Das LeMO – Deutsche Geschichte modern aufgearbeitet

Das Lebendige Museum Online stellt nicht unbedingt die klassische Übertragung eines physischen Museums in den virtuellen Raum dar. Erstellt in Zusammenarbeit des Deutschen Historischen Museums, der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (beide treten in der Internetpräsenz al Hauptakteure auf) sowie dem Bundearchiv verfolgt das LeMO in aller erster Linie seinen Bildungsauftrag und tritt ergänzend zu den beiden genannten Museen hinzu. Somit fehlen vermeintlich klassische Elemente eines Onlinemuseums wie ein virtueller Rundumgang durch das Museum oder auch die klare Auswahl von Ausstellungsstücken durch einen klar bezeichneten Kurator oder eine Kuratorin. Vielmehr werden einzelne Informationstexte durch WissenschaftlerInnen erstellt, zu denen die Ausstellungsstücke an einigen Stellen ergänzend hinzutreten.

Doch schauen wir erst einmal auf die Struktur der Seite. Zu Beginn findet der Seitenbesucher einen Zeitstrahl, der mit dem Jahr 1815 beginnt und in der Gegenwart endet. In dieser Zeitspanne wird nur die deutsche Geschichte betrachtet. Darunter findet man interessante Artikel aus den beiden Museen. Klickt man auf eine der Epochen auf dem Zeitstrahl, wird man zu diesem Abschnitt weitergeleitet, der eine kleine Zusammenfassung sowie verschiedene Kapitel umfasst, die zu den wichtigsten Themen der Epoche einen detaillierteren Überblick geben. Die Kapitelübersicht lässt  sich über einen Verweis auf der rechten unteren Seite sofort anwählen, ihr müsst also nicht mühselig bis nach unten scrollen. Daneben sind auf diesen Epochenseiten verschiedene Verweise: Orginaltonaufnahmen, Zeitzeugen, Bilder, Gegenstände sowie Biographien. Diese kann man sich mit einem Klick darauf anhören beziehungsweise ansehen, wobei die Biographien recht generisch sind und vor allem einer Chronik gleichen. Apropos Chronik: egal, welches Kapitel man anklickt, man findet immer ein „Jahresrädchen“, über welches man auf jedes Jahr, welches behandelt wird, zugreifen und sich dann die jeweilige Jahreschronik betrachten kann.

Der Zeitstrahl mit seinen Querverweisen bildet den Grundstock des Internetauftritts. Freilich ist er nicht der einzige Gesichtspunkt, der der Betrachtung wert ist. Das LeMO bietet nicht nur eine linear-chronologische Betrachtungsweise seiner dargestellten Inhalte, sondern subsumiert diese auch unter Themenbereichen. Oder man sollte besser sagen unter einem Themenbereich. Denn über den Reiter Themen kann man nur die Sammlung zu „Demokratie und Diktatur“ finden. Dieses Thema bildet seit dem Relaunch der Seite im Jahr 2014 das einzige.  Ob sich der Inhalt noch einmal ändern wird konnte im Zeitraum der Bearbeitung dieses Blogs nicht eruiert werden. Das Thema sollen laut Seite ergänzend zur Chronologie hinzutreten und einen Gegenwartsbezug besitzen.

Der Reiter Zeitzeugenberichte versammelt, wie der Name schon sagt, zu jeder Epoche Einschätzungen von Personen, die diese Zeit erlebt haben. Dabei gibt es zwei Einteilungen: zum einen kann wieder jeder Zeitabschnitt einzeln angewählt und sich durch die entsprechenden Zeitzeugenberichte durchgeklickt werden. Zum anderen stellt das Deutsche Historische Museum und das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eigene ausgewählte Zeitzeugenberichte zur Verfügung. Der Bestand als weiterer Abschnitt hält alle digitalisierten Objekte der beiden Museen bereit, durch die sich in recht gewohnter Manier durchgeklickt werden kann. Es gibt durch die Seite selbst vorgegebene Kategorien (zum Beispiel Biographien, Zeitzeugen, Karten), die aber nach Anklicken einer der Bereiche durch Filter auf der linken Seite individuell durchsiebt werden können. Die Objekte werden durch kurze Informationstexte und Daten ergänzt.

Der Reiter Lernen bildet den letzten wichtigen Punkt, wird aber in einem anderen Beitrag dieses Blogs behandelt. Das eigentliche Ende stellt jedoch der Punkt Projekt dar, in dem das LeMO sich noch einmal selbst vorstellt. Dieser Punkt bildet wohl für alle Erstbesucher der Seite den wichtigsten Anlaufpunkt, da sich hier zunächst über die Geschichte und das Ziel des Projekts informiert werden kann. Außerdem werden hier kurz die Inhalte zusammengefasst sowie nützliche Hinweise zur Navigation auf der Seite gegeben.

Alles in allem versucht die Seite einen umfänglichen Überblick über die deutsche Geschichte seit 1815 zu geben. Dies geschieht vorrangig durch Informationstexte, die durch ergänzende Materialien an Lebendigkeit gewinnen. Gefiltert werden die Informationen durch die jeweiligen SchreiberInnen der Beiträge, es sind also ihre Interpretationen, die die Berichte filtern. Die AutorInnen sind unter den Texten sowie im Impressum zu finden, wo auch die ProjektbetreuerInnen und –leiterInnen aufgelistet sind. Interpretiert werden müssen die Texte nicht unbedingt durch den Besucher, sie enthalten alle wesentlichen Informationen. Einzig die Objekte ohne deren Einbettung in den Kontext bedarf wohl der Interpretation des Betrachters. Die Zusammenstellung der einzelnen Komponenten der Seite in der chronologischen Darstellung ist sehr stimmig, die Texte werden durch die eingebetteten Zeitzeugenberichte, Tonaufnahmen, Objekte etc. lebendiger.

Die Seite richtet sich nicht unbedingt an Personen, die sich einen „klassischen“ Museumsbesuch nach Hause holen wollen. Dafür ist die Darstellung zu starr, statisch und textlastig, die Gegenstände zu eindimensional.  (Es gibt zwar eine Bewegungsanimation für ausgewählte Gegenstände, diese ist aber nur über die Startseite zu erreichen und erfasst längst nicht alle Objekte). Der Fokus der Seite liegt ganz klar auf dem didaktischen Bereich, was sich vor allem auch an dem einzelnen Reiter Lernen zeigt. Die Materialien der Seite sind so aufgebaut, dass sie für SchülerInnen recht leicht zugänglich und auch für die Lehrkraft gut in den Unterricht integrierbar sind. Das soll nicht bedeuten, dass sich die Seite nur für Schulen lohnt. Vielmehr kann jeder die Seite benutzen, der sich in deutscher Geschichte weiterbilden möchte und dafür ein chronologisches Nacheinander mit gelegentlichen thematischen Aufbrüchen als das geeignete Mittel der Wahl sieht. Für jeden? Nun ja, für Menschen, die des Deutschen oder Englischen nicht mächtig sind, schauen auch in die Röhre. Damit kann aber schon eine breite Besucherschaft abdecken.

Wichtig ist für die junge Generation unserer Leserschaft, dass das LeMO auf einigen gängigen Sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter und sogar Google Plus)  zu finden ist. Die älteren Herrschaften können noch ganz klassisch per E-Mail oder direkten Kontakt über die Startseite Meinungen und Verbesserungsvorschläge loswerden. Und für die Fans von haptischen, sprich ausgedruckten Seiten lässt sich alles ausdrucken. Alle anderen finden auch auf Tablet und Handy optimierte Interfaces des Lebendigen Museums Online. Alles in allem eine Runde Sache für alle, die gerne lesen und Texte nur durch Ergänzungen aufgelockert bekommen sowie die Seite didaktisch nutzen wollen. Alle anderen sollten lieber eines der beiden beteiligten Museen im echten Leben besuchen.

Hier geht’s zur Internetseite: https://www.dhm.de/lemo

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