{"id":684,"date":"2024-11-26T21:03:37","date_gmt":"2024-11-26T20:03:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/?p=684"},"modified":"2024-12-16T11:15:21","modified_gmt":"2024-12-16T10:15:21","slug":"kasperzyk_afterlives","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/kasperzyk_afterlives\/","title":{"rendered":"Afterlives: Fiktive Aufarbeitung und Realit\u00e4tsanspruch &#8211; Christina Kasperzyk"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignwide has-background-dim-20 has-background-dim is-position-center-center\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Abdulrazak_Gurnah_2022.jpg);background-position:38% 68%;min-height:375px\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container\">\n<p style=\"font-size:70px\"><p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"line-height:1.1;font-size:50px;color:#fffffa\"><strong>Afterlives<\/strong><br><em>Zwischen fiktiver Aufarbeitung und Realit\u00e4tsanspruch<\/em><\/p><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nThey were fighting an enemy who was just as savage in retaliation, Ilyas said, undaunted.\n\u203a[\u2026] The Germans are honourable and civilised people and have done much good since they\nhave been here.\u2039\nHis listeners were silent in the face of such vehemence. \u203aMy friend, they have eaten you\u2039.<\/em><sup>1<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p class=\"has-drop-cap\">\nKolonialismus ist besonders f\u00fcr die europ\u00e4ische Kulturgeschichte ein einschneidendes Kapitel. Mit\ndem Wettlauf um Afrika begann eine Fremdbevormundung und Ausbeutung eines ganzen\nKontinents, die im Ersten Weltkrieg gipfelte und tiefe Wunden in der kulturgeschichtlichen\nEntwicklung Afrikas hinterlie\u00df, die bis heute nicht verheilt sind. Deutschlands\nKolonialvergangenheit wird \u2013 besonders in Deutschland selbst \u2013 aufgrund der vergleichsweise\ngeringen Anzahl von Kolonien in Afrika und dem Verlust der Kolonialherrschaft nach dem Ersten\nWeltkrieg gerne \u00fcbersehen oder verharmlost. Und doch hat die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurze deutsche\nKolonialzeit deutliche Spuren der Ausbeutung hinterlassen und zum Leid der afrikanischen\nBev\u00f6lkerung beigetragen. Als rezenter Beitrag zur postkolonialen Aufarbeitung der europ\u00e4ischen\nKolonialzeit nimmt Abdulrazak Gurnah seine Leserschaft mit seinem im Jahr 2020 ver\u00f6ffentlichten\nRoman <i>Afterlives<\/i> (dt. <i>Nachleben<\/i>) mit in die Kolonialzeit Afrikas. Die Protagonisten navigieren\ndarin durch ihren kolonialen Alltag zwischen den Weltkriegen und durch die daraus resultierenden\npolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen. Einen besonderen Stellenwert nimmt in dieser\nErz\u00e4hlung die Beziehung des Kolonialstaats Deutschland zur damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika\nein. Der Roman leistet dabei mehr als ein Nacherz\u00e4hlen der ostafrikanischen Kolonialgeschichte.\nDie Leserschaft verfolgt hier die Lebensgeschichte einer Familie an der Swahilik\u00fcste w\u00e4hrend\ndieser turbulenten Zeit.\n<\/p>\n\n<p>Im Folgenden soll das Zusammenspiel zwischen Deutschland und Kolonie in Gurnahs Roman\nuntersucht werden, wobei der Fokus auf dem beinahe beil\u00e4ufigen Verschwinden des Protagonisten\nIlyas und dem nachtr\u00e4glichen Aufdecken von dessen Schicksal durch seinen gleichnamigen Neffen\nliegt. Mit Blick auf den Buchtitel <i>Afterlives<\/i> und den doppelt auftretenden Vornamen scheint es\noffensichtlich, dass die Aufl\u00f6sung des Schicksals des \u00e4lteren Ilyas bewusst durch den j\u00fcngeren in\nDeutschland selbst erfolgt. Sp\u00e4ter in der Geschichte und im Folgenden wird der Onkel ebenso unter\ndem Namen <i>Elias<\/i> gef\u00fchrt. Hier stellt sich die Frage: Inwieweit ist der letzte Akt des Romans ein\nbewusster Bruch mit dem vorherigen Status-Quo des Romans?\n<\/p>\n\n<h2>Das Bergen einer Familiengeschichte in der Fremde\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Um das Feld wortw\u00f6rtlich von hinten aufzurollen, beginnt die Betrachtung in diesem Essay mit den\nletzten Z\u00fcgen der im Roman dargestellten Geschichte. Zugunsten der folgenden Argumentation\nlohnt es sich, noch einmal die hierf\u00fcr relevanten Eckpfeiler der Aufl\u00f6sung der Romanhandlung\nwiederzugeben: Aafiya \u2013 die Schwester des \u00e4lteren Elias \u2013 und ihr Ehemann Hamza versuchen, den\nvermissten Bruder zu finden. Daher schreibt Hamza einen Brief an die Frau Pastorin, die selbst als\ndeutsche Missionarin in Afrika t\u00e4tig war. Das Antwortschreiben der Frau Pastorin erhielt Hamza im\nJahr 1939, welches best\u00e4tigt, dass sich Aafiyas Bruder in Deutschland aufh\u00e4lt und dementsprechend\nnoch am Leben ist. Aufgrund des ausbrechenden Krieges bleibt eine weitere Korrespondenz mit der\nFrau Pastorin aus. In den nachfolgenden Jahren w\u00e4chst Ilyas zu einem Erwachsenen heran, leistet\nWehrdienst und studiert, um Lehrer zu werden. Nebenbei moderiert er eine Radiosendung, \u00fcber\nwelche er 1963 das \u203aStipendium f\u00fcr Radiofunk\u2039 in Deutschland erh\u00e4lt. Dieses Stipendium\nerm\u00f6glicht ihm, mehr \u00fcber seinen verlorenen Onkel herauszufinden, und er berichtet schlie\u00dflich\nseinen Eltern von seinen Funden. Ilyas\u2019 Zusammenfassung an seine Eltern bildet das Schlusswort\nder Geschichte des Romans.\n<\/p>\n\n<p>Mit diesen letzten zw\u00f6lf Seiten \u00f6ffnet Gurnah eine komplett neue Ebene der Geschichte, die von der\nDichte des behandelten Stoffes her einen eigenen Roman f\u00fcllen k\u00f6nnte. Die knapp\nheruntergebrochene, wenig ausgeschm\u00fcckte Wiedergabe ist an dieser Stelle ein bewusst gew\u00e4hltes\nStilmittel. Aber warum diese Verknappung, was hat es damit auf sich? Die Leserschaft scheint\nangehalten, selbst \u00fcber die Ausma\u00dfe beil\u00e4ufig erw\u00e4hnter Tatsachen nachzudenken. Dies soll in\ndiesem Essay geschehen.\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nIn 1963, two years after Independence [&#8230;] Ilyas was awarded a scholarship by the Federal\nRepublic of Germany to spend a year in Bonn learning advanced broadcasting techniques. He\nwas thirty-eight years old. The Federal Republic of Germany was what was popularly known\nas West Germany, a federation of the regions occupied by the US, the British and the French\nafter the war. The part of Germany occupied by the Soviet Union became the German\nDemocratic Republic. The GDR was highly active in colonial politics, and along with other\nSoviet East European allies provided sanctuary, training and arms to insurrectionist\nliberation movements in many parts of Africa. It had positioned itself as the champion of\ndecolonising nations, and the Federal Republic scholarships were gifts intended to match\nthose of the German Democratic Republic and to win support from poor nations [&#8230;].<\/em><sup>2<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDie Tatsache, dass Ilyas mittels eines Stipendiums die M\u00f6glichkeit erh\u00e4lt in Deutschland \u2013 nicht nur\neinem Industriestaat, sondern dem Staat, der vor wenigen Jahren noch die koloniale Herrschaft \u00fcber\nseine Heimat aus\u00fcbte \u2013 zu studieren, wirkt beinahe wie eine Belohnung harter Arbeit. Schnell wird\njedoch bewusst, dass die vermeintliche G\u00fcte der BRD politisch motiviert ist. Es geht bei dem\nStipendium nicht darum, m\u00f6gliche Entsch\u00e4digungen f\u00fcr postkoloniale Missst\u00e4nde zu leisten, oder\nBildung in weniger industriell entwickelte Nationen zu bringen. Vielmehr soll dem kapitalistischen\nStaatssystem die Loyalit\u00e4t solcher Nationen w\u00e4hrend des Kalten Krieges gesichert werden.\nHumanit\u00e4re Ma\u00dfnahmen erfolgen also aus Machtkalk\u00fcl. Dass Ilyas als Beg\u00fcnstigter selbst aus der\nehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika stammt, scheint mehr Zufall als Reparation.\nSelbstverst\u00e4ndlich freut sich Ilyas trotzdem \u00fcber die M\u00f6glichkeit und tritt die Reise nach Bonn an.\nHier vollzieht sich auch die Antithese des bisherigen Handlungsraumes der Geschichte: Statt wie\nbisher den Einfluss der deutschen Kolonialpolitik und der Deutschen in der ehemaligen Kolonie\nOstafrika zu verfolgen, reist jetzt ein Bewohner der ehemaligen Kolonie nach Deutschland. Es\nfindet also eine Umkehrung der bisherigen Handlung \u2013 das Leben in Afrika unter deutscher\nKolonialpolitik \u2013 statt. Zugespitzt wird diese Situation durch die Differenz zwischen dem rohen\nkolonialen Familientrauma, das Ilyas aufzuarbeiten sucht, und dem Fokus auf eine gute Story f\u00fcr\neinen Radiobericht seitens Ilyas\u2019 Betreuer Dr. K\u00f6hler.\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nHis assigned supervisor, Dr. K\u00f6hler, frowned as llyas began to describe his project. \u203aA war in\nAfrica fifty years ago, he said. Germany gets no rest from her wars.\u2039 Dr K\u00f6hler was in his\nearly forties, tall and fair-haired, a striding smiling presence in the department, and llyas was\ndisappointed by his disapproval. He waited for a moment before continuing and then ex-\nplained that the Schutztruppe he was trying to trace was his uncle who had come to Germany\nafter the war in Ostafrika.\nDr K\u00f6hler lifted his chin and then gave a small nod for him to continue.<\/em><sup>3<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nIlyas muss sich als Reporter und die Daseinsberechtigung der Geschichte seiner eigenen Familie\nrechtfertigen. Auff\u00e4llig ist, dass Dr. K\u00f6hlers erste Ablehnung des Themas mit einer gewissen\nKriegsm\u00fcdigkeit begr\u00fcndet wird. Aufgrund des Alters des Betreuers ist es sehr wahrscheinlich, dass\ner selbst aktiv im Krieg involviert war, zumindest in den letzten Z\u00fcgen. Zudem scheint eine gewisse\nApathie gegen\u00fcber der Beteiligung Deutschlands in den vorherigen Kriegen in seinen Aussagen\nmitzuschwingen. Die vorschnelle Ablehnung, welche von einem vom Thema der Weltkriege\ngelangweilten Deutschen gegen\u00fcber einem Schwarzafrikaner ausgesprochen wird, st\u00f6\u00dft ebenso auf.\nDas Thema wird von Dr. K\u00f6hler schlie\u00dflich dennoch durchgewunken, allerdings aufgrund seines\npotentiellen Unterhaltungswertes seitens der Dramatik. Ilyas und seine Geschichte als Sinnbild\ndeutscher Kriegs- und Kolonialverbrechen werden hier von dem Deutschen also nicht als historisch\nrelevant wahrgenommen. Vielmehr hat diese Familiengeschichte den Malus, potentiell unangenehm\nund weniger unterhaltsam f\u00fcr die deutsche H\u00f6rerschaft zu sein.\n<\/p>\n\n<p>Neben Dr. K\u00f6hler lernen wir nur einen weiteren Deutschen kennen, der einen direkten Sprechpart in\ndem betrachteten Ausschnitt aus\u00fcbt: den Archivar. Ilyas reist von Bonn nach W\u00fcrzburg, um mehr\n\u00fcber das Schicksal der Frau Pastorin \u2013 und somit \u00fcber seinen Onkel \u2013 zu erfahren. Hier st\u00f6\u00dft er auf\ndie nationalsozialistische Propagandazeitschrift <i>Kolonie und Heimat<\/i>. Da Ilyas als Afrikaner nicht\nmit nationalsozialistischer Kolonialpolitik vertraut ist, bittet er den Archivar um Hilfe:<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\nHe said, \u203aMost likely <i>Kolonie und Heimat<\/i>, the old one before it was taken over by the Reich-\nskolonialbund.\u2039 \u203aWhat is that?\u2039 Ilyas asked. The archivist looked stern, almost contemptuous\nof his ignorance. \u203aIt was the bund, the Gleichschaltung for the recolonising movement. There\nwas a campaign to get back the colonies taken away by Versailles.\u2039\n\u203aWhat is that word? Gleichschaltung?\u2039 Ilyas asked. \u203aPlease, I would be very grateful for your\nhelp.\u2039 [\u2026]\n\u203aIt refers to the way the Nazi government brought organisations together under one adminis-\ntration. It means &#8230; coordination, control. The Reichskolonialbund brought together all the re-\ncolonising associations and put them under the control of the party.\u2039\n\u203aI knew nothing about a recolonising movement,\u2039Ilyas said. The archivist shrugged.\nDummkopf. [&#8230;].<\/em><sup>4<\/sup>\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDer Dialog zwischen Ilyas und dem Archivar wirkt auf mehrere Arten angespannt. Zum einen\nhaben wir Ilyas\u2019 nahezu naives Nachfragen nach nationalsozialistischem Gedankengut. Stellenweise\nmuss er beinahe betteln, um mehr vom Archivar erkl\u00e4rt zu bekommen. Der Archivar selbst wirkt\ngenervt vom vermeintlichen Unwissen, als w\u00fcrde Ilyas mit seinen Nachfragen seine Zeit\nverschwenden. Schlie\u00dflich haben wir au\u00dferdem die verst\u00f6rende Bildebene, in der ein Deutscher\neinem Schwarzafrikaner beil\u00e4ufig rassistische Ideologien erkl\u00e4ren muss \u2013 auf explizite und\ndr\u00e4ngende Nachfrage. Wieder stockt der Lesefluss in der eng getakteten Wiedergabe des Narrativs.\nSeine Gedanken dazu werden nicht weiter erkl\u00e4rt. Wir lesen einen beinahe trockenen Bericht zum\nAblauf seiner Recherchen. Ein weiterer Punkt, der unauff\u00e4llig an der Leserschaft vorbeigetragen\nwird, ist die Tatsache, dass der Archivar selbst in der ehemaligen Kolonie Ostafrika war: \u00bbAs he\nwas taking his leave, it suddenly occurred to Ilyas to ask, Were you in Ostafrika? They were\nstanding at the outside door when he asked and the archivist said yes and turned away before Ilyas\ncould ask any more\u00ab.<sup>5<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Wieder werden die Ausma\u00dfe des beil\u00e4ufig erw\u00e4hnten \u00dcberraschungsmomentes nicht er\u00f6rtert und\nbleiben der Interpretation offen. Der Archivar kennt sich genug mit der Rekolonisierungsbewegung\naus, um zu erkennen, aus welcher Publikation der gezeigte Zeitungsausschnitt stammt. Jedoch\nbesucht Ilyas ein lutheranisches Archiv und kein Archiv f\u00fcr koloniale oder nationalsozialistische\nDokumente. Auch weicht der Archivar den weiteren Fragen zu seinem Aufenthalt in der ehemaligen\nKolonie Ostafrika aus \u2013 War er Missionar? Teil des Milit\u00e4rs? Oder nur Tourist? Im Kontext dieser\nInformation scheint die Abneigung gegen\u00fcber llyas\u2019 Nachfragen zum Kolonialbund noch suspekter:\nBeruht der schroffe Umgang mit Ilyas auf Schuldgef\u00fchlen und Unwohlsein bez\u00fcglich der Situation?\nOder liegt tats\u00e4chlich eine rassistisch motivierte Antipathie gegen\u00fcber dem Afrikaner vor? Gurnah\nverr\u00e4t es der Leserschaft nicht.\n<\/p>\n\n<h2>Ein Familienschicksal wird offenbart\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">W\u00e4hrend der Leser Ilyas\u2019 Recherche in Deutschland verfolgt, werden ihm die genauen Ergebnisse\nbis zum Ende vorenthalten. Die Leserschaft steht auf derselben Ebene wie Ilyas\u2019 Eltern, denen er\npers\u00f6nlich von seinen Ergebnissen erz\u00e4hlen will. Jedoch erhalten wir mehrfach Andeutungen, dass\nsein Onkel im Rahmen des Reichskolonialbundes auf Seiten der Nationalsozialisten gestanden\nhaben soll. Die letzten anderthalb Seiten des Buches bilden schlie\u00dflich einen fast durchgehenden\nMonolog in meist indirekter Sprache, welcher das Leben seines Onkels ab 1917 zusammenfasst.\n<\/p>\n\n<p>Im ersten Eindruck f\u00e4llt besonders das verwirrende Spiel zwischen dem Ilyas, der recherchiert und\nerz\u00e4hlt, und dem Ilyas, \u00fcber den berichtet wird, auf. Subjekt und Objekt wechseln von Satz zu Satz,\ndie gleichen Vornamen sorgen daf\u00fcr, dass die entgegengestellten Akteure und ihre Perspektiven\nmiteinander verwischen. Mit Blick auf den Titel des Buches \u2013 <i>Afterlives<\/i> oder <i>Nachleben<\/i> \u2013 wird\nbewusst, was hier geschieht: Das Schicksal eines einzelnen Opfers der Verbrechen der\nNationalsozialisten wird Jahre nach dessen Tod aus der Vergessenheit geholt. Nicht nur in Folge\nintensiver privater Recherche, sondern durch die Hand seiner eigenen Familie, vielmehr noch seines\neigenen Neffen, der denselben Namen tr\u00e4gt. Weiterhin irritierend bleibt aber die Tatsache, dass\ndiese Recherche prim\u00e4r im Rahmen einer Radiosendung zur Unterhaltung einer deutschen\nH\u00f6rerschaft geschieht: \u00bbDr K\u00f6hler was delighted with the effort and thought that the poor-quality\nsound the Compact Cassette produced somehow enhanced the emotional power of the\nproceedings\u00ab.<sup>6<\/sup> Auch am Ende der Geschichte und 20 Jahre nach dem Weltkrieg bleibt die koloniale\nMachtdynamik zwischen Deutschland und der ehemaligen Kolonie erhalten, was durch die\ntechnische Differenz verdeutlicht wird.\n<\/p>\n\n<p>Dennoch lohnt es sich, genauer in den Bericht \u00fcber Ilyas\u2019 \u2013 oder Elias\u2019 \u2013 Schicksal zu blicken.\nDieses Schicksal ist (\u00fcbrigens) nicht komplett fiktiv, da Gurnah auf reale Elemente aus dem Leben\nAskari Bayume Mohamed Husens zur\u00fcckgreift.<sup>7<\/sup> Die tiefgreifende Bedeutung dieses letzten\nAbschnittes \u2013 das Anspielen auf reale historische Schicksale \u2013 ist dementsprechend offensichtlich.\nInfolge seines Kriegseinsatzes in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika gelangte Ilyas 1929\nmittels Arbeit auf einem deutschen Schiff in das Deutschland der Weimarer Republik. Hier vollzieht\nsich auch seine Namens\u00e4nderung von \u203aIlyas Hassan\u2039 zu \u203aElias Essen\u2039. Die Anpassung des Namens\nzeigt auf der Metaebene das bewusste Ablegen der afrikanischen Identit\u00e4t zugunsten einer\ndeutschen. Jedoch ist fraglich, wie weit diese von seinem neuen Umfeld akzeptiert wird. Schon im\nBrief der Frau Pastorin finden wir einen Kommentar zu Elias\u2019 Namen: \u00bbSuch a striking name, I\nthink there could only have been one Ilyas Hassan in the whole of the schutztruppe\u00ab.<sup>8<\/sup> Auff\u00e4llig ist\nhier, dass die Frau Pastorin zehn Jahre nach der Namens\u00e4nderung nicht den aktuellen Namen nutzt.\nVielmehr betont sie, wie au\u00dfergew\u00f6hnlich und sch\u00f6n sie den (abgelegten) afrikanischen Namen\nfindet. Seine Herkunft scheint Elias also zu verfolgen. Zus\u00e4tzlich erfahren wir, dass er zu diesem\nZeitpunkt auch als S\u00e4nger in Hamburg arbeitet und dort bekannt f\u00fcr seine Auftritte in\nAskariuniform ist. Wieder kann sich Elias also nicht von dem l\u00f6sen, was auf ihn projiziert und von\nihm erwartet wird. Im Jahre 1933 heiratet er eine deutsche Frau, der Ehe entspringen drei Kinder.\nWir erfahren am Ende lediglich den Namen seines Sohnes Paul, benannt nach Elias\u2019 General aus der\nehemaligen Kolonie Ostafrika. Im direkten Vergleich zu seiner Schwester Aafiya, die ihren Sohn\nnach ihm benannte, positioniert sich Elias hier wieder explizit gegen seine afrikanische Herkunft\nund Familie. Diese Suche nach deutscher Anerkennung gipfelt schlie\u00dflich in der Tatsache, dass\nElias f\u00fcr den Reichskolonialbund agiert. Der Schwarzafrikaner aus einer ehemaligen deutschen\nKolonie wird hier zu einem Werbegesicht f\u00fcr eine Organisation der Nationalsozialistischen Partei.\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nThe Nazis wanted the colonies back, and Uncle Ilyas wanted the Germans back, so he\nappeared on their marches carrying the schutztruppe flag and on platforms singing Nazi\nsongs. So while you were grieving for him here, Ilyas said, Uncle Ilyas was dancing and\nsinging in German cities and waving the Schutztruppe flag in marches demanding the return\nof the colonies. Lebensraum did not only mean the Ukraine and Poland to them. The Nazi\ndream also included the hills and valleys and plains at the foot of that snow-capped mountain\nin Africa.<\/em><sup>9<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nDieser Abschnitt f\u00e4llt aus der bisherigen Berichterstattung heraus. Ilyas\u2019 Kommentar zu den\nAuftritten seines Onkels auf den M\u00e4rschen wirkt unerwartet zynisch, zudem ist er ein klarer Bruch\nmit dem vorherigen trockenen Schreibstil. Hier erfolgt au\u00dferdem erstmals eine klare Stellungnahme\ndurch Ilyas zu deutschen Kriegsverbrechen. Dies ist besonders markant in Bezug auf sein\nbisheriges, eher unterw\u00fcrfiges Verhalten. Wir sehen somit einen ersten Riss in der postkolonialen\nFassade, ein erstes zur\u00fcckhaltendes Aufbegehren gegen den anhaltenden kolonialen Status-Quo.\n\n<\/p>\n\n<p>Schlie\u00dflich erreicht die Dramatik der irritierenden trockenen Wiedergabe der Schlussszene ihren\nH\u00f6hepunkt: Elias\u2019 pers\u00f6nlicher Untergang wird unvermittelt mit den Rassegesetzen und\nKonzentrationslagern der Nationalsozialisten zusammengebracht. Grund f\u00fcr Elias\u2019 Verhaftung ist\neine Aff\u00e4re mit einer deutschen Frau im Jahre 1938. Auff\u00e4llig ist die Betonung, dass es sich hier um\nEhebruch gehandelt haben muss.\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nNot for marrying his German wife! That marriage took place in 1933 and the race laws were\nnot passed until 1935 so could not be applied to them. It was for an affair he had with another\nGerman woman in 1938. That is what the rule of law means. He broke the law fair and square\nin 1938 but he did not in 1933 because the race law was not yet passed.<\/em><sup>10<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nIlyas bricht aus der bisherig chronologischen Erz\u00e4hlweise heraus, um den \u203aStrafbestand\u2039 eindeutig\ndarzulegen. Wieder sticht eine nahezu abwertende Haltung heraus, besonders der Einwurf, das\nGesetz w\u00e4re \u00bbfair and square\u00ab<sup>11<\/sup> gebrochen worden. Gurnah l\u00e4sst uns nicht in Ilyas\u2019 Meinung zu den\nnationalsozialistischen Rassegesetzen blicken, vielmehr verschiebt sich die moralische Wertung auf\nden Ehebruch selbst. Es erfolgt demnach ein klarer Widerspruch zwischen der erwarteten Reaktion\nund der tats\u00e4chlichen. Auch f\u00fcr die Charakterisierung von Elias erscheint dieser Einschub relevant:\nEr erscheint als rastlos und wendet sich auf der Suche nach Validierung seitens der \u203aDeutschen\u2039\nerneut gegen seine Familie. Dass seine eigentliche Ehefrau bereits deutsch war, steht sinnbildlich\nf\u00fcr den Verlust des Hier und Jetzt in diesem Streben. An dieser Stelle haben wir aber auch die\nauff\u00e4lligste Parallele zu der realen Person Bayume Mohamed Husen, denn dieser wurde 1940 aus\ndemselben Grund im selben Konzentrationslager wie Elias im Buch \u2013 das KZ Sachsenhausen \u2013\ninterniert. Dennoch scheint in diesem Fall mehr als eine Anspielung auf das Schicksal eines\ntats\u00e4chlichen Opfers des Nationalsozialismus vorzuliegen. Um zur\u00fcck auf die\nWertungsverschiebung von Rassengesetzen zu Ehebruch zu kommen: Erneut wird somit in der\nHandlung betont, was nicht ausgesprochen wird. Der Lesefluss bleibt best\u00e4ndig, aber das Gelesene\nf\u00fchlt sich nicht komplett richtig an. Das Opfer von institutionalisierten Staatsverbrechen wird zum\nT\u00e4ter auf privater Ebene. Hierbei werden auch die Umst\u00e4nde der Verhaftung oder des \u203aVerbrechens\u2039\nnicht hinterfragt, es gibt keine Instanz, die sich f\u00fcr Elias\u2019 Ehrenrettung aussprechen kann.\n<\/p>\n\n<p>Schlie\u00dflich kommt das Unausweichliche: Elias wird in Sachsenhausen interniert und findet dort\nletztlich sein Ende. Besonders ist hier, dass sein einziger zu diesem Zeitpunkt noch lebender Sohn\nPaul seinen Vater begleitet.\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\u00bbSo what we can know for sure, Ilyas told his parents, is that someone loved Uncle Ilyas\nenough to follow him to certain death in a concentration camp in order to keep him\ncompany\u00ab.<\/em><sup>12<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nSowohl der Vater als auch der einzig verbleibende Sohn finden in Sachsenhausen ihr Ende. Elias\u2019\nFrau wird nach dem Ehebruch nicht mehr erw\u00e4hnt, weitere Berichte zu Vater und Sohn fehlen\nebenso. Beide Existenzen werden demnach mit ihrem Tod komplett aufgel\u00f6st. Die einzige\nErinnerung erfolgt aus den Memoiren eines \u00dcberlebenden Sachsenhausens, welcher knapp von\nPauls Tod berichten kann. In diesem Bericht scheint Elias\u2019 Hautfarbe die einzige Charakteristik zu\nsein, die ihn \u00fcberhaupt erkenntlich macht, denn er wird als \u00bbblack singer\u00ab<sup>13<\/sup> bezeichnet. Auch\nposthum ist es Elias nicht m\u00f6glich, mit seiner afrikanischen Herkunft zu brechen. W\u00e4hrend die\nDeutschen Elias mit dem Ende seines \u203aNutzens\u2039 ausl\u00f6schen und aus der Erinnerung tilgen, ist es\nsomit schlie\u00dflich auch sein Neffe, seine afrikanische Familie, der ihn aus der Vergessenheit holt.\n<\/p>\n\n<h2>Zusammenfassung\n<\/h2>\n\n<p>Gurnahs Roman <i>Afterlives<\/i> verfolgt das Ziel, eine koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten, die in\nehemaligen Kolonialstaaten nur in ihren Grundz\u00fcgen bekannt ist. Indem die Leserschaft das Leben\neiner ganzen Familie \u00fcber Generationen hinweg verfolgt, gelingt es, sensible Einblicke in ein sehr\nkomplexes Thema zu gewinnen. Die Protagonisten sind hier ein literarisches Werkzeug, um den\nLesenden Kolonialgeschichte sowohl auf emotionale Weise zu vermitteln, als auch das eigene\nNachdenken anzuregen. Mit den letzten Seiten der Handlung kippt das vermittelte Bild aber in\nmehreren Hinblicken: Die Handlung vollzieht einen Ortswechsel, das R\u00e4tsel bez\u00fcglich Ilyas\u2019\nVerschwinden wird gel\u00f6st, und der deutsche Kolonialismus geht flie\u00dfend in den\nNationalsozialismus \u00fcber. Die Geschichte \u00fcberspringt dabei jedoch den eigentlichen Verlauf des\nZweiten Weltkrieges, vielmehr rekonstruiert die Leserschaft mit Ilyas\u2019 Nachforschungen, was bisher\nan der Handlung des Romans vorbeiging. Gurnah er\u00f6ffnet eine Ebene, die weit \u00fcber den\neigentlichen Kolonialismus hinausgeht.\n<\/p>\n\n<p>Ilyas und Elias nehmen hier unterschiedliche Aspekte ein. W\u00e4hrend Ilyas die Zukunft verk\u00f6rpert\nund die Chance erh\u00e4lt, mithilfe von Bildung ein besseres Leben anzustreben, verliert sich Elias in\ndem Versuch, der Vergangenheit zu entkommen. Dass der gleichnamige Neffe derjenige ist, der die\nGeschichte seines Onkels schlie\u00dflich aus der Vergessenheit birgt, wirkt mit Blick auf den Titel\n<i>Afterlives<\/i> poetisch. Die Auswirkungen von Elias\u2019 tragischem Schicksal bleiben der Leserschaft bis\nzum Finale des Buches vorenthalten. Durch diese Entscheidung wird der Schlag in die\nmetaphorische Magengrube mit dem Ende der Geschichte verst\u00e4rkt.\n<\/p>\n\n<p>Die Tatsache, dass Gurnah mit seiner Geschichte gleichzeitig reale Aspekte aus dem Leben von\nBayume Mohamed Husen spiegelt, gibt dem Finale des Romans einen zus\u00e4tzlichen Anspruch: Hier\nwird nicht mehr das fiktive Leben einer erfundenen Familie in einer Kolonie als Sinnbild f\u00fcr die\nKolonialgeschichte vorgetragen. Mit Blick auf den pl\u00f6tzlich trockenen Stil des Berichtes ebbt der\nRoman in eine historische Berichterstattung, auch wenn sie noch in den Roman verwoben ist.\nNunmehr ist die Geschichte nicht mehr komplette Fiktion, sondern erh\u00e4lt einen ernsten Anspruch\nauf Realit\u00e4t.\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-300x300.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-807\" width=\"215\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-300x300.jpeg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-1024x1024.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-150x150.jpeg 150w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-768x768.jpeg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-1536x1536.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-2048x2048.jpeg 2048w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/IMG_3854-510x510.jpeg 510w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><figcaption>Christina Kasperzyk<\/figcaption><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p style=\"text-align: center\"><i><strong>Christina<\/strong> (geb. 1995) studiert im Master Komparatistik und Geschichte, vorangegangen ist dem ein Bachelorstudium in Japanologie und Geschichte. Neben einem generellen Interesse daran, sich mit diversen literaturwissenschaftlichen Methoden auseinanderzusetzen und neue Themen kennenzulernen, befasst sie sich besonders mit der feministischen Literaturwissenschaft, den Gender sowie Postcolonial Studies und der Digitalen Literaturwissenschaft.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>Kontakt: christina.kasperzyk@student.uni-halle.de<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h2>Anmerkungen<\/h2>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup>Abdulrazak Gurnah, <i>Afterlives<\/i>, London 2021, 42.<br><sup>2<\/sup>Ebd. 267\u2013268.<br><sup>3<\/sup>Ebd. 269.<br><sup>4<\/sup>Ebd. 271.<br><sup>5<\/sup>Ebd. 271f.<br><sup>6<\/sup>Ebd. 274.<br><sup>7<\/sup>Vgl. https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/nachleben-ein-roman-des-nobelpreistraegers-abdulrazak-gurnah-ld.1707256 [letzter Zugriff: 13.06.2024].<br><sup>8<\/sup>Gurnah, <i>Afterlives<\/i>, 263.<br><sup>9<\/sup>Ebd. 274ff.<br><sup>10<\/sup>Ebd. 275.<br><sup>11<\/sup>Ebd.<br><sup>12<\/sup>Ebd.<br><sup>13<\/sup>Ebd.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>They were fighting an enemy who was just as savage in retaliation, Ilyas said, undaunted. \u203a[\u2026] The Germans are honourable and civilised people and have done much good since they have been here.\u2039 His listeners were silent in the face of such vehemence. \u203aMy friend, they have eaten you\u2039.1 Kolonialismus ist besonders f\u00fcr die europ\u00e4ische [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6132,"featured_media":685,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/684"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6132"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=684"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/684\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1188,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/684\/revisions\/1188"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/media\/685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}