In den letzten Tagen hatte ich mehrmals das Gefühl, dass aus Gesprächen kleine Impulse hängengeblieben sind und sich in ein Gesamtbild einfügten, von dem ich vorher nicht wusste, dass es da war. Wie Puzzlestückchen.
Interessant daran ist, dass da ein befriedigendes, stimmiges Gefühl entsteht, wenn die Puzzlestückchen an ihren Platz fallen. Und damit sich das so befriedigend anfühlen kann, muss ein Gefühl dafür da sein, dass das Puzzlestückchen passt. Dass es überhaupt zu diesem Puzzle gehört. Wenn ich also denke, dass ich vorher das Gesamtbild nicht kannte, dann heißt das nur, dass ich es nicht bewusst wahrgenommen habe. Unbewusst, intuitiv, wie auch immer, muss da schon eine Wahrnehmung dafür gewesen sein, wie das Gesamtbild etwa aussieht und was dazu passt. Oder besser noch: Was noch fehlt, um das Bild zu vervollständigen.
Das kann in einem Forschungsprojekt sein, wo mehrmals ähnliche Fragen aufkommen und ich erst mal nur denke: Stimmt, da ist was. Ich kann das noch nicht gut beantworten, aber die Fragen sind interessant und ich möchte weiter darüber nachdenken. Und dann schärft sich meine Aufmerksamkeit, und ich lese hier mal was und höre da mal was und suche nach Bausteinchen für Antworten. Und irgendwann fühlt es sich an, als wäre ich der Antwort ein Stück nähergekommen, und dann kann ich beim nächsten Mal bei ähnlichen Fragen schon anders reagieren.
Umgekehrt erlebe ich in Gesprächen manchmal, dass andere Leute diesen Eindruck von Stimmigkeit haben oder eben nicht. Im Coaching oder bei der Studienberatung — wir nähern uns einem Problem, ein Anliegen wird geschildert, ich stelle Fragen. Manchmal kommt dann „Ja, genau!“ und manchmal eher „Nein, das ist es nicht.“ Oder „Nicht wirklich.“ Oder „Ja, vielleicht, aber das ist noch nicht alles.“ Da ist also eine Intuition dazu, was stimmig ist und was nicht, auch wenn das noch nicht in Worte zu fassen ist bzw. nicht ausreicht, um (positiv formuliert) zu beschreiben, was los ist. Ich habe gelernt, dass es das sogar als Methode gibt, wenn die Leute völlig ratlos dasitzen: Erst mal Vermutungen anstellen und sich fragend rantasten. Manchmal regt sich dann Widerstand und man kommt der Sache dadurch näher. Damit die Person merken kann, dass sich da etwas falsch oder unvollständig anfühlt, muss irgendwo ein Gefühl da sein, gegen das wir mit der Vermutung oder Frage stoßen. Und so wird es sichtbar(er).
Woher kennen Sie diesen Effekt bei sich selbst oder bei anderen?
Wie äußert sich das?
