Arbeitskreis Historische Demographie

Seit 1994 trifft sich der Arbeitskreis Historische Demographie zu einer jährlichen Herbsttagung (ohne Budget), stets an einem anderen Ort und mit meist im zweijährigen Turnus wechselnden Themen. Das Themenspektrum dieser Tagungen verbindet klassisch demographische Fragen (Geburtenbeschränkung, Säuglingssterblichkeit, Demographischer Übergang, kleinräumige Migration) mit solchen, die sich auf die gesellschaftliche Einbettung der Bevölkerungsprozesse beziehen (soziale Unterschiede im generativen Verhalten, Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen, Heiraten, Altersversorgung). Historische Demographie funktioniert zurzeit vor allem als Berührungsfläche zwischen drei Gruppen:

(1) außerhalb der Historikerzunft stehenden Demographen und Biologen,

(2) einigen innerhalb der Zunft stehenden, aber dennoch mit modernen quantitativen Verfahren arbeitenden Sozial- oder Wirtschaftshistorikern,

(3) Allgemeinhistorikern und Kulturwissenschaftlern, denen zwar demografische Methoden fremd sind, die sich aber für bestimmte Gegenstände der Historischen Demografie interessieren.

Kontakt (und Vorsitz):

Prof. Dr. Georg Fertig
Universität Halle
Institut für Geschichte
Emil-Aberhalden-Straße 25
06108 Halle (Saale)
georg.fertig@geschichte.uni-halle.de

Stellvertretender Vorsitz:

PD Dr. Rolf Gehrmann
guietgehrmann@aol.com

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Willkommen auf dem Demopfad. Hier lernen Sie die Methoden der historischen Demographie kennen. Dargestellt wird hier der Umgang mit den grundlegenden Methoden zur Berechnung von Bevölkerungsbewegungen, der Fertilität und der Mortalität. Aber auch die Bedeutungen der wichtigsten Begriffe werden hier erklärt. Diese Begriffe sind z.B. Kohorten und Perioden. Hier werden Buchführungsgleichungen einer Population aufgestellt. Hier werden Nettoreproduktionsraten und Lebenserwartungen berechnet. Zu jedem Themenpunkt finden Sie eine ausführliche Erklärung in Worten und mathematischer Notation mit einem jeweils ausführlichen Beispiel.

3.1 Nettoreproduktionsphase

Die Nettoreproduktionsrate berücksichtigt, dass manche Frauen vor dem Ende ihrer reproduktiven Phase τb sterben.Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Mädchengeburten σf von Survivorinnen Gft,T innerhalb ihrer reproduktiven Phase τa bis τb ist. Wir verrechnen hier den Anteil der Mädchengeburten σf mit der zusammengefassten Geburtenziffer TFR. Hinzu kommt noch die Survivorfunktion bis zu einem bestimmen Alter Gft,T, um den Anteil der Frauen zu berücksichtigen, die das 50 Lebensalter erreichen und damit das Ende ihrer reproduktiven Phase τb.

Beispiel:

Wir möchten wissen, wie viele Mädchen von einer Gesamtheit von 1000 Frauen effektiv geboren worden sind. Die Daten für den Anteil der Mädchengeburten und die altersspezifische Geburtenziffer entnehmen wir aus Tabelle 2. Die relativen Sterbehäufigkeiten für die Survivorinnen finden wir in Tabelle 3.

Wir sehen, dass von einer Gesamtheit von 1000 Frauen 785 Mädchen geboren werden, wenn wir die Überlebensanteile der reproduktiven Frauen hinzuziehen.

Autor: Robert Nasarek

Bevölkerungsbewegung

Bei Berechnungen Bevölkerungsbewegung ist grundsätzlich darauf zu achten, dass die Daten der Taufen und Beerdigungen einen (Groß-)Teil der tatsächlichen Geburten und Sterbefälle ausmachen. Probleme bereiten vor allem aber die Angaben der Totgeburten oder der Kindersterblichkeit. Diese wurden meist nur unzureichend aufgenommen. Ebenso schwierig ist die zuverlässige Gewinnung von Migrationsdaten. Prinzipiell ist daher von Vorteil mit Raten zu rechnen und Fehlerquoten mit einzubeziehen.

Autor: Robert Nasarek

Historische Demographie

Die historische Demographie bezieht sich auf die Aussagen von einzelnen Kirchenbucheinträgen. Sie ist in der Mikroebene angesiedelt. Hier wird die Vielfalt der demographischen Ziffern charakterisiert, auf regionaler und auf lokaler Ebene. Dadurch wird das Zusammenspiel von Bevölkerungsprozessen veranschaulicht, was sogar auf international vergleichbarer Weise geschieht. Historische Demographie versucht außerdem gewonnene Muster aus der lokalen Lebenswelt zu deuten, darunter zählen die geltende Norm und soziale Beziehungen und außerdem die Eigenarten des Arbeitsrhytmuses. (Pfister 1994: 1f.).

 

Literatur

1. C. Pfister: „Bevölkerungsgeschichte und historische Demographie 1500 – 1800“

Titel: Bevölkerungsgeschichte und historische Demographie 1500 – 1800. Enzyklopädie deutscher Geschichte Band 28.
Autor: Pfister, Christian
Jahr und Ort: München und Oldenburg 1994
Warum: Pfisters Werk dient gut als erste Anlaufstelle um sich ins Thema historische Demographie einzulesen. Erste Begriffe werden hier gut erläutert und die Methoden der historischen Demographie werden ebenfalls erklärt.

 

2. Diekmann; Müller; Nauck: „Handbuch der Demographie“

Titel: Handbuch der Demographie. Band 1: Modelle und Methoden.
Herausgeber: Diekmann, Andreas u. Müller, Ulrich u. Nauck, Bernhard
Ort und Jahr: Berlin u. Heidelberg u. New York 2000
Warum: Hier werden die Methoden der historischen Demographie genaustens und gut verständlich erläutert. Diese Reihe verfügt über zwei Bände. Der zweite Band behandelt Anwendungen.

 

3. U. Pfister: „Die Anfänge der Geburtenbeschränkung“

Titel: Die Anfänge der Geburtenbeschränkung. Eine Fallstudie ausgewählter Züricher Familien 17. und 18. Jahrhundert.
Autor: Pfister, Ulrich
Ort und Jahr: Bern 1985
Warum: Ulrich Pfister gibt einen guten Einblick zum Thema Geburtenbeschränkung.

 

4. Höpflinger: „Bevölkerungssoziologie“

Titel: Bevölkerungssoziologie. Eine Einführung in demographische Prozesse und bevölkerungssoziologische Ansätze.
Autor: Höpflinger, François
Ort und Jahr: Weinheim u. Basel 2012
Warum: Dieses Werk enthält detailliert Definitionen zu wichtigen Begriffen aus dem Bereich der Historischen Demographie.

 

5. Bieber: „Sorgenkind demografischer Wandel?“

Titel: Sorgenkind demografischer Wandel?. Warum die Demografie nicht an allem Schuld ist.
Autor: Bieber, Daniel
Ort und Jahr: München 2011
Warum: Biebers Werk ist ein gutes Nachschlagewerk mit vielen Begriffen und Erklärungen.

„Quellen und Methoden der historischen Bevölkerungsforschung (historische Demographie)“ von Rolf Gehrmann

1. Quellengattung

Da sich historische Demographie mit historischen Bevölkerungen, Familien und letzten Endes sogar mit Individuen befasst, könnte man zunächst annehmen, dass die Arten von Quellen, mit denen die historisch-demographische Forschung zu tun hat, kaum zu überschauen sind. Das ist aber nicht der Fall, wenn man das Kriterium der Quantifizierbarkeit zugrunde legt. Denn selbst wenn Aussagen beispielsweise zum Verhalten auf familiärer Ebene getroffen werden sollen, ergeben sie demographisch nur im Rahmen eines überprüfbaren statistischen Kontextes einen Sinn. Dieses statistische Element, das in den Hintergrund treten kann, wenn der Fokus aus einem bestimmten Grund gerade auf ein ungewöhnliches Verhalten gerichtet wird, bleibt bestimmend. Denn die historische Demographie versucht gerade, einerseits durch die Verbindung von Makro- und Mikroebene eine größere Tiefenschärfe zu erreichen als die klassische, relativ abstrakte Bevölkerungsgeschichte, andererseits aber mit sozialwissenschaftlichen Methoden nicht nur hermeneutisch nachvollziehbare, sondern auch im eigentlichen Sinne des Wortes berechenbare Ergebnisse zu erzielen. Continue reading