Die Unterrichtseinheit mit dem dazugehörigen Medienprodukt „Picturegram“ ist für die Klassenstufe 8 an Gymnasien konzipiert und soll 90 Minuten dauern.
Die Lernenden sollen verstehen, wie Algorithmen in Sozialen Medien funktionieren und wie sie diese durch ihre eigenen Interaktionen beeinflussen. Außerdem sollen die Schüler*innen ihr eigenes Verhalten reflektieren und verstehen welche Gefahren beispielsweise Filterblasen aufweisen. Schlussendlich sollen sie Möglichkeiten nennen können, wie sie sich z.B. durch Nutzungseinstellungen und kritische Auseinandersetzung vor solchen Meinungsblasen und Desinformationen schützen können.
Die jeweilige Lehrperson könnte über eine zusätzliche Vertiefungsstunde nachdenken, in der beispielsweise konkrete Profileinstellungen bezüglich privater Konten, personalisierter Werbung, thematischer Präferenzen oder Bildschirmzeitlimits besprochen und deren Vorteile für einen reflektierten Umgang mit sozialen Medien aufgezeigt werden.
Einführung/ Erarbeitung
Die Unterrichtseinheit beginnt mit einer kurzen Denkphase. Die Schüler*innen sollen zunächst darüber nachdenken, welche Themen und Inhalte ihnen derzeit besonders häufig in sozialen Medien angezeigt werden. Anschließend tauschen sie sich mit ihrem/ihrer Sitznachbar*in darüber aus. Bereits in dieser Phase könnte den Lernenden auffallen, dass ihnen teilweise ähnliche, teilweise aber auch sehr unterschiedliche Beiträge angezeigt werden.
Diese Beobachtungen werden anschließend im Plenum zusammengetragen. Dabei sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Feeds herausgearbeitet werden. Auf diese Weise werden die Lernenden bereits zu Beginn auf die Frage hingewiesen, warum unterschiedliche Personen unterschiedliche Inhalte auf denselben Plattformen sehen.
Darauf folgt die Einführung in das Thema „Algorithmen“. Hierfür wird das Video „Algorithmus: So werden Inhalte auf Social Media für dich ausgesucht“ des NDR eingesetzt, das über die ARD-Mediathek frei zugänglich ist. Zur Erarbeitung der Inhalte wurde ein begleitendes Arbeitsblatt entwickelt.
Vor dem ersten Ansehen des Videos beantworten die Schüler*innen zunächst zwei Einstiegsfragen durch Ankreuzen. Die Ergebnisse werden anschließend kurz verglichen, da insbesondere die zweite Frage („Sehen alle Menschen auf Social Media die gleichen Beiträge?“) Hinweise auf die Vorkenntnisse der Lernenden liefert.
Anschließend wird das Video angesehen. Um den Lernenden ausreichend Zeit zur Bearbeitung des Arbeitsblatts zu geben, kann das Video natürlich zwei Mal angesehen werden. Danach werden die Antworten im Plenum gemeinsam besprochen und gesichert. Gleichzeitig erhalten die Schüler*innen die Möglichkeit, offene Fragen zu stellen oder erste Überlegungen einzubringen, die gemeinsam mit der Lehrkraft oder den Mitschüler*innen diskutiert werden können.
Anwendung/ Medienprodukt „Picturegram“
Mithilfe eines digitalen Endgeräts oder innerhalb eines PC-Raums können die Lernenden über einen Link auf das Medienprodukt zugreifen. Wichtig ist dabei, dass alle Schüler*innen das Szenario eigenständig durchlaufen, damit jede Person ihre eigenen Erfahrungen sammeln und individuelle Entscheidungen treffen kann. Idealerweise öffnen alle Lernenden das Medienprodukt gleichzeitig. Nach dem Lesen des Einführungstextes sollte dann noch die Möglichkeit eröffnet werden, noch offene Fragen zu klären. Anschließend bearbeiten die Schüler*innen das Branching Scenario in Stillarbeit und treffen eigenständig ihre Entscheidungen bezüglich der Beiträge.
Nachdem alle Lernenden das Szenario abgeschlossen haben, sollte zunächst ein Austausch mit einem/einer Partner*in und/oder in Kleingruppen erfolgen. Auf diese Weise können die Schüler*innen bereits reflektieren, wie sie zu ihrem persönlichen Ergebnis gelangt sind und welche Entscheidungen andere getroffen haben. Gleichzeitig erhalten sie die Möglichkeit zu erfahren, welche unterschiedlichen Endszenarien innerhalb der Lerngruppe erreicht wurden.
Abschließend werden die Ergebnisse im Plenum gesammelt und gemeinsam besprochen. Dabei können sowohl die verschiedenen Feedverläufe als auch die Ursachen für die jeweiligen Ergebnisse genannt werden. Optional könnte zusätzlich ausgezählt werden, wie häufig die einzelnen Endszenarien erreicht wurden. Dies sollte jedoch nur erfolgen, wenn sich alle Schüler*innen mit einer solchen Auswertung wohlfühlen.
Vertiefung
Im letzten Teil der Unterrichtssequenz sollte nochmals vertiefend auf die technischen Grundlagen eingegangen werden. Hierfür bietet es sich an, dass die Lehrperson eine Course Presentation vorbereitet, in der die Begriffe „Algorithmus“, „Filterblase“ und zusätzlich „Echokammer“ definiert und anhand konkreter Beispiele erläutert werden. Zur Sicherung dieser Inhalte könnte zusätzlich ein Tafelbild erstellt werden, das von den Schüler*innen in den Hefter übernommen wird.
Anschließend folgt eine Gruppenarbeitsphase, in der die Lernenden mithilfe der Placemat-Methode Maßnahmen für einen bewussten, reflektierten und sicheren Umgang mit sozialen Medien sammeln sollen. Mögliche Aspekte wären beispielsweise Profileinstellungen, ein bewusstes Liken oder Ignorieren von Beiträgen, Einstellungen zur personalisierten Werbung, die Recherche außerhalb sozialer Medien und/oder der Austausch mit anderen Personen. Die Ergebnisse der Gruppenarbeit werden anschließend im Plenum verglichen und gesichert. Möglich wäre beispielsweise die Erstellung einer Mindmap, in der die verschiedenen Vorschläge festgehalten werden.
Wie bereits erwähnt, könnte diese Phase auch in einer weiteren Unterrichtseinheit vertieft werden. Dabei wäre eine Verknüpfung mit Themen wie Desinformation, Fake News oder dem wissenschaftlichen Recherchieren im Internet möglich.
Das nachfolgende Handout fasst die zentralen Aspekte der Unterrichtssequenz noch einmal übersichtlich zusammen. Neben den Lernzielen und Kompetenzen enthält es noch einmal die Informationen zum Ablauf der Unterrichtseinheit und zum Einsatz des Medienprodukts „Picturegram“. Das Handout war ursprünglich als Teil der Studienleistung zur weiteren Planung des Projekts konzipiert, wurde final aber noch einmal an das Endprodukt angepasst.
Generell stellt die hier vorgestellte Unterrichtssequenz lediglich einen Vorschlag für die Einbettung des Medienprodukt dar. Je Bedarf kann die Planung aber selbstverständlich angepasst werden.