Wie wirkt Raum auf das Erleben von Musik? Und welche Möglichkeiten eröffnen sich, wenn man Raum nicht als gegeben hinnimmt, sondern als gestaltbaren Bestandteil eines Konzerts versteht?
Mit diesen Fragen eröffnet Robert Laser, Architekt, Professor für Innenarchitektur an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule und Mitbegründer von bla° architekten (Leipzig), seinen Impulsvortrag im StudiLab.

Architektur und Musik
Laser versteht Raum im Konzert nicht als bloße Hülle für Musik, sondern als aktiven Mitspieler. Im StudiLab-Seminar soll es auch um größere Zusammenhänge gehen: Architektur und Musik, so Lasers These, stehen heute vor ähnlichen Herausforderungen: Ressourcenknappheit, gesellschaftliche Fragmentierung und veränderte Publikumsbedürfnisse. In der Architektur reagiere man darauf zunehmend mit Umnutzung und Transformation bestehender Räume – ein Gedanke, der sich auch auf Konzertformate übertragen lässt.
Das Konzertwesen im Wandel
Nur noch gut ein Viertel der Deutschen geht regelmäßig ins Konzert, etwa die Hälfte einmal im Jahr. Das Publikum und seine Bedürfnisse wandeln sich, während Repertoire und Darbietungsform klassischer Musik seit geraumer Zeit weitgehend unverändert reproduziert wurden. Gleichzeitig erleben viele Menschen Vereinzelung und einen Verlust von Selbstwirksamkeit. Robert Laser stellt die Frage in den Raum, ob Musik hier etwas kompensieren könne – und wie? Müssen Konzerte etwa bequemer, günstiger, zugänglicher werden?
Bühnenformen und Raumtypen
Anhand verschiedener Beispiele stellt Robert Laser unterschiedliche Bühnentypen vor: von der klassischen Frontalbühne über Orchester- und Zentralbühnen bis hin zu experimentellen, temporären oder vollständig „environmentalen“ Formaten, in denen sich Publikum und Musiker*innen mischen.
Jede räumliche Anordnung erzeugt eine bestimmte Beziehung zwischen Publikum und Musik; Nähe oder Distanz, Konzentration oder Zerstreuung, Hierarchie oder Gemeinschaft.
Mit ad hoc Performances und verschiedenen Aufstellungen im Raum können die Studierenden im Seminar spielerisch einige dieser Szenarien selbst erproben. Mit einfachen Instrumenten und wechselnden Anordnungen von Musiker*innen und Publikum wird schnell deutlich, wie stark sich Wahrnehmung allein durch räumliche Setzungen verändert – auch ohne große technische Mittel.

Der Volkspark als Herausforderung
Besonders konkret wird Robert Lasers Betrachtung des Volksparks Halle. Einige Studierende empfinden den großen, dunkelroten Saal als atmosphärisch anspruchsvoll, teilweise sogar drückend. Robert Lasers Empfehlung: Man solle nicht versuchen, den Raum zu „verschönern“ und gegen die Gegebenheiten zu arbeiten, sondern radikal zu denken, den Raum zu abstrahieren, mit Licht zu arbeiten, oder ihn sogar „wegzunehmen“ – etwa durch Dunkelheit oder geschlossene Augen und eine Gedankenreise („stell dir vor, du bist in einem großen, weißen Raum“). Entscheidender als die realen physischen Gegebenheiten sei es, dem Publikum eine klare räumliche Idee zu vermitteln, auch sprachlich oder symbolisch. Die Idee von Raum präge das Erleben stärker.
Reflektionen zum Konzertbesuch
Im zweiten Teil sammelt die Gruppe Eindrücke aus einem zuvor besuchten Sinfoniekonzert. Diskutiert werden unter anderem:
- fehlende Lichtdramaturgie und unklarer Beginn,
- hektische Pausensituation,
- ein spürbar distanziertes Verhältnis zwischen Orchester und Publikum,
- ritualisierte Abläufe beim Applaus,
- wenig Raum für spontane Reaktionen oder Austausch,
- ein Nachgespräch ohne geeigneten Ort und Rahmen,
- vor dem Konzert herrschte eine angenehme, soziale Atmosphäre – nach dem Konzert löste sie sich abrupt auf.
Auffällig war dabei ein Widerspruch: Vor dem Konzert herrschte eine angenehme, soziale Atmosphäre – nach dem Konzert löste sie sich abrupt auf.
All diese Beobachtungen lassen sich als räumliche Phänomene beschreiben und gestalten.
Robert Lasers Impulsvortrag machte deutlich, dass Raumgestaltung im Konzertkontext nicht nur Architektur meint. Es geht um Rituale, Dramaturgie und Übergänge, Aufmerksamkeit und um die Frage, wie viel Nähe ein Konzert zulässt oder verhindert. Vor allem: Raum ist nie neutral.
Wer Konzertformate entwirft, gestaltet immer auch soziale Beziehungen, bewusst oder unbewusst.

