Geschichten, die vom Widerstand erzählen TEIL1

Im Rahmen unseres Seminars haben wir uns bereits intensiv mit der Darstellung von (Jugend-)Widerstand innerhalb von Comics beschäftigt. In den folgenden zwei Beiträgen möchte ich weitere Beispiele vorstellen, in denen (Jugend-)Widerstand thematisiert und umgesetzt wurde

Die Kinder der Résistance 

Die sechsbändige Saga „Die Kinder der Résistance“ (Wien 2020/21) thematisiert das Erleben von Besatzung und Widerstand in Frankreich Anfang der 1940er Jahre. Wie durch den Titel des Comics bereits preisgegeben wird, wird dabei eine ganz besondere Perspektive eingenommen: die der 13-Jährigen Freunde Francois, Eusébe und Lisa. Es fängt an mit Flugblattaktionen und Sabotageakten, die sich gegen die deutschen Truppen richten, die den kleinen Ort Pontain L´Ecluse besetzt halten. Im Verlauf der Handlung wird aus den abenteuerlichen Aktionen der Kinder jedoch schnell bitterer Ernst. Sie kommen in Kontakt mit der Résistance der Erwachsenen und erleben die Willkür und Grausamkeit des Krieges bald am eigenen Leib. 

Geschrieben bzw. gezeichnet wurde der 60-seitige Comic von den Belgiern Vincent Dugomier (Autor) und Benoit Ers (Zeichner), deren Erzählstil an „realistisch-humoristische Abenteuergeschichten“ erinnert, wobei sie einerseits emotionale Nähe zu den Figuren herstellen, andererseits jedoch deren fundamentale Ablehnung von Autorität deutlich machen (Vgl. Georg Seesslen, April 2021). Dabei sollte der detailreiche Zeichenstil sowie die zunächst eher kindlich anmutende Erzählperspektive jedoch keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass es „nicht um fantastische Abenteuer- und Alltagsgeschichten geht, sondern um die wirkliche Geschichte von Besatzung und Widerstand.“ (Seesslen, 2021). Zudem ist jedem der sechs Bände ein historisch-dokumentarischer Anhang beigelegt, welcher in das Handlungsgeschehen eingebettet ist und das geschichtliche Wissen der Leser*innen zusätzlich ergänzt. Insbesondere der letzte Punkt stellt den Befürchtungen von Comic-Kritiker*innen, Comics mit historischem Hintergrund könnten eine verharmlosende oder gar verfälschende Wirkung erzielen, ein handfestes Argument entgegen.

Primo Levi

Im Gegensatz zum detailreichen Zeichenstil Benoit Ers, werden die Lesenden in „Primo Levi“ (Wien 2019) mit geradezu „schroffen, expressiven Schwarz-Weiß-Zeichnungen konfrontiert, die das Leben, Überleben und Sterben in einem Konzentrationslager wiedergeben […]“ (Georg Seesslen, April 2021). Der 2019 erschienene Comic von Matteo Mastragostino (Autor) und Alessandro Ranghiasci (Zeichner) basiert dabei auf den Büchern des jüdischen Chemikers und Schriftstellers Primo Levi. Im Comic tritt dieser wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 1986 vor eine Schulklasse und beginnt ihnen von seinem persönlichen Schicksal zu erzählen:

„Wisst ihr, Kinder, als ich so alt war wie ihr, habe ich Zahlen sehr geliebt, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich sechs von ihnen mein ganzes Leben lang am Arm tragen würde“. 

Bereits diese wenigen Worte dürften einen Vorgeschmack auf das geben, was im Comic thematisiert wird. Im Verlauf der Handlung erzählt Levi von seinen Erfahrungen bei der Resistenza, seiner Verhaftung und Deportation nach Auschwitz, seinem Alltag im Lager und nicht zuletzt vom täglichen Kampf ums Überleben. Dabei ergänzen sich Erzählung und Zeichenstil auf eine Weise die es den Lesenden erlaubt, einen berührenden und gleichzeitig erschütternden Einblick in eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte zu erhalten. Zusätzlich vermittelt der Comic eine sehr wichtige Botschaft: 

„Wenn Verstehen unmöglich ist, dann ist Wissen notwendig, denn was geschehen ist, könnte zurückkehren. Das Gewissen kann von neuem verführt und verdunkelt werden: auch unseres“ (Primo Levi 2019: 106).

Weitere Infos zu den jeweils vorgestellten Comics/ Graphic Novels findet ihr hier: 

https://www.comic.de/2021/04/zeigen-was-ist/

https://bookcomicart.wordpress.com/2019/08/14/primolevi/

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