Untersuchungsplanung 1: Studiendesigns

Als nächster Schritt im Forschungsprozess, nach der Spezifikation der Fragestellung, Formulierung der zu prüfenden Hypothesen, Operationalisierung der zu erfassenden Variablen, die hinsichtlich der Gütekriterien zu prüfen sind, wird endlich der Plan erstellt, aus dem der Ablauf der empirischen Prüfung der Hypothesen hervorgeht. Dabei wird das Design der Studie festgelegt und den definierten Variablen werden Probanden, Erhebungsinstrumente und -bedingungen sowie Auswertungsverfahren zugewiesen.

Das Studiendesigns richtet sich nach der Fragestellung der Studie!

Experimentelle Studie (auch: randomisierte kontrollierte Studie)

Ist eine wissenschaftliche Untersuchungsmethode, um kausale Aussagen treffen zu können (Ursache-Wirkungs-Beziehung). Die vermutete Ursache wird vom Versuchsleiter (VL) systematisch manipuliert und es wird die Auswirkung auf eine andere Variable erfasst. Dieser Studienplan heißt kontrolliert, weil neben der eigentlichen Experimentalgruppe (EG), in der die zu prüfende Intervention durchgeführt wird, eine weitere, sogenannte Kontrollgruppe (KG) ohne die Intervention parallel stattfindet. Bis auf die Intervention sind in beiden Gruppen dieselben Einflussfaktoren wirksam, d.h. alle Faktoren, die das Ergebnis neben der Intervention noch beeinflussen könnten, werden kontrolliert. Randomisiert heißt dieses Studiendesign, weil die Zuordnung der Studienteilnehmer per Zufall zu einer der jeweiligen Gruppen erfolgt.

Beispiel einer randomisierten kontrollierten Studie

Der „Goldstandard“ einer medizinischen Interventionsstudie ist eine randomisierte kontrollierte Studie. D.h. dass die Einteilung per Zufall (randomisiert) erfolgt und dass eine Kontrollgruppe gebildet wird („kontrollierte Studie“). Dieses Studiendesign könnte ich einsetzen, wenn ich untersuchen möchte, ob bei Männern mit hohem Wurstverzehr die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sinken, wenn ich die normale Wurst gegen fettreduzierte ballaststoffangereichte Wurstprodukte austausche.

Quasiexperimentelle Studie

Bei einer Quasiexperimentellen Studie wird die Einteilung in Gruppen nicht durch Randomisierung (per Zufall) vorgenommen. Stattdessen greift man z.B. auf schon vorhandene Gruppen zurück.

Nichtexperimentelle Studien

Neben der experimentellen Studie sind weitere Studiendesigns zu nennen, die allerdings eine geringere Sicherheit auf Kausalinterpretationen bieten und deshalb für die Wirksamkeitsprüfung einer Intervention weniger in Frage kommen. Dennoch können sie für andere Fragestellungen durchaus die Methode der Wahl sein. Sie werden als nichtexperimentelle, naturalistische oder Beobachtungsstudien bezeichnet. Damit wird ausgedrückt, dass lediglich Variablen beobachtet und erfasst werden, ohne dass eine experimentelle Intervention eingeführt wird.

Querschnittstudie

Beispiel einer Querschnittstudie

Bei Querschnittsstudien wird eine „Momentaufnahme“ gemacht, d.h. zu einem bestimmten Zeitpunkt findet eine Erhebung statt. Die Angaben beziehen sich also auf einen Messzeitpunkt, verglichen werden Untersuchungspersonen hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens von bestimmten Faktoren. So könnte besipielsweise unter sucht werden, ob Menschen, die bereits an einer chronischen Erkrankung leiden, häufiger an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen als die gesunde Allgemeinbevölkerung.

Kohortenstudie

Beispiel einer Kohortenstudie

Eine Kohorte ist eine Gruppe von Personen, die durch ein gemeinsames Ereignis verbunden sind (bspw. Einschulung im Jahr 1992) und dann im Rahmen von Studien untersucht werden, wie oft ein weiteres Ereignis (bspw. eine bestimmte Erkrankung) auftritt. In einer Kohortenstudie werden zwei (oder mehrere) Gruppen beobachtet, die verschiedenen Einflüssen ausgesetzt sind. Mit einer Kohortenstudie könnte beispielsweise untersucht werden, ob Frauen die eine Hormonersatztherapie nehmen vor Osteoporose geschützt sind.

Fall-Kontroll-Studie

Beispiel einer Fall-Kontroll-Studie

Fall-Kontroll-Studien dienen der Erforschung von Risikogruppen. Bei diesem Verfahren wird eine Gruppe der Erkrankten (die „Fälle“) mit einer Gruppe der Gesunden (die „Kontrolle“) dahingegen verglichen, ob sie rückblickend (retrospektiv) einem Risikofaktor ausgesetzt waren. Beispielsweise könnte so untersucht werden, ob eine Infektion mit Humanen Papillomviren ein Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs ist.

 

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