von Laura Sophie Schütze
Geboren: 13.1.1876 in Braunschweig
Gestorben: 1.5.1951 in Halle
- Studium der germanistischen und klassischen Philologie in Göttingen, Berlin, Heidelberg
- 1899: Promotion an der Georg-August-Universität[1]in Göttingen, Die Sprache der Opitzischen Gedichtssammlungen von 1624 und 1625
- 1907: Habilitation an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin[2], Der Münchener Oswald[3]
- 1913: außerordentliche Professur an der Königlichen Albertus-Universität zu Königsberg[4]
- 1914: Ordentlicher Professor in Königsberg
- 1921: Ordentlicher Professor in Halle für Deutsche Sprache und Literatur
- 1926: Forschungen in Schweden über Runen
- ab 1933: Mitglied der NSDAP (Nr. 2260356)
- Sommersemester 1934: Vorlesung für Studierende aller Fakultäten zur Edda
- 1939: geschäftsführender Direktor des Seminars für deutsche Philologie
- 1938: unterrichtet „Einführung ins Schwedische“ und „Einführung ins Dänische“
- Juni 1938: Bitte um Beurlaubung an den Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, zur Fertigstellung des ersten Bandes einer „zweibändigen Vor-Frühgeschichte des Deutschen Schrifttums“
- November 1940: Reisebericht Schweden an den Rektor der Universität
- 1942: Auszeichnung seines Werks zur Vor- und Frühgeschichte des deutschen Schrifttums durch die „Gesellschaft der Freunde der deutschen Akademie“ in Wien
- 28.9.1944: Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
- 1945: Unterzeichnen einer Verfügung „zur politischen Reinigung der Universität“ am 5. Oktober
- 1948: Bitte um Emeritierung
Fundstücke
Beurteilung Georg Baeseckes durch Prof. Dr. Bremer

UAHW, Rep. 11, PA 321, Schriftliche Beurteilung Georg Baeseckes durch Otto Bremer
Als das Ordinariat für deutsche Sprache und Literatur 1921 neu besetzt werden muss, wird unter anderem Georg Baesecke vorgeschlagen. In seiner Akte befindet sich ein von Professor Dr. Otto Bremer verfasstes Gutachten, welches ihn an zweiter Stelle vorschlägt. Bremers Beurteilung mutet durchaus kritisch an, er bezeichnet Baesecke unter anderem als subjektiv und vorschnell und attestiert ihm eine „starke Einbildungskraft“.
Die erste Forschungsreise
1926 tritt Georg Baesecke seine erste Studienreise nach Schweden an, welche er in einem Reisebericht an den Rektor der Universität schildert. Baesecke beschreibt den freundlichen, zuvorkommenden Umgang der Bevölkerung mit ihm und das politische Klima. Er spricht von „mangelhaft verhüllter englische[r] Sympathie“ und kritisiert den Hochschulbetrieb. Das Prüfungssystem, welches dem englischen ähnele, beinflusse den wissenschaftlichen Betrieb dahingehend, dass „sich […] ein schulmässig-doktrinärer Unterricht“ etabliert habe. Die Universitätsprofessoren seien nur etwa zwei Stunden pro Woche mit Lehrtätigkeiten beschäftigt, was dazu führe, dass sie umso mehr Zeit zum Forschen hätten. Laut Baesecke resultiere dies darin, dass viel an fachfremden Themen geforscht werde: „das gewährleistet wohl eine grosse und günstige wissenschaftliche Freiheit, aber es liegt auch auf der Hand, dass so der Unterricht im Fache zu einem verkümmerten Anhängsel werden kann.“ Er berichtet beispielhaft von einem Slavisten, „der längst nur noch Runenforscher war“.

UAHW, Rep. 11, PA 321, Reisebericht zur Forschungsreise nach Schweden

UAHW, Rep. 11, PA 321, Reisebericht zur Forschungsreise nach Schweden, zweite Seite
Ein zweiter Reisebericht
Etwa ein Jahr nach dieser Reise reicht Baesecke einen zweiten Reisebericht ein, aus dem hervorgeht, dass der vorherige Bericht auch den Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung erreicht hat. Es geht erneut um das schwedische Verhältnis zum nationalsozialistischen Deutschland, das er während seiner Reise im Oktober 1940 beobachtet hat. Auch hier schreibt Baesecke besorgt über etwaige „englische Propaganda“ und befürchtet eine Zuwendung zur „anglikanischen Kirche“. Im letzten Absatz berichtet Baesecke zudem, dass man ihn zur Ergänzung des ersten Berichts „freundschaftlich“ angehalten hätte, dass dieser aber auch einer (religiösen) Eigenmotivation entspräche, nämlich der Bestürzung „über die kirchlichen Verhältnisse im heimgekehrten Elsaß“.

UAHW, Rep. 11, PA 321, Ergänzender Reisebericht

UAHW, Rep. 11, PA 321, Ergänzender Reisebericht zweite Seite
Das Kriegsverdienstkreuz
Vier Jahre später bekommt Baesecke das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse verliehen.

UAHW, Rep. 11, PA 321, Dokument zur Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes 2. Klasse
Vorwürfe gegen Baesecke nach 1945
Der Provinzialvorstand der SED erhält am 22. Juni 1946 ein Dokument, dessen Abschrift in Baeseckes Personalakte vorliegt. Darin schreibt ein unbekannter Verfasser: „Baesecke und sein Sohn (ein höherer Verwaltungsbeamter bei der Stadt) waren Nazis, die Frau von Prof. Baesecke war Einpeitscherin beim Luftschutz, jetzt wird er von der Demokratie bezahlt“ und schildert ein Streitgespräch zwischen ihm und Professor Baesecke. Dieser sei „mit den heutigen politischen Verhältnissen nicht einverstanden“. Der Kurator der Universität schreibt in einem abschließenden Bericht nach einem Gespräch mit Baesecke: „Prof. Baesecke ist der Typ desjenigen deutschen Gelehrten, der eine Leuchte auf seinem Spezialgebiet ist, von dem aber, was um ihn herumgeht, keine Notiz nimmt und deshalb politisch ohne jede Kenntnis der Vorgänge ist.“ Und weiter: „Mein persönlicher Eindruck ist der, daß Prof. Baesecke einer von denjenigen Gelehrten ist, der neben seiner Zeit her lebt, in seinem Fach ein großer Spezialist, politisch ein grosses Kind ist.“

UAHW, Rep. 11, PA 321, Abschrift des Beschwerdedokuments über Prof. Baesecke

UAHW, Rep. 11, PA 321, Beurteilung Professor Baeseckes, adressiert an den SED-Provinzvorstand, Abteilung Kultur und Erziehung, gezeichnet Elchlepp
Baesecke bleibt unbehelligt und reicht am 19.9.1948 die Bitte um Emeritierung beim Minister für Volksbildung, Kunst und Wissenschaft ein.
Quellen
Personalakte Georg Baesecke
UAHW, Rep. 11, PA 321
[1] [Art.] Baesecke, Georg (1876-1951). (13.01.1876, Braunschweig – 01.05.1951, Halle (Saale)), in: Kalliope Verbund. https://kalliope-verbund.info/de/eac?eac.id=11864632X (zuletzt abgerufen am: 24.9.2025).
[2] [Art.] Baesecke, Georg (1876-1951). (13.01.1876, Braunschweig – 01.05.1951, Halle (Saale)), in: Kalliope Verbund. https://kalliope-verbund.info/de/eac?eac.id=11864632X (zuletzt abgerufen am: 24.9.2025).
[3] Graf, Klaus: Der Germanist Georg Baesecke (1876-1951) als Literat, in: Archivalia (2023). https://doi.org/10.58079/chtv (zuletzt abgerufen am 23.09.2025).
[4] [Art.] Baesecke, Georg (1876-1951). (13.01.1876, Braunschweig – 01.05.1951, Halle (Saale)), in: Kalliope Verbund. https://kalliope-verbund.info/de/eac?eac.id=11864632X (zuletzt abgerufen am: 24.9.2025).