Zuhören

Wenn wir wirklich zuhören, gehen wir ein Risiko ein. Wir riskieren, dass uns etwas berührt und verändert. Dass wir zum Nachdenken gebracht werden, neue Argumente hören, unseren Standpunkt in Frage stellen. Desillusioniert werden.

Wann hören Sie wie zu? Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie in einem Gespräch nicht wirklich zuhören, sondern auf eine Pause warten, damit Sie wieder etwas sagen können? Wann passiert das und warum? Und was muss passieren, damit Sie wirklich zuhören, voll und ganz dabei sind? Wann hat das, was Sie hören, die Möglichkeit, wirklich in Ihr Inneres vorzudringen und dort zu wirken? Wann ist es zum letzten Mal passiert, dass Sie etwas gehört haben (im Gespräch oder in einem Podcast, in einer Filmszene, wo auch immer) und dass Sie dachten „Wow.“? Ich mag dieses Gefühl. Ähnlich wie beim Lesen – es ist einfach die Kraft der Worte! Klar hat es manchmal auch etwas mit der Stimme zu tun, damit, wie genau gesprochen wird. Aber am Ende sind es hauptsächlich die Wörter, die ausgewählt und in einer besonderen Reihefolge ausgesprochen werden und die dann bei mir etwas auslösen.

Das ist nicht immer angenehm. Manchmal tut es regelrecht weh, wenn jemand etwas ausspricht, was sich umittelbar richtig und wahr anfühlt und was man selbst aber so nicht in Worte hätte fassen können. Oder ich denke während eines Meinungsaustauschs plötzlich „Autsch! Das stimmt leider und passt nicht so richtig in mein Weltbild.“

Was wir in einem solchen Moment machen, entscheidet, ob wir wachsen oder ob wir dort verharren, wo wir sind. Was ändert sich, wenn wir wirklich zuhören und zulassen, dass das, was wir hören, etwas in uns verändert? Wie reagieren wir auf Menschen, wenn wir ihnen wirklich zuhören und sie nicht nur als „Aufnahmeobjekt“ für unseren eigenen Redeschwall begreifen? Wie viel besser könnten wir einander kennenlernen und verstehen? Wie viel mehr könnten wir voneinander lernen?

(Ja, ich habe es gemerkt und schalte beim Idealismus wieder ein paar Gänge runter. Entschuldigung.)

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