Waschbärmaschine

‚Watery, Domestic‘ von Pavement

Dieser Text ist etwas ganz besonderes. Er ist der erste, den ich einer EP widme (und der zweite insgesamt, aber deshalb lass ich mir die Einleitung nicht versauen), aber ‚Watery, Domestic‘ zählt einfach zu den besten Sachen, die in den 90er Jahren erschienen sind, einem Jahrzehnt, das nicht arm war an musikalischen Höhen (und Tiefen..). Mit diesen 4 Großtaten von nicht viel mehr als 11 Minuten Gesamtlänge wurden Pavement zu Recht ein Aushängeschild der LoFi-Bewegung (auch wenn so eine Typenbildung einer künstlerischen Bewegung selten gut tat).

Um den Spaßfaktor für die zu erhöhen, die das Album schon kennen, habe ich in den links auf die Originale verzichtet und präsentiere stattdessen interessante bis schaurige Coverversionen von 3 der 4 Songs. Alle anderen werden schnell im Internet fündig, die Originale sind alle zum Beispiel auf Youtube in recht ordentlicher Qualität verfügbar.

Der erste Song ‚Texas Never Whispers‘ beginnt mit einer noisigen Klangcollage, die dennoch schon mehr ist als das, da sie eine eigene Spannungskurve zu haben scheint. Dann startet der eigentliche Song ohne Schnörkel, baut gegen Ende aber eine jam-artige Atmosphäre auf.  Aus dem Text möge sich jede*r eine eigene Interpration zusammenzimmern, wobei ich mir auch nicht sicher bin, ob das was ich glaube an Text zu hören passt. Und ob den Lyrics die man im Netz findet zu trauen ist weiß ich auch nicht. Vielleicht trage ich auch mal eine Datenbank mit den schönsten Verhörern zusammen.

Ich weiß nicht wie oft ich ‚Frontwards‘ mittlerweile gehört habe. Für mich persönlich der schönste Pavement-Song. Wo viele Nachahmer*innen bis an ihr Karriereende mit traurigen Liedern fette Kohle auf Kosten depressiver Teenager gemacht haben, ersparen Pavement sich diese Sackgasse, indem sie die zerbrechliche Melodie mit rockigen Gitarrenriffs in eine beschwingte und profane Richtung drehen. Anders als unzählige Teen-Angst-Indierock-Reißbrettsongs will das Lied weder Trost spenden noch Wut entfachen, gaukelt keine ‚tiefen‘ Gefühle vor und versucht nicht, die Hörer*innen emotional auszubeuten. Dabei ist es näher am Leben als jene großen Lieder, die große Katastrophen heraufbeschwören. Meistens ist mensch halt nur ein bisschen traurig oder glücklich oder beides zugleich. Kein Teen Spirit, niemals mehr!

‚Lions (linden)‘ ist das kürzeste Lied auf der EP und hat ähnlich wie das erste Lied auch eher jam-artigen Charakter. Mit knapp unter zwei Minuten Laufzeit wird hier typische LoFi-Philosophie umgesetzt: Kurze und knappe Songs, ohne viel Zeit und Arbeit zu verschwenden, als Gegenentwurf zu den aufwendig produzierten Songs des Rock- und Popmainstreams. Allerdings haben Pavement selbst sich nicht allzu lange am LoFi-Regelbuch orientiert. Gerade die späteren Alben sind sehr hochwertig produziert und durchaus gut Mainstream-kompatibel, auch kommerziell waren sie zum Teil recht erfolgreich.

And in the morning light/ You hold that ashtray tight ist meine liebste, hoffentlich korrekt verstandene Textzeile dieser Veröffentlichung. Sie stammen aus ‚Shoot the Singer (1 Sick Verse)‘, den letzten Song, der die EP wunderbar beendet. Wie auch die EP im ganzen destilliert das Lied für sich eine Essenz guter Independent-Musik. Um Leuten zu demonstrieren, was Indie bedeutet, würde ich ihnen gern dieses Lied anmachen. Wahrscheinlich würden sie dann protestieren und ‚Arctic Monkeys!‘ oder ‚MGMT!‘ rufen (oder vielleicht sind diese Bands 2018 auch schon alte Hasen) und verschwinden.

Am Ende sei allen noch dieses fabulöse Fanvideo zu ‚Shoot the Singer‘ ans Herz gelegt. Es enthält alles, was ein Pavement-Video braucht: Pappkartons, Ouzo, von Autos überfahren werden, Todessymbolik.

Das könnte das Artwork gewesen sein. Aber wer weiß das schon. Bin ich nen Anwalt?

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