Klang und Identität

Aufsatz-Ankündigung: „Radiostimmen — Zur stimmlichen Ästhetik in aktuellen Morning Shows.“

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Prof. Dr. Ines Bose und Clara Luise Finke

Morn­ing Shows im Radio sind mod­erierte Mor­gensendun­gen, in denen die Unter­hal­tung im Vorder­grund ste­ht. Sie wollen vor allem gute Laune ver­bre­it­en – mit zahlre­ichen Geschicht­en, Witzen, Späßen, einge­spiel­ten Com­e­dys, Gewin­nak­tio­nen u.a.m. und alles eng ver­woben mit Ver­pack­ungse­le­menten (Jin­gles, Trail­er etc.) und vor allem mit viel Musik. Da beson­ders die Sendezeit zwis­chen 7.00 und 9.00 Uhr als hör­erstärk­ste gilt (sog. ‚prime time‘), wer­den Morn­ing Shows mit viel Aufwand gestal­tet und bewor­ben. In ihnen kommt das jew­eilige Sender­pro­fil beson­ders stark zum Aus­druck – die angestrebte Hör­erziel­gruppe soll zur Iden­ti­fika­tion mit dem Sender ein­ge­laden wer­den.

Wesentlich geprägt wird eine Morn­ing Show durch die Mod­er­a­tion. Oft gibt es eine/n Hauptmoderator/in, dem ein/e Ko-Mod­er­a­tor/in oder mehrere Ko-Mod­er­a­tor/in­n/en zur Seite ste­hen. Die so mögliche Dop­pel- oder Mehrfach­mod­er­a­tion wird genutzt zur gemein­samen Kon­struk­tion von Sto­ries und für Über­leitun­gen zwis­chen Sendeele­menten, vor allem aber zu per­sön­lichen oder heit­er-iro­nis­chen Bemerkun­gen, die – insze­niert als All­t­ags­ge­spräch – demon­stri­eren sollen, wie gut sich die Moderator/inn/en ver­ste­hen. Auch wenn die Mod­er­a­tion nur ein­er von vie­len Bestandteilen der Morn­ing Shows ist, spielt sie eine große Rolle für die Akzep­tanz und Erkennbarkeit eines Pro­gramms. So sollen Moderator/inn/en die Pro­gramm-Iden­tität repräsen­tieren und damit die Wieder­erkennbarkeit des Pro­gramms garantieren. Zudem sollen auch sie selb­st als Per­son­al­i­ty unverkennbar sein und auf möglichst indi­vidu­elle Weise zwis­chen Pro­gramm und Hörer/inne/n ver­mit­teln. Mit ihrem Sprach- und Sprech­stil sollen sie den Nerv des vom jew­eili­gen Sender angeziel­ten Pub­likums tre­f­fen, Hör­ernähe her­stellen, eine Atmo­sphäre der direk­ten Kom­mu­nika­tion simulieren und Hörerbeteili­gung ermöglichen.

In aktuellen Unter­suchun­gen zur „Radio-Ästhetik und Radio-Iden­tität“ (vgl. u.a. Bose 2015 [1]) wird diesen und weit­eren Aspek­ten nachge­gan­gen. Die laufend­en Unter­suchun­gen geben bere­its jet­zt deut­liche Hin­weise z.B. auf eine im Ver­gle­ich zu früheren Radiozeit­en verän­derte Ästhetik von Stimme und Sprechaus­druck in den Mod­er­a­tio­nen der Morn­ing Shows. Über diesen Teilaspekt der „stimm­lichen Ästhetik in aktuellen Morn­ing Shows“ haben Prof. Dr. Ines Bose und Clara Luise Finke im Rah­men des Jubiläumssym­po­siums des Deutschen Bun­desver­ban­des der Klin­is­chen Sprech­wis­senschaftler e.V. (19./20.06.2015, Halle/Saale) einen Vor­trag gehal­ten.

An dieser Stelle find­en Sie die Audiobeispiele des Vor­trags zum Nach­hören. Die Aus­führun­gen zum Audio­ma­te­r­i­al kön­nen Sie in Kürze nach­le­sen: Der Vor­trag wird im Sam­mel­band zum Jubiläumssym­po­sium veröf­fentlicht. [UPDATE: Der Auf­satz ist inzwis­chen erschienen in: Voigt-Zim­mer­mann, Susanne et al. (Hg.) (2016): Stimm­störun­gen — ein Fokus der Klin­is­chen Sprech­wis­senschaft. Berlin.]

  • Audiobeispiel 1 — “Wack­eln / Dri­ving Home”

 

  • Audiobeispiel 2 — “Überbesinnliche Kräfte”

 

  • Audiobeispiel 3 — “Lebens­be­ja­hen­der Pul­li”

 

  • Audiobeispiel 4 — „Break­fast Bernie“

 

Ines Bose, Diplom-Sprech­wis­senschaft­lerin, Prof. Dr. phil. habil. am Sem­i­nar für Sprech­wis­senschaft und Phonetik der Mar­tin-Luther-Uni­ver­sität Halle-Wit­ten­berg. Forschungs- und Pub­lika­tion­ss­chw­er­punk­te: rhetorische Kom­mu­nika­tion, ins­bes. Medi­en- und Gespräch­srhetorik, Phonetik der deutschen Sprache, Entwick­lung kindlich­er Kom­mu­nika­tions­fähigkeit­en. Fort­bil­dungstätigkeit: Train­ings und Coach­ings zu Sprache und Sprechen in den Medi­en, zur sprech­wis­senschaftlichen Lese­lehre, Train­ings zur Phonetik, Gesprächs- und Reder­hetorik sowie Sprecherziehung im Fremd­sprache­nun­ter­richt Deutsch.

Clara Luise Finke, MA Sprech­wis­senschaft­lerin, studierte von 2006 bis 2012 Sprech­wis­senschaft und Phonetik an der Mar­tin-Luther-Uni­ver­sität (MLU) Halle-Wit­ten­berg. Von 2009 bis 2012 arbeit­ete sie als Redak­teurin beim Mit­teldeutschen Rund­funk. Seit 2010 arbeit­et sie als Rhetorik­trainer­in an der Europäis­chen Akademie Otzen­hausen und als Dozentin an der MLU. Seit Jan­u­ar 2013 ist sie Stipen­di­atin der Stu­di­en­s­tiftung des deutschen Volkes und pro­moviert zum The­ma „Morn­ing­show-Mod­er­a­tio­nen im gegen­wär­ti­gen Radio“.


[1] Bose, Ines (Hg.) (2015): Radio, Sprache, Klang. Forschun­gen zur Radioäs­thetik und Radioiden­tität. (= SPIEL Neue Folge. Eine Zeitschrift zur Medi­enkul­tur. Jg.1 (2015), Heft 1/2). Frankfurt/Main.

 

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