Diese Woche habe ich nach langer Zeit mal wieder an einer Senatssitzung teilgenommen. Nur am öffentlichen Teil, denn ich bin kein Senatsmitglied. Aber bald wird sich das ändern, denn ich wurde in den neuen Senat gewählt, und das ist auch der Grund, warum ich bei der Sitzung war: Ich wollte sehen, wie der aktuelle Senat arbeitet, wie diskutiert wird, was für Themen vielleicht in die nächste Wahlperiode mitgenommen werden.
Was mich dabei beeindruckt hat, war die Arbeitsatmosphäre. Da saßen sehr viele Menschen über mehrere Stunden, mit nur einer kleinen Kaffeepause (während ich da war), und haben intensiv miteinander gesprochen. Nicht alle waren immer gleichermaßen beteiligt, und manche hatten nicht nur ihre Sitzungsunterlagen auf dem Laptop dabei, sondern haben auch mal zwischendurch in die E-Mails oder auf ihr Handy geguckt. Aber insgesamt war da große Konzentration. Die Beiträge waren meistens fokussiert und gut vorbereitet, alle ließen einander aussprechen, trotzdem war Raum für Spontaneität da und, bei aller Ernsthaftigkeit, auch für Humor. Die Rückfragen waren gut, und ab und zu waren Dinge schnell klar und wurden dementsprechend schnell zur Abstimmugn gebracht. Nur selten ging es zu sehr ins Detail, nur selten hatte ich das Gefühl, dass jemand nicht gut zugehört hat oder es wirklich Missverständnisse gab. Meinungsverschiedenheiten waren durchaus da, und die waren auch gut sichtbar. Das hat mir gefallen – verschiedene Meinungen und meistens gute Argumente, so dass ich als Zuhörerin auch immer wieder nachdenklich wurde und dachte: Wo stehe ich hier? Wie würde ich abstimmen? Es war schön, zu hören, wie wichtig die verschiedenen Erfahrungen sind und die Perspektiven aus den Fächern.
Ähnlich geht es mir auch jedes Mal, wenn ich bei der Studienstiftung auf der Vertrauensdozent:innentagung bin und wir dort über die Fälle sprechen, bei denen die Weiterförderung auf der Kippe steht. Auch da sitzen viele Menschen lange zusammen und diskutieren extrem konzentriert, durchaus mit verschiedenen Meinungen und Perspektiven. In beiden Fällen geht es um Arbeit, die nicht extra bezahlt wird. Im Senat handelt es sich um eine Tätigkeit im Rahmen der Selbstverwaltung, und bei der Studienstiftung machen wir das ehrenamtlich. Natürlich arbeiten drumherum Leute hauptamtlich, bereiten alles vor und liefern damit wesentliche Beiträge dazu, dass die Arbeit in den Sitzungen überhaupt so funktioniert.
Ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit und habe überlegt, wo überall das noch passiert und ob ich, bei aller Wertschätzung, das manchmal nicht genug auf dem Schirm habe. Zum Beispiel in der Kommunalpolitik oder in gemeinnützigen Vereinen.
Wo erleben Sie diese Art von konzentrierter Arbeit im Ehrenamt oder zumindest nicht als Hauptteil der bezahlten Arbeit?
Beteiligen Sie sich selbst?
Wenn ja, warum und in welcher Weise? Was motiviert Sie?
Wenn nicht, warum nicht?
