Tiere
Tiere im und am Gewässer spielen eine zentrale Rolle für das ökologische Gleichgewicht und sind zugleich ein wichtiges Hilfsmittel zur Beurteilung der Wasserqualität. Besonders bedeutsam sind dabei die sogenannten Makrozoobenthos-Organismen. Hierbei handelt es sich um wirbellose Tiere wie Insektenlarven, Schnecken, Würmer oder kleine Krebstiere, die am Gewässergrund leben und mit bloßem Auge erkennbar sind. Sie besiedeln unterschiedliche Bereiche eines Gewässers, etwa Steine, Pflanzen oder den Schlamm, und sind aufgrund ihrer Lebensweise eng an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasst [1].
Diese Tiere erfüllen im Ökosystem Gewässer verschiedene wichtige Aufgaben. Viele Arten wirken als Zersetzer, indem sie abgestorbenes Pflanzenmaterial und organische Reste abbauen. Dadurch tragen sie wesentlich zur Freisetzung von Nährstoffen bei, die wiederum anderen Lebewesen zur Verfügung stehen. Andere Tiere fungieren als Konsumenten und sind Teil komplexer Nahrungsketten. Sie ernähren sich von Algen, Mikroorganismen oder organischem Material und geben die aufgenommene Energie an höhere Trophiestufen weiter. Räuberische Arten wie Libellenlarven regulieren zusätzlich die Populationen anderer Organismen und tragen so zur Stabilität des Ökosystems bei. Darüber hinaus stellen viele dieser Tiere eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische, Amphibien und Vögel dar [2][3].
Eine besondere Bedeutung haben Gewässertiere als sogenannte Bioindikatoren. Das bedeutet, dass ihr Vorkommen Rückschlüsse auf die Qualität eines Gewässers zulässt. Verschiedene Arten reagieren unterschiedlich empfindlich auf Umweltveränderungen wie Verschmutzung, Sauerstoffmangel oder erhöhte Nährstoffeinträge. Empfindliche Arten, beispielsweise Larven von Steinfliegen, Eintagsfliegen oder Köcherfliegen, benötigen sauberes, sauerstoffreiches Wasser und kommen daher vor allem in unbelasteten Gewässern vor. Ihr Auftreten gilt als Hinweis auf eine gute Wasserqualität. Arten mit mittlerer Toleranz, wie Bachflohkrebse oder Wasserasseln, können auch in mäßig belasteten Gewässern überleben. In stark verschmutzten Gewässern finden sich hingegen meist nur noch wenige, besonders widerstandsfähige Arten wie Zuckmückenlarven oder Schlammröhrenwürmer, die auch bei geringem Sauerstoffgehalt existieren können [1][4].
Die Auswertung der im Gewässer vorkommenden Tierarten erfolgt häufig mithilfe biologischer Bewertungsverfahren wie dem Saprobienindex. Dabei wird die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft analysiert, um den Grad der organischen Belastung eines Gewässers zu bestimmen. Diese Methode hat den Vorteil, dass sie nicht nur eine Momentaufnahme liefert, sondern die längerfristigen Umweltbedingungen widerspiegelt. Daher ist sie besonders geeignet für den Einsatz im Unterricht, da Schülerinnen und Schüler mit einfachen Mitteln selbstständig Untersuchungen durchführen und ökologische Zusammenhänge erkennen können [5].
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Tiere im Gewässer unverzichtbare Funktionen im Stoffkreislauf und im Nahrungsnetz erfüllen. Gleichzeitig liefern sie wichtige Hinweise auf den Zustand eines Gewässers und ermöglichen eine vergleichsweise einfache und anschauliche Bewertung der Wasserqualität. Die Untersuchung dieser Organismen verbindet praktische Naturerfahrung mit wissenschaftlichen Methoden und fördert ein nachhaltiges Verständnis für Umwelt und Ökologie.
Wichtige heimische Tiere im Überblick:
- Eintagsfliegenlarven
- Steinfliegenlarven
- Köcherfliegenlarven
- Bachflohkrebse
- Wasserasseln
- Libellenlarven
- Rückenschwimmer
- Wasserkäfer
- Schnecken (z. B. Posthornschnecke)
- Zuckmückenlarven („Blutwürmer“)
- Schlammröhrenwürmer
- Egel
Quellen:
[1] Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). (o. J.). Fischnährtiere (Makrozoobenthos).
https://www.hlnug.de/themen/wasser/fliessgewaesser/fliessgewaesser-biologie/ueberwachungsergebnisse/fischnaehrtiere
[2] Erftverband. (o. J.). Makrozoobenthos – Leben im Gewässer.
https://www.erftverband.de/makrozoobenthos/
[3] Gewässer-Bewertung. (o. J.). Makrozoobenthos und seine Bedeutung.
https://gewaesser-bewertung.de/index.php?article_id=71
[4] Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). (o. J.). Gewässerbewertung mit Makrozoobenthos.
https://www.hlnug.de/themen/wasser/fliessgewaesser/fliessgewaesser-biologie
[5] Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN). (o. J.). Gewässerbiologie und Saprobienindex.
https://tlubn.thueringen.de/wasser/oberflaechengewaesser/gewaesserbiologie
