Wenn du neugierig bist, wirst du nicht aktiviert.
Gehört habe ich den Satz zum ersten Mal mit „getriggert“, aber ich mag das Wort „aktiviert“ lieber, weil es für meine Wahrnehmung mehr Facetten bzw. Stärken umfasst.
Auf mich wirkte der Satz sehr stark, traf auf Resonanz und ich wusste sofort, wie und in welchen Situationen er bei mir funktioniert.
Fangen wir wieder mit Fragen an:
Haben Sie schon erlebt, dass Sie an einem Thema lange gearbeitet haben (schwierige Beziehung, Konflikt, irgendein Schmerzpunkt aus der Kindheit) und dann zum ersten Mal mit neuem Blick in eine Situation gehen, die typischerweise Schmerz oder Stress auslösen würde? Und durch die neue Haltung fühlt sich alles anders an, Sie werden vielleicht gar nicht aktiviert, oder weniger, oder Sie können mal völlig anders als sonst damit umgehen?
Das meine ich. Je nach Thema kann es sogar passieren, dass ich daran arbeite, mir Strategien für die nächste Situation überlege und mich dann regelrecht darauf freue, auszuprobieren, ob sich etwas verändert hat. Eine andere Beschreibung dafür ist „Hinwenden“, in dem Sinne, dass die Situation uns nicht unvorbereitet trifft, sondern wir vorher schon Aufmerksamkeit dahin gelenkt haben und darauf vorbereitet sind, aktiviert zu werden. Die Neugier macht das aber stärker, jedenfalls für mich.
Wenn es zum Beispiel im Kontext der Familie eine Situation gibt, die mich seit Jahren nervt und stresst, die wiederkehrend ist und bei der immer wieder Schmerzpunkte getroffen werden, obwohl ich an dem Thema schon ganz gut gearbeitet habe, dann bin ich vor der nächsten Situation schon gestresst und mache mir Sorgen, wie es mir dabei (und hinterher) geht. Dass ich mich hinwende, bedeutet, dass ich gewisse typische kleine Situationen schon vorherahne und mich innerlich darauf vorbereite. Das kann helfen, und mir hilft es meistens, aber es könnte auch dazu beitragen, dass ich angespannt bin und es vielleicht sogar noch schlimmer mache,
unabsichtlich. Wenn ich mich mit Neugier zur Situation hinwende, dann hat das eine andere Qualität. Es ist eher ein „Ich habe die Situation jetzt gut verstanden, weiß, was daran schmerzhaft ist, und ich bin neugierig darauf, zu erleben, was passiert, wenn ich mich (evtl. nur innerlich!) anders dazu verhalte.“
Das ist auch anwendbar auf den Freundeskreis oder die Arbeit, und ich habe erlebt, wie Studis das in Prüfungssituationen benutzen. Es wirkt vielleicht nur wie eine kleine Veränderung, aber bei mir bewirkt es viel! Damit es richig gut funktioniert, ist vorher innere Arbeit nötig, denn ich muss die Aktivierung gut verstehen und mir selbst vertrauen, dass ich in der Situation die Aktivierung aushalten kann – für den Fall, dass sich nichts verändert. Zur Neugier gehört ja auch, wirklich zu akzeptieren, was dann passiert.
Wo ist das für Sie anwendbar?
Wo erleben Sie öfter mal Aktivierung, die Sie schon ganz gut verstanden haben, die aber immer noch anstrengend oder schmerzhaft ist?
Wie könnten Sie sich bewusst hinwenden?
Wo könnten Sie noch neugieriger sein?
