Wunder

„Wunder gibt es immer wieder“

Ein scheinbar leichtes, fast beiläufiges Lied, das Katja Ebstein 1970 sang – aber was meinen wir eigentlich, wenn wir von einem Wunder sprechen?

Das Wort »Wunder« lässt sich vielfältig deuten; als Staunen oder Zauber, Geheimnis, Transzendenz, Offenbarung oder Magie, aber auch Licht, Glanz, Rätsel, Überraschung. Wunder meint Faszination, Gänsehaut, vielleicht auch Irritation oder Epiphanie. Das Wort verweist auf etwas, das sich nicht vollständig erklären lässt, das Erwartungen unterläuft oder den Blick auf die Welt für einen Moment verändert. Dieser Schwebezustand zwischen Verstehen und Staunen macht das Wunder als Motto für ein künstlerisches Projekt so interessant. Jeden Dienstag, pünktlich um 14:15, kommen Studis der Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Medien- und Kommunikationswissenschaft zusammen, um ihre ganz eigenen Wunder zu gestalten.

Dienstagnachmittags-Transzendenz

Wunder kann nicht nur als spektakuläre Ausnahmeerscheinungen erscheinen, sondern oft gerade im Alltäglichen erlebt werden. Der Film Die fabelhafte Welt der Amélie etwa zeigt das Wunder als kleine Verschiebung der Wahrnehmung: ein unerwarteter Moment von Nähe, Sinn oder Freude. Auch Katja Ebsteins Liedtext spricht weniger von großen metaphysischen Ereignissen als von einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber dem Unerwarteten.

Am anderen Ende des Spektrums spricht E. T. A. Hoffmann über Beethovens Instrumentalmusik als Zugang zu einem „unbekannten Reich“. Das Wunder der Musik bestehe darin, dass sie sich der Sprache entziehe und den Menschen aus der Welt der eindeutigen Gefühle und Begriffe hinausführe – in eine Erfahrung von Unendlichkeit, Sehnsucht und Entrückung. Typisch romantisch, pathetisch eben.

Wunder erleben

So vielfältig die Auffassungen von Wunder sind, so unterschiedliche können die Ideen sein, wie sich Wunder im Konzertkontext denken lassen kann. Erschafft man im Konzert Wunder über Effekt? Ist es ein besonderer Klang? Ein überraschender Moment? Oder entsteht Wunder dort, wo Menschen mit Musik ganz offen und ehrlich in Beziehung treten?

In einem der ersten StudiLab-Workshops tauschen sich die Studierenden über Konzertmomente aus, die als wundersam erlebt wurden; Situationen, in denen Nähe zwischen Publikum und Musiker*innen entstand, Augenblicke, in denen etwas Ungeplantes geschah und das Erlebnis gerade dadurch besonders intensiv wirkte. Die Vielfalt, aber auch die Individualität dieser Erlebnisse zeigt, dass sich Wunder nicht einfach so herstellen lassen. Sie entziehen sich der vollständigen Planung. Und doch können Rahmenbedingungen geschaffen werden, die sie begünstigen.

Wunder planen?

Am Ende des Workshops steht keine klare Definition von Wunder, sondern die Auffassung, dass Wunder dort entstehen, wo man bereit ist, sich auf Unerwartetes voll und ganz einzulassen. Diese Offenheit ist auch eine Grundlage für das StudiLab an. Das Motiv »Wunder« dient nicht als dekoratives Thema, sondern öffnet einen Imaginationsraum. Es lädt dazu ein, das Konzert als Situation zu verstehen, die im besten Fall viele kleine Wunder hervorbringt.

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