Zuhören und mitdenken
In der Geschichte hast du verschiedene Situationen erlebt.
Auf dieser Seite hörst oder liest du einzelne Personen aus der Geschichte genauer.
Jede Stimme zeigt einen anderen Blick auf dieselbe Situation.
Nimm dir Zeit und höre aufmerksam zu.
Hinweise zum Arbeiten mit den Audios
- Höre dir jede Audio in Ruhe an.
- Du kannst Audios auch mehrmals anhören.
- Es ist okay, wenn dich manche Aussagen irritieren oder nachdenklich machen.
Nach jeder Audio findest du Fragen.
Du musst sie nicht alle beantworten. Sie helfen dir beim Nachdenken.
Anmerkung: Die Audiodateien befinden sich aktuell noch in Produktion und werden sobald wie möglich nachgereicht. Damit eine Bearbeitung trotz allem möglich ist, sind zunächst die Skripte eingefügt worden.
1. „War doch nur Spaß“
Lukas und Jana
Lukas:
(lacht) „Guck mal, Max hat mal wieder ein Bild von sich gepostet. Sieht ja echt aus wie ein Model oder eher wie ein schlechter Versuch, ein cooler Typ zu sein.“
Jana:
(unsicher) „Hm, ja, irgendwie schon… aber ist das nicht ein bisschen gemein? Er macht sich wenigstens Mühe, oder?“
Lukas:
„Ach, was redest du da? Es ist doch nur Spaß! Ich meine, er nimmt sich doch selbst nicht so ernst, oder? Und wer soll das schon sehen… Max ist halt einfach nicht so cool wie wir.“
Jana:
(zögernd) „Vielleicht… aber wenn er das sieht? Was, wenn er sich deswegen schlecht fühlt?“
Lukas:
„Jeder braucht mal einen Scherz. Denk doch mal nach, Jana! Wir müssen alle ein bisschen tough werden, das gehört doch dazu. Ist doch nicht so schlimm.“
Denkimpulse:
- Wie spricht Lukas über Max?
- Wie reagiert Jana auf seine Aussagen?
- An welcher Stelle beginnt die Situation problematisch zu werden?
2. „So schlimm ist das doch nicht, oder?“
Jana und Tim
Jana:
„Hast du das Bild von Max gesehen? Lukas hat es schon wieder kommentiert, total peinlich.“
Tim:
(zögernd) „Ja, ich hab’s gesehen… aber irgendwie finde ich, es geht schon ein bisschen zu weit.“
Jana:
„Du meinst, weil er Max‘ Bild kommentiert hat? Ich weiß nicht, was du hast, aber jeder weiß doch, dass Max kein besonderes Bild gepostet hat. Lukas meinte nur, was wir alle gedacht haben.“
Tim:
„Ja, aber trotzdem… Was, wenn er sich dadurch echt verletzt fühlt?“
Jana:
„Ach, Tim, mach dir keine Sorgen. Max ist doch nicht so empfindlich, oder? Es ist nur ein Witz.“
Denkimpulse:
- Wie rechtfertigt Jana das Verhalten von Lukas?
- Welche Zweifel äußert Tim?
- Warum bleibt trotzdem alles erst einmal so, wie es ist?
3. „Warum sagt niemand etwas?“
Emma und Tim
Emma:
„Tim, du hast doch gesehen, was da passiert ist. Lukas hört gar nicht auf, über Max zu lachen. Warum sagst du nichts?“
Tim:
(unglücklich) „Ich weiß nicht, Emma… ich will mich da nicht einmischen. Was soll ich sagen?“
Emma:
„Du könntest ihm einfach mal sagen, dass er damit aufhören soll. Es ist doch offensichtlich, dass Max sich nicht gut fühlt. Du kennst ihn gut genug, du weißt, dass er nicht so stark ist, wie er tut.“
Tim:
„Aber was, wenn Lukas sauer wird? Was ist, wenn es dann auf mich zurückfällt?“
Emma:
„Es ist nicht okay, Tim. Wenn niemand etwas sagt, geht es immer weiter. Du würdest doch auch nicht wollen, dass dir so etwas passiert. Vielleicht ist es besser, jetzt einzugreifen, bevor es noch schlimmer wird.“
Denkimpulse:
- Was nimmt Emma wahr, was andere ausblenden?
- Warum fällt es Tim schwer, einzugreifen?
- Welche Ängste spielen bei seiner Zurückhaltung eine Rolle?
4. „Jetzt übertreib nicht“
Lukas und Emma
Lukas:
„Komm schon, Emma. Es war doch nur ein Spaß! Max nimmt das viel zu ernst.“
Emma:
„Das mag ja sein, aber du kannst nicht einfach auf Kosten von anderen deinen Spaß haben. Max ist nicht der einzige, der sich hier verletzt fühlt.“
Lukas:
„Ach, hör auf! Warum sollte ich aufhören? Was interessiert es dich, was ich sage oder tue?“
Emma:
„Weil es einfach nicht richtig ist, Lukas! Du bist besser als das, du kannst anderen helfen, statt sie runterzumachen. Denk mal darüber nach.“
Lukas:
„Du verstehst das nicht, Emma. Ich will einfach dazugehören. Das ist der Preis dafür, Teil der Gruppe zu sein.“
Emma:
„Nein, das ist nicht der Preis, Lukas. Der Preis ist, dass du andere verletzt und das macht dich nicht cool. Überleg dir, ob das wirklich der Weg ist, den du gehen willst.“
Denkimpulse:
- Wie reagiert Lukas auf Kritik?
- Wie versucht Emma, Grenzen zu setzen?
- Warum prallen ihre Sichtweisen so stark aufeinander?
5. „Du bist viel zu empfindlich“
Lukas und Jana
Lukas:
„Ich verstehe einfach nicht, warum Emma so ein Drama macht. Max nimmt das doch nicht ernst, oder? Es war ein Witz, mehr nicht.“
Jana:
„Vielleicht… aber es scheint ihn echt zu stören. Die anderen haben auch schon angefangen, über ihn zu reden.“
Lukas:
„Jana, du bist viel zu empfindlich. Wenn wir alle immer aufpassen würden, wie unsere Witze ankommen, könnten wir doch gar nichts mehr sagen. Max ist doch keine Ausnahme!“
Jana:
„Ich weiß nicht, Lukas. Ich meine, was, wenn er sich deswegen schlecht fühlt?“
Lukas:
„Dann ist das sein Problem, Jana. Wir können nicht für jeden entscheiden, wie er sich fühlt. Ich meine, er ist ein großer Junge, er kann sich auch wehren, wenn ihm etwas nicht passt. So läuft es doch in der echten Welt!“
Jana:
(leise) „Vielleicht… aber manchmal müssen wir schon ein bisschen Rücksicht nehmen.“
Lukas:
„Ach, hör auf. Rücksicht auf jemanden nehmen, nur weil er sich nicht stark fühlt? Dann dürfen wir ja niemandem mehr was sagen. Es war doch nur ein Witz. Basta.“
Denkimpulse:
- Wie verändert sich Janas Haltung im Gespräch?
- Wie spricht Lukas über Verantwortung?
- Welche Rolle spielt Gruppendruck in diesem Dialog?
6. „Da hat doch niemand was von“
Lukas und Tim
Lukas:
„Hast du die Reaktionen auf Max‘ Bild gesehen? Alle lachen, es ist doch total lustig.“
Tim:
„Ja, aber irgendwie finde ich, das geht schon zu weit. Max ist jetzt wirklich verletzt, oder?“
Lukas:
„Er ist doch nicht wirklich verletzt, Tim. Das ist doch alles übertrieben. Es ist doch ein Witz, und niemand meint es böse. Wenn er sich über so etwas aufregt, muss er echt ein dickes Fell bekommen.“
Tim:
„Aber was ist, wenn er es anders sieht? Er wirkt schon ziemlich runtergezogen.“
Lukas:
„Das ist doch nicht mein Problem. Wer sich für ein Bild im Internet angreifbar macht, muss auch damit leben können. Ist ja nicht so, dass er das erste peinliche Bild von sich postet. Die Leute lachen halt.“
Tim:
„Es fühlt sich trotzdem nicht richtig an, Lukas.“
Lukas:
„Und was willst du jetzt tun, Tim? Möchtest du jetzt ein bisschen Mitleid mit ihm haben? Da hat doch niemand was von. Es läuft nun mal so, das weiß jeder. Max muss sich einfach dran gewöhnen.“
Denkimpulse:
- Wie bewertet Lukas die Reaktionen der anderen?
- Warum fühlt sich Tim zunehmend unwohl?
- Was verhindert, dass Tim klar Stellung bezieht?
7. „So ist das Leben“
Lukas und Emma
Emma:
„Lukas, ich dachte, du bist klüger als das. Was du da machst, ist kein Spaß mehr, das ist Mobbing.“
Lukas:
„Mobbing? Jetzt übertreib mal nicht, Emma! Wir machen doch nur ein bisschen Spaß. Keiner hat Max wirklich etwas angetan.“
Emma:
„Und was ist mit seinen Gefühlen? Wenn du so weiter machst, verletzt du ihn. Es geht nicht um den Witz, sondern darum, wie er sich fühlt.“
Lukas:
„Weißt du, Emma, manchmal ist es einfach so, dass Leute lachen. Wer sich zu ernst nimmt, ist selbst schuld. Soll er sich nicht so anstellen.“
Emma:
„Das ist kein Argument, Lukas. Wenn du jetzt nicht aufhörst, tust du ihm echt weh.“
Lukas:
„Du hast gut reden, Emma. Was soll ich machen, wenn alle so drauf sind? Ich will doch nur dazu gehören, da kann ich nicht immer auf den emotionalen Kram hören.“
Emma:
„Es geht nicht darum, emotional zu sein, sondern darum, anderen zu zeigen, dass du respektvoll mit ihnen umgehst.“
Lukas:
„Du bist echt schwierig, Emma. Glaub mir, wenn Max so ein Problem damit hat, dann soll er sich halt wehren. Das ist das Leben.“
Denkimpulse:
- Welche Argumente wiederholt Lukas immer wieder?
- Warum spricht Emma jetzt klarer als zuvor?
- Was zeigt dieser Dialog über Verantwortung und Respekt?
8. „Jetzt macht kein Drama draus“
Lukas und seine Freunde
Lukas:
„Weißt du, was ich nicht verstehe? Alle tun so, als ob ich hier der Böse bin. Max hat sich doch nicht einmal beschwert!“
Freund 1:
„Aber er sieht echt nicht gut aus, Lukas. Die Reaktionen auf das Bild sind heftig.“
Lukas:
„Ach, was! Die Leute machen sich über viel Schlimmeres lustig. Wer zu schwach ist, sich ein dickes Fell zuzulegen, hat echt verloren. Man kann niemanden immer mit Samthandschuhen anfassen.“
Freund 2:
„Klar, aber… was, wenn er sich wirklich schlecht fühlt?“
Lukas:
„Das ist doch nicht mein Problem. Ich mach’ einfach weiter, wie ich immer mache. Wenn er das nicht will, soll er halt nicht so ein Bild posten.“
Freund 1:
„Vielleicht solltest du wirklich mal aufhören, Lukas. Ich weiß nicht, ob das noch lustig ist.“
Lukas:
„Ey, das ist der Punkt! Wenn ihr alle jetzt plötzlich anfängt, euch Gedanken zu machen, dann wird das hier ein echtes Drama. Und genau das will ich nicht. Das ist alles einfach viel zu viel Wind um nichts.“
Denkimpulse:
- Wie wird das Verhalten in der Gruppe gerechtfertigt?
- Welche Rolle spielen Zustimmung und Schweigen?
- Was macht es für Einzelne schwer, sich gegen die Gruppe zu stellen?
Zum Weiterdenken
Vielleicht hast du gemerkt:
Nicht alle Personen handeln gleich laut oder sichtbar.
Manche Rollen sind klar, andere weniger.
Auf der nächsten Seite geht es darum,
- diese Rollen genauer einzuordnen
- und zu überlegen, was solche Situationen ausmacht.