Klang und Identität

25. Mai 2015
von Anna Schwenke
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Eine feste Burg ist unser Gott“. Kirchenmusik und Identität in der Äußeren Mission um 1900

Karolin Wet­jen

Wie wichtig Klang und Musik für Aushand­lung­sprozesse von Iden­tität sind, kann nicht nur anhand aktueller Beispiele ver­fol­gt wer­den, son­dern lässt sich auch als his­torisches Phänomen beschreiben. An Nation­al­hym­nen oder Volk­sliedern ist dieses sich­er beson­ders eingängig, es spielt aber auch an weniger promi­nen­ter Stelle eine wichtige Rolle, beispiel­sweise bei Kirchen­liedern. Die Musik und der Klang von Kirchen­liedern, wie das spätestens im Ersten Weltkrieg bel­lizis­tisch aufge­ladene „Eine feste Burg ist unser Gott“ oder der soge­nan­nte Choral von Leuthen „Nun dan­ket alle Gott“, kön­nen nationale und/oder kon­fes­sionelle Iden­tität ver­mit­teln und stiften[1].
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11. Mai 2015
von Grit Bohme
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Klassik im Popformat

Anna Cher­nomordik

Eine türk­ishaarige, fern der men­schlichen Pro­por­tio­nen ani­mierte Gestalt singt alleine eine dreis­tim­mige Bachfuge. Das ist eine der absur­desten Aus­prä­gun­gen klas­sis­ch­er Musik auf YouTube und ein Pro­dukt der japanis­chen Fir­ma „Cryp­ton Media Future“, die die Musik-Soft­ware „Vocaloid“ vertreibt. Die beliebteste Stim­me­in­stel­lung der Soft­ware ist das Maskottchen namens „Hat­sune Miku“ und eine Art Quin­tes­senz japanis­ch­er Pop­kul­tur. Es sollte ursprünglich Pop­songs sin­gen, aber Bach kann es auch, sog­ar mit Triller und Ritar­dan­do. Klas­sik im Pop-Gewand, oder Pop im Klas­sik-Gewand, ein biss­chen wie Coca-Cola mit Grün­teegeschmack (gibt es!) — ziem­lich schräg, aber irgend­wie ganz inter­es­sant. Kann man mit dieser „pop­ulären“ Mis­chung auch klas­sis­che Musik verkaufen?
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27. April 2015
von Luise Gebauer
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Sänger und Musiker im Alten Orient – Gesellschaftliche Anerkennung oder brotlose Kunst?

Albert Dietz

Wenn man vom „Alten Ori­ent“ spricht, kön­nte man meinen, es han­dele sich um eine geografisch-kul­turelle Ein­heit. Doch tat­säch­lich prä­gen zahlre­iche Stile und Vor­lieben aus über 10.000 Jahren und etlichen Regio­nen und Reichen die Hin­ter­lassen­schaften des Alten Ori­ents. Hierzu zählt auch, neben zahlre­ichen anderen geistes- und kul­turgeschichtlichen Errun­gen­schaften des Vorderen Ori­ents, die Musik. Doch lassen sich hierin heute noch Iden­tität­saspek­te eines alto­ri­en­tal­is­chen Volkes aus­machen? Und unter welchen Umstän­den arbeit­eten Musik­er vor 4000 Jahren? Hier­für soll im fol­gen­den Blog­beitrag ein klein­er Ein­blick in die Welt des Alten Ori­ents gewährt wer­den.

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13. April 2015
von Clara Luise Finke
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Vom Klang der Wiener Moderne – Einblicke in die Klangästhetik Franz Schrekers (1912–1920)

Daniel Tiemey­er

Franz Schrek­er gehörte zu den ein­flussre­ich­sten Kom­pon­is­ten sein­er Gen­er­a­tion[1]. Bere­its mit sein­er ersten Oper, Der ferne Klang, die 1912 in Frank­furt uraufge­führt wurde, kon­nte er sen­sa­tionelle Erfolge für sich und sein Werk ver­buchen. Schrek­er hat mit sein­er Musik gewis­ser­maßen den Nerv sein­er Zeit getrof­fen – in ein­er Rezen­sion heißt es beispiel­sweise, „solche Klänge liegen in der Luft“[2] – und ist zu einem der bedeu­tend­sten Vertreter der Musik der Wiener Mod­erne avanciert. In diesem Blog­beitrag möchte ich den Fokus auf Schrek­ers klangäs­thetis­che Konzep­tion und deren kom­pos­i­torische Umset­zung leg­en. Begleit­et wird der Text von zwei Musik­beispie­len, die allerd­ing nur eine Ahnung von der Fasz­i­na­tion und Sinnlichkeit des Schreker’schen Klanges geben kön­nen.

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30. März 2015
von Anna Schwenke
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Was ich nicht bin, oder: was unsere musikalischen Disferenzen über uns aussagen

Taren Ack­er­mann

Wenn mein Kind später Hip Hop hört, kommt es ins Heim!” Solche und ähn­liche Phrasen fungieren oft als Titel für Grup­pen in sozialen Net­zw­erken – so auch im deutschen sozialen Net­zw­erk Stu­di­VZ, in dem sich diese spez­i­fis­che Gruppe zwis­chen 2007 und 2010 viel­er Mit­glieder erfreute[1]. Die Zuge­hörigkeit zu ein­er Gruppe wie dieser diente jedoch weniger dem inhaltlichen Aus­tausch der Mit­glieder untere­inan­der, als vielmehr dem Aus­druck der eige­nen Mei­n­ung und Per­sön­lichkeit. Die Mit­glied­schaft diente daher vor allem der Selb­st­darstel­lung – über die oft­mals witzig oder pro­vokant for­mulierten Grup­pen­ti­tel kon­nten indi­vidu­elle Vor­lieben, Inter­essen, Werte und Überzeu­gun­gen mit­geteilt wer­den. Zwar erfährt man in unserem Beispiel nichts über die genauen Musikpräferen­zen des Grup­pen­mit­glieds, doch wird deut­lich, dass, egal welche Musik der- oder diejenige hört, zumin­d­est Hip Hop mit tief­ster Überzeu­gung abgelehnt wird (und dies so sehr, dass das eigene Kind aus dem Haus ver­wiesen wer­den würde, wenn es solche Musik präferieren würde). Zusät­zlich sig­nal­isieren solche Grup­pen zugle­ich, dass der Einzelne mit sein­er Mei­n­ung nicht allein daste­ht, son­dern von mehreren Gle­ich­gesin­nten umgeben ist. Weit­er­lesen →

16. März 2015
von Grit Bohme
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DIAPOSITIVA

Aron Lesnik

DIAPOSITIVA hat die Kon­struk­tion sozialer Real­ität zum The­ma. Die Per­for­mance ist ein direk­tes Resul­tat mein­er Auseinan­der­set­z­tung mit Tex­ten von Judith But­ler und John L. Austin. Sie wurde erst­mals am 19.03.2014 in der Uni­ver­sität der Kün­ste Berlin gezeigt.
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2. März 2015
von Clara Luise Finke
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Widerhall und neue Töne

Mor­gens halb acht. Die Weck­funk­tion des Handys klin­gelt. Noch mit geschlosse­nen Augen hört man die Vögel in den Allee­bäu­men zwitsch­ern, dazu eilige Schritte auf Stöck­elschuhen. Ein Mül­lau­to rumpelt über das Kopf­steinpflaster, die Straßen­bahn qui­etscht um die Kurve. Kurz darauf drin­gen Lachen und Rufe von Kindern durchs Fen­ster, die zur nahegele­ge­nen Schule gehen. Wenige Minuten später begrüßt mich die Stimme des Morn­ing­show-Mod­er­a­tors aus dem Küchen­ra­dio, während daneben die Kaf­feemas­chine blub­bert…

Wir sind täglich umgeben von ein­er Welt aus Klän­gen und Geräuschen, natür­lichen und kün­stlich erzeugten. Diese Klang­land­schaften (auch Sound­scapes genan­nt)[1] sind indi­vidu­ell und kul­turge­bun­den – in einem anderen Vier­tel, in ein­er anderen Stadt, auf dem Land, in anderen Län­dern und Kul­turen würde das Erwachen am Mor­gen ganz anders klin­gen und, je nach Hör­bi­ografie, auch anders wahrgenom­men wer­den.[2] Viele Klänge und Geräusche, aus denen sich unsere ver­traut­en Klang­land­schaften zusam­menset­zen, entste­hen dabei nicht „ein­fach so“. Sie wer­den in den ver­schieden­sten Bere­ichen bewusst genutzt, strate­gisch mod­i­fiziert und einge­set­zt – unter anderem, um Iden­ti­fika­tion­sprozesse zu gestal­ten. Weit­er­lesen →

2. März 2015
von Clara Luise Finke
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Überblick über das Tagungsprogramm

Vom 7. bis 9. Novem­ber 2014 haben sich Nach­wuch­swis­senschaft­lerIn­nen zur inter­diszi­plinären Stipen­di­a­tenta­gung „Klang und Iden­tität“ im Jugend- und Sportho­tel Euroville in Naum­burg getrof­fen. Die Tagung wurde in der Rei­he „Stipen­di­at­en machen Pro­gramm“ der Stu­di­en­s­tiftung des deutschen Volkes organ­isiert. Das Tagung­spro­gramm war inhaltlich sehr divers und im wahrsten Sinne des Wortes über­aus klangvoll.

Als Keynote-Vor­tra­gende kon­nten wir gewin­nen: Dr. Hein Scho­er („The Sound­ing Muse­um: Akustis­che Kom­mu­nika­tion & transspez­i­fis­che Sound­scapes“), Dr. Cor­nelius Ringe („Fünf Gründe, warum Ihre Marke kein Audio Brand­ing benötigt“), Chris­tiane Hampe („REGIOCAST Radioser­vices | Nachricht­en – oder wie pro­duziert man für über 20 Radiosender deutsch­landweit mod­erne Nachricht­en, kun­denin­di­vidu­ell in Ansprache, Ver­pack­ung und Inhalt?“) und M.A. Clau­dia Kut­tner („Musik und Iden­tität im Fokus medi­en­päd­a­gogis­ch­er Forschung“).

Die Teil­nehmenden – Studierende und Pro­movierende ver­schieden­er Fach­bere­iche – präsen­tierten unter­schiedliche Vorträge in fünf Vor­trags­blöck­en mit den Titeln „Atmo­sphäre“, „Wahrnehmung“, „Kom­po­si­tion“, „Marke und Iden­tität“ sowie „Jugend­kul­tur“. Ein beson­der­er Höhep­unkt der Tagung war das Klangla­bor. In Anlehnung an übliche Posters­es­sions hat­ten die Teil­nehmerIn­nen die Möglichkeit, Forschungsergeb­nisse zu präsen­tieren, Klan­gin­stal­la­tio­nen zu disku­tieren, Exper­i­mente durchzuführen und/oder zum Gedanke­naus­tausch einzu­laden. Wie auf Tagun­gen bei Posters­es­sions üblich, kon­nten die einzel­nen Sta­tio­nen besucht und dort mit den jew­eili­gen Aktiv­en in lock­er­er Atmo­sphäre ins Gespräch gekom­men wer­den.

Das kul­turelle Rah­men­pro­gramm der Tagung wurde von der Sprech­buehne Halle mit ihrer aktuellen Insze­nierung „In Ver­jand­lun­gen mit Ernst. Ein Spiel mit Tex­ten von Ernst Jan­dl.“ gestal­tet.

6. Januar 2015
von Luise Gebauer
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Neujahrsgrüße

Wir wün­schen allen ein glück­lich­es, gesun­des und klin­gen­des neues Jahr 2015 mit vie­len neuen Ent­deck­un­gen und Entwick­lun­gen sowie max­i­malen Erfol­gen für alle beru­flichen und per­sön­lichen Vorhaben!

Wie bere­its angekündigt, wer­den hier in Kürze Beiträge zum The­ma „Klang und Iden­tität“ aus den unter­schiedlich­sten Wis­senschafts­diszi­plinen veröf­fentlicht. Der erste Beitrag soll im März 2015 einen Rück- und Ein­blick in die inter­diszi­plinäre Stipen­di­a­tenta­gung “Klang und Iden­tität” im Novem­ber 2014 in Naum­burg sowie einen Aus­blick auf die Beiträge des Blogs geben. In einem regelmäßi­gen, zwei­wöchi­gen Rhyth­mus erscheinen dann Artikel, die Forschung­spro­jek­te und Fragestel­lun­gen vorstellen, Meth­o­d­en besprechen, Forschungsergeb­nisse umreißen, Praxi­sein­blicke bieten, Klang­beispiele inter­pretieren sowie zur Diskus­sion ein­laden.

Wir freuen uns auf regelmäßige Besuche und die rege Nutzung des Kom­men­tar­bere­ichs! Sie haben Inter­esse an einem eige­nen Blog­beitrag zum The­ma „Klang und Iden­tität”? Schick­en Sie uns eine Anfrage über das Kon­tak­t­for­mu­lar oder per E‑Mail an klang.identitaet@gmail.com.

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Das Bild wurde uns fre­undlicher­weise von Lew Brid­coe zur Ver­fü­gung gestellt.

24. Dezember 2014
von Grit Bohme
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ˌkikəʀiˈkiː

Es gibt Klänge, die scheinen uni­versell. Ein und der­selbe Hah­nen­schrei klingt in Frankre­ich genau­so wie in Chi­na, Südin­di­en oder Naum­burg. Sind die Men­schen von dort aufge­fordert, das Gehörte wiederzugeben, tönt einem aber weniger eben dieser Hah­nen­schrei als vielmehr die baby­lonis­che Sprachver­wirrung in den Ohren. Mit dem heuti­gen Beitrag zum Klangkalen­der soll ein klein­er Ein­blick gegeben wer­den in die kul­turelle und sprach­liche Stan­dort­ge­bun­den­heit des eige­nen Hör­erleb­niss­es, die inter­pre­ta­torische Vielfalt von Klän­gen und die Uner­schüt­ter­lichkeit des Hahns. Schließlich kräht er über­all gle­ich.

Viele wer­den sich wohl von Armin Mai­wald audi­tiv in ihre Kind­heit zurück­ver­set­zen fühlen: Kik­eri­ki ist ein Bericht aus der Sendung mit der Maus. Obwohl der Beitrag inzwis­chen 20 Jahre alt ist, ist er noch immer aktuell und wurde erst kür­zlich, im Jahr 2012, mit dem Kul­tur­preis Deutsche Sprache aus­geze­ich­net.

Apro­pos deutsche Sprache, auch inner­halb dieser gilt: Hah­nen­schrei ist nicht gle­ich Hah­nen­schrei, „Kik­eri­ki“ ist nicht gle­ich „Kik­eri­ki“. Die Vari­anten und Vari­a­tio­nen des deutschen „Kik­erikis“ wur­den im Juni diesen Jahres bei der ersten Deutschen Meis­ter­schaft im Gock­elkrähen ein­drucksvoll unter Beweis gestellt. Wer möchte, kann auf der Home­page des SWR eine kleine Klangkost­probe bekom­men.

Zum Abschluss darf, an einem Datum wie dem heuti­gen, der wei­h­nachtliche Bezug natür­lich nicht fehlen; deshalb gibt es für alle, die nicht genug auf die Ohren kriegen kön­nen, hier noch mehr wei­h­nachtliche Sprachver­wirrung:

Fro­he Wei­h­nacht­en und klangvolle Feiertage!

Ein Beitrag von Susanne Quit­mann zum Audi­tiv­en Adventskalen­der.