Wie geht es Ihnen heute?
Gut? Mittelmäßig? Super? Eher schlecht?
Woher wissen Sie das?
Was sind die Parameter, an denen Sie das festmachen?
Oder wachen Sie einfach auf und wissen, wie es Ihnen geht?
Wo ist die Baseline, was ist der Ausgangswert, der eine mittelgute Stimmung definiert und von dem aus Sie Abweichungen nach oben und nach unten wahrnehmen?
Warum sind das vielleicht hilfreiche Fragen?
Wenn Sie gut erkennen, wie es Ihnen geht, und wenn Sie mit Schwankungen im Energielevel, bei der Motivation und vielleicht auch der Produktivität gut umgehen können, dann brauchen Sie diese Fragen im Moment nicht. Denke ich. Aber in folgenden Situationen finde ich sie sinnvoll:
- Sie haben Phasen von sehr hoher Motivation/Energie/Produktivität und entsprechende Tiefphasen, aber es gibt nicht so viel dazwischen. Wenn Sie nicht in einer ausgeprägten Hochphase sind, fühlen Sie sich häufig schlecht. Vielleicht sogar richtig schlecht – unproduktiv, faul, nutzlos, inkompetent.
- Sie fühlen Schwankungen im Bereich Motivation/Energie/Produktivität und sind die ganze Zeit damit beschäftigt, das zu optimieren.
Bei 1. möchte ich vorschlagen, die Extremphasen mal zu beobachten und zu gucken, ob es dazwischen wirklich nichts gibt oder ob Sie es nur nicht so deutlich wahrnehmen. Wann fühlen Sie sich gut, gesund, „normal“? Falls es zu einem inneren Dialog kommt, in dem Sie sich selbst faul und unproduktiv nennen – wann und wie passiert das? Kann es sein, dass Sie einfach nach einer intensiven Arbeitsphase eine Pause brauchen? Warum ist so eine Pause nicht ok? (Pausen sind für mich auch ein Thema, willkommen im Club.)
Bei 2. finde ich interessant, wie diese Optimierung aussieht und ob Sie dabei allgemeinen Hinweisen folgen oder sich wirklich mit sich selbst und ihren individuellen Bedürfnissen beschäftigen. Denn manchmal folgen wir allgemeinen Hinweisen und wundern uns dann, dass sie bei uns nicht funktionieren (wir sind halt, normalerweise, als Individuum kein Durchschnittsmensch). Ausserdem kann Selbstoptimierung zwanghaft werden oder zumindest großen zusätzlichen Stress verursachen, der dann wieder kontraproduktiv ist. Passiert ihnen das? Bei Themen wie Schlaf, Ernährung, Sport? Probieren Sie immer die neusten „5 Tipps für super Produktivität“ aus?
Wer hier ab und zu etwas von mir liest, weiß, dass ich Zwischentöne mag. Da ich selbst oft und intensiv in einem Zustand von Hyperfokus arbeite und gern mal im Kaninchentunnel verschwinde, verstehe ich, wenn man diesen Hochzustand für normal hält und denkt, dass man sich immer so fühlen sollte und immer so arbeiten können sollte. Genau so verstehe ich den Drang, sich besser verstehen zu wollen und Tipps auszuprobieren. Auch wenn die generisch klingen. Manchmal funktioniert doch etwas, oder es ergibt sich ein interessanter neuer Denkanstoß.
Aber meine Frage bleibt: Wo ist der Grundzustand, der Ausgangswert,
von dem aus wir die Schwankungen nach oben und unten wahrnehmen?
Und wie kann es uns gelingen, die Schwankungen mit weniger Bewertung
oder sogar Verurteilung wahrzunehmen?