Sophie: Meine Eindrücke

Während der Balkankriege vor mehr als hundert Jahren sind meine Vorfahren – mütterlicherseits – geflüchtet und in Albanien angekommen, wo sie heute noch in einer kleinen Enklave in der Nähe von Durrës leben. Sie haben sowohl die Sprache als auch die Traditionen bewahrt und sind als Minderheit anerkannt und respektiert. Dies war auch eine der Gründe, weshalb ich mich in meinem Studium für die Slawistik entschied.

Mein Name ist Sophie Gutschlag und derzeit studiere ich im vierten Semester an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von Anfang meines Studiums an lerne ich die serbokroatische Sprache und nutze jede Gelegenheit mich mit anderen – vor allem mit meinem Großvater – in dieser Sprache zu unterhalten.

Ich bin in Albanien, ebenso ein Balkanstaat wie Bosnien und Herzegowina, oft zu Besuch bei meinen Großeltern gewesen. Obwohl meine Familie ursprünglich aus Bosnien und Herzegowina kommt, habe ich dieses Land – außer während einer Durchreise – nicht besuchen können. Ich war also sehr glücklich, als ich erfuhr, dass ich an der Exkursion teilnehmen kann und endlich die Möglichkeit bekomme, das Land meiner Vorfahren zu besuchen. Meine Familie freute sich ebenfalls sehr für mich. 

Schon in der Vorbereitung vor der Exkursion konnte ich sehr interessante Fakten über Bosnien und Herzegowina und das ehemalige Jugoslawien erfahren und je mehr ich über die Kultur und die Geschichte erfuhr, desto mehr freute ich mich auf die Reise.

Meine bosnischen Familienmitglieder waren und sind weiterhin Anhänger Titos, was ich bis dahin nicht besonders nachvollziehen konnte, da ich mich bis dahin nicht damit beschäftigt habe. Die Arbeit an dem Kurs und die Exkursion nach Bosnien und Herze-gowina, sollten mir aber jetzt eine Basis anbieten, mehr über Tito zu erfahren und meine Verwandten besser im Hinblick deren Meinung zu Tito zu verstehen. 

In Bosnien und Herzegowina bot sich mir ein vertrautes Bild, ähnlich wie in Albanien, an. Die Menschen, die Straßen, die Häuser und besonders die Berge, das alles erinnerte mich an Albanien. Alle waren freundlich und ich habe mich sehr wohl gefühlt

Während eines freien Tages zum Beispiel bin ich durch die Straße auf die Suche nach interessanten Bücherläden bzw. Bücher gegangen. In einer Bücherei bin ich dann nicht endlich fündig geworden und traf noch eine junge Frau, mit der ich mich über die Ex-kursion unterhalten konnte. Sie freute sich sehr zu hören, dass Studenten aus Halle, Sa-rajevo und Novi Sad sich zusammen setzen, um zu eruieren was heute noch in den Ge-dächtnissen der Menschen ist, wenn man von Tito und seinem Jugoslawien spricht. So erzählte sie mir auch, dass Tito in ihrer Familie eine große Rolle spielte und auch heute nach seinem Tot noch spielt. Während sie erzählte, dachte ich an meinen Verwandten, die ähnlich nostalgisch bis wehmütig über Tito und seine Zeit sprachen.

Die Herz-Jesu-Kathedrale in Sarajevo
Moschee in Sarajevo

Während der Exkursion waren es nicht nur die Analogien mit meiner eigenen Familie, sondern auch die Geschichte Bosniens und die Rolle Titos in dieser Geschichte, die mich beeindruckten. Ich habe nicht nur das Land endlich besuchen können, dass meine Vorfahren verlassen mussten sondern darüber hinaus erfuhr ich Einiges mehr, um die Haltung meiner Verwandten und viele anderen Bosnier zur Rolle Titos besser nachvoll-ziehen zu können. Dieses Land und die dortigen Menschen haben mich begeistert und die kommende Reise nach Bosnien und Herzegowina wird nicht mehr so weit sein.

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