und Tagebl\u00e4ttern von B\u00f6rne als prosaische Texte bestimmt\nworden, weil diese die Wirklichkeit besser erfassen und wiedergeben k\u00f6nnen als lyrische\nVerse.\n<\/p>\n\n\n<p>In diesem Kontext war Heine dem \u00bbneuen\u00ab Typus des Zeitschriftstellers schon mit dem\nErscheinen seines ersten Bandes der <i>Reisebilder<\/i> 1824 voraus, in welchem er s\u00e4mtliche\nGattungen und Genres mischte. Der Reisebericht und das Gedicht, die Satire und die Anekdote,\nReportagen und Essays, alles ist gemeinsam und gleichrangig nebeneinander in Heines\n<i>Reisebildern<\/i> zu finden, w\u00e4hrend er dennoch die Aussagen der Zeit erlauscht, sie deutet und\nden Leser zur eigenen Deutung anregt. Die Aktualit\u00e4t, die B\u00f6rne beschreibt, sorgt gleichfalls\nauch f\u00fcr eine Wirkungsbeschr\u00e4nkung auf den Moment. Egal, wie revolution\u00e4r, wie nah am\nZeitgeschehen diese Texte auch sind, so sind sie es nur in der momentanen Gegenwart.\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\"> Ich habe wahrlich nicht die Absicht, demagogisch auf den Moment zu wirken, glaube auch nicht mahl an die M\u00f6glichkeit einer momentanen Wirkung auf die Deutschen. Ich ziehe mich \u00fcbrigens von der Tagespolitik zur\u00fcck und besch\u00e4ftige mich jetzt meistens mit Kunst, Religion und Philosophie.<\/em><sup>98<\/sup><\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDies schreibt Heine 1833 an Varnhagen und hat in meinen Augen genau den Knackpunkt\nerfasst: Was im jetzigen Moment brandaktuell ist, ist es im n\u00e4chsten Augenblick nicht mehr,\nweswegen Literatur immer auch verbunden sein sollte mit einer gewissen Weitsicht, damit sie\nnachhaltig wirken kann. Auch in diesen zwei S\u00e4tzen Heines zeigt sich der doppelte Boden,\n\u00e4hnlich dem der <i>Zeitgedichte<\/i>. Mit leeren, aktuellen Parolen l\u00e4sst sich der schlafende deutsche\nMichel nicht wecken, sein Geist wird nicht wach, wenn er die immer gleichen Lieder\nwiederholt, deswegen kann etwas Momentanes nicht auf die Deutschen wirken. Heine hat nicht\ndie Absicht, auf den Moment zu wirken, weil er nachhaltig wirken will, weil er zum\nrevolution\u00e4ren Andersdenken anregen will, das die Menschen (fr\u00fcher oder sp\u00e4ter) zur Freiheit\nbringt.\n<\/p>\n\n<p>In einem ersten Schritt hat Heine mit den <i>Reisebildern<\/i> die starren Gattungsgrenzen der\nklassisch-romantischen Epoche aufgebrochen und damit f\u00fcr meine Auffassung die Revolution\nin der Literatur eingel\u00e4utet. Wenn Heine sagt, die Freiheit ist das H\u00f6chste in der Kunst, und\nwir uns die <i>Zeitgedichte<\/i> unter diesem Aspekt anschauen, dann hat Heine mit ihnen den zweiten\nSchritt in die Freiheit in der Literatur getan und sein vorgegebenes Programm von einer Kunst,\ndie einerseits die Wirklichkeit reflektiert, aber andererseits auch die M\u00fcndigkeit der Leser\nf\u00f6rdert, eingel\u00f6st. Mit der besonderen Verbindung von Politik und Poetik als zwei Bereiche,\ndie bisher im literarischen Feld eher als Gegens\u00e4tze aufgefasst wurden, sprengt er die letzten\nKetten der Vergangenheit und Gegenwart. Da Heine eben Schriftsteller ist und kein Politiker,\nkann er die Freiheit nicht in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe umsetzen als in der Literatur:\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>\nJa in guter Prosa wollen<br>\nWir das Joch der Knechtschaft brechen<br>\nDoch in Versen, Doch im Liede<br>\nBl\u00fcht uns l\u00e4ngst die h\u00f6chste Freyheit.<\/i><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><i>Hier, im Reich der Poesie<br>\nHier bedarf es keiner K\u00e4mpfe<br>\nLa\u00dft uns hier den Tyrsus schwingen<br>\nUnd das Haupt mit Rosen kr\u00e4nzen.<\/i><sup>99<\/sup><\/p>\n<em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\n<\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Franziska_Lachmann_Quadrat-300x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-625\" width=\"215\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Franziska_Lachmann_Quadrat-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Franziska_Lachmann_Quadrat-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Franziska_Lachmann_Quadrat-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Franziska_Lachmann_Quadrat-768x768.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Franziska_Lachmann_Quadrat-510x510.jpg 510w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Franziska_Lachmann_Quadrat.jpg 1290w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><figcaption>Franziska Lachmann<\/figcaption><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p style=\"text-align: center\"><i>N<\/i><i>ach dem Bachelor in Kunstgeschichte und Deutsche Sprache und Literatur studiert <strong>Franziska<\/strong> (geb. 1995) jetzt Deutsche Sprache und Literatur im Master. Dabei interessiert sie sich f\u00fcr viele Forschungsbereiche und wirkte im Zusammenhang etwa von DDR- oder Kinderliteratur an universit\u00e4ren Projekten mit. Nebenbei arbeitet sie als wissenschaftliche Hilfskraft am Interdisziplin\u00e4ren Zentrum f\u00fcr die Erforschung der Europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung (IZEA) sowie als wissenschaftliche Hilfskraft f\u00fcr das DFG-Forschungsprojekt zur Lehre des Naturrechts. Ihr besonderer Fokus liegt auf der Schwarzen Romantik und der germanistischen Medi\u00e4vistik.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>Kontakt: franziska.lachmann@student.uni-halle.de<\/i><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h2>Anmerkungen<\/h2>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup>Vgl. Bernd Kortl\u00e4nder, <i>\u00bb\u2026als wolle die Zeit sich selber vernichten\u00ab. Zum Begriff der Zeit bei Heinrich Heine<\/i>, in Bernd Kortl\u00e4nder (Hg.): <i>\u00bbwas die Zeit f\u00fchlt und denkt und bedarf\u00ab. Die Welt des 19. Jahrhunderts im Werk Heinrich Heines<\/i>, Bielefeld 2014, 28.<br><sup>2<\/sup>Helmut Koopmann, <i>Freiheitssonne und Revolutionsgewitter. Reflexe der Franz\u00f6sischen Revolution im literarischen Deutschland zwischen 1789 und 1840<\/i>, T\u00fcbingen 1989, 204.<br><sup>3<\/sup>Vgl. ebd.<br><sup>4<\/sup>Vgl. Reinhard Koselleck, <i>Moderne Sozialgeschichte und historische Zeiten<\/i>, in Pietro Rossi (Hg.): <i>Theorie der modernen Geschichtsschreibung<\/i>, Frankfurt 1987, 173\u2013190.<br><sup>5<\/sup>Heinrich Heine, <i>Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 610.<br><sup>6<\/sup>Gerard Ras, <i>B\u00f6rne und Heine als politische Schriftsteller<\/i>, Den Haag 1927, 8.<br><sup>7<\/sup>Heinrich Heine, <i>Reisebilder. Vierter Teil<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 2, 598.<br><sup>8<\/sup>Vgl. Koopmann, <i>Freiheitssonne und Revolutionsgewitter<\/i>, 220.; Vgl. auch: Ras, <i>B\u00f6rne und Heine als politische Schriftsteller<\/i>, 8.<br><sup>9<\/sup>\u00bbDiese Fragen betreffen weder Formen, noch Personen, weder die Einf\u00fchrung einer Republik, noch die Beschr\u00e4nkung einer Monarchie: sondern sie betreffen das materielle Wohlseyn des Volkes.\u00ab <i>Heinrich Heine an Heinrich Laube<\/i>, 10.07.1833, in: <i>Heinrich Heine: S\u00e4kularausgabe. Werke \u2013 Briefwechsel \u2013 Lebenszeugnisse<\/i>, 27 Bde., hg. von Klassik Stiftung Weimar und Centre National de la Scientifique, Berlin 1970, Bd. 21, 56.<br><sup>10<\/sup><i>An Heinrich Laube<\/i>, 23.11.1835, in: <i>Heinrich Heine: S\u00e4kularausgabe. Werke \u2013 Briefwechsel \u2013 Lebenszeugnisse<\/i>, 27 Bde., hg. von Klassik Stiftung Weimar und Centre National de la Scientifique, Berlin 1970, Bd. 21, 125.<br><sup>11<\/sup>Vgl. Sandra Kerschbaumer, <i>Heines moderne Romantik<\/i>, Paderborn 2000, 90.<br><sup>12<\/sup>Heinrich Heine, <i>Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland<\/i>, 657.<br><sup>13<\/sup>Heinrich Heine, <i>Lutetia<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 5, 461.<br><sup>14<\/sup>Helmut Koopmann stellt in seinem Aufsatz <i>Freiheitssonne und G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Die Revolution als Signatur der Moderne und Heinrich Heines Denkschrift \u00fcber Ludwig B\u00f6rne<\/i> die Zusammenh\u00e4nge der politischen Ereignisse von der Reformation bis zur Julirevolution mit der geistigen Einstellung Heines detailliert dar.; in: Helmut Koopmann (Hg.): <i>Reflexe der Franz\u00f6sischen Revolution im literarischen Deutschland zwischen 1789 und 1840<\/i>, T\u00fcbingen 1989, hier 211ff.<br><sup>15<\/sup>Vgl. Bernd Kortl\u00e4nder, <i>\u00bb\u2026 in der Kunst wie im Leben ist die Freyheit das H\u00f6chste\u00ab. Heinrich Heine \u2013 Politik und Poesie<\/i>, in: <i>Cahiers d\u2018\u00c9tudes Germaniques<\/i>, 34 (1998) 1, 174.<br><sup>16<\/sup>Heinrich Heine, <i>Einleitung zu: Kahldorf \u00fcber den Adel<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 2, 656f.<br><sup>17<\/sup>Heinrich Heine, <i>Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland<\/i>, 570.<br><sup>18<\/sup>Vgl. Kortl\u00e4nder, <i>\u00bb\u2026 in der Kunst wie im Leben ist die Freyheit das H\u00f6chste\u00ab<\/i>, 170f.; Vgl. auch: Koopmann, <i>Freiheitssonne und Revolutionsgewitter<\/i>, 212f.<br><sup>19<\/sup>Vgl. Ras, <i>B\u00f6rne und Heine als politische Schriftsteller<\/i>, 8f.<br><sup>20<\/sup>Vgl. Gottfried Willems, <i>Geschichte der deutschen Literatur<\/i>. Band 4: <i>Vorm\u00e4rz und Realismus<\/i>, K\u00f6ln 2014, 24f.<br><sup>21<\/sup>Vgl. J\u00fcrgen Brummack (Hg.), <i>Heinrich Heine. Epoche \u2013 Werk \u2013 Wirkung<\/i>, M\u00fcnchen 1980, 57\u201361.; Vgl. auch: Norbert Otto Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, Darmstadt 2005, 44f.<br><sup>22<\/sup>Heinrich Heine, <i>Einleitung zu: Kahldorf \u00fcber den Adel<\/i>, 660.<br><sup>23<\/sup>Vgl. Walter Grab, <i>Heinrich Heine als politischer Dichter<\/i>, Frankfurt am Main 1992, 43.<br><sup>24<\/sup>Vgl. Manfred Windfuhr, <i>R\u00e4tsel Heine. Autorprofil \u2013 Werk \u2013 Wirkung<\/i>, Heidelberg 1997, 137.<br><sup>25<\/sup>Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, 27.<br><sup>26<\/sup>Vgl. Grab, <i>Heinrich Heine als politischer Schriftsteller<\/i>, 43.<br><sup>27<\/sup>Vgl. Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, 30f. Vgl. auch: Gerhard H\u00f6hn, <i>Heine- Handbuch. Zeit, Person, Werk<\/i>, Stuttgart 1987, 4f., hier 6f.<br><sup>28<\/sup>Vgl. Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, 44f.<br><sup>29<\/sup>Vgl. ebd. 47ff.<br><sup>30<\/sup><i>An Gustav Kolb<\/i>, 11. November 1828, in: <i>Heinrich Heine: S\u00e4kularausgabe. Werke \u2013 Briefwechsel \u2013 Lebenszeugnisse<\/i>, 27 Bde., hg. von Klassik Stiftung Weimar und Centre National de la Scientifique, Berlin 1970, Berlin 1970, Bd. 20, 350.<br><sup>31<\/sup>Vgl. Hans Kaufmann, <i>Heinrich Heine. Geistige Entwicklung und k\u00fcnstlerisches Werk<\/i>, Berlin\/Weimar 1976, 16f.<br><sup>32<\/sup>Peter Uwe Hohendahl, <i>Geschichte \u2013 Opposition \u2013 Subversion. Studien zur Literatur des 19. Jahrhunderts<\/i>, K\u00f6ln 1993, 136.<br><sup>33<\/sup>Vgl. Kortl\u00e4nder, <i>Heinrich Heine<\/i>, 158\u2013163.<br><sup>34<\/sup>Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 122.<br><sup>35<\/sup>Heinrich Heine, <i>Reisebilder. Dritter Teil<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 2, 377.<br><sup>36<\/sup>Vgl. \u00bbDer heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, m\u00fcssen wir erforschen, wenn wir zu wissen w\u00fcnschen, was jener will. Die Revolution ist eine und dieselbe; nicht, wie uns die Doktrin\u00e4re einreden m\u00f6chten, nicht f\u00fcr die Charte schlug man sich in der gro\u00dfen Woche, sondern f\u00fcr dieselben Revolutionsinteressen, denen man seit vierzig Jahren das beste Blut Frankreichs geopfert hatte.\u00ab Heinrich Heine, <i>Franz\u00f6sische Zust\u00e4nde. Artikel VI<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 166.<br><sup>37<\/sup>Vgl. Koopmann, <i>Freiheitssonne und Revolutionsgewitter<\/i>, 203\u2013208, 213\u2013220.<br><sup>38<\/sup>Vgl. Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, 31f.<br><sup>39<\/sup>Heine ging als Korrespondent nach Paris, doch mit dem Verbot seiner Literatur durch den Bundestagbeschluss Ende 1835 wurde Frankreich dann tats\u00e4chlich zu seinem Exil. Vgl. H\u00f6hn, <i>Heine Handbuch<\/i>, 4.<br><sup>40<\/sup>Vgl. Ras, <i>B\u00f6rne und Heine als politische Schriftsteller<\/i>, 108.<br><sup>41<\/sup>Vgl. Koopmann, <i>Freiheitssonne und Revolutionsgewitter<\/i>, 215f.<br><sup>42<\/sup>Heinrich Heine, <i>Franz\u00f6sische Zust\u00e4nde. Artikel VI<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 166.<br><sup>43<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die deutsche Literatur von Wolfgang Menzel Literatur von Wolfgang Menzel<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 1, 445.<br><sup>44<\/sup>Ebd. 454f.<br><sup>45<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 395.<br><sup>46<\/sup>Ebd. 392.<br><sup>47<\/sup>Ebd. 393.<br><sup>48<\/sup>Vgl. Helmut Koopmann, <i>Das Junge Deutschland<\/i>, Darmstadt 1993, 25.<br><sup>49<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, 395.<br><sup>50<\/sup>Heinrich Heine, <i>Einleitung zu: Kahldorf \u00fcber den Adel<\/i>, 656f.<br><sup>51<\/sup>Vgl. Koopmann, <i>Das Junge Deutschland<\/i>, 12f.<br><sup>52<\/sup>Vgl. ebd. 87.<br><sup>53<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, 467.<br><sup>54<\/sup>Koopmann, <i>Das Junge Deutschland<\/i>, 88.<br><sup>55<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, 468.<br><sup>56<\/sup>Vgl. H\u00f6hn, <i>Heine-Handbuch<\/i>, 3.<br><sup>57<\/sup>Vgl. Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 149.<br><sup>58<\/sup>Vgl. Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, 49f.<br><sup>59<\/sup>Ina Brendel-Perpina, <i>Zur Ambivalenz in Heines Kunstauffassung. Versuch einer \u00e4sthetischen Standortbestimmung der publizistischen Prosa der Pariser Jahre<\/i>, in: Michael Vogt und Detlev Kopp (Hg.), <i>Literaturkonzepte im Vorm\u00e4rz. Forum Vorm\u00e4rz Forschung<\/i>, Jahrbuch 2000, Bielefeld 2001, 138.<br><sup>60<\/sup>Gustav Frank, <i>Romane als Journal: System- und Umweltreferenzen als Voraussetzung der Entdifferenzierung und Ausdifferenzierung von \u203aLiteratur\u2039 im Vorm\u00e4rz<\/i>, in: Rainer Rosenberg und Detlev Kopp (Hg.), <i>Journalliteratur im Vorm\u00e4rz. Forum Vorm\u00e4rz Forschung<\/i>, Jahrbuch 1995, Bielefeld 1996, 27.<br><sup>61<\/sup>Vgl. Kortl\u00e4nder, <i>Heinrich Heine<\/i>, 50\u201358.<br><sup>62<\/sup>Vgl. Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 206.<br><sup>63<\/sup>Vgl. ebd. 207.<br><sup>64<\/sup>Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, 100.<br><sup>65<\/sup>Vgl. Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 208.<br><sup>66<\/sup>Vgl. Eke, <i>Einf\u00fchrung in die Literatur des Vorm\u00e4rz<\/i>, 103.<br><sup>67<\/sup>Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 211.<br><sup>68<\/sup>Vgl. J\u00fcrgen Wilke, <i>Das Zeitgedicht. Seine Herkunft und fr\u00fche Ausbildung<\/i>, Meisenheim 1974, 60f.<br><sup>69<\/sup>Vgl. Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 210.<br><sup>70<\/sup>Ebd. 210.<br><sup>71<\/sup>Vgl. ebd. 211.<br><sup>72<\/sup>Heinrich Heine, <i>Neue Gedichte. Zeitgedichte<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 4, 412.<br><sup>73<\/sup>Vgl. Wilhelm Gro\u00dfe, <i>Literaturwissen. Heinrich Heine<\/i>, Stuttgart 2000, 101\u2013106.<br><sup>74<\/sup><i>An Karl August Varnhagen<\/i>, 4. Februar 1830, in: <i>Heinrich Heine: S\u00e4kularausgabe. Werke \u2013 Briefwechsel \u2013 Lebenszeugnisse<\/i>, 27 Bde., hg. von Klassik Stiftung Weimar und Centre National de la Scientifique, Berlin 1970, Bd. 20, Berlin 1970, 385.<br><sup>75<\/sup>Vgl. Heinrich Heine, <i>Ideen. Das Buch Le Grand<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke<\/i>, 16 Bde., hg. von Manfred Windfuhr, Hamburg 1973, Bd. 6, 190f.<br><sup>76<\/sup>Kortl\u00e4nder: <i>\u00bb\u2026 in der Kunst wie im Leben ist die Freyheit das H\u00f6chste\u00ab<\/i>, 183.<br><sup>77<\/sup>Vgl. Gerhard H\u00f6hn, <i>Heines Trommelsprache oder: Was lehrt \u00bbDoktrin\u00ab?<\/i>, in: Bernd Kortl\u00e4nder (Hg.), <i>Interpretationen. Gedichte von Heinrich Heine<\/i>, Stuttgart 1995, 106.<br><sup>78<\/sup>Vgl. H\u00f6hn, <i>Heine Handbuch<\/i>, 88.<br><sup>79<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 395.<br><sup>80<\/sup>Heinrich Heine, <i>Neue Gedichte. Zeitgedichte<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen, 1997, Bd. 4, 422f.<br><sup>81<\/sup>Vgl. Claudius Sittig, <i>\u203aHeine und seine Zeit\u2039. Geschichtsentw\u00fcrfe und Selbstverortungen zwischen Zeitgedichten (1844) und Historien (1851)<\/i>, in: Werner Frick (Hg.), <i>Heinrich Heine. Neue Lekt\u00fcren<\/i>, Freiburg 2011, 271.<br><sup>82<\/sup>Vgl. H\u00f6hn, <i>Heine Handbuch<\/i>, 89f.<br><sup>83<\/sup>Hier l\u00e4sst sich interpretatorisch eine Linie ziehen zum Rattenf\u00e4nger von Hameln, der mit seinem Fl\u00f6tenspiel die Kinder, die wie in Trance agieren, aus der Stadt leitet.<br><sup>84<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 395.<br><sup>85<\/sup>Heinrich Heine, <i>Neue Gedichte. Zeitgedichte<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 4, 415f.<br><sup>86<\/sup>Heinrich Heine, <i>Lutetia<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 5, 438.<br><sup>87<\/sup>Ebd.<br><sup>88<\/sup>Ebd.<br><sup>89<\/sup>Vgl. Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 213f.<br><sup>90<\/sup>Vgl. Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 468.<br><sup>91<\/sup>Heinrich Heine, <i>Lutetia<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 5, 438.<br><sup>92<\/sup>Vgl. Brummack, <i>Heinrich Heine<\/i>, 215.<br><sup>93<\/sup>Ebd. 218.<br><sup>94<\/sup>Heinrich Heine, <i>Die Romantische Schule<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 7 Bde., hg. von Klaus Briegleb, M\u00fcnchen 1997, Bd. 3, 395.<br><sup>95<\/sup>Ludwig B\u00f6rne, <i>Ank\u00fcndigung der Wage<\/i>, in: <i>Ludwig B\u00f6rne. S\u00e4mtliche Schriften<\/i>, 5 Bde., hg. von Inge und Peter Rippmann, Dreieich 1977, Bd. 1, 667.<br><sup>96<\/sup>Ebd. 668.<br><sup>97<\/sup>Ebd. 670f.<br><sup>98<\/sup><i>An Varnhagen<\/i>, 16. Juli 1833, in: <i>Heinrich Heine: S\u00e4kularausgabe. Werke \u2013 Briefwechsel \u2013 Lebenszeugnisse<\/i>, 27 Bde., hg. von Klassik Stiftung Weimar und Centre National de la Scientifique, Berlin 1970, Bd. 20, 350.<br><sup>99<\/sup>Heinrich Heine, <i>Atta Troll. Vorstufe zu Caput III<\/i>, in: <i>Heinrich Heine. Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke<\/i>, 16 Bde., hg. von Manfred Windfuhr, hg. von Manfred Windfuhr, Bd. 4, 216.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Literatur sch\u00f6pft ihre Thematiken und Fragestellungen weitgehend aus den historisch-gesellschaftlichen Bedingungen, in die sie eingebettet sind. Das trifft f\u00fcr die Literatur des 19. 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