Regelstudienzeit abschaffen!
Die Regelstudienzeit klingt zunächst nach einer neutralen Orientierung. In der Realität ist sie für viele Studierende jedoch ein permanenter Druckfaktor. Sie geht von einem idealisierten Studienverlauf aus – ohne Nebenjob, ohne finanzielle Sorgen, ohne Krankheit, ohne Care-Arbeit und ohne Lebensrealität außerhalb der Hochschule.
Viele Studierende arbeiten neben dem Studium, um Miete, Essen und Semesterbeiträge zu finanzieren. Andere übernehmen familiäre Verantwortung, kämpfen mit gesundheitlichen Belastungen oder brauchen schlicht mehr Zeit, um Inhalte wirklich zu verstehen. Das Studium verläuft selten linear, auch wenn die Regelstudienzeit genau das voraussetzt.
Problematisch wird es dort, wo diese Zeitvorgabe direkte Konsequenzen hat: BAföG-Begrenzungen, Fristen in Prüfungsordnungen oder der unterschwellige Druck, “nicht zu lange” zu studieren. So entsteht ein ständiger Zeitstress, der wenig mit guter Bildung zu tun hat.
Ein Studium sollte Raum für unterschiedliche Lebensrealitäten lassen. Lernen braucht Zeit, Umwege und auch Phasen der Entlastung.
Die Diskussion um die Regelstudienzeit berührt damit die grundlegende Frage, wie Hochschule organisiert sein soll: als beschleunigter Durchlauf oder als Ort, an dem sich Bildung entwickeln kann.
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