Kleine Schritte

Oder auch: Die Macht der Gewohnheit, reloaded.
Oder auch: Was wir jeden Tag tun, sagt mehr über uns aus als das, was wir nur ab und zu tun.
Oder auch: Welchem Ziel bringt mich das, was ich jeden Tag mache, näher? Und wovon entferne ich mich?
Oder auch: Wir überschätzen, was wir an einem einzigen Tag tun können, und unterschätzen das, was wir durch Konsistenz in einem Jahr erreichen können.
Wenn ich zum Beispiel jeden Tag eine Seite schreibe, ist am Ende des Jahres genug Material für ein Buch da. Wenn ich jeden Tag ein Lemma beweise, so wie es mein mathematischer Großvater angeblich empfohlen hat, dann habe ich nach einem Jahr über 360 kleine Resultate bewiesen. So viel Erkenntnisgewinn durch kleine, konsistente Schritte! Wenn ich jeden Tag Liegestütze mache, werde ich von Tag zu Tag stärker. Wenn ich jeden Tag Yoga mache und meditiere, werde ich ausgeglichener und fühle mich insgesamt in meinem Körper wohler, schlafe besser etc. Viele kleine Schritte jeden Tag sorgen also auf lange Sicht z.B. für mehr Wohlbefinden, mehr Fitness und bessere Schlafgewohnheiten.

Kleine Schritte haben auch etwas mit Motivation zu tun. Meistens habe ich keine Motivationsprobleme – zum Glück. Aber wenn doch, dann liegt es zum Beispiel daran, dass die Aufgabe, die vor mir liegt, unübersichtlich, nicht klar umrissen oder irgendwie nervig ist. Dann hilft die Strategie der kleinen Schritte sehr gut.

Unübersichtlich?
Warum denn genau? Sind so viele verschiedene Dinge zu tun? Kann ich die alle aufschreiben, oder wenigstens die, die zuerst dran sind? Dann wird es konkreter, und es werden kleine Schritte sichtbar.

Nicht klar umrissen?
Was ist denn das Problem? Hab ich das selbst nicht klar genug umrissen? Das könnte ich nachholen. Fehlen mir Informationen? Wen könnte ich fragen? Sobald die Aufgabe klarer umrissen ist, kann ich wieder die ersten kleinen Schritte aufschreiben und loslegen.

Nervig?
Da hat es am längsten gedauert, bis ich eine gute Strategie gefunden habe. Zuerst überlege ich genau, was mich eigentlich nervt. Je besser das geklärt ist, desto einfacher sind die folgenden Schritte. Wenn so ziemlich alles nervig ist, dann teile ich das irgendwie auf und erledige jeden Tag ein bisschen, bis alles fertig ist. Manche Leute kommen mit der „Augen zu und durch“-Methode besser klar, wo sie sich einmal hinsetzen und es einfach hinter sich bringen. Das hat den Nachteil, dass man vorher schon weiß, dass man eine Weile mit einer nervigen Aufgabe beschäftigt ist und es daher eher vor sich herschiebt. Der Vorteil ist aber, dass man es dann mit einer Aktion hinter sich hat. Ich fahre mit der Methode der kleinen Schritte besser, freue mich jeden Tag über den kleinen Fortschritt und bleibe daher motiviert. Wenn nur einzelne Aspekte der Aufgabe nervig sind, dann analysiere ich die möglichst gut, erledige sie zuerst, falls das geht, und kümmere mich dann um den Rest.

Grundsätzlich hilft mir die Perspektive, dass der zu erledigende Teil immer kleiner wird, Tag für Tag, wenn ich nur konsistent ein wenig daran arbeite. Gleichzeitig ist so ein kleiner Aufgabenschnipsel, den man sich vornimmt (und z.B. auf eine To-Do-Liste schreibt) handhabbarer, das wenn man die ganze große Aufgabe aufschreibt und sie dann doch wieder nicht erledigt, so dass sie einen am nächsten Tag von der nächsten To-Do-Liste anschaut.
(Und kennen Sie das, dass die Aufgaben einen irgendwann vorwurfsvoll angucken?)

Vor einer Weile hatte ich mal einen besonderen Fall, aus dem ich viel gelernt habe. Ich spürte plötzlich eine Blockade dabei, an einem Projekt weiter zu arbeiten. Da ich normalerweise sehr motiviert bin und nicht zum Aufschieben neige, war das eine seltsame Erfahrung. Irgendwie wollte ich da nicht weitermachen. Nach den üblichen Schritten (Ist die nächste Aufgabe klar genug? Brauche ich noch Infos?) blieb nichts offen, und die Blockade war trotzdem noch da. Also musste da etwas los sein, was mir vorher noch nicht passiert war. Tatsächlich stellte sich heraus, dass ein Teil des Projekts emotional aufgeladen war. Mit der Zeit wurde mir klar, was da genau los war, und als ich das innerlich aufgeklärt hatte, konnte ich auch weiter arbeiten. Es ging zuerst etwas langsamer und ich musste mit verschiedenen Stratgien herumprobieren, aber irgendwann lief es wieder.
Seitdem bin ich dafür sensibilisiert, und wenn ich bei mir oder bei anderen so eine Blockade bemerke, dann frage ich eben auch mal nach, ob es sein kann, dass da eine Arbeitsaufgabe aus irgend einem Grund emotional belastet ist.

Wo in Ihrem Leben spielen kleine Schritte eine Rolle? Was für kleine Gewohnheiten haben Sie – gute und schlechte? Auf welchen Weg bringen Sie ihre guten Gewohnheiten, wenn Sie da jeden Tag einen weiteren kleinen Schritt gehen? Wie sieht es mit den schlechten Angewohnheiten aus? Was für Ziele verfolgen Sie und wie können Sie sich denen mit kleinen Schritten nähern? Welchen kleinen Schritt können Sie heute tun, um Ihren Zielen näher zu kommen?

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