Ärger

Die Inspiration kommt schon wieder aus der Schwimmhalle.
Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Eine Person ärgert sich über das Verhalten von jemandem, und bei der nächsten zufälligen Begegnung wird darüber ein bisschen geschimpft. Jetzt hat die andere Person viele Möglichkeiten, zu reagieren: Von „Reg Dich nicht so auf!“ über „Oh ja, das ist ärgerlich, verstehe ich.“ bis hin zu „Waaaas, das gibt’s ja nicht“ mit Vorschlägen zur Eskalation.

Bei der ersten Reaktion wird der Ärger kleingemacht und nicht gesehen bzw. validiert, das finde ich nicht hilfreich.

Mich interessieren umso mehr die Nuancen zwischen den anderen beiden Varianten, denn zwischen „den Ärger verstehen bzw. nachfühlen“ und der Bestärkung des Ärgers bis hin zu Aufrufen zu Gewalt liegen Welten. Und ich habe mich gefragt, wo ungefähr die Grenze verläuft:
Gemeinsames Halten des Ärgers, Validieren, Mitfühlen, vielleicht auch ein bisschen Mitschimpfen, damit der Ärger Raum hat, einerseits. Mitschimpfen und sich Hochschaukeln, so dass man sich dann gemeinsam noch viel mehr aufregt, andererseits. Manche Menschen brauchen das aber vielleicht und können sich erst abregen, wenn sie sich vorher richtig doll aufgeregt haben! Wir können dann entscheiden, ob eine oder zwei solche Interaktionen mit „geteiltem Ärger“ reichen, um den Ärger dann gehen zu lassen, oder ob wir uns den ganzen Tag lang oder noch länger weiter ärgern, das Thema immer wieder aufbringen und dann auch gar nicht zur Ruhe kommen. (Ich kenne solche Menschen – Sie auch?)

Ich hatte heute so eine Situation und habe entschieden, Verständnis zu zeigen und dem Ärger der anderen Person Raum zu geben, und dann habe ich richtig deutlich gemerkt, wie die andere Person das loslassen konnte und bei einem „War ärgerlich, aber ist jetzt auch nicht so schlimm“ landete. Das fühlte sich sehr gesund an und ich hatte das Gefühl, dass es nur darum ging, dass der Ärger gesehen und validiert wird, und dann konnte das schnell reguliert werden. Wenn es gut läuft, lernen wir als Kind, wie das geht.

Wie machen Sie das? Mit anderen und auch mit sich selbst?
Drücken Sie Ärger weg?
Können Sie ihn fühlen, evtl. verbalisieren und regulieren?
Neigen Sie zum Hochschaukeln?

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