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Der zeitliche Rahmen

Das Projekt bewegt sich in der „Aufklärungsepoche“ – doch wie diese zeitlich eingrenzen? Dabei ist der Beginn dieser „Epoche“ im Projekt noch relativ einfach zu bestimmen. Im Januar des Jahres 1688 erscheint (noch mit Verlagsort Franckfurth und Leipzig, bei dem Buchhändler Moritz Georg Weidmann) der erste Band der von Christian Thomasius herausgegebenen und verfassten Zeitschrift:

Schertz- und ernsthaffter, vernünfftiger und einfältiger Gedancken über allerhand lustige und nützliche Bücher und Fragen„.

Schertz- und Ernsthaffter, Vernünfftiger und Einfältiger Gedanken, über allerhand Lustige und nützliche Bücher und Fragen, Deckblatt der Aprilausgabe 1688.

Die Märzausgabe führt als Verlagsort nur noch Leipzig und mit dem Monat April wechselt Thomasius‘ Zeitschrift nach Halle in den Verlag des Chur-Fürstlich Brandenburgischen Hoff- und Regierungs Buchdruckers, Christoph Salfelden.

Für die folgenden Jahrzehnte erfasst das Projekt alle Zeitungen und Zeitschriften , deren Verlagsort in Halle  (Hall in Sachsen, Halae, Halle im Magdeburgischen etc. – um nur einige der zahlreichen Synonyme aufzuführen) gefunden werden kann. Einige Journale erscheinen nur mit einer einzigen Ausgabe, andere unregelmäßig über mehrere Jahre und Jahrzehnte, wieder andere kontinuierlich über Jahrhunderte hinweg. Somit drängt sich die Frage nach dem „Ende“ der Aufklärungsepoche auf.

Obwohl in der Literaturwissenschaft das „Ende der Aufklärung“ meist um 1800 verortet wird, und auch in der halleschen Presselandschaft ein deutlicher Einbruch der Journalneugründungen um 1802 zu verzeichnen ist, reicht der Projektzeitraum aus unterschiedlichen Gründen bis zum Jahr 1815. Zum einen bringen die napoleonische Besatzung und die Befreiungskriege auch für die Journale vollkommen neue Herausforderungen mit sich, deren Bewältigungsstrategien sich stark unterscheiden. Einige Verleger in Halle stellen die Herausgabe von Zeitschriften und Zeitungen vollkommen ein. Zum einen da Zeitschriften nun ebenfalls als Luxusprodukte gelten, deren Absatz in Krisensituationen deutlich zurückgeht, zum anderen da mit der Schließung der Universität Halle im Jahr 1806 Herausgeber, Autoren und Leser verloren gehen und die Produktion auf Grund der gestiegenen Produktionskosten nicht mehr kostendeckend sein kann. Erstaunlicher Weise nutzt kein hallescher Verleger die Möglichkeit, den Wünschen des Publikums, nach aktuellen und zeitnahen Informationen zu entsprechen, sodass keine Verstärkung des Zeitungsmarktes in Halle zu beobachten ist – hier scheint die räumliche Nähe zu Leipzig ein stärkeres Engagement verhindert zu haben. Denn aktuelle Nachrichten gelangten weniger schnell nach Halle und ihre Publikation hätte keinesfalls gegen die Konkurrenz der Leipziger Nachrichtenblätter bestehen können.

Anzahl der jährlich in Halle begründeten Journale (1688-1815)

Andere Verleger hingegen prägen ihre inhaltlichen Schwerpunkte gerade in dieser Zeit stärker aus. Anstatt auf ein umfassendes Sortiment thematisch verschiedener Journale zu setzen, konzentrieren sie sich auf die Publikation fachlich herausragender Journale – in Halle überdauern vor allem naturkundliche, medizinische und staatswissenschaftliche Zeitschriften die Schließung der Universität.

Um die Reaktion auf elementare wirtschaftliche, politische und alltägliche Krisenphasen abbilden zu können, wurde das Ende der „Aufklärungsepoche“ bis zum Ende der napoleonischen Kriege 1815 ausgedehnt.

Deutsches Archiv für die Physiologie, Band 1, Heft 1, 1815.

Das letzte der 360 in Halle herausgegebenen Journale war die von Johann Friedrich Meckel begründete Zeitschrift: „Deutsches Archiv für die Physiologie„, die bis 1823 Bestand hatte.