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24. Mai 2010

Evaluation von Bildungssoftware – Das „neue Modell“

Verfasst von

Dr. Marcus Schnöbel hat in seinem Artikel die gängigsten Evaluationsstrategien kritisch analysiert. Er ist daraufhin zur Entwicklung einer neuen Evaluationsstrategie gekommen, die versucht, die Stärken der anderen Strategien zu übernehmen und ihre Schwächen weitestgehend zu minimieren.

Die Reihenfolge der vorgestellten Strategien ist auch die Reihenfolge der Entwicklung. So wurde aufgrund der erkannten Schwächen der Rezensionen die Kriterienkataloge entwickelt und aus denen die Experimentellen Studien usw. An deren Ende, quasi als jüngste Entwicklungsprodukt dieser Kette, steht dann Schnöbels Entwurf. Im Folgenden werden die Strategien entsprechend einer Zusammenfassung stichpunktartig charakterisiert und am Ende das „neue Modell“ vorgestellt.

Rezensionen

  • leicht herzustellen
  • lösen sich von der Unterrichtspraxis
  • unvollständig und unsystematisch
  • lediglich erster theorieloser Eindruck
  • höchst subjektiv

Kriterienkataloge

  • trotz unzähliger Kriterien keine 100%ige Vollständigkeit möglich
  • Kriterienfragen können in den seltensten Fällen mit Ja oder Nein beantwortet werden; Beantwortung in eigenen Worten und mit eigenem Vokabular → nicht wertneutral
  • Fehlen pädagogischer Wichtung der Kriterien → technologische Zentrierung

Experimentelle Studien

  • Verstehen und Behalten von Informationen wird gleichgesetzt
  • Bei der Evaluation werden unzählige Einzelvariablen gemessen, zu viele um signifikante Ergebnisse zu liefern
  • die wenigen signifikanten widersprechen sich teilweise gegenseitig
  • genaue Kontrolle der Versuchsbedingungen → fehlender schulpraktischer Bezug

Offene Verfahren

  • flexible Einordnung durch Variablenmatrix
  • Reduzierung und Abgrenzung der eigentlich verflochtenen Dimensionen: Lernziele, Lerninhalte und Lehrstrategien
  • diese Reduzierung sei zu „weit getrieben worden“ und wird der Komplexität der zu messenden Dimensionen nicht gerecht

Als Konsequenz:

Das „neue Modell“

Dies ist ein Konstrukt, das sich in drei Dimensionen, sogenannte Gefüge, untergliedert. Das erste Gefüge ist das „Bedingungsgefüge“ und ist dazu da, um den sozio-kulturellen, institutionellen und technisch-administrativen Kontext des Lernens zu erfassen und in der Bewertung einer Lernsoftware einfließen zu lassen. Das zweite ist das „Informationsgefüge“, es ist im Rahmen von Software die gesamte Benutzerschnittstelle. Jedoch wird diese Benutzerschnittstelle erst zum Informationsgefüge, wenn an ihr Interaktionen mit handelnden Lernenden vollzogen werden, sonst wäre sie nichts weiter als eine „theoretische Größe“. Das letzte und wichtigste Gefüge ist das „Handlungsgefüge“, das „Licht auf den Prozess“ wirft, „der die Lernmaterialien im Darstellungsraum semantisch füllt und dadurch den Bedeutungsraum errichtet.“ Dieses Gefüge erlaubt einen Einblick in die Interaktionen des Lernenden mit der Lernsoftware und dem Lerngegenstand. Alle drei sind zwar scheinbar voneinander abgegrenzt, über das Bedingungsgefüge sind sie aber miteinander verbunden, da es sowohl das Informations- als auch das Handlungsgefüge durchdringt.

Im nächsten Schritt beginnt Schnöbel die „Binnenstruktur“ des neuen Modells genauer vorzustellen. Dabei leitet er 12 Aspekte aus der pädagogischen Theorie her und ordnet sie auf jeweils 12 Deskriptionsleisten in seinem Modell. Dies sieht wie folgt aus:

Als letzter Schritt steht nach der Bildung des neuen Modells noch die Erklärung des Umgang damit an:

Die Deskriptionsleisten sind wie in der Abbildung mit Punkten versehen, die eine Einordnung mittels Positiv-Negativ-Bewertung erlauben. Der erste bzw. innerste Punkte steht dabei für äußerst negativ und der letzte bzw. äußerste Punkt für äußerst positiv. Alle Punkte dazwischen erlauben eine Relation der Extreme. Zur Erhebung der Bewertung werden folgende Fragen bereitgestellt:

Informationsgefüge

  • Wie ist die didaktische Qualität der Produktmerkmale einzuschätzen?
  • Es ist daher zu fragen, inwieweit ein Design verwirklicht wird, das sich an den Bedürfnissen des Benutzers orientiert.

Handlungsgefüge

  • Wie ist die didaktische Qualität derSchülerhandlungen einzuschätzen?
  • Es ist daherzu fragen, inwieweit ein Unterricht unter den Prämissen des Befähigungsparadigmas

Bedingungsgefüge

  • Wie groß sind die Anforderungen, um eine entsprechende Unterrichtseinheit zu verwirklichen?
  • Es ist daher zu fragen, inwieweit die bestehenden Strukturen berücksichtigt werden.

Jedoch ist im Text nicht gesagt, wie man zu dieser genauen Erhebung kommen soll. Genaue Aussagen darüber bleiben also reine Spekulation. Schnöbel geht am Ende seiner Ausführungen explizit darauf ein, dass es sich bei diesem Verfahren um kein rein deskriptives sondern interpretatives Verfahren handelt.

Quelle: http://download.bildung.hessen.de/medien/service_medien/kompass/Methoden/Grundsatzliches_zur_Evaluation_von_Bildungssoftware.pdf

Über Michael Dietrich

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