Fast jede Frau kennt dieses Gefühl: Der Schlüssel ist fest in der Faust umschlossen, die Schritte werden schneller und jeder Schatten wirkt bedrohlich.

Dass rund 60 Prozent der Frauen nachts Angst haben, alleine nach Hause zu gehen, ist keine Hysterie, sondern eine gesellschaftliche Realität. Diese Angst speist sich vor allem aus realen Erfahrungen mit sexueller Belästigung oder Catcalling, die fast jede Frau schon einmal erlebt hat. Hinzu kommt eine lebenslange gesellschaftliche Prägung, die Mädchen früh beibringt, nachts besonders vorsichtig sein zu müssen. Evolutionär bedingt schaltet das Gehirn im Dunkeln ohnehin auf Alarmbereitschaft, was durch eine physische Unterlegenheit gegenüber potenziellen Angreifern verstärkt wird. Schließlich tragen auch schlecht beleuchtete Straßen und unübersichtliche Unterführungen in unseren Städten dazu bei, dass nachts sogenannte Angsträume entstehen. Angst bei Nacht ist kein reines Frauenproblem, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen dringend eine sicherere Stadtplanung und mehr Zivilcourage, damit der öffentliche Raum endlich zu jeder Uhrzeit allen Menschen gleichermaßen gehört.