{"id":696,"date":"2024-11-26T21:04:04","date_gmt":"2024-11-26T20:04:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/?p=696"},"modified":"2024-12-04T13:28:02","modified_gmt":"2024-12-04T12:28:02","slug":"wellmann_parzival","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wellmann_parzival\/","title":{"rendered":"Parzival: D\u00een kumber, m\u00een laster &#8211; Carola Wellmann"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignwide has-background-dim-20 has-background-dim is-position-center-center\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/11\/Test.1.jpeg);background-position:60% 24%;min-height:416px\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container\">\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"line-height:1.1;font-size:50px;color:#fffffa\"><strong>D\u00een kumber und m\u00een laster<\/strong><em><br>Die Wechselseitigkeit im Verh\u00e4ltnis der Figuren Parzival und Sigune im \u00bbParzival\u00ab von Wolfram von Eschenbach<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p class=\"has-drop-cap\">\n\nLiterarische Figuren bieten f\u00fcr Leserinnen und Leser Identifikationsm\u00f6glichkeiten. Gem\u00e4\u00df Gerard\nOppermann sind literarische Figuren sogar \u00bbunverzichtbare Bausteine, der eigenen Weltsicht\u00ab.<sup>1<\/sup>\nDoch zugleich spricht er auch eine Warnung vor einer \u00fcbersteigerten Identifikation aus, die bereits\nvon Goethe artikuliert wurde: Es sei ein Irrglaube, \u00bbdie Poesie in Wirklichkeit verwandeln\u00ab zu\nm\u00fcssen.<sup>2<\/sup> Einer solchen identifikatorischen Lekt\u00fcre kann eine analytische Lesehaltung\nentgegengesetzt werden, die das Augenmerk auf das Handeln der Figuren innerhalb der\nliterarischen Komposition legt.\n<\/p>\n\n<p>Die folgende Analyse, die dies versucht, stellt eine Figurenkonstellation aus <i>Parzival<\/i> von Wolfram\nvon Eschenbach in ihr Zentrum. Die Titelfigur Parzival und seine Cousine Sigune stehen zwar nicht\nso unzertrennlich nebeneinander, wie es andere Figuren der mittelalterlichen Literatur, wie Siegfried\nund Kriemhild oder Tristan und Isolde tun; dass Sigune jedoch f\u00fcr Parzival eine besondere Rolle\nspielt, ist in der Forschung hinreichend angemerkt worden. Die Deutungen zielen dabei stets auf\nden Einfluss ab, den Sigune auf Parzival und dessen Entwicklungsweg nimmt. Gem\u00e4\u00df Bumke \u00bbist\ndie Begegnung mit Sigune ein erster Schritt der Selbsterkenntnis\u00ab.<sup>3<\/sup> Diese Position wird auch von\nMarina M\u00fcnkler unterst\u00fctzt, die explizit betont, dass Sigune und Trevrizent als Parzivals Verwandte\nauf dessen Entwicklung hin zur Gralsherrschaft einwirken.<sup>4<\/sup> Alternativ wird Sigune als trauernde\nFrau, die sich nach dem Verlust ihres Verlobten Schionatulander in die Einsamkeit zur\u00fcckgezogen\nhat, beschrieben.<sup>5<\/sup> Ines Palau stellt zus\u00e4tzlich heraus, dass die \u00bbSigune-Bilder\u00ab stets durch religi\u00f6se\nBez\u00fcge und Reminiszenzen aus der Handlung herausstechen, die \u00bbden Rezipienten zu einer Form\nvon Andacht f\u00fchren\u00ab sollen.<sup>6<\/sup> Unerl\u00e4sslich f\u00fcr die vorliegende Untersuchung ist die Lekt\u00fcre von\nRobert Braunagels vergleichenden Betrachtungen zur Sigune Figur im Parzival und im Titurel, da er\nauf eine textimmanente \u00bbSpiegelbildlichkeit\u00ab der beiden Figuren hinweist, die eine funktionale\nBeziehung der Protagonisten andeutet, die von ihm aber nicht weiter ausgef\u00fchrt wird.<sup>7<\/sup> Die Skizze\ndieser Forschungspositionen verdeutlicht bereits, dass in den g\u00e4ngigen Deutungen stets auf Sigunes\nRelevanz f\u00fcr Parzival Bezug genommen wird.\n<\/p>\n\n<p>Der vorliegende Aufsatz versucht die bestehenden Deutungsans\u00e4tze um eine weitere Perspektive zu\nerg\u00e4nzen. Dabei steht der Einfluss Parzivals auf Sigune und der Zusammenhang der beiden Figuren\nim Fokus. Damit wird die These \u00fcberpr\u00fcft, dass zwischen den beiden Figuren auch eine\ngegenseitige Einflussnahme besteht. Grundlegend daf\u00fcr ist eine strukturalistische Analyse der\nFiguren. Die Betrachtung der Figuren als Systeme erm\u00f6glicht eine gezielte Erarbeitung der\nBeziehungen der literarischen Charaktere.\n<\/p>\n\n<p>Zur Beantwortung der vorgestellten Problematik wird folgenderma\u00dfen vorgegangen: Bevor die vier\nsogenannten Sigune-Szenen, welche die Begegnung von Parzival und seiner Cousine thematisieren,\nnacheinander untersucht werden, gilt es, einige kurze, theoretische Betrachtungen zum Verh\u00e4ltnis\nliterarischer Figuren sowie den strukturalistischen Ansatz zur Figurenanalyse einzuf\u00fchren. Ebenso\nliegt das Augenmerk auf der Interaktion der beiden Figuren, anhand welcher ausgearbeitet werden\nsoll, ob und wie sie einander beeinflussen. Die chronologische und detaillierte Betrachtung des\nGeschehens in den Sigune-Szenen erm\u00f6glicht es, im Laufe der Ausf\u00fchrungen Entwicklungen\naufzuzeigen, die sich in der Beziehung zwischen Sigune und Parzival ergeben. In einem\nabschlie\u00dfenden Fazit gilt es die Frage zu beantworten, inwiefern zwischen Sigune und Parzival eine\nfunktionale Beziehung besteht.\n<\/p>\n\n\n<h2>Der strukturalistische Ansatz f\u00fcr literarische Figuren\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Eine literarische Figur l\u00e4sst sich als \u00bbfiktive Gestalt in einem dramatischen, narrativen oder auch\nlyrischen Text (z. B. Rollengedicht, Ballade)\u00ab definieren.<sup>8<\/sup> Eder erweitert dieses Begriffsverst\u00e4ndnis\num die Auffassung, dass Figuren in der Literatur \u00bbdurch einen fiktionalen Text dargestellte\nGestalt[en seien], d[enen] die F\u00e4higkeit zu mentalen Prozessen zugeschrieben\u00ab werden.<sup>9<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Fassbar werden literarische Figuren durch unterschiedliche Theorien und Methoden. F\u00fcr die hier\neingenommene funktionsbezogene Perspektive auf das Verh\u00e4ltnis der Figuren Parzival und Sigune\nbietet es sich an, auf strukturalistische Begrifflichkeiten zur\u00fcckzugreifen, um unter anderem\nfehlendes \u00bbnarratologisches Beschreibungsinstrumentarium f\u00fcr Figuren in erz\u00e4hlenden Texten\u00ab zu\n\u00fcberbr\u00fccken.<sup>10<\/sup> Mayer erkl\u00e4rt, dass die strukturalistische Literaturtheorie die Funktion einer Figur im\nliterarischen Text untersucht, wodurch Figuren als handelnde Subjekte aufgefasst werden.<sup>11<\/sup> Der\nstrukturalistische Blick auf die Figuren eignet sich somit eher, um zu untersuchen, ob die Figuren\nSigune und Parzival wechselseitig aufeinander einwirken, als psychologische Theorien.\nGrundlegend f\u00fcr das strukturalistische Figurenverst\u00e4ndnis ist die Annahme, dass eine Figur als ein\nSystem verstanden wird, in dem sich diverse Aspekte und Elemente vereinen, wodurch\nunterschiedliche Informationen verkn\u00fcpft werden. Gem\u00e4\u00df Mayer ist\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\n[j]ede Figur [\u2026] also ein System, dass sich durch Verbindungen von spezifischen\nOperationen wie Handlungen, Beobachtungen und Beschreibungen anderer Figuren\nund \u00c4u\u00dferungen von anderen Figuren (Systemen) und seiner Umwelt im Text\nunterscheidet.<\/em><sup>12<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nAls handelnde Subjekte sind Figuren zentrale Bestandteile von Erz\u00e4hlungen, die sich zu ihrer\n(fiktiven) Umwelt verhalten m\u00fcssen, indem sie sich mit dieser identifizieren oder von ihr\nabgrenzen. Aus der figuralen Interaktion mit der fiktiven Umwelt ergibt sich die essenzielle\nFunktion der \u00bbEinheits- und Sinnstiftung\u00ab.<sup>13<\/sup> Als Aktanten sind Figuren in die erz\u00e4hlte Welt\neingeflochten und nehmen Anteil an der narrativen Koh\u00e4renz, die Mayer damit anspricht.\n<\/p>\n\n<p>Durch die Namensgebung wird das System \u00bbabgeschlossen\u00ab. Das bedeutet, dass ein Figurenname\n\u00bbals Verbindung der Merkmale\u00ab fungiert. Das System erschlie\u00dft sich mit der fortschreitenden\nHandlung und der Auseinandersetzung der Figur mit ihrer Umwelt. Dadurch werden\nCharakterisierungen einer Figur m\u00f6glich.<sup>14<\/sup> Freilich l\u00e4sst sich einwenden, dass die moderne\nstrukturalistische Figurentheorie nur bedingt auf einen mittelalterlichen Gegenstand angewandt\nwerden kann. Silvia Reuvekamp betont jedoch, dass\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\n\ndie aktuelle medi\u00e4vistische Forschung [\u2026] ganz deutlich dazu [tendiere], f\u00fcr\nvormoderne Literatur ein Primat der Handlungsf\u00fchrung gegen\u00fcber der\nFigurendarstellung zu konstatieren und von daher bei ihrer Beschreibung eher an\nstrukturalistische Forschungsparadigmen anzuschlie\u00dfen.<\/em><sup>15<\/sup>\n\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\n\nDamit legitimiert Reuvekamp nicht nur den Gebrauch des strukturalistischen Ansatzes bei der\nAnalyse mittelalterlicher Literatur, sondern stellt zugleich heraus, dass Figuren in mittelalterlichen\nTexten eher f\u00fcr die Handlung eines Werkes gestaltet sind und weniger durch individuelle\nEigenschaften dargestellt werden. So entstehe eine \u00bbtypenhafte oder gar holzschnittartige\u00ab\nErscheinungsweise der Figuren.<sup>16<\/sup> Bezogen auf <i>Parzival<\/i> hat Robert Braunagel ausgearbeitet, dass insbesondere Sigune die Funktion habe, die epische Struktur einzuhalten.<sup>17<\/sup> Er erkl\u00e4rt sie zu einem Knotenpunkt, an dem entscheidende Wendungen f\u00fcr Parzival angesto\u00dfen und vollzogen werden.\n<\/p>\n\n<p>Armin Schulz konstatiert pointiert, dass mittelalterliche Figuren \u00bbin erster Linie als\nHandlungstr\u00e4ger\u00ab erscheinen, um Typen zu repr\u00e4sentieren.<sup>18<\/sup> \u00dcberzeugend argumentiert\nReuvekamp, dass die Typenhaftigkeit von Figuren kein ausschlie\u00dflich medi\u00e4vistisches Ph\u00e4nomen\nsei und die Frage nach der Relevanz der Figuren f\u00fcr die Handlung auch in modernen Texten immer\nneu verhandelt werde, sodass eine klare Abgrenzung mittelalterlicher und moderner Texte\ndiesbez\u00fcglich nicht zielf\u00fchrend sei.<sup>19<\/sup> Festzuhalten bleibt, dass die Interaktion der Figuren durch den strukturalistischen Blick systematisch analysiert werden kann.\n<\/p>\n\n<p>Um nun herauszuarbeiten, inwiefern Sigune und Parzival einander wechselseitig beeinflussen, ist\nder strukturalistische Ansatz, nach dem die Figuren als agierende Systeme gesehen werden,\ndurchaus geeignet. Bei den nachfolgenden Untersuchungen gilt es nun stets drei Analysefragen zu\nbeachten, die sich aus den theoretischen \u00dcberlegungen ableiten lassen:\n<\/p>\n\n<p>1.) Wodurch zeichnen sich die Figuren(systeme) aus?<br>\n2.) Wie tragen sie zur Handlungsentwicklung bei?<br>\n3.) Wie wirken sie auf die anderen Figuren bzw. Systeme ein?\n<\/p>\n\n<h2>Formen der Verbundenheit &#8211; Die erste Begegnung mit Sigune\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Auf der Suche nach dem Artushof h\u00f6rt Parzival das Schluchzen einer Frau. Er folgt dem Ger\u00e4usch\nund trifft auf die Person, deren Kummer seine Aufmerksamkeit erregt hat. <i>D\u00e2 brach vrou Sig\u00fbne\/ ir\nlangen z\u00f6pfe br\u00fbne\/ vor j\u00e2mer \u00fbz der swarten<\/i> (P, 138, 17\u201319). Er entdeckt eine Frau, die sich in\nihrer Trauer die Z\u00f6pfe ausrei\u00dft und sich \u00fcber einen Leichnam beugt. W\u00e4hrend Parzival diese Szene\nnoch aus der Entfernung beobachtet, erf\u00e4hrt der Leser, dass es sich bei dem Toten um den F\u00fcrsten\nSchionatulander handelt.\n<\/p>\n\n<p>Dem Rat seiner Mutter folgend, jeden freundlich zu gr\u00fc\u00dfen, spricht Parzival die Frau an und fragt\nsie <i>wer gab iu den ritter wunden?<\/i> (P, 138, 30). Jedoch fragt er nicht nur nach dem Schuldigen,\nsondern bekundet der Trauernden auch seine Hilfsbereitschaft, indem er bereit ist, den Tod von\nSchionatulander zu r\u00e4chen. Parzival will sich, \u00e4hnlich wie es Schionatulander tat, in Sigunes Dienst\nstellen.<sup>20<\/sup> Sigune empfindet Parzivals energische und ungest\u00fcme Art als <i>tugent<\/i> (P, 139, 25). Sie lobt\nseine Empathie, k\u00fcndigt ihm proleptisch eine wohlbestellte Zukunft an und erkennt, als er sich mit\n<i>bon f\u00eez, scher f\u00eez, be\u00e2 f\u00eez<\/i> (P, 140, 6) vorstellt, dass es sich bei ihrem Gegen\u00fcber um ihren Cousin\nParzival handelt. Ohne zu z\u00f6gern, offenbart Sigune ihm, dass sein richtiger Name Parzival ist, wie\nsie miteinander verwandt sind und gibt ihm zugleich einen Einblick in seine und damit zugleich ihre\ngemeinsame Familiengenealogie. Wie bereits dargestellt, ist der Figurenname aus strukturalistischer\nPerspektive das verbindende Element aller Merkmale eines Systems. Indem Sigune Parzival seinen\nNamen nennt, hat sie einen durchaus zentralen Anteil an der \u203aSchaffung\u2039 der Figur, zumindest aber\nan der Identit\u00e4t Parzivals.\n<\/p>\n\n<p>Doch die Erz\u00e4hlinstanz betont, dass diese Information nicht nur f\u00fcr den Protagonisten, sondern auch\nf\u00fcr die Leserschaft relevant ist (P, 140, 11\u201314). Sigune ist somit auf zwei Ebenen von Bedeutung.\nEinerseits \u00fcbernimmt sie die in der Forschung oft herausgestellte Informationsfunktion f\u00fcr Parzival,\nwodurch sie zu einer von Schuhmann bezeichneten \u00bbInformationsfigur\u00ab<sup>21<\/sup> wird. Bisherige\nInterpretationen haben diese Szene als grundlegendes Moment f\u00fcr die beiden Figuren eingesch\u00e4tzt,\nda mit der Offenbarung ihrer Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisse die basale Strukturierung des epischen\nWerkes dargelegt werde.<sup>22<\/sup> Die Relevanz dieser ersten Begegnung wird auch dadurch unterstrichen,\ndass Wolfram in seinem Roman, im Unterschied zum <i>Conte du Graal<\/i> von Chr\u00e9tien de Troyes,\nParzival noch vor seiner ersten Ankunft am Artushof auf Sigune treffen l\u00e4sst.<sup>23<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Schumann aber betont, dass die Informationsfunktion, die Sigune h\u00e4ufig zugesprochen wird,\n\u00fcbersch\u00e4tzt werde, da es nicht ihre Aufgabe sei, \u00bbInformationen und Zusammenh\u00e4nge [\u2026] zu\nexplizieren\u00ab, sondern diese nur anzudeuten.<sup>24<\/sup> Lediglich dem Moment der Namensnennung und\n-deutung komme durchaus ein besonderer Stellenwert zu, da Sigune &#8211; entgegen ihrem \u00fcblichen\nMuster &#8211; vollst\u00e4ndige Informationen biete. Damit gehe sie \u00fcber ihre eigentliche Aufgabe, der\nVorbereitung und Andeutung von Informationen, hinaus.\n<\/p>\n\n<p>F\u00fcr Sigune und Parzival ist der Augenblick der ersten Vorstellung ein initialer Moment, in dem\nweitere interfigurale Entwicklungen verwurzelt sind und angedeutet werden. Andererseits ist aber\nauch hervorzuheben, dass Sigune nicht nur auf inhaltlicher Ebene damit eine relevante Position f\u00fcr\nden Protagonisten einnimmt. Wolfram schreibt <i>nu hoert i rechter nennen, daz ir wol m\u00fcget\nerkennen<\/i> (P, 140, 11\u201312), wodurch Sigune auch f\u00fcr die Leser die Funktion der\nInformationsvermittlerin \u00fcbernimmt und herausstellt, <i>wer dirre \u00e2ventiure h\u00earre s\u00ee<\/i> (P, 140, 13).\nSigune verk\u00f6rpert im Roman durchweg eine vermittelnde Instanz, die sowohl f\u00fcr Parzival, als auch\nf\u00fcr die Leserschaft Geschehnisse einordnet und somit ihrer Informationsfunktion nachkommt.\n<\/p>\n\n<p>Ihre verwandtschaftliche Beziehung als Cousine und Cousin erm\u00f6glicht zudem einen\nsystematischen Blick auf die Figuren im <i>Parzival<\/i>. Parzivals Mutter Herzeloyde und Sigunes Mutter\nSchoysiane waren Schwestern. Sie sind Angeh\u00f6rige der Gralsgesesellschaft.<sup>25<\/sup> Sigune wurde von\nHerzeloyde mit erzogen. Weiterhin erkl\u00e4rt Sigune, wie Parzival durch seine Abstammung \u203aAnteil\u2039\nan dem Tod von Schionatulander hat. <i>Dirre v\u00fcrste wart durch dich erslagen\/ wand er d\u00een ie werte\/\nsine triuwe er nie verschert<\/i> (P, 141, 2\u20134). Schionatulander war Ritter im Dienste Parzivals und starb\nim Zweikampf mit Orilus. Zudem f\u00fchrt Sigune die Vorgeschichte des Liebespaares aus und erkl\u00e4rt\nihrem Cousin, dass <i>ein bracken seil<\/i> (P, 141, 16) ihren Geliebten in den Tod gesto\u00dfen habe.\nGenaueres zu der Vergangenheit der beiden liebenden Figuren l\u00e4sst sich den Titurel-Fragmenten\nvon Wolfram von Eschenbach entnehmen, die erst nach dem Parzival erschienen.<sup>26<\/sup> So stellt Sigune\nheraus, dass Schionatulander in ihrer <i>zweier dienste den t\u00f4t<\/i> bejagt hat (P, 141, 17). Parzival und\nseine Cousine sind nicht nur verwandtschaftlich, sondern auch \u00fcber das Leben bzw. den Tod von\nSchionatulander verbunden. Als Figurensysteme gesehen, teilen sie die Verbundenheit mit\nSchionatulander als gemeinsame Eigenschaft.\n<\/p>\n\n<p>Sigune beteuert, dass sie sich nach seiner Liebe verzehrt (vgl. P, 141, 18\u201319). Der Ausdruck <i>j\u00e2mers\nn\u00f4t<\/i> (P, 141, 18) verdeutlicht die Sehnsucht, mit welcher Sigune um den toten Ritter trauert. \u00dcber\ndiese Sehnsucht ist sie in der Gegenwart mit Schionatulander verbunden. Ihre Sehnsucht dr\u00fcckt ein\nzukunftsgerichtetes Streben aus, welches auf eine Vereinigung der beiden Liebenden ausgerichtet\nist. Durch Schionatulanders Tod ist dieses Streben jedoch nicht zu befriedigen, wodurch Sigunes\nTrauer sie stets im Vergangenen festh\u00e4lt und ihre gegenw\u00e4rtige Stagnation verursacht. Sie fl\u00fcchtet\nsich in eine Liebe im Tod (P, 141, 24). Fuhrmann deutet die Emotionen von Sigune \u00e4hnlich: als\nKlage \u00fcber die \u00bbUnm\u00f6glichkeit einer gelebten Minne au\u00dferhalb einer transzendenten Sph\u00e4re\u00ab.<sup>27<\/sup>\n\u00dcberblickt man die weiteren Entwicklungen im Roman deutet sich hier bereits proleptisch das\nlangsame Nachsterben der zur\u00fcckgezogenen F\u00fcrstin an. Nur im Tode kann sie wieder mit\nSchionatulander vereint sein.\n<\/p>\n\n<p>Ergriffen von dem Leid seiner Cousine ruft Parzival: <i>niftel, mir ist leit\/ d\u00een kumber und m\u00een laster\nbreit. Swenn ich daz mac gerechen\/ daz will ich gerne zechen<\/i> (P, 141, 25\u201328). In seinem Ausruf\nzeigt sich nicht nur die N\u00e4he zu Sigune, die er direkt als niftel anspricht, sondern manifestiert sich\nauch die racheerf\u00fcllte Gesinnung, die Parzival bereits zu Beginn der Begegnung offenbarte. Sigune\nerkennt jedoch Parzivals Kampfeslust und ist bem\u00fcht ihn von Gefahren fernzuhalten, indem <i>s\u00ee [\u2026]\nin unrehte n\u00e2ch wies<\/i> (P, 141, 30). Damit nimmt Sigune bewusst die Rolle einer Besch\u00fctzerin ein\nund leistet ihrem Cousin somit \u203areale Hilfe\u2039 w\u00e4hrend Parzival mit seiner Empathie und seinem\nRacheangebot, welches er nicht in die Tat umsetzt, Sigune eher emotional beisteht. Diese\n\u00fcbernimmt dabei aber auch eine wegweisende Funktion. Sie leitet ihren Cousin nicht auf den Pfad,\nauf dem er Orilus begegnen k\u00f6nnte, sondern verweist ihn in jene Richtung, die ihn <i>gein den\nBerteneysen<\/i> (P, 142, 4) f\u00fchrt. Indem sie dazu beitr\u00e4gt, dass Parzival an den Artushof gelangt, tr\u00e4gt\nsie auch erneut zur Lenkung der Handlung bei, wodurch sie im Sinne von Armin Schulz zur\nHandlungstr\u00e4gerin wird.<sup>28<\/sup> Sigune ist f\u00fcr Parzival eine zentrale Wegweiserin. W\u00e4hrend sie ihm real hilfreiche Hinweise \u00fcber seine Abstammung, zu seiner Person und f\u00fcr seinen weiteren Weg gibt,\nsteht Parzival seiner Cousine eher auf einer emotionalen Ebene bei. Zugleich deutet sich Sigunes\nAbwendung vom Weltlichen an, da ihre Sehnsucht nach einer erf\u00fcllten Liebe mit Schionatulander\nsie zum \u00dcberirdischen zieht, w\u00e4hrend Parzival auf seiner Suche nach sich selbst und dem Rittertum\nweltlichen Idealen nachstrebt. Trotz ihrer scheinbaren Gegens\u00e4tzlichkeit (Fetahovic spricht vom\n\u00bbgeschw\u00e4tzigen Ritter und der schweigsamen Trauernden\u00ab<sup>29<\/sup>) bleiben die beiden Figuren \u00fcber ihre\nfamili\u00e4re Beziehung verbunden und sind in der Lage einander zu unterst\u00fctzen. Die nachfolgenden\nUntersuchungen werden herausstellen, inwiefern sich dieses Figurenverh\u00e4ltnis in der weiteren\nHandlung manifestiert und weiterentwickelt.\n<\/p>\n\n<h2>Das erste Wiedersehen \u2013 Parzivals zweite Begegnung mit Sigune\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Nach seinem ersten Besuch der auf der Burg Munsalvaesche gelangt Parzival erneut zu Sigune. <i>Alr\u00earst nu \u00e2ventiurt es sich<\/i> (P, 249, 4) \u2013 dieser Erz\u00e4hlerkommentar betont die Relevanz von Sigune, da der Protagonist vor der zweiten Begegnung mit ihr steht. Die nachfolgende Begegnung stellt also\nden Ausgangspunkt eines neuen Handlungsabschnittes dar, wodurch weiterhin an ihre\nhandlungstragende Funktion angeschlossen wird. Da f\u00fcr den Leser noch nicht erkenntlich ist,\nwelche Entwicklung das Geschehen nimmt, wirkt der Erz\u00e4hlerkommentar spannungssteigernd.\n<\/p>\n\n<p>Auf seinem Ritt <i>erh\u00f4rte der degen ellens r\u00eech\/ einer vrouwen stimme jaemerl\u00eech<\/i> (P, 249, 11\u201312).\nUnwissend, dass es sich bei der Person erneut um seine Cousine Sigune handelt, n\u00e4hert sich\nParzival der Stimme und findet dort eine Frau, die auf einer Linde trauernd einen einbalsamierten\nLeichnam in den Armen h\u00e4lt. Parzivals Dynamik als Reiter wird kontrastiert zu Sigunes\nUnbeweglichkeit auf dem Baum.<sup>30<\/sup> Wolfram betont, dass Parzival sie trotz der Verwandtschaft nicht\nerkannte.\n<\/p>\n\n<p>Bemerkenswert ist au\u00dferdem, dass Wolfram <i>triuwe<\/i> als Sigunes Alleinstellungsmerkmal hervorhebt.\nErneut handelt es sich dabei eher um eine ideelle, best\u00e4ndige Gr\u00f6\u00dfe w\u00e4hrend Parzival, der stets\ndurch seine Sch\u00f6nheit (z.&nbsp;B. P, 123, 13\u201317; P, 146, 5\u20138) erkannt wird, sich erneut dem Irdischen\nund Verg\u00e4nglichen zuordnen l\u00e4sst. Beide Figuren unterscheiden sich in zwei unterschiedliche\nDimensionen, wodurch sie sich von der jeweils anderen abheben. W\u00e4hrend Sigune in ihrem Denken\nund Handeln der transzendenten und emotionalen Dimension zuordbar ist, geh\u00f6rt Parzival einer\nIrdischen und dem Weltlichen zugeneigten Dimension an. Der Kontrast der beiden Figuren gr\u00fcndet\nin der Gegens\u00e4tzlichkeit ihrer figuralen Systeme. Von ihrem Kummer ergriffen, bietet Parzival an,\nsich in ihren Dienst zu stellen. Bemerkenswert ist dabei Parzivals zunehmende Empathie. Noch\nimmer verk\u00f6rpert er einen kampfeslustigen Ritter, der bereit ist den Tod Schionatulanders zu\nr\u00e4chen. Allerdings nimmt er bei der zweiten Begegnung eher die empathischere Rolle des Tr\u00f6sters\nein und bietet Sigune in erster Linie die helfende Hand, als das r\u00e4chende Schwert, wie er es noch\nzuvor tat. Auch Sigune erkennt ihren Cousin nicht sofort und fragt verwundert, wie er den Weg in\ndie Ein\u00f6de zu ihr fand.\n<\/p>\n\n<p>Besorgt um das Wohl des jungen Ritters, r\u00e4t sie ihm den Wald zu verlassen, um sein Leben nicht zu\ngef\u00e4hrden.<sup>31<\/sup> Unwissentlich wer ihr gegen\u00fcbersteht, ist Sigune erneut um Parzivals Schutz bem\u00fcht,\nwodurch auch weiterhin ihre Funktion als Besch\u00fctzerin aufrecht erhalten wird. Als Parzival ihr\nerkl\u00e4rt, dass er einige Meilen entfernt von dieser Stelle in einer Burg untergekommen ist, glaubt\nSigune ihm dies nicht. Zwar wei\u00df sie von einer Burg, die im n\u00e4heren Umkreis existieren soll,\njedoch h\u00e4lt sie es f\u00fcr unwahrscheinlich, dass der Weg des ihr Unbekannten diese Burg kreuzte. Die\nBurg, die sie kennt, <i>diu ist erden wunsches r\u00eeche\/ swer die suochet vl\u00eezecl\u00eeche\/ leider der envint ihr\nniht\/ vil liute manz doch werben siht\/ ez muoz unwizzende geschehen\/ swer immer sol die burc\ngesehen<\/i> (P, 250, 25\u201330). Bei der Burg auf der Parzival war, handelt es sich um die Gralsburg. In\nihrem Monolog dr\u00fcckt Sigune deutlich ihren Unglauben aus, dass er die Burg kennt. Sie berichtet\nweiterhin von der Geschichte der Burg und ihres Burgherren (Vgl. P, 250, 26 \u2013 251, 24). Damit\nerf\u00fcllt Sigune erneut ihre Informationsfunktion. Sowohl der Leser als auch Parzival erhalten durch\nsie genauere Einblicke. Dar\u00fcber hinaus ordnet sie &#8211; insbesondere f\u00fcr Parzival &#8211; seine Erlebnisse auf\nder Gralsburg ein, sodass sich ihm erkl\u00e4rt, wo er sich aufhielt.\n<\/p>\n\n<p>Dass sie und somit auch Parzival ebenfalls zur Gralsgesellschaft angeh\u00f6ren, verschweigt sie ihm,\nwas im Widerspruch zu ihrer Informationsfunktion steht. Fast beil\u00e4ufig erkl\u00e4rt sie Parzival, was er\nh\u00e4tte leisten k\u00f6nnen, wenn er wirklich auf der Burg gewesen w\u00e4re. <i>Si sprach \u203ah\u00ear, waert ir komen\ndar\/ zuo der jaemerl\u00eechen schar\/ s\u00f4 waere dem wirte worden r\u00e2t\/ vil kumbers den er lange h\u00e2t<\/i> (P,\n251, 21\u201324). Da Anfortas und damit die Gralsgesellschaft jedoch nicht von ihrem Leiden erl\u00f6st\nwurden, kann Sigune nicht glauben, dass Parzival wirklich dort gewesen ist, da sie scheinbar davon\nausgeht, dass er gewusst habe, wie er sich zu verhalten gehabt h\u00e4tte. Parzival aber berichtet ihr von\nden Eindr\u00fccken, die er dort gesammelt hat. In diesem Moment erkennt sie ihren Cousin an seiner\nStimme und scheint dabei wahrlich aus ihrer Lethargie auszubrechen. <i>Du bist Parziv\u00e2l\/ nu sage et,\nsaehe du den gr\u00e2l\/ und den wirt vr\u00f6uden laere?\/ l\u00e2 hoeren liebiu maere<\/i> (P, 251, 29 \u2013 252, 2).\nFreudig \u00fcber die potenzielle Erl\u00f6sung der Gralsgesellschaft fasst sie neue Lebenskraft. Sigune strebt\nauch nach der Erl\u00f6sung der Gralsgesellschaft und h\u00e4lt Parzival f\u00fcr den neuen Gralsk\u00f6nig und\nverhei\u00dft ihm eine ruhmreiche und glanzvolle Zukunft. Auf Parzivals Nachfragen hin stellt sie sich\nihm selbst vor, als <i>diu magt\/ diu die \u00ea kumber h\u00e2t geclagt\/ und diu dir sagte d\u00eenen namen<\/i> (P, 252,\n11\u201313).\n<\/p>\n\n<p>Zentral ist dabei vor allem Sigunes Klage, dass ihre Trauer ein von Gott auferlegtes Leid ist. Denn\ndurch diese Einsch\u00e4tzung ihres Kummers als g\u00f6ttliche Strafe, l\u00e4sst sie sich mit Anfortas\nparallelisieren, dessen Leid sie ebenfalls als Folge des g\u00f6ttlichen Zorns einsch\u00e4tzt. Ihre Freude, als\nsie glaubt, Anfortas und die Gralsgesellschaft seien erl\u00f6st worden, l\u00e4sst sich damit als Hoffnung\nverstehen, dass auch sie von ihrem Leid erl\u00f6st werden kann. Anfortas stellt somit f\u00fcr Sigune eine\nIdentifikationsfigur dar. Sie ist in der Lage seinen Schmerz nachzuempfinden, da beide Figuren\ndurch missgl\u00fcckte Minneerfahrungen in einen Kummer gest\u00fcrzt wurden, den sie als von Gott\ngesandt empfindet (Vgl. P, 251, 20 u. P, 252, 21).\n<\/p>\n\n<p>Nun erkennt Parzival seine Base, die er zuvor durch ihre blassen Lippen und den nun den kahlen\nKopf nicht erkannte (Vgl. P, 252, 27\u201330). Er empfiehlt die Bestattung von Schionatulander. Doch\nSigune geht nicht weiter darauf ein, sondern beteuert weiterhin, dass sie sich nur Anfortas Heilung\nw\u00fcnsche. Dies sei das Einzige, was ihr Freude bereiten k\u00f6nne (Vgl. P, 253, 19\u201321).\n<\/p>\n\n<p>Der Fokus liegt jedoch nicht lange auf der trauernden F\u00fcrstin. Sigune verweist Parzival auf sein\nSchwert und erkl\u00e4rt ihm, dass ihn dieses Schwert in jedem Kampf stets eine starke Waffe sein wird.\nDie Relevanz dieses scheinbar nebens\u00e4chlichen und willk\u00fcrlichen Exkurses wird sich erst im\nweiteren Handlungsverlauf offenbaren. Sigunes Monolog strotzt vor pl\u00f6tzlicher Lebenskraft, die sie\nbei der Vorstellung, dass Parzival Gralsk\u00f6nig wird und die <i>saelden cr\u00f4ne<\/i> (P, 254, 24) tr\u00e4gt, neu\nfasst. Sigune offenbart ihrem Cousin erneut all seine M\u00f6glichkeiten, die er durch die \u203aerl\u00f6sende\nFrage\u2039 genie\u00dfen k\u00f6nne.\n<\/p>\n\n<p>Doch Parzival gesteht, <i>ich h\u00e2n gevr\u00e2get niht<\/i> (P, 255, 1). Diese n\u00fcchterne Antwort l\u00e4sst Sigunes neu gewonnene Lebenskraft sofort ersterben. Wolfram beschreibt sie als <i>j\u00e2merbaeriu magt<\/i> (P, 255, 3)\nund sie selbst verst\u00f6\u00dft ihn als <i>gun\u00earter l\u00eep, vervluochet man<\/i> (P, 255, 13). Sie wirft ihm vor, dass seit seiner Kindheit seine innere Treue von der Falschheit \u00fcberwuchert werde. Dieser Vorwurf ist\ninsofern interessant, als dass Sigune selbst in Wolframs Werk stets als die vollkommene <i>triuwe<\/i>\nbezeichnet wird und dies auch durch ihre ungeminderte Hinwendung zu Schionatulander nach\nseinem Tod beweist. Indem sie selbst Parzival die F\u00e4higkeit zur Treue abspricht, grenzt sie sich von\nihrem Cousin ab, was die Entfremdung der beiden Figuren voneinander zum Ausdruck bringt.\n<\/p>\n\n<p>Mit dieser Begegnung erf\u00fcllt Sigune nicht nur eine Informationsfunktion f\u00fcr Parzival und die\nLeserschaft, sondern \u00fcbernimmt zugleich auch eine kritisierende Rolle. Ohne ihre Kritik w\u00e4re\nParzival nicht \u00fcber seine Verfehlung aufgekl\u00e4rt worden. Parzival will zwar Bu\u00dfe f\u00fcr seinen Fehler\nleisten und zeigt sich einsichtig, seine erboste Cousine betont jedoch, dass er all sein Ansehen und\nRuhm auf Munsalvaesche verloren hat. Sie wendet sich von ihm ab, sodass das Gespr\u00e4ch beendet\nwird.\n<\/p>\n\n<p>Die zweite Begegnung von Sigune und Parzival zeigt einige Parallelen, aber auch Asymmetrien\nzwischen den beiden Figuren auf. Diese beziehen sich auf ihr Leben, Denken und Handeln. Die\neingenommenen Funktionen der Figuren schlie\u00dfen an die erste Begegnung an. Sigune ist f\u00fcr\nParzival immer noch eine Informationsfigur und Leitinstanz, w\u00e4hrend Parzival ihr zun\u00e4chst \u203anur\u2039\nemotional beisteht und Sigune seinen Trost anbietet. Beide Figuren gehen im Streit auseinander, der\ninsbesondere f\u00fcr die Entwicklung Parzivals in der nachfolgenden Handlung relevant ist.\n<\/p>\n\n<h2>Die Vers\u00f6hnung \u2013 Die dritte Begegnung mit Sigune\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Gem\u00e4\u00df Braunagel tritt Parzival durch den Streit \u00bbnicht nur aus der Gesellschaft aus, sondern auch aus dem Zeitgef\u00fcge der erz\u00e4hlten Zeit\u00ab.<sup>32<\/sup> Ist der Ausschluss aus der Familie ein zu drastischer Befund, so treffend hebt Braunagel mit dieser Feststellung, die nach der zweiten Begegnung einsetzende Gawan-Handlung ab, die Wolframs Werk neben der Parzival-Handlung komplettiert.\nDie Erz\u00e4hlinstanz gibt zur Orientierung einen \u00dcberblick, was Parzival bisher erlebte. Betont wird\ndabei insbesondere sein Erfolg bei Turnieren und K\u00e4mpfen. Jeden Kampf habe er mit seinem\nSchwert bestritten, welches ihm stets verl\u00e4sslich diente. Manchmal jedoch sei das Schwert\nzersprungen. Doch dank Sigunes Hinweis von ihrer zweiten Begegnung, wei\u00df Parzival, wie er die\nKlinge stets reparieren kann (Vgl. P, 253, 24\u2013254, 15). Im R\u00fcckblick stiftet Sigunes Ratschlag\nsomit nicht nur narrative Koh\u00e4renz, sondern l\u00e4sst sich sogar als lebenswichtiger Hinweis verstehen,\ndurch den Parzival seinen Ruhm in einzelnen K\u00e4mpfen mehren konnte. Zudem symbolisiert das\nSchwert neben Macht und Herrschaft, auch Parzivals Aufnahme und Ausschluss aus der\nGralsgesellschaft.<sup>33<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Weiter wird berichtet, dass Parzival durch einen Wald reitet und dabei auf eine Einsiedlerklause\ntrifft. Sigune befindet sich bei ihrer dritten Begegnung in einer Behausung, wodurch sich die\nbisherige Raumgestaltung erneut ver\u00e4ndert. Den Erz\u00e4hlerkommentaren zufolge flie\u00dft ein Bach\ndurch die Klause. Sie ist der Ort, an dem Sigune noch immer mit ihrem toten Geliebten\nSchionatulander lebt. Die Isolation ist \u00bbdie letzte Existenzstufe vor dem Tod Sigunes, die sie\nausschlie\u00dflich dem Jenseits widmet, in der sie am Grab ihres Geliebten wacht und betet\u00ab.<sup>34<\/sup>\n<\/p>\n\n\n<p>Der Bach, der durch die Klause flie\u00dft, pl\u00e4tschert gem\u00e4\u00df der \u00dcbersetzung von Wolfgang Spiewok\nnur. Deutet man das Wasser als Symbol des Lebens, verdeutlicht die schwache Str\u00f6mung Sigunes\nHinwendung zum Tod und ihre Abkehr von allem Weltlichen. Parzival trifft nun in seiner\nabenteuerlustigen und energischen Stimmung auf Sigunes Zur\u00fcckgezogenheit. <i>S\u00een wolte got d\u00f4\nruochen<\/i> (P, 435, 12): Das dritte Treffen zwischen Parzival und Sigune wird durch diesen\nErz\u00e4hlerkommentar als gottgewollt privilegiert. Greift man den weiteren Verlauf der Begegnung\nvorweg, erscheint das erneute Treffen der beiden wirklich als essenziell, da es zur Vers\u00f6hnung der\nbeiden Figuren beitr\u00e4gt. Parzival sieht die Klause, ohne zu ahnen, dass es Sigune ist, die seine\nAufmerksamkeit durch ihren Kummer erweckt. Gem\u00e4\u00df Wolfram habe Sigune auf alle Freuden der\nWelt verzichtet (Vgl. P, 435, 28). Darin manifestiert sich Sigunes Entwicklung hin zum\n\u00dcberirdischen, welche aus der Sehnsucht nach der Vereinigung mit ihrem Geliebten\nSchionatulander resultiert. Ihr frommes und bescheidenes Leben in der Klause verdeutlicht ihr\nStreben nach dem Nicht-Irdischen. Parzival reitet zum Fenster der Klause, um sich den Weg weisen\nzu lassen, wobei er Sigune erneut nicht erkennt. Als Sigune erwidert und Parzival realisiert, dass in\nder Klause eine Frau ist, entfernt er sich aus Anstand vom Fenster, was seine gute h\u00f6fische\nErziehungerkennen l\u00e4sst,<sup>35<\/sup> wodurch er sich von seinem Fr\u00fcherem Ich unterscheidet.\n<\/p>\n\n\n<p>Er n\u00e4hert sich nun erneut der Klause und erkennt, dass nur Leid darin war. Auch dabei lassen sich\nParallelen zwischen Parzival und Sigune ziehen, die die beiden Figuren symmetrisch erscheinen\nlassen, da sowohl Sigune als auch Parzival ihr eigenes Leben als peinvoll und freudlos beschreiben\n(Vgl. P, 440, 1 u. P, 441, 4f). Parzival spricht Sigune an und bittet sie zum Fenster, woraufhin sie\nsich erhebt, zum Fenster geht und Parzival begr\u00fc\u00dft. Sie k\u00f6nnen zwar kommunizieren, sind aber\nr\u00e4umlich voneinander abgeschieden. Folgt man dem Gedanken, dass Parzival dem Irdischen und\nSigune dem Tod zugewandt ist, l\u00e4sst sich die r\u00e4umliche Trennung auch auf das \u00bbreale Leben\u00ab der\nbeiden Figuren und ihre unterschiedlichen Systeme abstrahieren, wodurch ihre Differenz markiert\nwird.\n<\/p>\n\n<p>Sigune wird durch Kundrie, eine Zauberin aus der Gralsgesellschaft, versorgt. \u00bbDies geschieht\njeden Freitagabend, also am Tag der Kreuzigung und des Todes Christi (\u00bb<i>alle samztage naht<\/i>\u00ab, [P],\n439,3)\u00ab.<sup>36<\/sup> Parzival glaubt Sigune nicht, dass sie wirklich das Leben einer Einsiedlerin f\u00fchrt, da sie auff\u00e4lligen Schmuck tr\u00e4gt. Warf Sigune Parzival bei ihrer zweiten Begegnung T\u00e4uschung vor, so\nrichtet Parzival nun diesen Vorwurf an seine Cousine. Sigune betont, dass der Ring sie begleiten\nsoll, als Zeichen der Ehe mit Schionatulander vor Gott. Da erkennt Parzival Sigune und entfernt\nseine Kettenhaube, wodurch auch sie ihn erkennt. Bisher war es Sigune, die Parzival zuerst\nerkannte, nun kehrt sich auch dies um. Ebenso ist es nun Sigune, die Parzival nach seinem Erfolg\nbei der Gralssuche fragt. Parzival wird jetzt f\u00fcr sie zu einer Informationsfigur, indem er ihr\noffenbart, welche Qualen der Gral ihm zuf\u00fcgt. Dies kann als eine Best\u00e4tigung der Zugeh\u00f6rigkeit zu\nGralsgesellschaft gelesen werden.<sup>37<\/sup> Er verk\u00fcndet damit auch, dass sein Streben auf den Gral\ngerichtet ist.\n<\/p>\n\n<p>Parzival bittet seine Cousine um Verst\u00e4ndnis, woraufhin sie ihm die Vers\u00f6hnung anbietet.\nEindringlich betont Parzival nun die Blutsverwandtschaft der beiden und bittet Sigune um Rat. Er\nbringt sie in die Position einer Beraterfigur, wobei sie Parzivals Vertrauen auf Gott richtet und somit\ndie Verantwortung aus der eigenen Hand legt. Gott soll Parzival zur Gralsburg f\u00fchren, wo er sein\nGl\u00fcck zu finden glaubt. R\u00fcckblickend zeigt sich, dass Sigunes Wegweisung ihn auf sein Schicksal\naufmerksam machte und ihn auf die F\u00e4hrte zum Gral f\u00fchrte. Sigunes Relevanz f\u00fcr und Beteiligung\nan Parzivals Leben zeichnet sich erst jetzt deutlich ab. Schuhmanns Feststellung, dass Sigunes\nAufgabe in der proleptischen Andeutung von Informationen, die erst im Verlauf der Handlung\nvervollkommnet werden, bestehe, best\u00e4tigt sich.<sup>38<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Sigune will Parzival erneut den Weg leiten, damit er Kundrie finden kann, um zur Gralsburg zu\ngelangen. Aber auch hier kehrt sich nun das Verh\u00e4ltnis der Figuren um. Sigune ist nun die Person,\ndie eine andere Figur &#8211; in dem Fall Kundrie &#8211; keine entscheidende Frage stellte. Sie kann Parzival\nnicht den genauen Weg nennen, da sie Kundrie nicht nach ihrem Weg fragte, sowie Parzival\nAnfortas nicht helfen konnte, da er nicht nach dessen Wohlbefinden fragte. Sigune geht wieder in\ndie Beraterfunktion \u00fcber, indem sie Parzival r\u00e4t Kundrie zu folgen. Grundlegend f\u00fcr ihr weiteres\nVerh\u00e4ltnis ist die Vers\u00f6hnung der beiden. Zudem f\u00e4llt aber auf, dass die bisherigen Konstellationen\nin ihren Begegnungen nun umgekehrt werden und die beiden Figuren ihre Funktionen tauschen und\ndamit ihre eigenen Entwicklungen hin zu ihrem individuellen Ziel markieren. \u00bbParallel zur\nreligi\u00f6sen Wandlung Sigunes kann man an den Dialogen dieser Szene einen Reifeprozess Parzivals\nbeobachten\u00ab.<sup>39<\/sup>\n<\/p>\n\n<h2>Von Liebe, Tod und Gralsherrschaft\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Parzival l\u00e4sst sich zum Ende des Romans von seinem Gefolge zu Sigune f\u00fchren. Die vierte Begegnung der beiden Figuren ist also kein zuf\u00e4lliges Ereignis, wie die drei anderen Begegnungen\nzuvor. Es ist das erste Mal, dass Parzival bewusst den Weg zu ihr sucht. Doch bei der Ankunft an\nder Klause, finden sie Sigune tot in einer Gebetshaltung vor. Diese Haltung verdeutlicht, dass\nSigune ihrem Geliebten Schionatulander durch das Geistliche bis in ihren Tod verbunden blieb und\nihre unendliche Treue bewies. Membrives geht davon aus, dass Sigune sich zu Tode gehungert\nhabe, um mit Schionatulander im Tode verbunden sein zu k\u00f6nnen. Der Text schildert jedoch, dass\ndie in Aufregung versetzte Zauberin Kundrie die Versorgung Sigunes schlicht verga\u00df.<sup>40<\/sup>\n<\/p>\n\n<p>Um zu Sigune zu gelangen, durchbrechen die Gralsritter die Mauer der Klause. Dieses Eindringen\nin die Klause steht entgegen der r\u00e4umlichen Trennung der beiden Figuren bei ihrer dritten\nBegegnung. Parzival l\u00e4sst Schionatulanders Sarkophag \u00f6ffnen, um seine Cousine an der Seite ihres\nGeliebten zu bestatten. \u00bb[K]eine der anwesenden Personen wird mit direkter Rede ausgestattet. Das\nSchweigen begleitet die Gestalt Sigunes seit der ersten Episode\u00ab.<sup>41<\/sup> Parzival vereint in diesem\nAugenblick eine F\u00fclle an Rollen und Funktionen in sich. Einerseits ist er Sigunes Bestatter;\nderjenige, der die Liebenden vereint und er bleibt auch weiterhin ihr Cousin. Dar\u00fcber hinaus l\u00e4sst\nsich aber auch die Perspektive einnehmen, dass Parzival Sigunes Erl\u00f6ser ist. Derjenige, der ihrem\nsehnlichsten Wunsch, wieder bei Schionatulander zu sein, durch die gemeinsame Bestattung,\nnachkommt, nachdem er Anfortas durch die \u203aMitleidsfrage\u2039 erl\u00f6st hat.\n<\/p>\n\n<p>Wolfram betont, sich nicht mit Nebenhandlungen aufhalten zu wollen, als er von Sigunes und\nParzivals vierter Begegnung spricht (Vgl. P, 805, 11\u201316). Da er sich ihren Treffen sehr ausf\u00fchrlich\nzuwendet, wertet er die Parzival-Sigune-Handlung auf. Dies wird bei drei der vier Sigune-Szenen\ndurch Erz\u00e4hlerkommentare getan. Textimmanent wird also betont, dass die vier Sigune-Szenen\nnicht am Rande der Handlung stehen, sondern von entscheidender Bedeutung sind. Mit der\nBestattung erweist Parzival Sigune die letzte Ehre und kann sich damit f\u00fcr ihre diversen\nHilfestellungen erkenntlich zeigen. Mit dem Beginn von Parzivals Gralsherrschaft endet Sigunes\nLeben.\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><em><span style=\"color:#495358\" class=\"has-inline-color\">\nParzival ist Gralsk\u00f6nig geworden, Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben. Beide\nhaben vor Gott Gnade gefunden. F\u00fcr beide spielt auf ihrem Weg zu Gott die\nvorbildliche Ehe eine entscheidende Rolle; beide werden zur selben Zeit nach langer\nTrennung mit dem Ehegatten vereint: Parzival im Leben, Sigune im Tod.<\/em><sup>42<\/sup>\n<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>\nIndem Parzival Anfortas und die Gralsgesellschaft durch die Mitleidsfrage von ihrem Leid befreit,\nerl\u00f6st er auch indirekt Sigune. So lie\u00dfe sich die Frage stellen, ob Sigune sterben kann, weil Parzival\nGralsk\u00f6nig geworden ist. Dass Kundrie Sigunes Essensversorgung verga\u00df, ist in Anbetracht der\nrestlichen literarischen Komplexit\u00e4t des Werkes eine \u00fcberraschend simple Todesursache. Jedoch\ngibt es keine eindeutigen Textbelege, dass mit dem Antritt Parzivals an die Gralsherrschaft, Sigunes\nLeben beendet wird, auch wenn diese Deutung mit dem religi\u00f6sen Ideal des Gralsk\u00f6nigs, als\nErl\u00f6ser, durchaus vereinbar w\u00e4re. Es ist jedoch auff\u00e4llig, dass beide Ereignisse zusammenfallen. Es\nlie\u00dfe sich argumentieren, dass Kundrie in Aufregung geriet, weil Parzival Gralsk\u00f6nig geworden ist.\n<\/p>\n\n<h2>Fazit\n<\/h2>\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Inwiefern besteht nun eine funktionale Beziehung zwischen den beiden Figuren Sigune und Parzival? Sigune hat im <i>Parzival<\/i> eine eindeutigere Rolle f\u00fcr Parzivals Entwicklung als er f\u00fcr die\nihre. Parzival ist stets bem\u00fcht ihr beizustehen, kann ihr jedoch erst in der letzten Begegnung\nwirklich helfen. Die Figurensysteme sind teilweise symmetrisch angelegt, was durch \u00c4hnlichkeiten\nin ihrem Denken, Handeln und F\u00fchlen zum Ausdruck gebracht wird.\n<\/p>\n\n<p>Sie bedingen nicht das Schicksal des jeweils anderen, wirken jedoch entscheidend daran mit,\nwodurch sie als Handlungstr\u00e4ger agieren. Die hier eingenommene Perspektive stellt Sigunes\nFunktionen f\u00fcr Parzival differenzierter dar, als dies in diversen bisherigen Interpretationen geleistet\nwurde. Sie ist nicht nur eine Informationsfigur oder eine Leitinstanz, seine Wegweiserin, sondern\nerf\u00fcllt dar\u00fcber hinaus auch die Funktion einer Besch\u00fctzerin und Beraterin.\n<\/p>\n\n<p>Parzivals Einfluss auf Sigune ist weitaus aktiver gezeichnet, indem er nicht nur als emotionaler\nBeistand gesehen werden kann, sondern \u00e4hnlich wie Sigune f\u00fcr ihn, zu einer Informationsinstanz\nwird und damit zu ihrem Erl\u00f6ser. Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich konstatieren, dass das Verh\u00e4ltnis der\nbeiden Figuren durch eine gegenseitige Einflussnahme gekennzeichnet ist, gleichwohl diese\nhingegen nicht exakt ausbalanciert ist.\n<\/p>\n\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/12\/Carola_Wellmann_Quadrat-300x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1131\" width=\"215\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/12\/Carola_Wellmann_Quadrat-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/12\/Carola_Wellmann_Quadrat-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/12\/Carola_Wellmann_Quadrat-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/12\/Carola_Wellmann_Quadrat-768x768.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/12\/Carola_Wellmann_Quadrat-510x510.jpg 510w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/files\/2024\/12\/Carola_Wellmann_Quadrat.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><figcaption>Carola Wellmann<\/figcaption><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p style=\"text-align: center\"><i><strong>Carola<\/strong> (geb. 2000) studiert Gymnasiallehramt f\u00fcr die F\u00e4cher Deutsch und Geschichte. Ihre wissenschaftlichen Interessen sind dabei die Gegenwartsliteratur, die Literatur des Mittelalters sowie das Zusammenspiel von Religion und Literatur. Nebenbei arbeitet Carola als wissenschaftliche Hilfskraft am germanistischen Institut und \u00fcbernimmt Tutorien in der germanistischen Literaturwissenschaft und Altgermanistik.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>Kontakt: carola.wellmann@student.uni-halle.de<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h2>Anmerkungen<\/h2>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup>Hans-Herbert Wintgens, Gerard Oppermann (Hg.), <i>Literarische Figuren: Spiegelungen des Lebens<\/i>, Hildesheim 2007, 5f.<br><sup>2<\/sup>Goethe, <i>Dichtung und Wahrheit<\/i>, 3. Teil, 13. Buch, zit. nach Wintgens\/Oppermann: <i>Literarische Figuren<\/i>, 7.<br><sup>3<\/sup>Wolfram Bumke, <i>Wolfram von Eschenbach<\/i>, Stuttgart\/ Weimar 2004, 58.<br><sup>4<\/sup>Vgl. Marina M\u00fcnkler, <i>Bu\u00dfe und Bu\u00dfhilfe Modelle von Askese in Wolframs von Eschenbach Parzival<\/i>, in: <\/i>Deutsche Viertelsjahrschrift f\u00fcr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte<\/i>, 84 (2010), 131.<br><sup>5<\/sup>Vgl. Eva Parra Membrives, <i>Alternative Frauenfiguren in Wolframs \u00bbParzival\u00ab: Zur Bestimmung des H\u00f6fischen anhand differenzierter Verhaltensmuster<\/i>, in: <i>German Studies Review<\/i>, 25 (2002)1, 49.<br><sup>6<\/sup>Ines Palau, <i>Bild-Macht-Gender. Blicke, Bilder und Geschlechterrollen in der h\u00f6fischen Epik<\/i>, Berlin 2022, 520.<br><sup>7<\/sup>Vgl. Robert Braunagel, <i>Wolframs Sigune. Eine vergleichende Betrachtung der Sigune-Figur und ihrer Ausarbeitung im \u00bbParzival\u00ab und \u00bbTiturel\u00ab des Wolfram von Eschenbach<\/i>, G\u00f6ppingen 1999, 25.<br><sup>8<\/sup>Elke Platz-Waury, [Art.] <i>Figur<\/i>, in: <i>Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft<\/i>, 1 (2007), 587.<br><sup>9<\/sup>Vgl. Jens Eder, [Art.] <i>Figur<\/i>, in: <i>Metzler Lexikon Literatur<\/i>, 2007, 238.<br><sup>10<\/sup>Michael Mayer, <i>Das System literarische Figur<\/i>, in: Brigitte Kaute u. a. (Hg.), <i>Begegnungen. Das VIII. Nordisch-Baltische Germanistentreffen in Sigtuna vom 11. bis zum 13.6.2009<\/i>, Acta Universitatis Stockholmiensis \u2013 Stockholmer Germanistische Forschungen 74, Stockholm 2011, 451.<br><sup>11<\/sup>Vgl. ebd.<br><sup>12<\/sup>Ebd. 455.<br><sup>13<\/sup>Ebd. 456.<br><sup>14<\/sup>Ebd. 461.<br><sup>15<\/sup>Silvia Reuvekamp, <i>H\u00f6lzerne Bilder \u2013 mentale Modelle? Mittelalterliche Figuren als Gegenstand einer historischen Narratologie<\/i>, in: <i>DIEGESIS. Interdisziplin\u00e4res E-Journal f\u00fcr Erz\u00e4hlforschung \/ Interdisciplinary E-Journal for Narrative Researc<\/i>h, 3 (2014)2, 114.<br><sup>16<\/sup>Reuvekamp, <i>H\u00f6lzerne Bilder \u2013 mentale Modelle?<\/i>, 114.<br><sup>17<\/sup>Braunagel, <i>Wolframs Sigune<\/i>, 24.<br><sup>18<\/sup>Schulz zit. nach Reuvekamp, <i>H\u00f6lzerne Bilder \u2013 mentale Modelle?<\/i>, 114f.<br><sup>19<\/sup>Vgl. Reuvekamp, <i>H\u00f6lzerne Bilder \u2013 mentale Modelle?<\/i>, 115. Die gesamte Diskussion \u00fcber mittelalterliche und moderne Figurenkonzepte soll und kann hier nicht abgebildet werden. Zentralist es, die Anwendbarkeit der strukturalistischen Figurenkonzepte zu best\u00e4tigen.<br><sup>20<\/sup>Vgl. Uta Drecoll, <i>Tod in der Liebe \u2013 Liebe im Tod. Untersuchungen zu Wolframs Titurel und Gottfrieds Tristan in Wort und Bild<\/i>, Frankfurt a.\u00a0M. u. a. 2000, 283.<br><sup>21<\/sup>Martin Schuhmann, <i>Reden und Erz\u00e4hlen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel<\/i>, Heidelberg 2008, 129.<br><sup>22<\/sup>Vgl. Braunagel, <i>Wolframs Sigune<\/i>, 24.<br><sup>23<\/sup>Vgl. Daniela Fuhrmann, <i>Ein eigenn\u00fctziger houptman der w\u00e2ren zuht? Die Ambivalenz der Ratgeber-Figuren in Wolframs \u203aParzival\u2039<\/i>, in: <i>Beitr\u00e4ge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur<\/i>, 140 (2018)4, 480.<br><sup>24<\/sup>Schuhmann, <i>Reden und Erz\u00e4hlen<\/i>, 133.<br><sup>25<\/sup>In Wolframs Parzival ist die Gralsgesellschaft das Gegenst\u00fcck zur h\u00f6fischen Artusgesellschaft. Diese beiden Pole sind f\u00fcr die Einordnung der Figuren im Parzival systematisch geeignet. Parzival strebt danach ein Mitglied des Artushofes zu werden. Letztlich wird er aber Gralsk\u00f6nig, was darauf verweist, dass seine Eltern \u2013 Gahmuret und Herzeloyde \u2013 beide Gesellschaften in ihm vereinen. Ein weiterer Vergleich der beiden Gesellschaften kann an dieser Stelle nicht geleistet werden. Zur grundlegenden Strukturierung des Figurenpersonals im <i>Parzival<\/i> vgl.: Elke Br\u00fcggen, <i>Irisierendes Erz\u00e4hlen. Zur Figurendarstellung in Wolframs \u203aParzival\u2039<\/i>, in: Klaus Ridder, Susanne K\u00f6bele u. Eckart C. Lutz (Hg.), <i>Wolfram Studien XXII<\/i>. Berlin 2014, 333\u2013358.; Vgl. auch: Schuhmann, <i>Reden und Erz\u00e4hlen<\/i>.<br><sup>26<\/sup>Da sich in dem vorliegenden Aufsatz auf das Verh\u00e4ltnis der Sigune und Parzivals im Parzival konzentriert werden soll, bleiben weitere Analysen der Titurel-Fragmente aus. Lohnenswert f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung und vergleichende Auseinandersetzung sind die Ausf\u00fchrungen bei Schuhmann, <i>Reden und Erz\u00e4hlen<\/i>.<br><sup>27<\/sup>Fuhrmann, <i>Ein eigenn\u00fctziger houptman der w\u00e2ren zuht?<\/i>, 472, FN. 35.<br><sup>28<\/sup>Vgl. Fuhrmann, <i>Ein eigenn\u00fctziger houptman der w\u00e2ren zuht?<\/i>, 481. Nicht unerw\u00e4hnt soll hier die Position John Matthews bleiben, der herausstellt, dass die Ritter in anderen Artusromanen von Camelot aus auf <i>aventiure<\/i> ziehen. Dieser Logik folgend l\u00e4sst sich Parzival durch seine \u203afalsche Wegweisung\u2039 in eine literarische Tradition einreihen.; Vgl. John Matthews, <i>Der Gral. Die Suche nach dem Ewigen<\/i>, Frankfurt a.\u00a0M. 1981, 88.<br><sup>29<\/sup>Denisa Fetahovic, <i>Die Metamorphosen der Sigune. Eine Untersuchung am Beispiel des Titurel und des Parzival Wolframs von Eschenbach<\/i>, Diss. o.\u00a0O. o.\u00a0J. URL: https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjmnJGsh9eBAxXUn<br>f0HHcoJC70QFnoECBAQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fsigarra.up.pt%2Ffep%2Fen%2Fb_geral.show_file%3Fpi_doc_d%3D32426&amp;usg=AOvVaw2-trJCQv6fPCKuvx0c_T6n&amp;opi=89978449 [30.09.2023], 54.<br><sup>30<\/sup>Vgl. Drecoll, <i>Tod in der Liebe<\/i>, 282, 285. Drecoll weist auch darauf hin, dass in den Titurel-Fragmenten eine Herrschaft \u00fcber ein nicht-materielles Reich angestrebt werde, dessen Herrscher Schionatulander sei. Sigunes Abkehr vom Weltlichen erh\u00e4lt damit eine h\u00f6here Deutungsdimension.<br><sup>31<\/sup>Auff\u00e4llig sind auch die \u00c4hnlichkeiten im Verlauf der einzelnen Sigune-Szenen. Verschiedene &gt;schematische Darstellungen dazu finden sich bei Braunagel, <i>Wolframs Sigune<\/i>.<br><sup>32<\/sup>Braunagel, <i>Wolframs Sigune<\/i>, 23.<br><sup>33<\/sup>Vgl. Drecoll, <i>Tod in der Liebe<\/i>, 133.<br><sup>34<\/sup>Fetahovic, <i>Die Metamorphosen der Sigune<\/i>, 47.<br><sup>35<\/sup>Diese erfuhr er durch Gurnemanz und Trevrizent.<br><sup>36<\/sup>Fetahovic, <i>Die Metamorphosen der Sigune<\/i>, 47.<br><sup>37<\/sup>Vgl. Schuhmann, <i>Reden und Erz\u00e4hlen<\/i>, 131.<br><sup>38<\/sup>Vgl. Schuhmann, <i>Reden und Erz\u00e4hlen<\/i>; S. 8 des vorliegenden Aufsatzes.<br><sup>39<\/sup>Fetahovic, <i>Die Metamorphosen der Sigune<\/i>, 51.<br><sup>40<\/sup>Vgl. Membrives, <i>Alternative Frauenfiguren<\/i>, 49.<br><sup>41<\/sup>Fetahovic, <i>Die Metamorphosen der Sigune<\/i>, 54.<br><sup>42<\/sup>Bumke, <i>Wolfram von Eschenbach<\/i>, 125.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literarische Figuren bieten f\u00fcr Leserinnen und Leser Identifikationsm\u00f6glichkeiten. Gem\u00e4\u00df Gerard Oppermann sind literarische Figuren sogar \u00bbunverzichtbare Bausteine, der eigenen Weltsicht\u00ab.1 Doch zugleich spricht er auch eine Warnung vor einer \u00fcbersteigerten Identifikation aus, die bereits von Goethe artikuliert wurde: Es sei ein Irrglaube, \u00bbdie Poesie in Wirklichkeit verwandeln\u00ab zu m\u00fcssen.2 Einer solchen identifikatorischen Lekt\u00fcre kann eine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6132,"featured_media":934,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/696"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6132"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=696"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/696\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1134,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/696\/revisions\/1134"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/media\/934"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/zsbblog2024\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}