Showing up

Kann man das in der deutschen Sprache überhaupt griffig ausdrücken?
„Showing up“ heißt für mich, dass man sich selbst in der gegenwärtigen Verfassung akzeptiert und dann das Beste daraus macht. Dass man sich mit seinen Bedürfnissen ernst nimmt und nicht nach Entschuldigungen sucht.

Ganz persönlich empfinde ich „showing up“ als das nicht verhandelbare Minimum. „Nicht verhandelbar“ ist vielleicht auch nicht für alle Menschen gleich, also klären wir das noch: Wenn ich gerade einen lieben Menschen verloren habe und akut trauere, oder mir gerade das Herz gebrochen wurde, oder ich schwer krank bin (Krankenhaus oder absolute Bettruhe), dann gibt es Verhandlungsspielraum. Natürlich mache ich mein Sportprogramm nicht, wenn ich hohes Fieber und Kopfschmerzen habe. „Showing up“ heißt dann vielleicht nur, dass ich überhaupt wahrnehme, wie es mir geht und was ich brauche. Und dass ich dann dem inneren Dialog zuhöre, ganz in Ruhe, und mir tatsächlich das zugestehe, was nötig ist. Die Auszeit zum Auskurieren, Trauern, Zeit mit lieben Menschen zum Trösten, was auch immer. Das ist auch „showing up“, und zwar für mich selbst und meine Bedürfnisse. Und das empfinde ich tatsächlich als nicht verhandelbar.

Und an manchen Tagen ist es eben auch nur das. Manchmal ist es schon anstrengend genug, überhaupt präsent zu sein und den Alltag hinzukriegen. „Showing up“ heißt dann, wahrzunehmen, was ist, und nachzufühlen, was geht. Wenn ich richtig schlecht geschlafen habe und völlig kaputt bin, dann kümmere ich mich trotzdem um meinen Körper. Genug trinken, eine Kleinigkeit essen. Da gibt es kein „Oh, ich will aber nur noch ins Bett und mir die Decke über den Kopf ziehen.“ Nein. Es ist zu einfach, Entschuldigungen zu finden, warum man gute Rituale schleifen lässt und sich nicht um sich selbst kümmert. Ich gehe auf die Matte, und vielleicht reicht es dann nur für ein paar Minuten Meditation, oder 10 Minuten Yoga, oder 10 Liegestütze. Völlig egal, „showing up“ ist nicht verhandelbar. Es ist diese kleine, aber wichtige Entscheidung, innerlich zu sagen „Hier bin ich, und ich mach das jetzt.“ Nicht jeden Tag gleich, aber jeden Tag mit der gleichen, klaren Entscheidung, da zu sein.

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