Fragen

Ich mag Fragen.

Hier könnte der Blogbeitrag schon zuende sein, aber da er mindestens eine Frage enthalten soll, schreibe ich noch etwas weiter. Wie sehr ich Fragen mag, merke ich ständig in Gesprächen – je interessanter die Person ist, die mir gegenüber steht oder sitzt, desto mehr Fragen möchte ich stellen, und häufig ist es dann auch umgekehrt so, dass ich selbst viele gute Fragen gestellt bekomme. Dabei meine ich mit „gut“, dass es ungewöhnliche Fragen sind, dass ich nachdenken muss oder möchte, dass ich keine Standardantwort gebe. Wie sehr ich das genieße, fällt mir vor allem dann auf, wenn ich mal wieder endlos lange in einem langweiligen Gespräch sitze. (Ooooh, jetzt möchte ich einen Blogbeitrag schreiben nach dem Motto „So ist man ein*e möglichst langweilige*r Gesprächspartner*in. Da fällt mir sofort sehr viel ein, kommt auf die Liste.)

Ganz toll sind die Fragemomente mit meinen Studis. In jeder Vorlesung, in jedem Workshop staune ich über tolle Fragen und lerne daraus. Eine Frage kann auf einen subtilen eigenen Denkfehler hinweisen, sie kann mir klarmachen, dass ich etwas nicht gut erklärt habe, sie kann im Stoff weiterführen oder zurückverweisen, sie kann eine Brücke schlagen. Ich freue mich, wenn Studis eine Frage stellen, die auch noch zehn andere hatten (wie ich dann in den Gesichtern sehe), die sich aber alle nicht getraut haben. Manchmal wird dann gelacht, wenn ich mich ganz begeistert für die tolle Frage bedanke, als ob ich das scherzhaft gemeint hätte. Vielleicht werde ich auch ausgelacht wegen meiner Begeisterung, aber die ist echt!! Und sowas wie „Danke für diese Frage!“ oder auch „Danke, dass Sie ausgerechnet diesen Fehler gemacht haben, denn der passiert ganz oft und jetzt können wir darüber reden!“ ist immer ernst gemeint. Wenn man mich ein bisschen kennt, weiß man das auch, denn 1. bin ich fast nie erfolgreich absichtlich lustig und 2. finde ich Fragen wirklich, wirklich großartig.

Fragen helfen beim Lernen, quasi als konstantes Hintergrundrauschen. Warum ist das so? Woher kommt diese Idee? Was lerne ich aus diesem Beispiel? Kann ich das Beispiel selbst abwandeln oder mir eins ausdenken, das so ähnlich ist? Wofür brauche ich diese oder jene Voraussetzung? Warum fällt mir dieses Thema leicht und ein anderes schwer? Wie kann ich das anders/besser erklären? In letzter Zeit sind mir ein paar verblüffende Beispiele begegnet dafür, wie Fragen dazu beitragen können, ein Problem anders zu sehen oder auf neue Ideen zu kommen. Hier sind ein paar, viel Spaß beim Herumspielen!

Kann ich das Problem umformulieren, indem ich es allgemeiner fasse? Oder spezieller? Ändert sich das Problem, wenn ich die Perspektive wechsle und es aus der Sicht einer anderen Person betrachte? Wie würde ich meinem*r Partner*in, den Eltern, Kindern,… das Problem erklären? Kann ich in einem Satz zusammenfassen, was das Problem ist? Geht es noch kürzer? Was kann ich alles weglassen? Wie sieht das entgegengesetzte Problem aus? Wie würde ich das lösen? Kann ich ein viel schwierigeres Problem formulieren und lösen? (Witzig, aber manchmal geht das.) Wo treten ähnliche Probleme auf und wie werden die da gelöst? Wenn ich an der Situation nur eine Sache ändern könnte, was würde ich wählen und ändern, und wie? Wie würde die unglaublich tolle, komplett unrealistische Ideallösung aussehen?

Ok, die Idee ist jetzt bestimmt deutlich geworden. Viel Spaß beim Fragen!

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