„Dieses Buch ist entstanden aus einem inneren Dialog, aus zwei persönlichen Anliegen. Mögen wir als Deutsche, als neue und als alte Deutsche, den Nationalsozialismus dicht bei uns behalten, mit Sensibilität und mit Fürsorglichkeit gegenüber den Opfern. Und mögen wir als Europäer:innen ein weißes Geschichtsdenken überwinden und uns der Auswirkungen kolonialer Gewalt bewusst sein.“ Charlotte Wiedemann: Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis (2022)

Mit ihrer Wettbewerbsidee Erinnerung in Komplexität hat die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Ausschreibung Eine Uni – ein Buch 2023 des Stifterverbands und der Klaus Tschira Stiftung gewonnen. Ausgewählt wurde das Buch Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis (2022) von Charlotte Wiedemann. Eingereicht wurde die Idee von der Forschungsstelle Massenphänomene der Philosophischen Fakultät II, konkret von Prof. Dr. Natascha Ueckmann (Romanistik) und Dr. Steffen Hendel (Germanistik). Bis zum Frühjahr 2024 fanden dazu Veranstaltungen mit einer Vielzahl hiesiger wie internationaler, universitärer und zivilgesellschaftlicher Partner:innen statt.

AKTUELL Im Oktober 2026 erschien der Band, der den Großteil der Vorträge unserer Ringvorlesung „Weltgedächtnis und Solidarität“ versammelt, aber auch das Thema in vielen neuen Beiträgen vertieft: Erinnern in Komplexität. Zum multidirektionalen Gedächtnis der Welt. Charlotte Wiedemanns Buch Den Schmerz der Anderen begreifen war Ausgangspunkt einer interdisziplinären, ja uni-übergreifenden und internationalen Auseinandersetzung, dem nun ein weiteres, dieses Buch folgt. Mit diesem Buch schließen wir das ursprünglich auf ein Jahr konzipierte Projekt „Eine Uni – ein Buch“ (vorerst) ab, das uns schließlich einige Zeit länger umtrieb. Es ist der Versuch, aus persönlichen wie fachlichen Perspektiven individuelle, lokale und disziplinäre Sphären mit den historischen und globalen Fragen zusammen zu denken. Auf der einen Seite stehen Deutschland, die Stadt Halle, ihre Bewohner:innen und ihre Uni mit ihrer Geschichte, ihren Fachdisziplinen und Persönlichkeiten – und damit dicht verflochten auf der anderen Seite globaler Handel, christliche Mission, Kolonialismus, zwei Weltkriege, Holocaust, Rassismus und Migration. Wie stellen sich angesichts dessen die Fragen nach dem, wessen man sich kollektiv erinnern sollte, welche Erinnerungen um weitere Erinnerungen ergänzt werden müssten, wie ein Zusammenleben und Zusammenerinnern angesichts der Vielzahl kollektiver Erfahrungen, Verluste und Schmerzen aussehen könnte, aussehen sollte? – Erinnern in Komplexität. Zum multidirektionalen Gedächtnis der Welt ist in der POINTE-Reihe des Olms Verlags erschienen und im Open Access allen Interessierten zugänglich. Beitragende: Amatso Obikoli Assemboni mit Gilbert Dotsé Yigbe, Kokou Azamede, Christina Brinkmann, Aleksandar Djurkanović mit Erol Yıldiz, Aqtime Gnouléléng Edjabou mit Annette Müller-Spreitz und Jan Stenzel, Kien Nghi Ha, Massimlawé Harakawa, Steffen Hendel, Stefan Knauß mit Daniel Watermann, Raj Kollmorgen, Christophe Losfeld mit Etienne Schinkel, Tania Mancheno, Imad Mustafa, Thomas Ruhland, Renate Schafberg, Žejana Tunić, Natascha Ueckmann, Charlotte Wiedemann und Olaf Zenker.

Informationen zu allen im Rahmen des Projektes stattgefundenen Veranstaltungen finden Sie im Archiv, hier >

Foto: Uni Halle/Sarah Ludwig