Halt mal die Klappe!
Oder: Wie dreht man eigentlich einen Kurzfilm?
Es begab sich zu der Zeit, als Halle in der Augustsonne zu schmelzen drohte, dass vier wagemutige Studierende der Medien- und Kommunikationswissenschaft sich mit Kamera und Mikrophon ausrüsteten, um ihren ersten Kurzfilm zu drehen. Zugegeben, diese Geschichte beginnt eigentlich nicht im Hochsommer, sondern ein halbes Jahr zuvor im knöcheltiefen Schnee. Denn von der ersten Idee, die wir als Erstis bei einer Tasse Tee diskutierten, bis zum fertig produzierten Film war es ein langer Weg.
Im Grunde waren wir nur vier zusammengewürfelte Erstis, die sich vage sympathisch fanden. Doch schon bald entdeckten wir, wie wir uns mit unseren unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten ergänzten. Wir erarbeiteten das Thema Fremdheit in einem Exposé, das wir unseren Dozenten vorstellten. Dann ging es an die eigentliche Vorbereitung – Drehbuch schreiben, Storyboard zeichnen, Schauspieler finden. Und wie war das nochmal mit der Technikausleihe?
Wir waren sehr dankbar, mit Shourya und Varad nicht nur zwei Schauspieler aus dem gleichen Kulturkreis, sondern auch noch mit einer gemeinsamen Sprache gefunden zu haben. Da wir das Drehbuch bewusst mit Lücken geschrieben hatten, um kulturelle Details – die außerhalb unseres Wissens lagen – ergänzen zu können, trafen wir uns mit ihnen auf eine Pizza. Wir hatten ein grobes Skript, einigermaßen technische Skills und ein motiviertes Team. Was sollte da schon schiefgehen?
Nun ja, weit gefehlt. Am ersten Drehtag machten wir wahrscheinlich die Hälfte aller Fehler, die man beim Drehen gemacht haben muss, um sie danach tunlichst zu vermeiden. Eine grobe Vorstellung davon, was man drehen will, reicht eben nicht aus, wenn man nebenbei noch die Technik zu laufen bringt und das Ganze auch noch den Schauspielern auf Englisch erklärt. Und kein Filmprojekt – und sei es noch so klein – verträgt vier Regisseure. Also ernannten wir eine Person aus dem Team zu Regisseur, die in Absprache mit Ton und Kamera die Ansagen geben und Entscheidungen treffen sollte. Und siehe da: Der zweite Drehtag lief weitaus besser. Besonders stolz waren wir darauf, unsere Actionszene innerhalb einer halben Stunde in den Kasten bekommen zu haben. Hochmotiviert und gestärkt von indischem Essen nahmen wir den dritten Drehtag in Angriff.
Die Abläufe hinter der Kamera hatten sich mittlerweile eingespielt. Kompliziert wurde es nur, als wir alle Schauspieler benötigt wurden und niemand mehr den Kamera- und Tonmenschen mehr zur Hand gehen konnte. Und langsam machte sich auch Müdigkeit im Team breit – gerade dann, als wir die Abschlussszene drehten, die die meiste Koordination und Konzentration erforderte. (Immerhin könne wir sagen, dass auch Casablanca chronologisch gedreht wurde.) An dieser Stelle sei jedoch das Engagement unserer Kamerafrau erwähnt, die zwecks einer Kamerafahrt das Stativ auf ein Skateboard wuchtete. Und schließlich war auch diese Szene im Kasten.
Erschöpft, aber ebenso euphorisch ließen wir den Drehtag bei indischen Süßigkeiten und Chai ausklingen, der wegen der Hafermilch völlig unauthentisch war. Prost!
Und wenn Du jetzt neugierig geworden bist, dann schau doch direkt in unseren Kurzfilm rein!





