14.05.-16.05.2026 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Programm

Donnerstag 14.05.2026

16:00 bis 17:30Get-together und Eröffnung
17:30 bis 18:30Keynote

Dr Dîlan Canan Çakir (Cambridge) und Viktor J. Illmer (Berlin):
KI und Kanon
Die aktuelle Debatte um Künstliche Intelligenz in der Literatur betrifft nicht nur die Frage, ob KI Texte schreiben kann, sondern wie sie unseren Blick als Literaturwissenschaftler*innen für Literaturgeschichte verändert. Wie entscheiden wir zukünftig, was der Kanon ist, was als relevant, wertvoll oder klassisch gilt? Der Vortrag beleuchtet, was passiert, wenn algorithmische Verfahren in der Literaturwissenschaft eingesetzt werden. Dabei zeigt sich ein Spannungsfeld: KI kann helfen, große Textmengen neu zu erschließen und Perspektiven zu erweitern. Gleichzeitig reproduziert sie oft genau die Strukturen, die sie sichtbar machen soll, etwa durch Bias in Daten, Modellen oder Anwendungen. Im Fokus stehen daher weniger technische Lösungen als grundlegende Fragen: Was ist eigentlich das Problem am Kanon im Zeitalter von KI? Auf welches Wissen über Literatur wollen wir uns oder können wir uns verlassen? Und was passiert, wenn wir versuchen, solche kulturellen Fragen algorithmisch zu bearbeiten? Die These ist: KI ist kein neutraler Beobachter, sondern spiegelt die Archive und Wertsysteme, aus denen sie lernt. Wer mit KI über Literatur arbeitet, arbeitet immer auch mit den blinden Flecken dieser kulturellen Überlieferung, um die es im Vortrag gehen soll.
ab 18:30gemeinsames Abendessen

Freitag 15.05.2026

9:00 bis 10:00Kaffee und Vernetzung
Digital Invasion – Online Phänomene in der Literatur (Vol. I)BookTok & Co Literaturrezeption im digitalen Raum
10:00 bis 10:30Marlene Marek (M.A. Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft/München):
Digitale Spurensuche und paranoide Sinnerzeugung – Dorothee Elmigers Die Holländerinnen
Emma Hamann (B.A. Deutsche Sprache und Literatur & Medien- und Kommunikationswissenschaft/Halle):
Vampire auf der For-You-Page? Le Fanus‘ Carmilla remediatisiert auf TikTok – Erste Einblicke in die mediale Transformation des Gothic Klassikers
10:30 bis 11:00Tomke Tanita Kaczorek (M.A. Kulturpoetik der Literatur und Medien/Münster):
No Exit Here – Internetästhetik und liminale Räume in Sofia Ajrams Coup de Grâce und Marie NDiayes Un temps de saison
Reemda Hahn (M.A. Komparatistik & Literatur und Medienpraxis/Bochum):
„Your personal library you can take anywhere“ – Sinnvolle digitale Literaturrezeption mit Auge, Ohr und Co.
11:00 bis 11:30Moritz Morszeck, Janne Yurtcan, Linus Kormann (M.A. Germanistische Literaturwissenschaft/Greifswald):
Glitches lesen – Virtualität und Störung in Flexen in Miami von Joshua Groß

Nadja Nesarajah (M.A. Historisch orientierte Kulturwissenschaften/Saarbrücken):
BookTok als soziale Lesepraktik – Schaffung von emanzipatorischen Räumen der Diversität, Sichtbarkeit und Teilnahme für marginalisierte Gruppen mit Blick auf das Genre Fantasy
Vorträge
11:30 bis 13:00Mittagspause
13:00 bis 14:30Dr. Olaf Simons (NFDl4Memory: Task Area 2 „Data Connectivity“/Halle): Wikibase nutzen – Eine Graph-Datenbank als Zettelkasten und Abbildungslieferant etwa für Seminararbeiten
Wo lege ich Fakten ab, während ich an einer Seminararbeit sitze? Was mache ich, wenn ich sie etwa mal unterschiedlich sortieren möchte – Briefe chronologisch oder nach Personen geordnet. Womit gelingt mir die Abbildung eines Korrespondenznetzwerks oder einer Reise auf der Landkarte? Wie erfasse ich Beziehungen zwischen Personen – etwa Mitglieder einer Organisation mit Hintergrunddaten? Eine der neuartigen Optionen ist hier die Arbeit mit einer Wikibase-Instanz, einer modernen „Graph-Datenbank“. Das kann eine eigene Instanz sein (in fünf Minuten in der Wikibase Cloud aufgesetzt) oder das eigene Datenset in Wikidata oder FactGrid – beides große Wikibase-Instanzen mit extrem dichter Informationslage. In Wikibase-Instanzen kann man Information sammeln, vernetzen, beliebig abfragen und darstellen.
Der Kurs will praktische Möglichkeiten aufzeigen: Was geht wie? Wieviel Arbeit macht’s? Wieviel muss ich erst mal lernen? Wir wollen dabei den Schritt in die Praxis wagen: Wer Daten hat aus eigener laufender Arbeit hat, kann sie mitbringen und sehen, was sich damit machen lässt.
Prof. Dr. Anastasia Glawion (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): Netzwerkanalyse in der Literaturwissenschaft – eine Einführung
Fiktionale Texte sind geprägt von Relationen: Intertextuelle Verweise verknüpfen Texte untereinander, Genrelabels setzen den Text in Verbindung mit ähnlichen Formen und beeinflussen unsere Erwartungen an Plot, Länge oder Figurentypologie. Autor:innenkollektive schaffen im selben Kontext und beeinflussen einander. Digital-Social-Reading-Plattformen, die aus der Leselandschaft nicht mehr wegzudenken sind, ermöglichen es Leser:innen und Autor:innen stetig, Texte über Tags in Relation zu setzen und konkrete soziale Beziehungen über Kommentare im digitalen Paratext zu entwickeln.
Wenn das Bewusstsein für Relation eine so starke Rolle in der Entstehung und der unmittelbaren Rezeption von Texten hat – wie lässt es sich in die Analyse einbeziehen? Die Netzwerkanalyse, eine Methode, die gleichermaßen von sozialwissenschaftlichen und graphentheoretischen Traditionen geprägt ist, bietet die Möglichkeit, Relationen aller Art zu modellieren. Der Workshop führt in diese Methode ein und erprobt sie auf drei Ebenen literarischer Daten.
Workshops
14:30 bis 15:00Kaffeepause
15:00 bis 16:00Luise Pohlmann (M.A. Digital Humanities/Göttingen):
Deep Mapping Dresden
Hannah Reinert (M.A. Chinawissenschaften/Trier):
Freund oder Feind? Wie schaut die chinesische Netzöffentlichkeit auf künstliche Intelligenz in Bezug auf Onlineliteratur?
Sophia Babl, Emely Heinz, Oscar Aquite (M.A. Digital Humanities/Regensburg):
Once Upon a Dataset – Computational Analysis of Fairy Tale Originals, Adaptations, and AI-Generated Texts

Jana Busch (M.Ed. Germanistik & Politik-Arbeit-Wirtschaft/Bremen):
Scientific True Crime zwischen Narration und Wissenschaft – Digitale Analyse von Vertextungsmustern zur Schärfung eines Subgenres
Show, don’t tell – Posterpräsentationen
16:00 bis 16:30Kaffeepause
Ich & die Community – (Literarisches) Schreiben in der DigitalitätLiterature transfered Erzählungen in digitalen Räumen
16:30 bis 17:00Tom Teufer (M.A. German and Comparative Literature/Bonn):
Entsetzen in zwei Sätzen – Literaturproduktion und Rezeption im digitalen Raum am Beispiel von r/TwoSentenceHorror
Karina Bleßmann (B.Ed. Germanistik & Geschichte/Paderborn):
Götter, Games,  Gegenwart – Antike Literatur im Spannungsfeld digitaler Neuinterpretation
17:00 bis 17:30
Dhara Lechner (M.A. Germanistik & Ethik der Textkulturen/Erlangen):
Vom Hörsaal in die Enzyklopädie Wikipedia-Edit-a-thons als Kernelement literaturdidaktischer Lehrkonzepte

Emily Wünsch (B.A. Anglistik & Amerikanistik & Hispanistik/Halle):
Digital Ethics and the Politics of Female Bodies in the Contemporary Plays of Jennifer Haley and Alice Birch
17:30 bis 18:00Jakob Daaßen (M.A. Literatur und Kultur im gesellschaftlichen Wandel/Dresden):
Tagebuch schreiben auf Befehl – Eine Schreibpraxis unter dem Formzwang der Digitalität

Sidika Zeynep Yiğit (M.A. Digital Humanities/Stuttgart):
Wenn der Text begehbar wird – Zur Verräumlichung narrativer Strukturen in VR
Vorträge
ab 18:00Rahmenprogramm

Samstag 16.05.2026

Digital Invasion – Online Phänomene in der Literatur (Vol. II)Humans vs. Machine Autor:innenschaft in Zeiten von KI
09:30 bis 10:00Maria Schigan (M.A. Germanistik/Graz):
„Ich bin eingewickelt in einen riesigen virtuellen Schal.“ – Das Netzwerk-Motiv in Fiona Sironics Roman Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Noah Elias Meißner, Tobias Taudte (LAG Deutsch & Chemie/Halle):
Alles nur geklaut (?!) – Die GeoGuessr-Novelle als Beispiel eines sich verändernden Autorschaftsbegriffs im Zeitalter von KI
10:00 bis 10:30Max Kaplan (M.A. North American Studies/Berlin):
“To Be Saved” – In-Between Identity as Intermediality in Jamil Jan Kochai’s short story Playing Metal Gear Solid V: The Phantom Pain
Simon Eminger (B.A. Vergleichende Literaturwissenschaft & Evangelische Theologie/Wien):
Literarisches Kämpfen mit der KI – Der Mensch schreibt zurück!
10:30 bis 11:00Julia Keuer (B.A. Germanistik, Komparatistik, Philosophie & Psychologie/Bonn):
Zwischen Gespräch und Projektion – KI als Reflexionsmedium menschlicher Subjektivität in Josia Jourdans Fehlfunktion
Rachael Norman (M.A. Komparatistik/Bonn):
Shamanistic AI – Destabilising the Anthropocentric and Thinking through Ecological Interrelationships in Air Age Blueprint
Vorträge
11:00 bis 11:30Kaffeepause
Die Menge macht’s Textanalyse mittels Distant ReadingBetween Image & Text Memes als transmediales Phänomen
11:30 bis 12:00Erik Renz (Prom. Digital Humanities/Rostock):
Stilometrische Perspektiven auf die Rede weiblicher Figuren in den Dramen Marie von Ebner-Eschenbachs
Marco Maffeis (Prom. Allgemeine Literaturwissenschaft/Wuppertal):
Clémentine Mélois’ Les six fonctions du langage, oder: Haben Memes zum Revival von Fotoromanen verholfen?
12:00 bis 12:30Emira Donlagic (M.A. Europäische Literaturen/Berlin):
Held, Mahner, Nationalist? Eine quantitative Analyse der Rezeption Aleksandr Solženicyns im deutschen Medienraum (1960-heute)
Carolin von Ohle (B.A. Komparatistik & Germanistik/Bochum):
„r.i.p. franz kafka, you would’ve loved lana del rey“ – Rezeption Franz Kafkas in Memes auf Pinterest
Vorträge
12:30 bis ca. 14:00Gemeinsamer Abschluss

Hier findest du außerdem unser Programm als pdf-Datei zum herunterladen:
https://blogs.urz.uni-halle.de/komparatistikkongress2026/files/2026/04/Programm_SKK2026_Halle.pdf