Was passiert eigentlich, wenn man ein Konzert nicht nur aufführt, sondern gestaltet?
Wenn man nicht allein fragt, was gespielt wird, sondern ebenso wie, wo, wann und für wen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Konzept des Konzertdesigns – ein Ansatz, der im Zentrum von StudiLAB steht und die Grundlage für die Arbeit der Studierenden bildet.
Vom Ritual zum gestalteten Erlebnis
Das klassische Konzert folgt bis heute festen Ritualen: Bühne und Publikum sind klar getrennt, das Licht geht aus, es wird nicht gesprochen, nicht geklatscht zwischen den Sätzen (dafür gehustet), das Programm ist vorgegeben und folgt einem bewährten Schema: Ouvertüre/Orchesterstück oder Solokonzert, Pause, Sinfonie. Diese Form hat sich über Jahrhunderte etabliert – und sie funktioniert nach wie vor.
Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, ob diese Form für jede Musik, jedes Publikum und jede Situation gleichermaßen geeignet ist. Konzertdesign setzt genau hier an: Es versteht die Form des Konzerts nicht als unveränderlichen Rahmen, sondern als gestaltbare Situation.
Der Kurator und Kulturmanager Folkert Uhde, einer der zentralen Impulsgeber dieses Denkens, schlägt vor, das Konzert selbst als eine Art Komposition zu begreifen. Nicht nur die Musik, sondern auch Raum, Licht, Zeit, Dramaturgie, Kommunikation und die Rolle des Publikums können bewusst gestaltet werden – jenseits tradierter Normen.
Das Konzert als Ganzes denken
Konzertdesign bedeutet nicht, klassische Konzerte abzuschaffen oder Musik zu „verpacken“. Vielmehr geht es darum, bewusst Entscheidungen zu treffen, die konzeptuell stimmig sind:
- In welchem Raum entfaltet diese Musik ihre Wirkung? Wie ist der Raum gestaltet? In welcher Beziehung stehen Raum und Musik zueinander?
- Welche Nähe oder Distanz zwischen Musiker*innen und Publikum ist sinnvoll? Wie kann man Nähe herstellen?
- Gibt es eine Narration?
- Braucht es Moderation, Stille oder Dialog?
- Welche Atmosphäre unterstützt das Hören?
- Welche gesellschaftlichen Fragen schwingen mit?
Uhde beschreibt dafür eine Reihe von Parametern – etwa Raum, Zeit, Licht, Publikum, Kommunikation oder Kontext –, die gezielt gestaltet werden können. Wichtig ist dabei: Kein Parameter ist Selbstzweck. Jede gestalterische Entscheidung sollte aus der Musik, dem Thema oder der Idee des Konzerts heraus begründet sein.
Konzertdesign im StudiLab
Im Rahmen von StudiLAB dient Konzertdesign nicht als Rezeptbuch, sondern als Denkwerkzeug. Die Studierenden entwickeln eigene Entwürfe für alternative Konzertformate, indem sie bewusst mit den verschiedenen Gestaltungsebenen arbeiten – und ihre Entscheidungen immer wieder kritisch prüfen.
Welche Rolle soll das Publikum einnehmen?
Welche Erwartungen werden bestätigt, welche gebrochen?
Und wie lässt sich ein Konzert so gestalten, dass es sowohl künstlerisch überzeugend als auch für eine neue Zielgruppe relevant ist?
Die Antworten darauf sind offen – und genau hier setzt StudiLab an. Einige mögliche Antworten präsentieren die Studierenden in ihren Konzepten am 12. Februar, um 19:30 Uhr im nt-Schaufenster präsentiert werden. Nach der Präsentation wird ein Jury-Preis unter Publikumsbeteiligung vergeben. Das Gewinnerkonzept wird von der Staatskappelle Halle im Oktober 2026 im Volkspark umgesetzt.

