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18. Mai 2010

Evaluation von Bildungssoftware im Spannungsfeld von Objektivität und praktikscher Anwendung

Verfasst von

– Ein Beitrag von Prof. Cornelia Biffi – Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Zürich, Abt. 1 Unterrichtsprozesse und Medienpädagogik, Medienbildung: Allgemeine Pädagogik – nachzulesen unter: http://www.medienpaed.com/02-1/biffi1.pdf 

 Trotz eines zunehmenden Angebotes unterschiedlichster Bildungs-und Lernsoftware, gibt es kaum speziell für den Schulunterricht entwickelte Unterrichtssoftware. Das Projekt „Lernsoftware Evaluation“ des Pestalozzianums in Zürich beschäftigt sich mit der Ermittlung der Qualität von Bildungssoftware durch Einsatz im Unterricht und Verwendung eines Kriterienrasters. Dabei wird deutlich, wie schwierig es ist, eine objektive Qualitätsbeurteilung zu erreichen. Für den Bereich Didaktik sollte festgestellt werden, welche Anwendungsprobleme der Kriterienkatalog erzeugt und inwiefern implizite Annahmen die Qualitätsbeurteilungen beeinflussen.  

In dem Beitrag geht es zunächst darum, was Lehrkräfte von einer guten Bildungssoftware erwarten. Die Funktion des Computers als Lernmedium und Arbeitsmittel wird als durchaus sinnvoll und erfolgversprechend eingeschätzt, allerdings ist der Vorbereitungsaufwand aufgrund fehlender spezieller Bildungssoftware viel zu hoch. Es fehle an Produkten, die zu den Lehrmitteln passen und einem Fundus an Ideen für Lehr- und Lernaufträgen für computergestützten Unterricht, auf den Lehrkräfte zurückgreifen können.

Um Lehrkräften eine Übersicht über geeignete Bildungssoftware zu verschaffen, bedarf es einer Qualitätsbeurteilung. In dem Beitrag wird zunächst erläutert, welche Schritte für eine Evaluation notwendig sind.

 1. Ausarbeitung eines Kriterienkatalogs

2. Operationalisierung der Kriterien durch Formulierung von Leistungsstandarts  

3. Konkrete Durchführung der Evaluation unter Berücksichtigung der Leistungsstandarts

4. Bewertung  durch Integration der Ergebnisse zu einem einheitlichen Werteurteil

Prof. Biffi macht Angaben über die Vorgehensweise zur Festlegung von Qualitätskriterien und nimmt Stellung zu den damit verbundenen Problemen und Schwächen solcher Kataloge. Sie bemängelt unter anderem, dass viele Kriterienkataloge zu sehr die technischen Merkmale der Software berücksichtigen würden, die für die Beurteilung von Lernleistungen aber wenig aussagekräftig wären. Auch das Fehlen von Annahmen, wie Lehr- Lernprozesse beim Arbeiten mit Lernsoftware ablaufen, führe in der Konsequenz zur Infragestellung der pädagogisch- didaktischen Angemessenheit der Beurteilung. Die Schwierigkeit der Beurteilung liege dabei in der Abwägung von Objektivität und Praxisnähe.

In dem Lernsoftware Projekt in Zürich ging es dabei vordergründig um eine praxisnahe Bewertung von Lernsoftware durch die Lehrkräfte. Insgesamt 97 Programme wurden so evaluiert und nach Programmtyp aufgeschlüsselt, um anderen Lehrkräften eine Orientierung zu ermöglichen.

Diese Art der der Bewertung greift sie in ihrem Beitrag auf und untersucht kritisch, inwiefern sich diese praxisnahe Vorgehensweise operationalisieren lässt, um so die Evaluation zu standardisieren. Dafür analysiert sie die bei der Qualitätsbeurteilung der Lehrkräfte generierten Daten.

Im Ergebnis gab es Probleme durch den großen Interpretationsspielraum bei der Anwendung der Kriterien, unverständliche oder ungeeignete Kriterien und durch die unterschiedliche Auslegung der Kriterien je nach Programmtyp.

Speziell im Bereich der Didaktik fielen die Bewertungen unerwartet hoch aus, so dass die Vermutung nahe liegt, dass das nicht ausschließlich etwas mit der Produktqualität zu tun hat, sondern auch mit der positiven Einstellung dem Medium Computer gegenüber, der beobachtbaren Lernaktivität und Motivationserzeugung durch den Einsatz v. Bildungssoftware und nicht zuletzt die Integrationsmöglichkeit der Bildungssoftware im Unterricht.

Die Kombination von Kriterienraster und Beurteilungsverfahren führen zu subjektiven Betrachtungen bezüglich der Qualität von Bildungssoftware. Die Lehrpersonen befinden sich dabei in einer individuellen Situation und haben mit der Verwendung solcher Software ganz bestimmte Ziele vor Augen. Damit erscheint ihnen eine Bildungssoftware nur als qualitativ hochwertig, wenn sie in der Lage ist, ihnen zu der Zielerreichung dienlich zu sein. 

Diesen Umstand bezeichnet Prof. Biffi als „problematisch“ und reflektiert am Ende ihres Beitrages dieses Problem.

Über Matthias Mann

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