Schrittweite

Geburtstage. Vielleicht nur besondere – der 18., der 30.?
Einschulung, Schulabschluss, der erste Job, die erste eigene Wohnung.
Manche Menschen denken in Zielen, in Meilensteinen, in Stationen.
Kommt Ihnen das bekannt vor?

„Ich möchte … erreicht haben, bevor ich 30 bin.“
„Ich möchte mit 35 verheiratet sein und zwei Kinder haben.“
„Ich möchte eine Weltreise machen, bevor ich 40 Jahre alt bin.“
„Wenn ich im Ruhestand bin, dann möchte ich noch … machen.“

Oder denken Sie eher von Tag zu Tag, oder bis zum nächsten Wochenende?
Haben Sie in der Schulzeit immer die nächsten Ferien herbeigesehnt?
Oder als Kind den nächsten Geburtstag, das nächste Weihnachtsfest, oder ein anderes wichtiges Familienfest?
Machen Sie gute Vorsätze zum neuen Jahr?
Denken Sie manchmal, dass nächste Woche oder nächstes Jahr oder im nächsten Job alles anders und besser wird?

Das Thema beschäftigt mich immer mal wieder, oft aus der Perspektive „Ziele vs. Prozess“, oder aus der Perspektive von „Planen vs. auf-sich-zukommen-lassen“, wozu ich vor einer Weile auch mal geschrieben habe. Jetzt geht es gerade eher darum, dass ich das Denken in Schritten, Zielen, oder auch Meilensteinen kritisch hinterfragen möchte aus zwei Gründen:

  1. Besteht die Gefahr, dass „höher, schneller, weiter“ mit Glück oder Zufriedenheit verwechselt wird?
  2. Besteht die Gefahr, dasss Erfahrungen oder Wünsche verschoben werden auf später, obwohl gar nicht klar ist, dass es dieses „später“ dann in der Form auch gibt?

Ich möchte gar nicht so dramatisch werden und die Endlichkeit des eigenen Lebens hier ins Spiel bringen. Es reicht doch schon, wenn man krank wird, einen Unfall hat, jemanden pflegen muss oder möchte, oder eine wichtige Person verliert, die im eigenen Lebensentwurf präsent ist. Sofort ist dieses „später“ nicht mehr gegeben, oder jedenfalls nicht mehr so, wie man es sich ausgemalt hat. Und die Definition von Zielen in dem Glauben, dass man glücklich oder zufrieden ist, wenn man sie erreicht hat, oder dass man dann gesünder lebt, mehr Sport treibt, sich mehr Zeit für den Freudeskreis und die Familie nimmt – was auch immer… Häufig ist das ein Trugschluss, und nach dem Ziel ist vor dem Ziel. Das ist ein Argument für Prozesse, für Gewohnheiten, für dauerhaftes Einbinden in das eigene Leben von allem, was jetzt wichtig ist. Nicht irgendwann. Aber vielleicht stehen Sie ja sowieso auf der anderen Seite und nehmen jeden Tag, oder viele Tage, so, als ob Sie nicht mehr so viele davon haben. Nichts auf später zu verschieben, ist nicht wirklich praktikabel, aber ich möchte ja auch eher eine Ermutigung aussprechen, nicht alles auf später zu verschieben und vom Erreichen gewisser Ziele oder Meilensteine abhängig zu machen.

Wenn Sie Ziele, Stationen oder Meilensteine als Orientierung hilfreich und motivierend finden, dann möchte ich die Frage nach der Schrittweite stellen. Wie weit liegen diese Stationen auseinander? Wie oft halten Sie inne und gucken mal nach, was sich verändert hat und ob Sie überhaupt noch in die Richtung laufen, die Sie sich mal vorgestellt haben? Besteigen Sie vielleicht einen Gipfel nach dem anderen und merken gar nicht, dass das gar nicht die Bergkette war, die Sie mal ins Auge gefasst hatten? Wie können Sie das überprüfen, was gibt Ihnen Orientierung? Welche Schrittweite passt zu Ihnen?

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