Das Panorama-Museum Bad Frankenhausen – Wenn Kunst der Ideologie dienen soll

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Dieser Beitrag widmet sich einem kleinen Museum im schönen Thüringen, namentlich das Panoramamuseum Bad Frankenhausen, unter eingeweihten auch als „Elefantenklo“ bekannt. Dieses 1989 eröffnete Museum liegt oberhalb der Stadt Bad Frankenhausen und die Besucher erwartet hier das größte Monumental-Rundgemälde Deutschlands. Werner Tübkes Monumentalbild „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ (1983-87, 14 x 123 m, Öl auf Leinwand), entstanden zwischen 1976 und 1987, gehört zu den spektakulärsten und umstrittensten Projekten jüngerer Kunstgeschichte. Umstritten deshalb, weil der offizielle Auftraggeber des Gemäldes das Kulturministerium der DDR war. Der Künstler befasst sich darin mit dem Deutschen Bauernkrieg. der durch das Gemälde ideologisch in Beschlag genommen werden sollte. Die Entstehung an dieser Stelle verdankt es im Übrigen der Tatsache, dass hier am 15. Mai 1525 die entscheidende Schlacht eben jenes Krieges stattfand Man muss sich das Ganze noch einmal vor Augen führen: Dieses Museum wurde eigens für ein einziges Gemälde errichtet. Nach der Wende wurde das Konzept des Museums um ähnliche Kunstwerke und den Themenschwerpunkt des Gesamtwerks des Künstlers Tübke erweitert.

Die Internetseite des Museums ist, anders als das LeMO, nicht originär für den Internetauftritt konzipiert wurden, sondern ist ein klassisches, physisches Museum. Doch ist die Website keinesfalls eine reine Ergänzung zur Ausstellung im Museum mit ein paar wenigen Informationen, sondern ermöglicht einen Rundgang auch am heimischen PC oder anderen Endgeräten. Daneben gibt es auch einen eigens dafür eingerichteten museumspädagogischen Bereich, der gerade für Lehrkräfte interessant sein könnte. Aber dazu später mehr. Fangen wir ganz vorne an.

Insgesamt gibt es sechs Bereiche, die nach einander betrachtet werden sollen. Zu Beginn finden wir den Bereich „Panorama Museum“, der zunächst einige wechselnde Bilder als Ersteindruck zum Museum bereit hält sowie einige Einstiegs- wie auch aktuelle Informationen. Letztere umfassen vor allem Ausführungen zu aktuellen Veranstaltungen und Ausstellungen, sind dabei jedoch aufgrund von Corona momentan wenig gefüllt. An der rechten Seite findet der Besucher zudem die Adresse, den Kontakt, einen bestellbaren Newsletter sowie die Schirmherren des Museums. Außerdem ist die Facebookseite verlinkt. Oben kommen wir zudem noch zum Impressum, zum Kontaktformular sowie zu Sitemap, die noch einmal für alle Bereiche die Unterkategorien bereithält.

Gehen wir nun weiter zu den vorhandenen Unterbereichen, die man auch erreicht, wenn man in der oberen Leiste über den Bereich fährt, so kommen wir im ersten Abschnitte zuerst zur Willkommensseite, die wieder Außenbilder vom Museum selbst wie auch einen kleinen Einführungstext bereithält. Im nächsten Unterbereich finden wir dann auch gleich den virtuellen Rundgang durch das Museum, der jedoch, so die Seite selber, einen tatsächlichen Rundgang durch das Panoramamuseum nicht ersetzen kann. Daran knüpft im nächsten Abschnitt eine Informationsseite zu den Ausstellungen an, die sich wie folgt gliedert: wir finden zunächst einen Text, der die Geschichte der Sammlung darlegt. Anschließend werden ausgewählte Werke Werner Tübkes vorgestellt, woran sich eine kleine Präsentation der Statuen des Außenbereichs anschließt. Die Vorstellungen der Werke des Künstlers lassen sich jeweils einklappen. Im Weiteren stellt das Museum im Unterbereich „Konzept“ den zugrundeliegenden Plan der Ausstellung vor. Der Abschnitt Veranstaltungen kann vernachlässigt werden, da hier aufgrund der aktuellen Situation keine zu finden sind. Team und Träger des Museums werden in den beiden letzten Abschnitten vorgestellt.

Damit wäre der erste große Bereich des Internetauftritts abgearbeitet. Widmen wir uns nun dem nächsten, den „Besucherinformationen“. Klicken wir diese an, so finden wir zunächst allgemeine Bestimmungen, was und was nicht im Museum erlaubt ist. Der erste Unterbereich hält aktuelle Informationen zu den Corona-Maßnahmen ,und wie sich diese auf den Museumsbetrieb auswirken, bereit. In den darauf folgenden Abschnitten finden wir detaillierte Informationen zur Adresse, Öffnungszeiten und den Preisen. Danach knüpfen Ausführungen zu den unterschiedlichen Führungen an (Audioguide und öffentliche Führung). Letztere finden momentan nicht statt. Die Serviceleistungen umfassen drei Unterpunkte (Museumsshop, Barrierefreier Besuch, Hundeboxen) die selber noch einmal detailliert ausgeführt sind. Daneben finden wir noch Informationen zum Museumscafé, welche aber für den Internetauftritt wichtig sind. In den letzten beiden Punkten findet der Besucher oder die Besucherin der Seite noch Informationen zu anderen Ausflugszielen und Unterkünften.

https://www.youtube.com/watch?v=Nuyq7pc5rns&pbjreload=101

Im nächsten großen Bereich, dem „Monumentalbild“ finden wir zunächst klassische Informationen zur Entstehung und zum Künstler. Daneben gibt es, so zumindest der Eindruck, im Museum ein Kinderquiz, welches zu Hause am genutzten Endgerät aufgelöst werden kann. Am interessantesten ist hier aber die Bildsaaltour. Hier wurde das Monumentalgemälde aufgearbeitet, sodass per Video das ganze Gemälde betrachtet werden kann. Dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten. Zum einen kann das Bild klassisch als Video betrachtet werden, welches jederzeit unterbrochen werden kann. Aber man kann auch „manuell“ durch das Bild klicken. Hier ist es möglich, die Betrachtung nach oben oder nach unten zu schieben, nach links oder rechts weiterzuswipen oder auch in das Bild hinein- oder herauszuzoomen. Hier ist wohl das Kernstück des Onlineauftritts.

Im Weiteren finden wir Informationen zu den Ausstellungen, zu den permanenten wie auch Wanderausstellungen. Dabei gibt es nur Informationen zu den Ausstellungen, sie wirklich durchschauen vom heimischen Endgerät aus geht nicht. Daneben finden sich auch Informationen zu kommenden und schon gewesenen Veranstaltungen in der Vorschau beziehungsweise im Archiv. Diese werden durch kleine Texte vorgestellt und durch ausgewählte Bilder zusätzlich visuell untermauert. Sonst ist hier nicht viel zu finden.

Und damit sind wir quasi am Ende des Internetauftritts des Panoramamuseums Bad Frankenhausen. Ein Bereich ist jedoch grade für Lehrkräfte interessant: die Museumspädagogik. Hier finden diese zunächst allgemeine, einführende Informationen zur Museumspädagogik, die im Panoramamuseum praktiziert wird, bevor es im Punkt „Spezialveranstaltungen“ interessant wird. Hier werden die pädagogischen Angebote nach den Themenbereichen Kunst und Geschichte aufgeschlüsselt. Für uns ist vor allem die Geschichte wichtig, deswegen konzentriere ich mich darauf. Klickt man auf diesen Bereich, wird man auf eine Seite geleitet, die zunächst noch einmal einen kleinen Einführungstext bereithält. Dann werden Themen (gerade „nur“ ein Thema) aufgelistet, die im Museum durch verschiedene Veranstaltungen bearbeitet werden und Schnittpunkte mit dem Geschichtsunterricht bereithalten. Anschließend gibt es darunter ein von den Veranstaltungen unabhängiges Arbeitsblatt zum Museum mit entsprechenden Lösungsvorschlägen zum Download. Ganz zum Schluss der Seite finden wir unter der Zwischenüberschrift „Geschichte“ Vorschläge versammelt, wie und unter welchen Themenschwerpunkten Unterricht im Museum stattfinden kann. Wenn man auf die einzelnen Vorschläge klickt, wird man auf eine separate Seite weitergeleitet, auf der das Ganze mit Aufgabenvorschlägen, detaillierten Ausführungen und weiterführenden Ideen aufgedröselt ist. Bei einigen sind auch Anforderungen aufgelistet, die die SchülerInnen erfüllen müssen. Klassenstufenempfehlungen sowie etwaige zu downloadende Arbeitsblätter sind ebenfalls zu finden. Diese „Unterrichtsentwürfe“ sind auch an der rechten Seite zu finden, wenn man zur Überblicksseite „Geschichte“ geht.

Nun haben wir aber alle wichtigen Bereiche des Internetauftritts abgearbeitet. Den letzten Größeren bildet nur noch der Museumsshop, durch den man sich auch ganz bequem von zu Hause aus Stücke des Museums (natürlich aus dem Shop, nicht aus der Sammlung) bestellen kann. Und auf fast allen Unterseiten ist rechterhand der sogenannte Kontext (Träger des Museums, Facbook-Seite), der Kontakt und aktuelle Veranstaltungen, wenn es denn wieder welche gibt, zu finden. Soweit dazu ganz kurz.

Viel wichtiger ist aber die Bewertung des Ganzen in Hinblick auf das Gelingen des Internetauftritts sowie den Nutzen. Daneben scheint es für eventuelle Lehramtsstudierende unter den LeserInnen dieses Artikels auch interessant zu sein, inwieweit das didaktisch-pädagogische Angebot nützlich ist. Dazu am Ende noch ein paar Worte. Starten wir zunächst mit dem Internetauftritt allgemein. Dieser ist solide gestaltet, man findet sich gut zurecht, die Strukturierung ist einleuchtend, die Bedienung eingängig und einfach gehalten. Es finden sich alle relevanten Informationen, gerade für die Vorbereitung eines Besuchs im Museum ist die Seite wirklich hilfreich.

Möchte man nur das Panoramabild betrachten, eignet sich der Internetauftritt ebenfalls. Durch die 360-Grad-Betrachtungsmöglichkeit kann da Bild eingehend betrachtet werden, Details werden durch das reinzoomen sichtbar. Hier hat sich die Seite sehr gut aufgestellt, um den Kern des Museums in den Fokus zu rücken. Auch für den Unterricht bietet sich hier durchaus eine Möglichkeit, intensiv mit der bildlichen Darstellung des Bauernkriegs zu arbeiten.

Doch merkt man der Seite an, dass sie nicht explizit für einen Internetauftritt konzipiert wurde, sondern eher als Ergänzung zum physischen Museum. Es finden sich vor allem Einstiegsinformationen, um die Ausstellungen und das Kunstwerk schmackhaft zu machen, sowie museumsspezifische Informationen, wie Eintrittspreise und Öffnungszeiten. Will man nur das Bild betrachten, so reicht die Internetseite durchaus aus, da man das Werk in seiner Detailfülle betrachten kann. Der virtuelle Rundgang, wenn er den mal funktioniert, tritt hier ergänzend hinzu. Während meiner Betrachtungszeit der Seite funktionierte dieser nicht, auch nicht mit der Installierung des Flashplayers. Ansonsten haben wir hier eine klassischen Internetauftritt für ein physisches Museum, welches mit seiner digitalen Präsenz Kunden informieren und anlocken will, nicht aber seinen ganzen Schatz ins Internet übertragen.

Kurz noch etwas zum didaktischen Angebot. Zunächst ist es immer lobenswert, wenn Museen so etwas anbieten, da die Lehrkraft so unterstützt wird und der Hürde zur richtigen pädagogischen Arbeit mit den Museen etwas kleiner wird, sodass diese nicht mehr nur zu Lückenfüllern am Ende eines Schuljahres werden. Das Panoramamuseum geht hier einen ersten wichtigen Schritt, wenn auch nicht mehr. Es wird versucht, die didaktischen Angebote mit dem Museum zu verknüpfen. Dabei ist das Angebot jedoch recht gering und die Aufgaben recht einfach gestrickt und nicht unbedingt an aktuelle wissenschaftliche Standards angepasst. Will eine Lehrkraft jedoch nur mit dem Bild arbeiten, ist er hier gut aufgehoben.

Der historische Abschnitt, der auf der Seite behandelt wird, wird nicht von einem namentlich genannten Kurator interpretiert, viel mehr wird versucht, die Fakten zu nennen und mehr nicht. Quasi wie eine Chronik. Interessant ist, dass auf den ideologischen Aspekt des Gemäldes kaum Bezug genommen wird. Stattdessen wird diese Diskussion mit ein, zwei Sätzen unterbunden, wenn es da heißt: „Statt eines Bildes, das die Geschichte der ‚frühbürgerlichen Revolution in Deutschland‘ illustriert und die Besucherinnen und Besucher im Sinne des Staates erzieht, will er den Fokus auf die Malerei legen. Damit tritt die Ursprungskonzeption in den Hintergrund; Tübke entwirft ein Bild, das sich der Festlegung auf eine einzige Aussage entzieht.“ Und im letzten Satz zur Entstehung des Gemäldes wird implizit einfach so getan, als ob dieses die DDR ideologisch und physisch überlebt hat. Letzteres hat es auch fraglos, ob ersteres der Fall ist, wurde und wird bis heute diskutiert.

Mit der ideologischen Vergangenheit des Monumentalbildes muss sich jedoch auseinandergesetzt werden, auch auf der Internetseite. Es darf nicht mit ein, zwei Sätzen abgetan werden, in denen gesagt wird, dass der Künstler sich dieser ideologischen Vereinnahmung entzogen hat. Nur, weil der Künstler seinem Bild keine Ideologie „eingemalt“ hat, ist dieses nicht automatisch vor Vereinnahmung gefeit. Noch heute thront ja das Museum an sich und das Bild darin auf dem Schlachtberg als Wahrzeichen der DDR, welches sich dieses Prestigeprojekt „gegönnt“ hat, obwohl ihr Misswirtschaft schon zur Entstehungszeit ernsthafte Folgen für Bevölkerung hatte.

Somit wäre es auch eine Aufgabe des Museums, das Monumentalbild in den größeren Kontext der DDR-Geschichte einzuordnen. Stattdessen wird sich aber mehr oder weniger nur auf den Künstler und das Werk an sich konzentriert. Meiner Meinung darf dies jedoch gerade bei diesem Bild, bei dem ja das Kulturministerium der DDR der Auftraggeber war, nicht übergangen werden. Jede/r BesucherIn und jede Lehrkraft, die den Besuch des Museums oder den Einsatz des Monumentalbildes im Unterricht planen, müssen sich über diesen Fakt im Klaren sein und den Kontext selber mitliefern. Hier herrscht dringender Nachholbedarf. Wichtig wäre zudem noch klar herauszustellen, wer für die Texte auf der Internetseite verantwortlich ist. Es werden zwar alle Mitarbeiter aufgelistet, doch bei den Texten steht keine explizite Person. So bleibt Kritik, aber auch Lob wage und richtet sich an das Museum im Allgemeinen.

Alles in allem ist die Seite etwas für Menschen, die nur das Gemälde des Bauernkrieges sehen oder die sich zunächst über die Angebote des Museums informieren möchten. Lehrkräfte können sich hier erste Ideen holen, sollten das didaktische Angebot jedoch kritisch hinterfragen und reflektieren. Besucher mit einem Mobiltelefon finden zudem ein angepasstes Design vor, welches die Bedienung erleichtert.

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Hier geht’s zum Museum: https://www.panorama-museum.de/de/

Und auch wenn’s Wikipedia ist, gibt’s hier eine gute Einführung zur Entstehung des Museums mit weiterführenden Materialien: https://de.wikipedia.org/wiki/Bauernkriegspanorama

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