Kapazität(en)

Woran denken Sie zuerst?
Unterbuchte Studiengänge?
Kapazitätsgespräche?
Die Aufnahmekapazität von Hotels, Rettungsbooten oder saugfähigem Material?
Oder Sätze wie „Dafür hab ich jetzt keine Kapazität.“?

Mir ist das Thema zuletzt mehrfach begegnet:
Zuerst in der Wahrnehmung meiner eigenen Fähigkeit, mit Veränderungen zurechtzukommen, mit Unsicherheit, mit Stress und neuen Aufgaben, und dann in der Wahrnehmung der gleichen Fähigkeiten bei anderen Menschen und in einem wirklich guten Newsletter dazu. Nach einigen Gesprächen habe ich dann gedacht, dass ich das interessant finde und dass ich den verschiedenen Arten von Kapazität nachspüren möchte.

Ein mögliches Verständnis ist, Kapazität als Synonym für Ressourcen zu verwenden. Zeit, Energie, Aufmerksamkeit, sowas. Dabei finde ich Beziehungsaspekte interessant und wo wir Prioritäten setzen. Zunächst bei uns selbst:
Wann habe ich Kapazitäten, mich um mich selbst zu kümmern?
Wie kann ich sicherstellen, dass die zumindest grundlegend da sind auch dann, wenn es mir nicht gut geht oder ich zum Beispiel sehr gestresst bin?
Wie sieht es mit anderen Menschen aus?
Habe ich Kapazitäten für gute Kommunikation, Empathie, Toleranz, Rücksichtnahme, und auch für die Fähigkeit, Grenzen zu ziehen?
Für mich wäre es ein Warnsignal, wenn ich bei viel Stress nicht mehr in der Lage wäre, mich um mich selbst zu kümmern. Im Sinne von Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken, Schlafen, auf Schmerzen achten. Genau so wäre es problematisch, wenn ich bei viel Stress nicht mehr gut auf andere Menschen eingehen könnte, wenn ich gereizt, launisch oder unfair wäre.

Ich fände es auch problematisch für eine Beziehung, z. B. in einer Freundschaft, wenn die andere Person nur dann Zeit für mich hat und sich für mich und mein Leben interessiert, wenn bei der Person selbst alles ruhig ist, die Person aber gleichzeitig immer für sich in Anspruch nehmen würde, meine Zeit und Aufmerksamkeit zu bekommen. Das passiert vielleicht sogar unbewusst oder zumindest ohne böse Absicht.
Was passiert, wenn mich das stört, wir darüber sprechen und nach Lösungen dafür suchen?
Ist die andere Person in der Lage, das zu sehen?
Gibt es den Willen und die Fähigkeit, etwas zu verändern?
Falls nicht – kann ich damit leben?

Und wie ist es umgekehrt?
Welche Menschen sind mir so wichtig, dass ich immer Kapazitäten habe und für sie da bin, egal, wie es mir geht und wie viel Stress ich habe?

Eine andere Facette davon, die ich manchmal bemerke, ist die der Aufnahmekapazität. Vielleicht geht es um Konzentration, etwa beim Zuhören in einer Sitzung oder bei einem Film oder Theaterstück. Schaffen wir es, fokussiert zu bleiben? Oder wie ist es mit der Aufmerksamkeit für Menschen, für Unterhaltungen, für deren Energie und Bedürfnisse? Bei Eltern bin ich oft fasziniert, wie scheinbar unermüdlich sie Aufnahmekapazitäten für die Bedürfnisse ihrer Kinder haben. Manche Menschen können unglaublich lange mit anderen interagieren und dabei ganz präsent und aufmerksam bleiben. Je nach Typ ziehen sie sogar Energie daraus. Sie baden in der Menge oder genießen intensive Zeit mit wenigen Menschen über viele Stunden oder sogar Tage. Da sind meine Kapazitäten sehr begrenzt, jedenfalls mit den meisten Menschen. Vielleicht macht es in dem Moment sogar richtig viel Spaß, zum Beispiel an einem langen Workshop-Tag mit Studis oder bei einer intensiven Fortbildung. Aber danach bin ich tagelang erschöpft. Als hätte ich die Reserve-Energie angezapft, um Kapazitäten zu haben, und danach muss erst mal alles langsam wieder aufgefüllt werden.

Beim Schreiben merke ich, dass es da Überschneidungen gibt, jedenfalls in meiner Wahrnehmung.
Wie ist das bei Ihnen?
Und haben Sie noch andere Assoziationen zu Kapazität?
Vielleicht Fähigkeiten?
Wie sieht es mit den Verbindungen zu finanziellen Ressourcen aus, oder zu Privilegien?

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