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Willkommen auf dem Demopfad. Hier lernen Sie die Methoden der historischen Demographie kennen. Dargestellt wird hier der Umgang mit den grundlegenden Methoden zur Berechnung von Bevölkerungsbewegungen, der Fertilität und der Mortalität. Aber auch die Bedeutungen der wichtigsten Begriffe werden hier erklärt. Diese Begriffe sind z.B. Kohorten und Perioden. Hier werden Buchführungsgleichungen einer Population aufgestellt. Hier werden Nettoreproduktionsraten und Lebenserwartungen berechnet. Zu jedem Themenpunkt finden Sie eine ausführliche Erklärung in Worten und mathematischer Notation mit einem jeweils ausführlichen Beispiel.

2. Bruttoreproduktionsrate

Die Bruttoreproduktionsrate BRR gibt an, wie viele Mädchen von 1000 Frauen in einem Jahr t im Durchschnitt geboren wurden. Da Männer keine Kinder gebären können, ist es für Aussagen zur zukünftigen Fertilität vor allem interessant, wie viele Mädchen geboren werden. Für die Bruttogeburtenrate zieht man daher ausschließlich die Mädchengeburten heran. Dazu benötigen wir den absoluten Anteil der weiblichen Geburten bf eines Jahres t an den Gesamtgeburten b eines Jahres t um den Verhältniswert der Mädchengeburten σ zu bilden. Diese Daten verrechnen wir dann mit dem Ergebnis der zusammengefassten Geburtenziffer TFR, um auf den Wert der Bruttoreproduktionsrate BRR zu gelangen.

Beispiel

Wir wollen wissen, wie viele Mädchen im Jahr 1793 pro 1000 Frauen geboren wurden. Zuerst errechnen wir den Verhältniswert der Mädchengeburten σ für das Jahr 1793, indem wir aus Tabelle 2 die Daten für die Gesamtgeburten b und Mädchengeburten bf entnehmen. Im zweiten Schritt bilden wir die zusammengefasste Geburtenziffer TFR, indem wir die altersspezifische Geburtenziffern ̅β aller Frauen im Alter von 15 bis 49 (<50: bis zum 50. Geburtstag) aufsummieren. Um nun die reinen Mädchengeburten eines Jahres zu erhalten, bilden wir das Produkt aus dem Verhältniswert σ und der zusammengefassten Geburtenziffer TFR.

Hatten wir insgesamt 1616 Geburten, so werden davon 785 Mädchen pro 1000 Frauen in ihrer reproduktiven Phase im Jahr 1793 geboren.

Autor: Robert Nasarek

Mortalität

Mortalitätsberechnungen beziehen sich auf den unbeliebten Lebenseinschnitt einer Population: den Tod. Hier lernen wir die Berechnungen der Sterblichkeit von Bevölkerungsteilen kennen. Durch Mortalitätsberechnungen können wir Aussagen über die Sterbeanteile von Altersgruppen treffen oder darüber, wie umfangreich die durchschnittliche Populationsgröße ist, die ein gewisses Alter erreicht oder überlebt. Die bekannteste Mortalitätsaussage ist wohl die Lebenserwartung.

Autor: Robert Nasarek

3. Survivor bis zu einem Alter

Die Survivorfunktion lässt sich nicht nur durch die aufsummierten Sterbehäufigkeiten P errechnen, sondern auch durch das Produkt der umgekehrten Sterbeziffer δ. So gelangt man zu dem Anteil der Personen, die bis zu einem bestimmten Alter τ überleben. Wichtig ist dies z.B. für die Berechnung der Nettoreproduktionsrate NRR.

Beispiel:

Wir wollen wissen, wie hoch der Anteil derjenigen Personen ist, die es geschafft haben 60 Jahre alt zu werden. Die Sterbeziffer entnehmen wir aus Tabelle 4.

Wie sehen, dass 77% aller Personen das 60.Lebensjahr erreichen.

Autor: Robert Nasarek

3.1 Nettoreproduktionsphase

Die Nettoreproduktionsrate berücksichtigt, dass manche Frauen vor dem Ende ihrer reproduktiven Phase τb sterben.Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Mädchengeburten σf von Survivorinnen Gft,T innerhalb ihrer reproduktiven Phase τa bis τb ist. Wir verrechnen hier den Anteil der Mädchengeburten σf mit der zusammengefassten Geburtenziffer TFR. Hinzu kommt noch die Survivorfunktion bis zu einem bestimmen Alter Gft,T, um den Anteil der Frauen zu berücksichtigen, die das 50 Lebensalter erreichen und damit das Ende ihrer reproduktiven Phase τb.

Beispiel:

Wir möchten wissen, wie viele Mädchen von einer Gesamtheit von 1000 Frauen effektiv geboren worden sind. Die Daten für den Anteil der Mädchengeburten und die altersspezifische Geburtenziffer entnehmen wir aus Tabelle 2. Die relativen Sterbehäufigkeiten für die Survivorinnen finden wir in Tabelle 3.

Wir sehen, dass von einer Gesamtheit von 1000 Frauen 785 Mädchen geboren werden, wenn wir die Überlebensanteile der reproduktiven Frauen hinzuziehen.

Autor: Robert Nasarek

Bevölkerungsbewegung

Bei Berechnungen Bevölkerungsbewegung ist grundsätzlich darauf zu achten, dass die Daten der Taufen und Beerdigungen einen (Groß-)Teil der tatsächlichen Geburten und Sterbefälle ausmachen. Probleme bereiten vor allem aber die Angaben der Totgeburten oder der Kindersterblichkeit. Diese wurden meist nur unzureichend aufgenommen. Ebenso schwierig ist die zuverlässige Gewinnung von Migrationsdaten. Prinzipiell ist daher von Vorteil mit Raten zu rechnen und Fehlerquoten mit einzubeziehen.

Autor: Robert Nasarek