RSS Feed

März, 2017

  1. News: Zweifacher Oscartriumph für Django Unchained

    März 30, 2017 by Philipp Klement

    Am Sonntag dem 24. Februar war es mal wieder soweit, die alljährliche Oscarverleihung hat stattgefunden. Dieses Jahr war ein Film von unserem wertgeschätzten Regisseur Quentin Tarantino fünfmal nominiert, „Django Unchained“. Nachdem die Enttäuschung recht groß war, dass weder Tarantino als Regisseur, noch DiCaprio als Nebendarsteller nominiert wurden, was bei den Golden Globes noch der Fall war, durfte man nichtsdestotrotz gespannt sein, ob sich der Film in den Kategorien „Bestes Originaldrehbuch“ und „Bester Nebendarsteller (Christoph Waltz)“ durchsetzen konnte, was ihm bereits bei den Globes gelang, und vielleicht war ja auch noch die ein oder andere technische Auszeichnung abzugreifen.
    Christoph Waltz ging nach Inglourious Basterds zum zweiten mal in seiner Karriere, und zum zweiten mal für einen Tarantino-Film ins rennen um den begehrtesten Filmpreis der Welt. Dabei war seine Konkurrenz namenhaft besetzt: Philip Seymour Hoffman (The Master), Robert de Niro (Silver Linings), Alan Arkin (Argo) und Tommy Lee Jones (Lincoln). Als dezenter Favorit ging er ins Rennen, allerdings war es lange keine so klare Sache wie damals bei seinem Sieg für „Inglourious Basterds“. Nichtsdestotrotz konnte der Österreiche bei seiner zweiten Nominierung den zweiten Oscar abstauben, herzlichen Glückwunsch Christoph Waltz!

    Doch damit nicht genug, immerhin ging Tarantino mit seinem Originaldrehbuch als klarer Favorit ins Rennen, wobei der Sieg eines der anderen nominierten Drehbücher auch nicht zu unwahrscheinlich war. Konnte er den Preis, den er bereits für „Pulp Fiction“ gewann auch ein zweites mal abräumen? Die konkurrenz war jedenfalls alles andere als zu unterschätzen: Wes Anderson (Moonrise Kingdom), Michael Haneke (Liebe), Mark Boal (Zero Dark Thirty) und John Gatins (Flight).
    Doch Tarantino bescherte seinem Film die zweite Trophäe des Abends und holte sich das Ding. Damit ist der Film automatisch der Tarantino-Film, der die meisten Oscars zu verbuchen hat (Pulp Fiction-1, Inglourious Basterds-1). Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle!

    Leider blieb es bei den beiden Trophäen, in den restlichen drei Kategorien musste er sich anderen Filmen geschlagen geben. Nichtsdestotrotz sind zwei Auszeichnungen bei 5 Nominierungen eine ordentliche Ausbeute, zumal es sich auch nicht gerade um zwei der unwichtigeren Oscars handelt

    Was sagt ihr? Haben die beiden die Trophäe verdient mit nach Hause genommen, oder hättet ihr sie anderen mehr gegönnt?

     


  2. Analyse: Die Metaebene in Pulp Fiction

    März 30, 2017 by Philipp Klement

    Pulp Fiction, ein Film der wie kaum ein anderer Publikum und Zuschauer seiner Zeit gleichermaßen beeindruckt hat, und das auch über 20 Jahre später noch tut. Doch neben den offensichtlichen Qualitäten des Filmes, nämlich den Dialogen, den Schauspielern und dem Soundtrack, verbirgt sich eine meisterhafte Erzählweise, die vor allem durch ihre Metaebene grandios und einzigartig ist.
    Müsste man die Handlung des Filmes in einem Satz zusammenfassen, so würde man erst einmal gründlich überlegen müssen was man sagt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es nur eine mögliche Antwort auf diese Frage gibt: Einem Haufen Gangstern passiert ein Haufen Scheiße in Los Angeles. Und im Prinzip wären wir dabei bereits beim Punkt: „Pulp Fiction“ hat eigentlich keine Handlung, oder zumindest keine Handlung im herkömmlichen, dramaturgischen Sinne. Dramaturgie bedeutet für einen Film eine sinnvolle Steigerung des Geschehens und der Emotionen. Ist am Anfang meist noch alles ruhig, so wird es insbesondere zum Ende hin immer hitziger und aufregender, um im Optimalfall in ein grandioses Ende zu münden. Nun ja, allerdings hat Herr Tarantino keine Lust auf Dramaturgie im herkömmlichen Sinne gehabt, will heißen es findet eigentlich kein dramaturgischer Aufbau statt. Punkt eins für diese These ist die Art des Erzählens der Handlung. Primär läuft die Handlung nämlich über triviale Dialoge, die nicht zwingend etwas mit dem Geschehen zu tun habe. Von Fußmassagen, über McDonalds in Frankreich, bis hin zu göttlichen Fügungen werden alle möglichen Themen abgegrast, ohne einen direkten Bezug zum Geschehen zu nehmen. Wir halten fest: Die Handlung läuft größtenteils über irrelevante Dialoge. Punkt zwei ist die Anordnung der Szenen. Ganze fünf mal wird während der Zeitlinie des Geschehens hin- und hergesprungen. Auf diese Art entzieht sich der Film quasi automatisch jedweder Steigerung des Geschehens. Nichts baut wirklich auf das andere auf, alles steht ein bisschen für sich, was durch die Reihenfolge der Szenen erst recht bestärkt wird. Wie soll der Mittelteil des Filmes, der zeitlich gesehen das Ende bildet, eine aufbauende Komponente für den Schluss des Filmes, der zeitlich gesehen der Anfang ist, darstellen? Wir halten fest: Es dreht sich um eine Handlung die primär aus irrelevanten Dialogen besteht, die nicht einmal in einer geordneten zeitlichen Abfolge abgearbeitet werden.

    Punkt drei ist der abschließende Kniff bei dieser Meisterleistung. Einen Film ohne Sinn oder Handlung auf die Beine zu stellen könnte vermutlich jeder, er müsste nur völlig unabhängiges und willkürliches Geschehen aneinanderreihen, Szene um Szene. Allerdings flüchtet sich Tarantino mit seinem Vorhaben nicht in abstrakte Filmkunst, sondern er bleibt auf einer Schiene, auf der man allem folgen kann, und alles was man sieht zum Verständnis des Gesamtgeschehens beiträgt. Die einzelnen Episoden weisen nämlich definitiv jeweils ihre eigenen kleinen Dramaturgien auf, und das ohne völlig alleine für sich zu stehen, sondern trotzdem als Teil des Großen und Ganzen zu gelten. Es findet praktisch immer ein kleiner Aufbau statt, der dann gleich wieder durch Zeitsprung oder Perspektivwechsel aufgelöst wird. Man könnte also behaupten, dass Tarantino sehr wohl eine Geschehensabfolge von Punkt A nach Punkt B umsetzt, aber in einem so verquerten Rahmen, dass es sich jedwedem dramaturgischen Aufbau entzieht. Er krempelt quasi klassische Dramaturgie in einem dramaturgischen Rahmen komplett um, sodass Anfang, Mitte und Ende jedem klar sind, das ganze aber völlig steigerungslos erzählt wird. Und trotz all dieser Umstände schafft er es dem Zuschauer am Ende des Filmes den Dialog zwischen Jules und Vincent als den Dreh- und Angelpunkt des gesamten Filmes, und somit als logischen Schlusspunkt herauszustellen: hätte Vincent nämlich wie Jules jenes bestimmte Ereignis am zeitlich gesehenen Anfang (im Film das letzte Drittel) als göttliche Fügung anerkannt und den seinen Job an den Nagel gehängt, so wäre er am zeitlichen gesehenen Ende (Mittelteil des Filmes) nicht von Butch über den Haufen geschossen wurden. In dieser absurden Konstruktion schafft es Tarantino nicht nur einen zielgerichteten Sinn des Filmes herauszustellen, sondern er schafft es sogar Tragik hinter alledem aufkeimen zu lassen, indem man Vincent und Mia nach ihrer Episode gewünscht hätte, dass sie doch noch glücklich werden. Aber Tarantino ist keine Spaßbremse, also lässt er es sich nicht nehmen den liebgewonnen Charakter Vincent trotz seines Todes im Mittelteil, in der Schlussszene in Boxershorts mit seinem Partner Jules das Lokal zu verlassen, was sicherlich für alle eine äußerst versöhnlicher Schlusspunkt ist.

    Sicherlich wird diese meisterhafte Erzählung nicht jedem aufgefallen sein, zumindest nicht in all ihren verquerten und besonderen Einzelheiten. Aber das macht auch nichts, denn Tarantino verstand es mit dem was er gezeigt hat, sein Publikum auch ohne den Blick auf die Metaebene zu unterhalten, und zwar durch witzige Dialoge, charmante Darsteller und seinen zeitlosen Soundtrack. Somit sollte es kein Wunder sein, dass nahezu alle den Film brillant fanden, er bietet fantastische Unterhaltung und eine souveräne filmische Umsetzung auf der oberflächlichen Ebene, und eine meisterhafte Erzählung auf der Metaebene.

    Was sagt ihr? Steckt in Pulp Fiction auf den zweiten Blick doch viel mehr als man es bei der ersten Sicht vermutet hätte?


  3. Filmkritik: Inglourious Basterds

    März 29, 2017 by Philipp Klement

    Dialogfeuerwerk und Geschichtsstunde á la Tarantino! Nach dem, für Tarantino-Verhätnisse, stark schwächelndem „Death Proof“, serviert uns der Meister hier seinen nächsten Geniestreich. In sechs delikaten Episoden leuchtet Tarantino die unterschiedlichsten Facetten, Schicksale und Geschichten seines fiktiven II-Weltkriegsszenarios aus. Dazu gibt es durchwachsene (Til Schweiger, Diane Kruger) und starke schauspielerische Leistungen (Brad Pitt, August Diehl, Melanie Laurent und vor allem Michael Fassbender). Natürlich muss ich nicht nochmal erwähnen, dass die Show allerdings glasklar dem charismatischen und aalglatten Christoph Waltz gehört, welcher gleich in vier Sprachen mit Tarantinos Worten meisterhaft jongliert. Eine tolle Inszenierung, eine grandiose Kameraarbeit, ein ansehnliches Set- und Kostümdesign, sowie Tarantino-typische schräge Einfälle, runden dieses geniale Stück Kino souverän ab. Wer jedoch schon mit „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“ nichts anfangen konnte, wird auch mit diesem Film nicht glücklich werden.

     

    Wie habt ihr den Film aufgenommen? Teilt ihr meine Meinung oder seht ihr es anders?


  4. Filmkritik: The Hateful 8

    März 29, 2017 by Philipp Klement

    Ich habe mich noch nie so sehr in Tarantinos Dialogen verloren, wie in der ersten Hälfte dieses Filmes! Gerade der dezente historische und politische Einfluss diesbezüglich hat mir richtig gut gefallen, und ich persönlich war absolut in dem Geflecht der acht Hasserfüllten versunken. Das Ganze wurde wunderbar durch, tarantino-üntypisch, wenige Szenenwechsel unterstützt, gefühlt war jede Faser meines Körpers mit in der Hütte, einfach top. Dass diese Dialoge für manche als Schwäche angekreidet werden, kann ich nur auf falsche Erwartungen schieben, denn für mich war genau das das Herzstück des Films. Schauspielerisch fand ich allesamt passabel bis gut, am meisten haben mich Kurt Russel und Jennifer Jason Leigh in Kombination überzeugt, eine herrliche Chemie. Das einzige Haar in der Suppe ist für mich das letzte Viertel bis Drittel. An einem Punkt wo Tarantino allerhöchste Katz-und-Maus- sowie Whodunnit-Feuerwerke hätte abbrennen lassen können, entscheidet er sich für einen recht plumpen Showdown, der völlig im Kontrast zur vorher aufgebauten Stimmung und Spannung steht. hätte er sich hier für einen subtileren und krimimäßigeren Weg entschieden, hätte dieser film vielleicht meine Lieblingstarantinos hinter sich gelasssen. Ich kann nicht oft genug betonen wie schade ich es finde, dass er dieses potentielle Krimimeisterwerk so plump hat enden lassen. SPOILER: Bis zu der Szene bevor Samuel Lee Jackson den Mexikaner wegpustet war der Film ne glatte Eins. Zum Soundtrack von Morricone muss ich wohl nicht mehr viel sagen, der wird ja größtenteils selbst von den Leuten gelobt, die den Film nicht mochten.

    Wie seht ihr das? Hat euch der Film samt Ende gefallen, oder war er für euch eine totale Gurke?