Über das Projekt

Belfast als Hauptstadt des Nordirlandkonflikts, diese Zeiten sind vorbei. Heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem Abschluss des Karfreitagsabkommens, ist Belfast vom Wandel begriffen: Während die tiefe Polarisierung zwischen protestantischen und katholischen Stadtbewohnern anhält, lockt Belfast gleichwohl Touristen und internationale Investoren an. Belfast, einst eine Stadt im Konflikt, will sich das Image einer befriedeten Stadt erarbeiten. In diesem ethnologischen Forschungsprojekt wird der Wandel von Belfast aus der Perspektive der hiesigen Gemeinde der britisch-protestantischen Unionisten untersucht. Kann es gelingen, Elemente unionistischer Identität und Kultur, welche oft mit Konflikt und Streit assoziiert werden, in eine vielversprechende Ware des neuen Belfasts zu verwandeln? Oder erweisen sich die negativen Einstellungen gegenüber dem Friedensprozess als Last, droht der Unionismus somit, den Anschluss an den urbanen Wandel zu verlieren? Anders gefragt: Welchen Platz findet die Gemeinschaft der Unionisten im neuen Belfast?

In vier Kapitel werden die Entwicklungen, Spannungen und Hoffnungen aus vier Stadträumen porträtiert: Das Stadtzentrum als Bühne des neuen Belfasts, die protestantische Shankill Road als Repräsentant der polarisierten Stadt, die proletarische und den Wandel ablehnende Enklave Sandy Row, sowie Ost-Belfast, wo protestantisches Kulturerbe neu entdeckt wird. Die Kapitel Kultur und Konflikt sowie Kultur und Frieden bilden die Einleitung und den Schluss des Projekts.

In allen Vierteln spiegeln sich verschiedene Taktiken – manche sehen Chance, andere äußern Unsicherheit oder drängen auf Isolation. Doch egal wie dem Wandel von Belfast begegnet wird, überall ist der Unionismus auf der Suche nach seinem Platz im neuen Belfast.

Karte: Vier Stadtviertel, vier Kapitel                                                                                                             Foto oben: Schiffsindustrie in Belfast, Stolz protestantischer Arbeitsethik, Wandgemälde in Sandy Row (Felix Schiedlowski, 03.09.2017)

Forschungsdesign

Dieses Forschungsprojekt entstand im Rahmen meines Masterstudiums der Ethnologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die  hier auffindbaren Blogtexte sind die leicht gekürzten Kapitel meiner Masterarbeit Urbane Fallstricke eines fragilen Friedens. Der Wandel von Belfast als Herausforderung für die Tradition des britisch-protestantischen Unionismus (Februar 2019).

Die empirischen Daten für dieses Projekt stammen aus neuen Wochen ethnologischer Feldforschung, durchgeührt im Sommer 2017 und finanziell gefördert durch das Promos-Programm des Deutschen Akademischen Austauschdients sowie durch Mittel des Seminars für Ethnologie der Universität Halle. Konkret setzte sich mein Forschungsaufenthalt aus folgenden Methoden zusammen: das Kartieren von Stadträumen, die Teilnahme an Kulturerbeführungen, das Aufsuchen von Museen und Begegnungsstätten, das Mitverfolgen medialer Diskurse sowie das Sammeln von Stimmen aus der unionistischen Gemeinschaft in formellen und informellen Interviews.

Autor: Felix Schiedlowski, M.A.

Mein Name ist Felix Schiedlowski, ich bin Ethnologe und beschäftige mich wissenschaftlich mit den Themen urbaner Wandel, Frieden und Konflikt in Nordirland sowie Brexit.

Das bin ich 🙂 (Foto: Tobias Heller)

Ich freue mich über Fragen, Anregungen oder Kritik via
felix.schiedlowski[ät]gmail.com

Weitere Informationen zu mir und meiner Arbeit:
Auf meinem Blog zum Zustand des nordirischen Friedensprozesses,
auf meinem ResearchGate-Profil sowie
auf meinem Twitter-Profil.