Diplomatie

Diplomatie

„To speak well to someone about something that really matters to that person.“

(Latour 2013: 46)

Diplomatie charakterisiert in Latours Konzept eine gemeinsame Interpretation von Erfahrungen, durch die Thematisierung des Ethnologen von gezogenen Schlüssen gegenüber seiner Informanten. Diese Methodik soll den von ihm proklamierten „Pluralism in representations, monism of being“ (Latour 2013:20) der Modernen überwinden und die Lücke zwischen Theorie und Praxis oder auch Erfahrung und Wiedergabe der Erfahrung schließen, um auf Alternativen sowohl im Gesagten, als auch im Getanen aufmerksam zu machen und so gemeinsam neue Darstellungsweisen zu etablieren. Dabei sollen besonders Grundstrukturierungen der Modernen in domains und die dazu gehörende Methode des double click dekonstruiert werden und durch modes of existence und beispielsweise Referenz [REF] und Reproduktion [REP] innerhalb von Netzwerken [NET], die komplexere Beschreibung einer Pluralität ermöglichen.

Ein Diplomat sollte in der Lage sein, die Werte der Modernen zu identifizieren und einen Aushandlungsprozess zwischen Ethnologe und Informant anstoßen. Diese Diplomatie beinhaltet die Rücksicht und die gleichzeitige Provokation einer Reaktion auf das vom Ethnologen Gesagte (Rückfragen; explizit gemachte Interpretationen; Vorschläge von Alternativen). Die Interpretationen beziehen sich dabei häufig auf die Frage nach der Art und Weise wie Referenzketten mit Realität angefüllt werden.

Die Diplomatie stellt sich somit auch als eine Fähigkeit der Artikulation dar, welche Äußerungen und unterschiedliche Modi vergleichbar macht. Diese Kapazität des Sprechers führt zu einer Diversität, wobei Realität und Pluralität sich nicht mehr als Gegensatzpaare gegenüberstehen (Auflösung der domains, der Ding-Zeichen/Subjekt-Objekt Dichotomien). Die Untersuchung muss sich selbst erfahren. Das bedeutet, dass verschiedene Tests dabei helfen, Bedingungen unterschiedlicher Metasprachen zu spezifizieren und Werte zu definieren, die der jeweiligen Metasprache zugehörig sind.

Latour, Bruno 2013. An Inquiry Into Modes Of Existence. An Anthropology of the Moderns. Cambridge, London: Harvard University Press.

Verfasserin: Juliane Breitfeld (juliane.breitfeld[at]student.uni-halle.de)

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