Nieder mit Hitler! – Ein Kommentar von Sören und Sebastian

Der Comic „Nieder mit Hitler – oder warum Karl kein Radfahrer sein wollte“ zeichnet sich allen voran durch die Verwendung von erdigen Grau- und Brauntönen aus, die dem Zuschauer sofort ein entfärbtes Bild im Stile vieler Sepia-Fotografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermitteln. Diese Farbgebung wird von den Jochen Voit und Hamed Eshrat dazu genutzt, dem Betrachtenden eine emotionale Rückreise in das kriegsmüde und von vielen Entbehrungen geprägte Deutschland des Jahres 1944 zu ermöglichen und eine direkte Verbindung zu den 5 Akteuren der Erfurter Widerstandsgruppe „Freies Deutschland“ aufzubauen. Die strikten Regeln der Schule, die beinahe greifbare Bespitzelung durch Mitschüler und Kollegen sowie der Zwang zur Geheimhaltung führen zu einer inhaltlichen Spannung, die der Zeichner mit einem Licht- und Schattenspiel auf das Titelbild und auch auf das 4. Panel überträgt. Es lässt sich also sagen, dass im Comic einerseits das Gemeinschaftsgefühl einer eingeschworenen Freundesgruppe generiert, aber eben auch die Unterdrückung durch ein am Rande der inneren und äußeren Auflösung befindliches, paranoides Terror-Regime thematisiert wird.

Wahre Ereignisse liefern die Grundlage für diesen Handlungsstrang.

Besonders durch die kurzen Biografien am Ende des Comics wird noch einmal deutlich gemacht, dass es sich hierbei nicht um eine erfundene Geschichte handelt, sondern wahre Ereignisse die Grundlage für den Handlungsstrang liefern. Die Leserinnen und Leser, welche sich dessen vorher möglicherweise nicht bewusst waren, werden davon überrascht und denken möglicherweise direkt anders über das Gelesene. Aus einer „netten“ Geschichte wird plötzlich ein Stück Historie. Aus fünf Figuren werden junge Menschen, welche ihr Leben riskierten, um ihren Teil zum Freiheitskampf beizutragen und der Hitler-Diktatur ein Ende zu setzen. Auch die Kopie des originalen Flugblatts sowie die Einbindung eines abgezeichneten Originalfotos in den Handlungsstrang im letzten Panel verifizieren die Authentizität des Gelernten und stärken die Verbundenheit zum Gelesenen. Die typische Schreibmaschinenschrift weckt Vergangenheitsgefühle bei den Leserinnen und Lesern, ähnlich zur oben genannten Farbauswahl. Die Fotos aus den Jugendtagen der Protagonisten wirken auf eine Art vertraut, weil sich die Gesichter aus dem Comic wiedererkennen lassen. Dies spricht nicht nur für eine gelungene künstlerische Leistung, sondern wirkt sich ebenfalls positiv auf die Verbundenheit zur Geschichte aus.

Alles in allem lässt sich sagen, dass der angesprochene Comic in Verbindung mit den fotografischen- und Textbelegen seine Zielgruppe – junge Menschen und Interessierte, die sich mit dem individuellen Alltag im NS-Regime auseinandersetzen möchten – nicht verfehlt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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