Das Gewässerlabor

Einzeller

Jetzt liegt der Fokus auf der mikroskopischen Untersuchung der Wasserproben auf Einzeller. Einzellige Organismen sind ein zentraler Bestandteil aquatischer Lebensgemeinschaften. Ihre Zusammensetzung und Häufigkeit im Ökosystem kann wichtige Hinweise auf ökologische Bedingungen im Gewässer liefern. Der Schwerpunkt dieser Station liegt auf der Beobachtung, Bestimmung und Dokumentation von Einzellern.

Vorbereitung / Material

Du benötigst zum Mikroskopieren:

  • Lichtmikroskop (100-fache/ 400-fache Vergrößerung)
  • Objektträger und Deckgläser
  • Pipetten

Du benötigst zur Probenvorbereitung

  • Probenflaschen oder Probengläser
  • Planktonnetz (Maschenweite ca. 20–50 µm)
  • Becherglas oder kleine Sammelgefäße
  • Notizbuch oder vorbereiteter Protokollbogen
  • wasserfester Stift zur Beschriftung der Proben
  • ggf. Pinzette und kleine Löffel für Sedimentproben

Durchführung

  1. Auswahl der Untersuchungsstellen am Gewässer (z. B. Uferzone, Bereiche mit Wasserpflanzen, freies Wasser, …)
  2. Ausspülen der Probenflasche mit Gewässerwasser zur Enfernung von Fremdstoffen.
  3. Entnahme der Wasserprobe ca. 10–30 cm unter der Wasseroberfläche und zusätzlich von einer Probe aus pflanzenreichen oder leicht schlammigen Bereichen.
  4. Probe in ein sauberes beschriftetes Probenglas überführen.
  5. Proben lichtgeschützt und zeitnah zur Untersuchung (Mikroskop) transportieren.

Vorbereitung der Probe für die Mikroskopie

  1. Probengefäß vorsichtig schwenken, damit sich die Organismen gleichmäßig verteilen.
  2. Mit einer Pipette einen Tropfen der Wasserprobe entnehmenTropfen auf einen sauberen Objektträger geben.
  3. Deckglas vorsichtig auflegen und Frischpräparat unter dem Mikroskop beobachten — zunächst mit geringer Vergrößerung (100-fach); bei Bedarf höhere Vergrößerung (400-fach) einstellen.

Der folgende Bestimmungsschlüssel ermöglicht eine erste grobe Differenzierung häufiger Einzeller in mitteleuropäischen Süßgewässern. Er basiert auf mikroskopisch gut erkennbaren Merkmalen wie Bewegungsart, Zellform und Vorhandensein von Chloroplasten. Die beste Untersuchung erfolgt meist bei 100 bis 400-facher Vergrößerung im Lichtmikroskop.

Bestimme die beobachteten Einzeller mit Hilfe des folgenden Bestimmungsschlüssels.

Schritt 1 – Bewegungsart beobachten

  • 1a. Zelle bildet Scheinfüßchen (Pseudopodien) → Amöben → gehe zu Schritt 2
  • 1b. Zelle besitzt keine Pseudopodien → gehe zu Schritt 3

Schritt 2 – Form der Amöbe

  • 2a. Form stark veränderlich, große Zelle (bis 700 µm), sichtbare Nahrungsvakuolen → Amoeba proteus

Schritt 3 – Fortbewegungsorgan

  • 3a. Zelle besitzt viele Cilien → gehe zu Schritt 4
  • 3b. Zelle besitzt Flagellen oder bewegt sich kaum → gehe zu Schritt 5

Schritt 4 – Ciliaten

  • Pantoffelartige Form, Zellmund sichtbar → Paramecium caudatum

Schritt 5 – Chloroplasten vorhanden?

  • 5a. Zelle grün gefärbt → gehe zu Schritt 6
  • 5b. keine grüne Färbung → andere Protozoen

Schritt 6 – Autotrophe Einzeller

  • spindelförmig mit Augenfleck → Euglena gracilis
  • zwei Flagellen → Chlamydomonas reinhardtii
  • Silikatschale → Navicula sp. (Gattung der Kiselalgen)

Aufgabe:

  1. Dokumentiere die gefundenen Einzeller, ihre geschätzte Häufigkeit und Größe (falls bestimmbar) tabellarisch.
  2. Fertige eine mikroskopische Zeichnung der Einzeller an und beschrifte alle erkennbaren Strukturen.
  3. Welche Funktion haben die gefundenen Einzeller im Ökosystem Gewässer?
  4. Erläutere mögliche Zusammenhänge zwischen den dokumentierten Organismen und den Umweltbedingungen am Untersuchungsort.