Awkward, brave and kind

Ich habe Brené Brown durch ihre Bücher kennengelernt und höre auch manchmal ihren Podcast. Am Ende einiger Episoden ermutigt sie uns, „awkward, brave and kind“ zu sein, und das spricht mich total an.

Beginnen wir also mit Assoziationen: Woran denken Sie bei diesen Wörtern? Oder bei deutschen Wörtern mit ähnlicher Bedeutung, etwa „merkwürdig, mutig und freundlich“?

Wörter wie „awkward“ oder „weird“ mag ich schon immer gern, und sie haben in der deutschen Sprache keine wirkliche Entsprechung. Es ist eben nicht nur „seltsam“, „eigenartig“ oder „merkwürdig“, sondern da schwingt nach meinem Gefühl eine Unsicherheit oder Unbeholfenheit im Sozialverhalten mit. Das kann befremdlich sein, aber auch sympathisch, und wenn wir einen Moment Luft lassen zwischen Beobachtung und Bewertung, dann ist seltsames Sozialverhalten, bei uns oder bei anderen, eine Einladung, in Frage zu stellen, was wir eigentlich als „normales Sozialverhalten“ ansehen. Das ist nämlich oft ziemlich seltsam. Bei einigen gesellschaftlichen Gepflogenheiten im Umgang miteinander finde ich die Frage berechtig, warum wir eigentlich das eine als normal und angemessen auffassen und das andere als „awkward“. Ich möchte Sie einladen, sich selbst und Ihr Umfeld aufmerksam zu beobachten und „seltsames“ Verhalten wahrzunehmen. Lassen Sie einen Moment Luft, machen Sie bewusst eine Pause zwischen Beobachtung und Bewertung, denn dann können Sie unbefangener nachdenken und vielleicht eigene Vorurteile aufdecken und überdenken.

„Brave“ ist viel einfacher, dazu fallen mir „mutig“ oder „tapfer“ ein. Was für Assoziationen haben Sie dazu? Wo fühlen Sie sich mutig, wo nicht? Woran liegt das? Wo oder wann wären Sie gern mutiger? Wo ist nach Ihrer Wahrnehmung der Unterschied zwischen „mutig“ und „tapfer“? Wo liegt die Abgrenzung zum Leichtsinn oder Übermut, zum fahrlässigen Umgang mit der eigenen Gesundheit oder auch den Mitmenschen?

„Kind“ ist auch so ein Wort, bei dem die Übersetzung nach meinem Gefühl nicht alles einfängt. „Freundlich“ ist zwar schön, aber bei „kind“ schwingt für mich eine gewisse Ruhe und Sanftheit mit, Offenheit, Geduld, Mitgefühl. Freundlich zu sich selbst zu sein ist gut, fängt für mich aber zu wenig ein, dass es um Akzeptanz geht, um Geduld. Wieder geht es um die Pause zwischen Beobachtung und Beurteilung und die Frage: Was passiert in dieser Pause? Kann ich das, was ich an mir oder anderen beobachte, mit einer gewissen Ruhe, Freundlichkeit und Sanftheit stehenlassen und eine winzige Pause machen, bevor ich beurteile oder reagiere? Ich übe das momentan und finde es in vielen Situationen sehr schwierig, diese Pausen zu machen und eben nicht immer gleich einzuordnen, zu analysieren, zu antworten, nachzufragen, zu beurteilen, zu mutmaßen,…. Was haben Sie dazu für Assoziationen? Sind sie tendenziell freundlich zu sich selbst und zu anderen? Fällt es Ihnen schwer, zu sich selbst freundlich, offen und nachsichtig zu sein? Gibt es einen Raum zwischen der Wahrnehmung, wie es Ihnen geht, und einer Beurteilung oder Reaktion?

Die Kombination der Wörter spricht mich wahrscheinlich deshalb so an, weil die Eigenschaften im Zusammenspiel so spannend sind und, nach meinem Empfinden, sich gegenseitig noch aufwerten. Ich fühle mich oft in sozialen Situationen unsicher und unbeholfen und habe geübt, das zu verstecken und mir gewisse Verhaltensmuster anzutrainieren. Warum eigentlich? Inzwischen versuche ich, zu spüren, wann ich aus Respekt vor dem Rahmen, meiner Rolle und anderen Personen sozialen Erwartungen genügen möchte und wo es vielleicht absolut ok ist, ein bisschen anzuecken und Menschen zu irritieren. Die eigene Unbeholfenheit zu zeigen, erfordert etwas Mut und gleichzeitig Freundlichkeit und Geduld mit mir selbst und anderen, weil ich dann eben auch mit dem Echo leben muss. Wenn ich mir wünsche, dass ich mit meinem sozial unbeholfenen Verhalten akzeptiert werde, möchte ich die Irritation der anderen aushalten und freundlich darauf reagieren. Oft sehe ich Erleichterung in den Gesichtern anderer, denen es ähnlich geht und die dann merken, dass sie nicht allein sind. Lasst uns gemeinsam seltsam sein!

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